Qual der Wahl: Die 6 Fachrichtungen & Schwerpunkte beim Staatlich geprüften Betriebswirt im direkten Vergleich

Von Sabine Hutter, Redakteurin
· Letzte Aktualisierung 22.04.2020
  • Die Aufstiegsfortbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt gliedert sich an Fachschulen und an Fernschulen in ein Grundstudium und in ein Schwerpunktstudium.
  • Im Grundstudium der Ausbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt werden betriebswirtschaftliche Grundlagen vermittelt.
  • Im Schwerpunktstudium wählen die angehenden Betriebswirte eine Fachrichtung nach ihren Interessen. An deutschen Fernschulen stehen 6 Fachrichtungen zur Auswahl: Absatzwirtschaft/Marketing, Finanzwirtschaft, Logistik, Personalwirtschaft, Wirtschaftsinformatik sowie Touristik/Fremdenverkehr.
  • An Fachschulen werden je nach Bundesland weitere Schwerpunkte angeboten, beispielsweise Controlling.

Schwerpunkt Absatzwirtschaft/Marketing

Der Themenschwerpunkt Absatzwirtschaft dreht sich rund um die Bereiche Marketing, Werbung und Vertrieb. Die Teilnehmer frischen in diesem Themenkomplex ihr Marketinggrundwissen auf und erwerben weiterführende Kompetenzen, um Strategien zur Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen zu erwerben.

Sie beschäftigen sich im Schwerpunktstudium unter anderem mit diesen Inhalten:

  • Marktforschung
  • Kommunikations-, Produkt-, Preis- und Distributionspolitik
  • Marketingmanagement
  • Internationales Marketing
  • Managementkonzepte im Marketing
  • Strategisches und operatives Marketing
  • Dienstleistungsmarketing
  • Customer Relationship Management
  • Marketing-Controlling

Geeignet für: Der Studienschwerpunkt Absatzwirtschaft und Marketing empfiehlt sich für all jene Teilnehmer, die beispielsweise im Vertrieb, im Marketing, in der Werbung, in der Öffentlichkeitsarbeit oder auch im E-Commerce und Online-Marketing arbeiten wollen.

Schwerpunkt Finanzwirtschaft

Angehende Finanzstrategen entscheiden sich für den Schwerpunkt Finanzwirtschaft. Sie beschäftigen sich mit Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Finanzanalysen und übernehmen die finanzielle Steuerung für ihren Arbeitgeber. Ihr Handwerkzeug ist die Analyse der Finanzen, von Bilanzen und der Gewinn- und Verlustrechnung.

Zu den typischen Inhalten im Bereich der Finanzwirtschaft gehören zum Beispiel:

  • Fremd-/Eigenfinanzierung
  • Innen-/Außenfinanzierung
  • Beteiligungs- und Kreditfinanzierung
  • Investitions- und Abschreibungsrechnung
  • Finanzierungen aus Rückstellungen, Abschreibungsgegenwerten und durch Vermögensumschichtungen
  • Finanz-, Bilanz- und G+V-Analyse
  • Kapitalbedarfsplanung
  • Sanierung und Insolvenz
  • Kapitalflussrechnungen
  • Kassenhaltungsmodelle
  • Kapitalstruktur

Geeignet für: Diesen Schwerpunkt wählen Sie, wenn Sie bereits in der Buchhaltung, im Einkauf, im Lager, im Finanz- und Rechnungswesen, im Verkauf oder in der Produktion tätig sind und einen Aufstieg ins Management anstreben.

Schwerpunkt Logistik

Logistik: Branche mit Zukunft. Als Logistik-Betriebswirt arbeiten Sie beispielsweise als Geschäftsführer einer Spedition

In der Logistik geht es heute nicht mehr nur darum, Ware von A nach B zu transportieren. Um den hohen Anforderungen an die Logistik gerecht zu werden, sei es durch die Herausforderungen des E-Commerce oder die internationale Verzahnung der Märkte durch Im- und Exporte, sind vielschichtige Prozesse notwendig geworden. Um diese zu managen ist ein breitangelegtes Wissen in verschiedensten Bereichen erforderlich, da sie mit zahlreichen Unternehmensfunktionen verknüpft ist, zum Beispiel mit dem Einkauf, der Produktion und dem Vertrieb.

Die Fortbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Logistik umfasst unter anderem folgende Inhalte:

  • Logistikmanagement
  • rechtliche Rahmenbedingungen
  • Gestaltung von Transportketten
  • Internationales Logistikmanagement
  • Logistikbereiche und -systeme
  • Entsorgungslogistik
  • Planung und Betrieb in der Logistik
  • Logistik und Qualitätsmanagement
  • Logistikmarketing
  • Informationssysteme und Telematik
  • Logistikcontrolling
  • Transportmanagement
  • Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik
  • Entsorgungslogistik
  • Umweltmanagement und Recycling
  • Beständemanagement

Geeignet für: Der Schwerpunkt Logistik ist die richtige Wahl für alle, die als Betriebswirt Verantwortung in der Logistik- und Transportbranche übernehmen wollen. Das kann den innerbetrieblichen Transport, die Logistik eines Industrieunternehmens, Verkehrsbetriebe oder auch die Abläufe in Speditionen und im Transportwesen allgemein betreffen.

Schwerpunkt Personalwirtschaft

Im Personalwesen kommt es heute mehr denn je auf eine strategische Vorgehensweise an, sei es bei einem möglichst effizienten Personaleinsatz, bei der Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitern oder auch bei der gezielten Weiterentwicklung und Ausschöpfung des Potenzials der Belegschaft. Der Bereich Human Resources gehört heute zu den strategischen Schlüsselbereichen in jedem größeren Unternehmen.

Um sich für Managementaufgaben in diesem Gebiet zu qualifizieren, beschäftigten sich die Teilnehmer einer Fortbdilung zum Staatlich geprüften Betriebswirt unter anderem mit diesen Inhalten:

  • Personalplanung und -beschaffung
  • Personalorganisation und -einsatz
  • Personalverwaltung
  • Personalentlohnung und monetäres Anreizsystem
  • Personalführung
  • Arbeitsrecht
  • Personalausbildung
  • Personalentwicklung
  • Konjunktur- und Beschäftigungspolitik
  • Personalmarketing
  • Personalbedarfs- und -entwicklungsplanung
  • Personalcontrolling
  • Mitarbeiterbeurteilung und -förderung
  • Qualifizierungs- und Förderprogramme
  • Qualitätsmanagement im Personalbereich
  • Arbeits- und Lernorganisation
  • Führungsmodelle und Führungsinstrumente

Geeignet für: Der Schwerpunkt Personalwirtschaft eignet sich für alle Angestellten, die bereits im Personalbereich tätig sind und sich für eine Führungsposition qualifizieren wollen. Andererseits ist er die ideale Basis für einen Quereinstieg in den Bereich Human Resources.

Schwerpunkt Touristik und Fremdenverkehr

Der Tourismus gehört zu den weltweit am stärksten wachsenden Märkten. Die Branche unterliegt mehr denn je einem stetigen Wandel, neue Trends und Entwicklungen erfordern eine schnelle Reaktion seitens des touristischen Managements. Entsprechend qualifizierte Führungskräfte werden längst nicht mehr nur durch Quereinsteiger abgedeckt, sondern insbesondere durch im Tourismus erfahrene Betriebswirte mit einer Spezialisierung auf die Bereiche Touristik und Fremdenverkehr. Im Fernlehrgang stehen beispielsweise diese Inhalte auf dem Lehrplan:

  • Grundlagen des Tourismus
  • Tourismusmanagement
  • Tourismusmarketing
  • Destinationsmanagement
  • betriebsspezifisches Management, mit Bezug zu Hotel und Gastronomie, Kur- und Bäderwesen, Freizeit- und Erlebniswelten usw.

Geeignet für: Wer in der Tourismusbranche arbeitet, kann sich mit diesem Schwerpunkt individuell fortbilden. Die Weiterbildung eignet sich deshalb für alle, die bei touristischen Arbeitgebern beschäftigt sind, wie Reisebüros, Hotels, Kur- und Wellnesseinrichtungen, Freizeitparks, Eventmanagement, Kongresse oder Fremdenverkehrsämter.

Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik

Die Informationstechnologie ist aus keinem Unternehmensbereich mehr wegzudenken. Ob Einkauf, Produktion, Verwaltung oder Vertrieb – kaum eine Unternehmensfunktion könnte ohne die EDV so effizient abgewickelt werden, wie es heutzutage notwendig ist. Die IT hat neue Arbeitsprozesse hervorgebracht, die einen gezielten Einsatz der Technik erfordern.

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, gehört die IT mittlerweile zu den wichtigsten strategischen Instrumenten der Geschäftsführung. Manager in diesem Bereich sollten über ein fachübergreifendes Schnittstellenwissen verfügen, durch das sie den Bedarf in den Fachabteilungen verstehen und die Grundlage für die effiziente Arbeit herstellen können.

Im Rahmen der Aufstiegsfortbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt erfahren Sie mehr über die Wirtschaftsinformatik:

  • Informationsmanagement im Unternehmen
  • Datenbanken, Organisation, Architektur und Benutzung
  • Datenbankmodelle und -entwürfe
  • Datenfernübertragung und Rechnernetze
  • Datensicherheit und Datenschutz
  • Software-Engineering
  • Aufwandschätzung und Projektorganisation
  • Objektorientierte Modellierung
  • Anforderungsanalyse und Softwareentwürfe
  • Qualitätssicherung und Testverfahren
  • Softwareeinführung, -abnahme und -wartung
  • Data-Warehouse
  • Optimieren von Tabellen
  • Grundlagen von HTML, PHP, SQL

Geeignet für: Von diesem Schwerpunkt profitieren all jene, die bereits in der IT tätig sind oder einen Quereinstieg planen, beispielsweise als Softwareentwickler, Supportmitarbeiter oder Informatikkaufmann. Als Betriebswirt mit entsprechender Spezialisierung ist sogar der Aufstieg zum IT-Leiter möglich.

Diesen Schwerpunkt habe ich gewählt

Durch meinen Background als Personalerin war für mich damals direkt klar, dass die Fachrichtung Personalwirtschaft für mich die richtige Wahl ist.

Allerdings trat dann recht schnell Ernüchterung ein: Die Inhalte waren zwar interessant und auch aktuell, aber für mich leider nicht mehr als eine kleine Auffrischung. Da war inhaltlich nichts dabei, was ich nicht bereits in der Weiterbildung zur Personalfachkauffrau gelernt oder aus meinem Beruf gekannt hätte.

Ähnlich habe ich das auch bei den anderen Teilnehmern empfunden: Wer die Spezialisierung entsprechend seiner bisherigen beruflichen Tätigkeit gewählt hatte, konnte es sich leichtmachen.

Eine gewisse Herausforderung ist dann lediglich die Facharbeit am Ende der Weiterbildung. Die Facharbeit zeigt, ob man das erworbene Wissen auch anwenden kann.

Deshalb kann man sagen: Wer bereits einen einschlägigen Fachwirt oder Fachkaufmann absolviert hat oder über langjährige Berufserfahrung verfügt, sollte sich von den Inhalten im Schwerpunktfach nicht zu viel versprechen – mehr als eine Auffrischung ist in den meisten Fällen nicht drin.

Für Quereinsteiger oder jene, die in den Bereich bisher nur hineingeschnuppert haben, bildet er aber einen guten Überblick über das wichtigste Know-how. Außerdem bietet er eine gute Auffrischung für Personen, die länger nicht mehr in ihrem Beruf tätig waren.

Auch lesen: Betriebswirt am ILS: Meine Erfahrungen mit Fernstudium

Lehrgänge zum Betriebswirt mit Schwerpunkten im Überblick

Die Aufstiegsfortbildung zum Betriebswirt kann man nicht nur an einer Fachschule absolvieren, sondern auch im Fernstudium von zuhause aus. Ich selbst habe meine Fortbildung in Form eines Fernstudium absolviert. Dadurch konnte ich gleichzeitig meinem Beruf nachgehen.

Derzeit gibt es nur 4 Ferschulen, die die Ausbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt anbieten. An allen 4 Schulen wird auf die staatlichen Prüfungen vorbereitet. Die Prüfungen finden dann an einer Fortbildungsprüfung an einer Fachschule in Niedersachsen statt.

Die folgende Tabelle vergleicht die Kurse miteinander:

LehrgangFernschuleDauerSchwerpunkte
Staatlich geprüfter Betriebswirt Fernakademie für Erwachsenenbildung 36 Monate Absatzwirtschaft, Finanzwirtschaft, Logistik, Personalwirtschaft, Wirtschaftsinformatik, Touristik
Staatlich geprüfter Betriebswirt Studiengemeinschaft Darmstadt 36 Monate Absatzwirtschaft, Finanzwirtschaft, Logistik, Personalwirtschaft, Wirtschaftsinformatik,
Staatlich geprüfter Betriebswirt Institut für Lernsysteme 36 Monate Absatzwirtschaft, Finanzwirtschaft, Logistik, Personalwirtschaft, Wirtschaftsinformatik,
Staatlich geprüfter Betriebswirt Hamburger Akademie für Fernstudien 36 Monate Absatzwirtschaft, Finanzwirtschaft, Logistik, Personalwirtschaft, Wirtschaftsinformatik,

Eine Übersicht über alle Lehrgänge zum Betriebswirt finden Sie hier: Betriebswirt im Fernstudium: Mehr als 20 Kurse im großen Vergleich

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