Soziale Arbeit studieren – und dann? Prof. Daniela Voigt (SRH) über ihren Karriereweg

Welche Karrierewege eröffnet ein Studium der Sozialen Arbeit – und muss der berufliche Weg dabei einem festen Plan folgen?

Prof. Dr. Daniela Voigt ist Professorin für Soziale Arbeit an der SRH Fernhochschule, Autorin zahlreicher Bücher, Keynote-Speakerin, Expertin für toxischen Dynamiken, mentale Gesundheit und Organisationskultur – und bis heute als Sozialarbeiterin tätig.

Im Gespräch mit Christian erzählt sie, wie sie über die praktische Arbeit mit Jugendlichen, weitere Studien in Soziologie und Erziehungswissenschaften sowie ihre Promotion den Weg zur Professur fand – und warum es für eine erfüllende Karriere in der Sozialen Arbeit kein festes Schema gibt.

⏱️ KAPITEL:

00:00 Karrierewege nach dem Studium
00:34 Was Soziale Arbeit für Prof. Voigt bedeutet
01:47 Ihr Weg zur erfolgreichen Autorin
02:47 Vom Studium zur Professur
04:12 Beratung in Zwangskontexten

📚 MEHR ZUM THEMA:

🎧 Das vollständige Gespräch mit Prof. Dr. Daniela Voigt zum Thema „Toxische Jobs“: youtube.com/watch

🎓 Soziale Arbeit (B.A.) an der SRH Fernhochschule im Detail: fernstudi.net/fernstudium/humanwissenschaften/sozialarbeit/…
🎓 Soziale Arbeit (M.A.) an der SRH Fernhochschule im Detail: fernstudi.net/fernstudium/humanwissenschaften/sozialarbeit/…

🏢 Die SRH Fernhochschule und alle Studiengänge im Überblick: fernstudi.net/fernhochschulen/srh-fernhochschule

🌐 Prof. Dr. Daniela Voigt im Hochschulteam der SRH: mobile-university.de/ueber-uns/hochschulteam/voigt-daniela

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Transkript

Christian (Intro): Was wird man eigentlich mit Sozialer Arbeit? Ich habe eine Professorin gefragt, die es geschafft hat. Ihre Antwort: Es gibt kein Schema.

Daniela Voigt ist Professorin an der SRH Fernhochschule und hat fast 20 Bücher geschrieben, darunter sehr, sehr viele Bücher über toxische Menschen, toxische Beziehungen und toxische Unternehmenskultur.

Klingt erst mal nicht nach Sozialer Arbeit. Sie sagt: Es ist genau das, eben nur nicht am Einzelfall, sondern über ihre Reichweite. Wie sie dahin gekommen ist und was sie genau macht, erzählt sie jetzt in diesem Video.

Was Soziale Arbeit für Prof. Voigt bedeutet

Christian: Würden Sie sich eigentlich noch als Sozialarbeiterin bezeichnen?

Prof. Voigt: Ja. Ich bin im Herzen nie etwas anderes gewesen. Wenn ich mir meine Arbeit heute anschaue, ist es tatsächlich noch immer das gleiche Thema: Wie kann ich anderen Menschen die Hand reichen, sodass sie für sich selbst einstehen können?

Das ist ein bisschen witzig. Ich hätte vor 25 Jahren nicht gedacht, dass das einmal solche Ausmaße annimmt. Aber es ist mir wirklich ein tiefes inneres Bedürfnis, mit Menschen so umzugehen, dass sie zumindest versuchen können, ihre Herausforderungen irgendwann selbst wieder in den Griff zu bekommen.

Ich arbeite nach wie vor, wenn auch nur zu einem sehr kleinen Teil, als Sozialarbeiterin, weil ich das einfach einen tollen Beruf finde.

Ihr Weg zur erfolgreichen Autorin

Christian: Daran zeigt sich auch schön, dass Soziale Arbeit oder Sozialarbeit nicht nur das ist, was viele – mich eingeschlossen – zunächst damit verbinden: Streetwork oder Ähnliches. Sie kann auch auf ganz anderen Ebenen stattfinden, zum Beispiel auf der Ebene, auf der Sie als Autorin tätig sind.

Wie schafft man es denn, von dem Studium beziehungsweise den Studien, die Sie absolviert haben, zu einer der gefragtesten Autorinnen in diesem Themenbereich zu werden?

Prof. Voigt: Das weiß ich nicht. Sehr charmant von Ihnen. Keine Ahnung.

Ich glaube einfach, dass ich sehr, sehr mitteilsam bin. Das ist ein bisschen das eine Problem. Als Autorin ist das aber ganz günstig. Außerdem war es mir immer ein festes Bedürfnis, diese Themen weiterzugeben.

Jedes Mal, wenn ich wieder etwas gelernt oder neue Fragen gestellt bekommen habe, habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt. Das andere ist, glaube ich, einfach Glück: Das, was ich schreibe, hat offenbar einen Ton getroffen, mit dem Menschen etwas anfangen können. Und darum geht es mir eigentlich auch nur.

Vom Studium zur Professur

Christian: Können Sie uns noch einmal kurz Ihren Weg vom Studium bis zur Professur beschreiben? Das war wahrscheinlich ein sehr langer Weg. Vielleicht bekommen unsere Zuhörerinnen und Zuhörer dadurch ein wenig Inspiration, wenn sie Soziale Arbeit oder Psychologie studieren möchten.

Sie verbinden ja irgendwie auch beides, habe ich den Eindruck – mit A&O- und Sozialpsychologie immer wieder dazwischen.

Prof. Voigt: Im Grunde ist das gar nicht so leicht zu beantworten. Ich habe nicht nur Soziale Arbeit studiert, sondern auch Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaften – studiert, studiert, studiert. Gleichzeitig habe ich schon mit 25 als Sozialarbeiterin im Bildungsbereich gearbeitet.

Ich finde Jugendliche toll, weil ich es klasse finde, wie ehrlich widerständig sie sind. Das finde ich im tiefsten Inneren meines Herzens extrem amüsant. Natürlich darf ich das als Sozialarbeiterin eigentlich nicht, aber grundsätzlich liebe ich das.

Damit habe ich mich unheimlich lange beschäftigt. Gleichzeitig habe ich meine Studien abgeschlossen und immer wieder geschaut: Wie kann ich das anwenden? Wo passt das?

Beratung in Zwangskontexten

Prof. Voigt: Irgendwann kam ich dann in die Lehre der Sozialen Arbeit. Daraus ist eigentlich auch der Rest entstanden. Ich habe so eine Beratungsmacke. Meine große Frage betraf Menschen in Zwangskontexten – nennen wir es Arbeitsförderung, Bürgergeld, Gefängnis oder was auch immer.

Diese Menschen darf ich mit etwas beraten, das sie nicht wollen. Meine Frage war deshalb: Wie kann ich sie beraten, sodass wir gemeinsam ein Ziel erreichen und ich den anderen dabei heil lasse?

Das hat mich völlig umgetrieben. Soziale Arbeit soll respektvoll, helfend und auf Augenhöhe stattfinden. In einem Zwangskontext ist das zunächst ein Widerspruch: Der andere möchte nicht, was ich will. Er wurde auch noch dorthin geschickt. Nur sehr wenige kommen freiwillig.

Darüber habe ich promoviert. Mich hat immer die Frage beschäftigt: Wie lasse ich jemanden heil? Wie finden wir eine Möglichkeit, gemeinsam ein Ziel zu erreichen, während trotzdem Spielraum für das Eigene bleibt? Und wie bekomme ich Respekt und Wertschätzung wirklich in die Soziale Arbeit?

Damit habe ich mich immer weiter beschäftigt. Ich freue mich über jeden Menschen, der die gereichte Hand ergriffen und es geschafft hat. Das ist nicht so romantisch, wie wir uns das vielleicht vorstellen. Aber jedes einzelne Leben, in dem wir irgendeine Spur hinterlassen können – und das meine ich ganz, ganz ernst –, ist mir wichtig.

Letztendlich bin ich so zu einer Professur gekommen, weil ich eine Überzeugungstäterin bin. Aber es gibt kein Schema, das ich empfehlen könnte.

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