Hausarbeit mit KI schreiben: So bin ich vorgegangen (und was nicht funktioniert hat)

Eine Hausarbeit mit KI schreiben – bedeutet das: Prompt eingeben, fertigen Text ausgeben lassen und abgeben? Christian hat es bei einer Hausarbeit auf Masterniveau ausprobiert. Doch wie viel Arbeit nimmt KI tatsächlich ab – und wo entstehen neue Probleme?

Das Ergebnis des Experiments: 94 von 100 Punkten. Die KI-Nutzung war von der Hochschule erlaubt und wurde von Christian offengelegt. Doch wie ist die Arbeit konkret entstanden?

Christian zeigt seinen Weg von der Forschungsfrage und Quellenrecherche über Gliederung und Texterstellung bis zur Überarbeitung. Dabei erklärt er, wie er Claude, Gemini Notebook und Consensus eingesetzt hat, was nicht funktioniert hat und warum Quellen, Zitate und KI-generierte Texte konsequent selbst geprüft werden müssen.

⏱️ KAPITEL:

00:00 Hausarbeit mit KI: So lief das Experiment
00:46 Thema, Aufgabenstellung und Ausgangslage
02:04 Zeitaufwand: 30 Stunden für das gesamte Modul
03:48 Diese KI-Tools kamen zum Einsatz
05:18 Forschungsfrage und Quellenrecherche
07:24 Quellen mit Gemini Notebook auswerten
10:09 Gliederung und KI-Projekt vorbereiten
11:21 Schreibblockade: Warum Christian KI nutzte
12:51 Schreibstil für die KI festlegen
14:49 Das Praxisprojekt mit KI programmieren
15:28 Die Hausarbeit Absatz für Absatz schreiben
16:52 Fehlerhafte Quellen und Zitate überprüfen
18:21 Den KI-Text konsequent überarbeiten
19:30 Formatierung, Abgabe und KI-Erklärung
20:01 Das Problem: KI nimmt auch Denken ab
21:48 Für wen sich dieses Vorgehen nicht eignet
23:33 Fazit und weitere Hilfen

📚 MEHR ZUM THEMA:

▶️ „Ich habe eine Hausarbeit komplett mit KI geschrieben – so wurde sie bewertet“: youtube.com/watch
🎧 Podcast 71 „Hausarbeit mit KI: gute Note, nichts gelernt?“ mit Schreibcoach Manuel Kröger: youtube.com/watch

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Transkript

Die meisten stellen sich das so vor: Prompt in eine KI rein, fertige Hausarbeit raus. Ich habe das ausprobiert – mit einer Hausarbeit auf Masterniveau, die ich an einer großen Hochschule in Deutschland schreiben musste. Dort ist KI ausdrücklich auch für das Schreiben erlaubt.

Das Ganze hat funktioniert. Ich habe 94 von 100 Punkten bekommen und bestanden. Aber es lief völlig anders, als ich gedacht hatte, und war an vielen Stellen aufwendiger als erwartet. Deshalb schauen wir uns in diesem Video an, wie ich beim Recherchieren und Schreiben vorgegangen bin, wo ich KI genutzt habe und wo sie überflüssig war.

Thema, Aufgabenstellung und Ausgangslage

Worum ging es genau? Ich habe mich Anfang des Jahres in ein Modul an der IU Akademie eingeschrieben. Das Modul heißt „Programmieren mit Python“. Es ging darum, Grundlagen in Python zu lernen und programmieren zu lernen. Die Prüfungsleistung in diesem Modul war eine Hausarbeit auf Masterniveau.

Für mich hieß das: das Skript durcharbeiten, lernen und am Ende eine Hausarbeit schreiben. Als ich mit dem Modul begann, hatte ich noch überhaupt nicht vor, die Hausarbeit intensiv mit KI zu schreiben. Ich fing als ganz normaler Student an, das Modul zu bearbeiten.

Was ich aber von Anfang an gemacht habe: Ich habe meine einzelnen Arbeitsschritte getrackt. Dafür habe ich die Fokus-Sessions in der Fernstudi.net-App genutzt. Ihr könnt sie auf dem Handy oder direkt am PC starten, eintragen, was ihr gerade lernt, und dann eine Pomodoro-Session laufen lassen. Wenn ihr das konsequent nutzt, bekommt ihr später einen Überblick über eure Lernzeiten. Deshalb kann ich heute ziemlich genau nachvollziehen, wie lange ich für das Modul und die einzelnen Arbeitsschritte gebraucht habe.

Zeitaufwand: 30 Stunden für das gesamte Modul

Insgesamt waren es etwa 30 Stunden. Für die Bearbeitung des Skripts habe ich ungefähr acht bis neun Stunden gebraucht. In dieser Phase habe ich mir auch schon die Forschungsfrage erarbeitet und überlegt, worüber ich die Hausarbeit schreiben möchte. KI spielte dabei noch keine große Rolle. Ich habe sie nur punktuell genutzt, um mir zum Beispiel etwas aus dem Skript einfacher erklären zu lassen.

Für Organisation und Gliederung habe ich zwei bis drei Stunden gebraucht. Dazu gehörten auch Dinge wie das Erstellen einer Dokumentvorlage. Wirklich aufwendig wurden die Recherche und die Quellenarbeit: Dafür habe ich ungefähr acht Stunden in 20 Sessions gebraucht. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits im Februar, also im zweiten Studienmonat des Kurses.

Dann kam die große Prokrastination. Mit dem Schreiben habe ich tatsächlich erst im Juni begonnen. Im Nachhinein glaube ich, dass es überhaupt nur losging, weil ich anfing, KI auch für das Schreiben zu nutzen. Anschließend habe ich die Arbeit innerhalb von zwei Wochen mit rund sechs Stunden Schreibzeit relativ schnell fertiggestellt.

Ich habe im Alltag nur wenig Zeit, um ein solches Modul zu bearbeiten, und wollte deshalb möglichst effizient vorgehen. Trotzdem zog sich das Ganze über einen längeren Zeitraum. An vielen Tagen habe ich nur eine halbe oder eine Stunde investiert. Als der Rohtext stand, habe ich noch einmal einige Zeit in die Überarbeitung gesteckt. Und selbst nach der Abgabe habe ich mich noch einmal mit dem Thema beschäftigt. Warum, erkläre ich später.

Diese KI-Tools kamen zum Einsatz

Welche Tools habe ich neben dem Studienskript genutzt? Natürlich habe ich ChatGPT verwendet, um mir Fragen beantworten zu lassen. Zu Beginn der Skriptbearbeitung habe ich außerdem Langdock genutzt. Das ist ein deutsches Tool, über das man verschiedene Sprachmodelle verwenden kann. Inzwischen nutze ich es nicht mehr. Später bin ich komplett zu Claude gewechselt, und auch heute würde ich für ein solches Projekt vor allem Claude nutzen.

Ich bin sowohl zahlender Claude- als auch ChatGPT-Nutzer. Für diese Hausarbeit habe ich überwiegend Claude eingesetzt. Ich zahle dort allerdings nicht nur etwa 20 Euro im Monat, sondern insgesamt knapp 100 Euro. Dadurch kann ich umfangreiche Quellen bearbeiten und habe deutlich mehr Nutzungsmöglichkeiten.

Vieles von dem, was ich gemacht habe, wäre ohne kostenpflichtiges Abo in diesem Umfang nicht möglich. Selbst mit einem Tarif für rund 20 Euro im Monat könnte es schwierig werden. Ich konnte so arbeiten, weil ich die passenden Tools habe und dafür bezahle.

Außerdem habe ich Gemini Notebook genutzt, das damals noch NotebookLM hieß. Wie genau, schauen wir uns gleich an. Für die Quellenrecherche kam zusätzlich Consensus zum Einsatz.

Forschungsfrage und Quellenrecherche

Der erste Schritt bestand darin, eine Forschungsfrage zu entwickeln: Worüber schreibe ich eigentlich? Damit habe ich schon während der Skriptlektüre begonnen, weil ich möglichst effizient vorgehen wollte. Ich suchte mir einen Themenvorschlag aus dem Modul aus und schnitt ihn auf einen Bereich zu, der mich wirklich interessiert.

Dann nutzte ich einen Chat wie ChatGPT, um die Forschungsfrage auszuarbeiten und zunächst grob zu prüfen, ob es zu dem Thema geeignete Quellen gibt. Das ist ein wichtiger Teil des Schreibprozesses, aber mit dem Chat eurer Wahl nicht besonders kompliziert.

Mit der vorläufigen Forschungsfrage ging ich zu Consensus. Das ist nicht in erster Linie eine klassische Literaturdatenbank. Das Tool versucht vielmehr, eine Forschungsfrage anhand des Forschungsstands und der gefundenen Quellen zu beantworten. Ihr gebt eure Frage ein und erhaltet eine quellenbasierte Antwort.

Damit eignet sich Consensus nicht nur für einen ersten Überblick über den Forschungsstand. Ihr könnt euch auch die verwendeten Quellen anzeigen lassen und darüber relevante Literatur entdecken. Für mich war das ein erster wichtiger Schritt der Quellenrecherche.

Natürlich habe ich zusätzlich die Bibliotheksangebote der Hochschule, Google Scholar und weitere übliche Recherchewege genutzt. So stellte ich nach und nach eine Auswahl an Quellen zusammen, die ich genauer bearbeiten wollte.

Quellen mit Gemini Notebook auswerten

Im nächsten Schritt habe ich meine Quellen in Gemini Notebook geladen, das damals noch NotebookLM hieß. Dort prüfte ich zunächst grob, ob die einzelnen Quellen für meine Forschungsfrage relevant waren. Man kann mehrere Quellen hinterlegen und anschließend gezielt Fragen dazu stellen.

Ein Vorteil von Gemini Notebook war, dass das Tool gut mit PDF-Dateien und bildbasierten Quellen zurechtkam – zumindest besser als manche anderen Chatprogramme zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Hausarbeit schrieb. Inzwischen verbessern sich diese Funktionen allerdings sehr schnell.

Ich nutzte Gemini Notebook vor allem, um die Kernaussagen der Quellen und ihre Relevanz für meine Arbeit einzuschätzen. Dabei zeigten sich aber schon die Grenzen der KI. Ich bezahle nichts für Gemini Notebook oder andere Google-KI-Tools und nutze sie im Alltag kaum. Vielleicht lag es am kostenlosen Zugang, aber teilweise waren die Ergebnisse schlicht schlecht.

Sehr schnell war klar: Ich muss die Quellen selbst lesen und verstehen. Also druckte ich sie aus und arbeitete sie Schritt für Schritt durch. Wenn ich eine Passage nicht verstand, ließ ich die Quelle zusätzlich von Gemini Notebook oder einem anderen KI-Tool einlesen und stellte gezielte Rückfragen. Ich bat die KI zum Beispiel darum, mir einen Zusammenhang noch einmal anders zu erklären.

Für einen ersten Zugang zu komplexen Quellen ist Gemini Notebook hilfreich. Ihr könnt euch etwa eine Infografik, ein Video oder eine Art Podcast zu euren Quellen erstellen lassen. Ich habe mir das gesamte Thema visuell aufbereiten lassen. Auch eine zusätzliche Recherchefunktion ist vorhanden, lieferte mir aber keine besonders guten Ergebnisse.

Für den Überblick und den Einstieg in die Literatur kann das Tool nützlich sein. Die eigentliche Quellenarbeit nimmt es euch jedoch nicht ab. Ich habe die Texte selbst gelesen, markiert, in Zotero eingepflegt und mir Notizen gemacht. Das war ganz klassische wissenschaftliche Arbeit.

Gliederung und KI-Projekt vorbereiten

Parallel dazu entwickelte ich passend zur Forschungsfrage meine Gliederung. In dem KI-Tool, das ich damals nutzte – anfangs noch Langdock, später ausschließlich Claude –, legte ich ein eigenes Projekt für die Hausarbeit an.

Ich habe auf diesem Kanal schon einmal gezeigt, wie sinnvoll solche Projekte sein können. Das geht sowohl in ChatGPT als auch in Claude. In einem Projekt lassen sich grundlegende Anweisungen hinterlegen. Ich beschrieb dort die Aufgabenstellung, den Titel, die Gliederung und weitere Rahmenbedingungen der Hausarbeit.

Wenn ich anschließend einen neuen Chat innerhalb des Projekts startete, kannte Claude bereits den Kontext. Ich musste nicht jedes Mal neu erklären, wer ich bin und woran ich arbeite. Zusätzlich konnte ich Quellen und weitere Dateien hinterlegen. So hatte ich die relevanten Dokumente an einem Ort und arbeitete damit auch die Gliederung aus.

Schreibblockade: Warum Christian KI nutzte

Dann kam die große Prokrastination. Ich hatte meine Quellen weitgehend durchgearbeitet und wusste, dass es Zeit zum Schreiben war. Trotzdem saß ich vor dem leeren Blatt und nichts passierte.

Ihr müsst dazu wissen: Ich habe lange als Wissenschaftslektor gearbeitet und sehr viele Dissertationen, Bachelorarbeiten und Masterarbeiten überarbeitet. Ich weiß, wie Schreibblockaden entstehen und was man dagegen tun kann. Trotzdem war ich plötzlich selbst in dieser Situation und kam nicht voran.

Deshalb beschäftigte ich mich noch einmal genauer mit den KI-Vorgaben meiner Hochschule. Zunächst wollte ich nur klären, ob ich bei der Formatierung angeben muss, dass ich für die Gliederung ein KI-Tool verwendet hatte. Dabei stellte ich fest: Ich durfte KI tatsächlich auch für das Schreiben nutzen und musste nicht jeden einzelnen Einsatz kennzeichnen.

Entscheidend war, dass ich alle Aussagen selbst nachvollziehen und erklären konnte und dass der Text inhaltlich korrekt war. Halluzinationen oder ungeprüfte Aussagen wären natürlich nicht akzeptabel gewesen. Theoretisch durfte ich den Text aber mit KI schreiben.

So entstand die Idee, daraus ein Experiment zu machen. Schreiben mit KI gehört für mich zum Arbeitsalltag. Bevor ich noch ein halbes Jahr an der Hausarbeit saß, wollte ich diesen Weg ausprobieren. Ich trackte weiterhin die gesamte Lern- und Arbeitszeit. Am Ende brauchte ich rund sechs Stunden für die Texterstellung und weitere drei bis vier Stunden für die Überarbeitung.

Schreibstil für die KI festlegen

Wie bin ich konkret vorgegangen, und wo lagen die Probleme? Zuerst entwickelte ich einen Schreibstil beziehungsweise Richtlinien für die Hausarbeit. Dafür erstellte ich einen Schreibstilleitfaden und hinterlegte ihn später im Projekt.

In diesem Dokument stand, wie der Text aussehen sollte. Ein Leitprinzip lautete zum Beispiel: Schreib für den Leser, nicht für den Eindruck. Hinzu kamen Vorgaben wie: keine verschachtelten Sätze, ein sauberer Satzbau, weder zu kurze noch zu lange Sätze, keine unnötigen Füllwörter und möglichst keine Ich-Perspektive.

Ich konnte diesen Leitfaden erstellen, weil ich als Lektor weiß, worauf es bei einem guten wissenschaftlichen Schreibstil ankommt. Diesen wichtigen Schritt lassen viele aus. Sie öffnen ChatGPT, schreiben „Schreib mir einen Text“ und erhalten einen austauschbaren Standardstil mit typischen KI-Mustern.

Ich legte dagegen zuerst fest, wie der Text klingen und aufgebaut sein sollte. Dafür nutzte ich ausführliche Beiträge aus unserem Magazin über wissenschaftlichen Schreibstil, Textüberarbeitung und typische Fehler in Abschlussarbeiten. Mit diesen Artikeln und dem Transkript eines eigenen Videos ging ich zu Claude und ließ daraus einen ersten Schreibstilleitfaden erstellen. Den passte ich anschließend selbst an und hinterlegte ihn im Projekt. So bekam die KI von Anfang an klare sprachliche Vorgaben.

Das Praxisprojekt mit KI programmieren

Für die Hausarbeit musste ich zusätzlich ein Praxisprojekt umsetzen und ein kleines Programm schreiben. Das erledigte ich relativ früh und nutzte dafür ebenfalls Claude beziehungsweise Claude Code.

Darauf gehe ich hier nicht näher ein, weil das Programmieren nicht das eigentliche Thema dieses Videos ist. In der Erklärung zur Hausarbeit habe ich aber offengelegt, dass ich den Programmcode mit KI erstellt hatte. Anschließend ließ ich den Code im Chat noch einmal überprüfen.

Die Hausarbeit Absatz für Absatz schreiben

Dann begann ich, den Text Schritt für Schritt und Kapitel für Kapitel zu verfassen. Ich startete nicht unbedingt mit der Einleitung, sondern beispielsweise mit der Beschreibung der Forschungsfrage oder der Zusammenfassung des Forschungsstands.

Wichtig ist: Ich konnte nicht einfach schreiben „Erstelle mir die ganze Hausarbeit von Anfang bis Ende“. Ich musste Absatz für Absatz vorgehen. Zuerst fragte ich, welche Quellen für den nächsten Abschnitt besonders relevant waren. Dann ließ ich die KI diese Quellen noch einmal zusammenfassen. Da ich die Literatur selbst gelesen hatte, konnte ich einschätzen, ob die Zusammenfassung stimmte.

Danach ließ ich einen ersten Abschnitt formulieren, etwa Kapitel 1.1. Der ausgegebene Text bestand vielleicht aus zwei Absätzen. Diese las ich akribisch und prüfte, ob ich jede Aussage vertreten konnte, ob der Ausdruck passte und ob die verwendeten Quellen die Aussagen tatsächlich belegten.

Fehlerhafte Quellen und Zitate überprüfen

Die Quellenprüfung kostete mich am meisten Zeit. Claude arbeitete viele Quellen in den Text ein, und ich musste jedes Mal in das Original zurückgehen: Steht das dort wirklich so?

Häufig waren Quellenangaben nicht ganz korrekt oder Aussagen falsch zugeordnet. Manche PDF-Dateien konnte Claude kaum lesen, weil es sich zum Beispiel um sehr schlechte Scans von Büchern handelte. Kurz vor der Abgabe fiel mir sogar auf, dass Claude eine Quelle durchgehend mit dem falschen Erscheinungsjahr angegeben hatte. Beim ersten Lesen war mir das nicht aufgefallen, weil der Text zunächst überzeugend klang. Erst später merkte ich, dass die genannte Jahreszahl nicht zu einer Quelle aus den 1990er-Jahren passen konnte.

So ging ich Abschnitt für Abschnitt vor: Text erstellen lassen, selbst lesen, Quellen prüfen und anschließend korrigieren. Das dauerte lange, obwohl die Hausarbeit mit etwa 20 Seiten relativ kurz war.

Insgesamt blieb der Zeitaufwand zwar überschaubar. Im Nachhinein war ich mir aber nicht mehr sicher, ob das Schreiben mit KI wirklich schneller oder effizienter war. Möglicherweise hätte ich die Arbeit selbst ebenso schnell und mit geringerer kognitiver Belastung geschrieben.

Den KI-Text konsequent überarbeiten

Irgendwann stand das Manuskript. Das ist wahrscheinlich der Punkt, an dem manche den Text einfach abgeben würden – und mit einer KI-Hausarbeit durchfallen oder eine sehr schlechte Note bekommen.

Aus meiner Arbeit als Wissenschaftslektor weiß ich: Ein guter Text entsteht erst durch konsequente Überarbeitung. Sie sollte ein zentraler Teil jedes Schreibprozesses sein. Ich brauchte für die Überarbeitung zwar etwas weniger Zeit als für die Texterstellung, investierte aber trotzdem noch einmal viel Arbeit.

Ich ging den Text von Anfang bis Ende durch, änderte Formulierungen, ergänzte fehlende Punkte und prüfte die Plausibilität. Ich versuchte, die Argumentation noch einmal selbst zu durchdenken: Kann ich wirklich hinter diesem Text stehen?

Rechtschreibfehler macht ein solches KI-Tool vergleichsweise selten. Trotzdem kontrollierte ich erneut alle Quellen, den Ausdruck und den gesamten Aufbau. Erst als ich sicher war, dass der Text meinen Ansprüchen genügte, reichte ich ihn ein.

Formatierung, Abgabe und KI-Erklärung

Zum Schluss ging es noch um die Formatierung. Dafür hatte ich mir eine Dokumentvorlage erstellt, die ihr auch in unserem Portal herunterladen könnt. Wenn ihr beispielsweise an der IU studiert, könnt ihr euch damit einen Teil der Formatierungsarbeit sparen. Den Link findet ihr in der Videobeschreibung.

Ich reichte die Arbeit zusammen mit einer Erklärung ein, in der ich auch die Nutzung von KI für das Schreiben offenlegte. Danach musste ich ungefähr einen Monat auf das Ergebnis warten.

Das Problem: KI nimmt auch Denken ab

Während dieser Wartezeit merkte ich, dass ich noch einmal lernen musste. Ich hatte mich durch den Schreibprozess zwar mit dem Thema beschäftigt. Wenn mich aber jemand gefragt hätte, worüber ich geschrieben hatte, hätte ich es nur grob erklären können. Bei den Details und den einzelnen Quellen wäre es schwierig geworden.

Wenn es sich um eine Masterarbeit mit Verteidigung gehandelt hätte, wäre ich nicht ausreichend vorbereitet gewesen. Natürlich muss man sich auf jede Verteidigung eigens vorbereiten. Trotzdem fehlte mir durch das Schreiben mit KI ein Teil der gedanklichen Intensität. Ich hatte mich weniger tief mit dem Thema auseinandergesetzt, als es beim eigenen Formulieren normalerweise geschieht.

Der entscheidende Punkt lautet: Schreiben ist Denken. Dazu habe ich einen Podcast mit Manuel Kröger aufgenommen, der als Schreibcoach und Lektor arbeitet. Darin sprechen wir darüber, wie KI uns das Denken abnehmen kann, welche Probleme daraus entstehen und wie man vorbeugt. Den Podcast findet ihr ebenfalls in der Videobeschreibung.

Ich hatte die Hausarbeit nun mit KI geschrieben und merkte, dass ich den Stoff nacharbeiten musste. Dafür nutzte ich unter anderem Syntea, die KI der IU. Ich ließ mir Verständnisfragen erstellen und setzte mich noch einmal intensiver mit dem Thema auseinander.

Im Nachhinein glaube ich trotzdem, dass das nicht ausgereicht hat. Heute könnte ich das Thema der Hausarbeit und die einzelnen Quellen vermutlich nicht mehr detailliert zusammenfassen. Das liegt aus meiner Sicht auch daran, dass mir die KI beim Schreiben einen Teil des Denkens abgenommen hat.

Für wen sich dieses Vorgehen nicht eignet

Dieses Video soll keine Anleitung dazu sein, eure Hausarbeit mit KI schreiben zu lassen. Ich möchte vielmehr auch die Grenzen zeigen.

Ich konnte so vorgehen, weil ich die Tools bezahle, sie intensiv im Arbeitsalltag nutze und ihre Grenzen kenne. Außerdem weiß ich aus meiner früheren Tätigkeit als Lektor, wie wissenschaftliches Arbeiten, wissenschaftliches Schreiben und gründliche Textüberarbeitung funktionieren.

Durch diese Kombination aus Toolkenntnis und fachlicher Erfahrung war ich in der Lage, eine Hausarbeit zu erstellen, die eine sehr gute Bewertung erhielt. Es war keine schnell hingeworfene KI-Arbeit. Trotz des KI-Einsatzes setzte sie sich intensiv mit dem Thema auseinander und kann auch für Leserinnen und Leser einen Erkenntniswert haben.

Wenn ihr überlegt, eine Hausarbeit oder sogar eine Abschlussarbeit mit KI zu schreiben, gilt zunächst: Eure Hochschule muss das erlauben. Und ihr solltet selbst in der Lage sein, eine solche Arbeit zu verfassen.

Gerade in den ersten Semestern müsst ihr lernen, eigenständig zu schreiben und wissenschaftlich zu arbeiten. Wenn ihr das sicher beherrscht, könnt ihr KI nutzen, um einzelne Arbeitsschritte zu erleichtern.

Natürlich könnt ihr von Anfang an lernen, KI sinnvoll bei der Quellenrecherche, bei Verständnisfragen, für eine Gliederung oder zur Inspiration einzusetzen. Den eigentlichen Schreibprozess solltet ihr aber zumindest selbst beherrschen. Erst dann könnt ihr einschätzen, was die KI liefert und an welchen Stellen ihr eingreifen müsst.

Fazit und weitere Hilfen

Ich hoffe, dieser Einblick war für euch interessant. Schaut euch gern auch unseren Kurs „KI im Studium“ auf Fernstudi.net an. Dort erkläre ich ausführlicher, wie ihr KI in solchen und vielen weiteren Situationen sinnvoll einsetzen könnt – zum Beispiel beim Lernen. Alle Links findet ihr in der Videobeschreibung.

Wir sehen uns in einem der nächsten Videos auf diesem Kanal.

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