ChatGPT und Fernabitur: Darf ich KI für die Einsendeaufgaben nutzen?
ChatGPT kann eine Einsendeaufgabe in Deutsch in 30 Sekunden lösen. Claude erklärt dir die Mathe-Aufgabe Schritt für Schritt. Und auf eBay findest du komplette Lösungspakete für wenige Euro. Die Frage, wie viel Hilfe bei den Einsendeaufgaben im Fernabitur erlaubt ist, ist so alt wie der Fernunterricht – nur die Werkzeuge haben sich verändert.
- Fernschulen verlangen „eigenständige Arbeit", haben aber keine klaren KI-Regeln.
- KI als Tutor nutzen = lernfördernd. KI als Ghostwriter = selbstzerstörerisch.
- Die Externenprüfung ist handschriftlich, vor Ort, ohne Elektronik – dort zählt nur dein Wissen.
- Was sagen die Fernschulen dazu?
- Warum die Einsendeaufgaben nicht die Prüfung sind
- Die alten Tricks – und warum sie weiterhin verbreitet sind
- ChatGPT, Claude und Co.: Was KI verändert hat
- Smart lernen mit KI – so nutzt du sie richtig
- Mein Rat: Lass dir lieber helfen als zu verzweifeln
- Häufige Fragen zu Hilfe und KI bei Einsendeaufgaben
- Kommentare
Was sagen die Fernschulen dazu?
Wenn du eine Fernschule wie das ILS oder die SGD fragst, ob du dir bei den Einsendeaufgaben helfen lassen darfst, wird die Antwort klar ausfallen: Nein. Die Fernunterrichtsverträge verlangen „eigenständige Arbeit" – eine Klausel, die aus der Zeit vor ChatGPT stammt.
In der Praxis sieht es anders aus. Keine der großen Fernschulen hat bisher eine explizite KI-Policy für Einsendeaufgaben veröffentlicht. Es gibt keine systematische KI-Erkennung – und die existierenden Detektoren (GPTZero, Turnitin) funktionieren auf Deutsch deutlich unzuverlässiger als auf Englisch, mit Falsch-Positiv-Raten von 10 bis 30 Prozent.
Auch die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich 2024 positioniert: KI soll in der Bildung integriert, nicht verboten werden. Der Fokus liegt auf Kompetenzorientierung – also darauf, was du kannst, nicht darauf, wie du es gelernt hast.
Kurz gesagt: Es ist eine Grauzone. Und die entscheidende Frage ist nicht „Darf ich?" – sondern „Hilft es mir wirklich?"
Warum die Einsendeaufgaben nicht die Prüfung sind
Das musst du verstehen, bevor du über Hilfe nachdenkst: Einsendeaufgaben und Abiturprüfung sind zwei völlig verschiedene Dinge.
- Einsendeaufgaben = Übung. Du machst sie zuhause, unbeaufsichtigt, mit allen Hilfsmitteln, die du willst. Sie zählen nicht für deine Abiturnote.
- Externenprüfung = die echte Prüfung. Handschriftlich, vor Ort, unter Aufsicht, keine Elektronik. 8 Fächer. Hier entscheidet sich alles.
Das bedeutet: Wer bei den Einsendeaufgaben schummelt und den Stoff nicht lernt, wird bei der Prüfung scheitern. Die Durchfallquote bei der Externenprüfung liegt bei 40 bis 60 Prozent – und ein Großteil davon sind Menschen, die sich nicht ausreichend vorbereitet haben.
Die Einsendeaufgaben sind nicht dazu da, dich zu gängeln. Sie sind dein Trainingsgerät. Wer das Training überspringt, verliert den Wettkampf.
Die alten Tricks – und warum sie weiterhin verbreitet sind
Schon lange vor ChatGPT gab es kreative Wege, bei den Einsendeaufgaben „nachzuhelfen". Eine Übersicht – ehrlich sortiert von harmlos bis problematisch:
- Im Studienheft nachschlagen: Harmlos. Du arbeitest mit dem Material, das dir die Fernschule gegeben hat. Das ist kein Betrug, das ist Lernen.
- In Foren um Denkanstöße bitten: Fair. Du lässt dir nicht die Lösung geben, sondern holst dir eine Idee, wie du die Aufgabe angehen könntest. Deine eigene Denkleistung bleibt erhalten.
- Lösungen tauschen: Grauzone. Du schreibst die Aufgaben in deinen starken Fächern selbst und bekommst dafür Lösungen in deinen schwachen Fächern. Gang und gäbe, besonders in der Oberstufe.
- Lösungen bei eBay kaufen: Eindeutig Betrug – und mittlerweile fast überflüssig, weil KI das kostenlos und schneller kann.
Hinweis: Die Korrektoren der Fernschulen sind nicht naiv. Sie merken recht schnell, wenn Texte nicht selbst geschrieben wurden – am Stil, an der plötzlichen Qualitätsänderung, an wörtlichen Übernahmen. Und sie können Texte durch Plagiatsfinder laufen lassen.
ChatGPT, Claude und Co.: Was KI verändert hat
KI hat das Spielfeld fundamental verändert. Was früher aufwendig war (Lösungen suchen, kaufen, tauschen), geht heute in Sekunden – kostenlos und rund um die Uhr. Du kannst eine Einsendeaufgabe in ChatGPT oder Claude einfügen und bekommst in Sekunden eine ausformulierte Antwort.
Das hat Konsequenzen:
- Der eBay-Markt für Lösungen ist fast zusammengebrochen. Warum zahlen, wenn KI es kostenlos kann?
- Die moralische Hürde ist niedriger geworden. Es fühlt sich weniger wie „Betrug" an, wenn man „nur ein Tool benutzt".
- Die Erkennung ist schwierig. KI-Detektoren funktionieren auf Deutsch unzuverlässig, und leicht umformulierter KI-Text ist kaum nachweisbar.
Aber – und das ist der entscheidende Punkt – an der Grunddynamik hat sich nichts geändert. Die Einsendeaufgaben sind Übung, die Prüfung ist der Ernstfall. Wer die Übung mit KI überspringt, steht bei der Prüfung mit leeren Händen da. KI hat das Schummeln einfacher gemacht – aber nicht die Konsequenzen.
Smart lernen mit KI – so nutzt du sie richtig
Die richtige Frage ist nicht „Darf ich KI nutzen?", sondern „Wie nutze ich KI, ohne mir selbst zu schaden?". Der Unterschied liegt in einer einfachen Faustregel: Dein Gehirn muss die Arbeit machen, nicht die KI.
KI als Tutor – das hilft beim Lernen:
- Konzepte erklären lassen, die im Studienheft unklar sind. „Erkläre mir die Kurvendiskussion in einfachen Worten.“
- Eigene Lösungen prüfen: Du löst die Aufgabe selbst und lässt die KI deine Lösung prüfen und Fehler erklären.
- Zusätzliche Übungsaufgaben generieren: „Gib mir 5 Aufgaben zur Integralrechnung auf Abiturniveau."
- Sokratische Methode: „Gib mir nicht die Antwort, sondern stell mir Leitfragen, damit ich selbst drauf komme.“
- Schwierige Texte vereinfachen: „Fasse diesen Abschnitt aus dem Studienheft in einfacher Sprache zusammen.“
KI als Ghostwriter – das schadet dir:
- Aufgabe in ChatGPT einfügen und das Ergebnis direkt abgeben.
- Essays generieren, ohne das Studienheft gelesen zu haben.
- Studienhefte überspringen, weil „KI kann das zusammenfassen".
Mein Rat: Lass dir lieber helfen als zu verzweifeln
Um der Prüfung willen solltest du darauf achten, dass es nicht zur Regel wird, Lösungen auf anderem Wege zu besorgen. Aber bevor du an deinem Fernabitur verzweifelst, hol dir lieber Hilfe – auf die richtige Art.
- KI als Tutor: Lass dir Konzepte erklären, prüfe deine eigenen Lösungen, generiere Übungsaufgaben.
- Fernlehrkräfte: Dafür zahlst du Kursgebühren. Nutze die Betreuung, auch wenn die Antwortzeiten manchmal lang sind.
- Online-Communities: Austausch mit anderen Fernschülerinnen und Fernschülern hilft gegen die Isolation – und gegen Frust bei schwierigen Aufgaben.
Wenn du ewig über einer Aufgabe sitzt und sie nicht lösen kannst, wird dich das frustrieren – und Frustration ist einer der Hauptgründe für Abbrüche beim Fernabitur. Sich helfen zu lassen ist besser als aufzugeben. Sich helfen zu lassen ist aber etwas anderes, als die Arbeit komplett abzugeben.
Besonders in Mathematik – dem Fach, an dem die meisten scheitern – kann KI als Tutor Gold wert sein. Die Studienhefte allein reichen dort oft nicht aus. Mehr dazu: Mein Fernabitur am ILS: Was gut lief und was nicht.
Häufige Fragen zu Hilfe und KI bei Einsendeaufgaben
Schwer. Die gängigen KI-Detektoren funktionieren auf Deutsch deutlich schlechter als auf Englisch, mit Falsch-Positiv-Raten von 10 bis 30 Prozent. Leicht umformulierter KI-Text ist kaum nachweisbar. Allerdings fallen abrupte Stilwechsel auf – wenn deine Einsendeaufgaben plötzlich deutlich besser formuliert sind als zuvor, werden Korrektoren misstrauisch.
Stand 2025 sind keine Fälle bekannt, in denen Fernschülerinnen oder Fernschüler wegen KI-Nutzung bei Einsendeaufgaben von einer Fernschule ausgeschlossen wurden. Einsendeaufgaben sind Praxis, keine Prüfungsleistung. Die Fernschulen haben wenig Handhabe – und wenig Interesse, zahlende Kunden zu verlieren. Das kann sich aber ändern, wenn Fernschulen ihre Policies aktualisieren.
ChatGPT (OpenAI) und Claude (Anthropic) eignen sich beide gut als Lern-Tutor – sie können Konzepte erklären, Lösungswege zeigen und Übungsaufgaben generieren. Für Mathematik ist Wolfram Alpha hilfreich (Schritt-für-Schritt-Lösungen). YouTube (Daniel Jung, simpleclub) ergänzt mit Video-Erklärungen. Wichtig: Nutze KI als Erklärungshilfe, nicht als Aufgabenlöser. Hier auf fernstudi.net gibt es außerdem den virtuellen Studycoach Felix, der euch beim Lernen helfen kann.
Nein. Die Einsendeaufgaben sind Übung und Feedback – sie fließen nicht in deine Abiturnote ein. Deine Note ergibt sich ausschließlich aus der Externenprüfung (4 schriftliche + 4 mündliche Prüfungen). Die Einsendeaufgaben dienen dazu, dich auf diese Prüfung vorzubereiten und den Probeklausuren standzuhalten – die wiederum Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung sind.
Welche Fernschule passt zu dir? Wie hoch sind die Durchfallquoten? Alle Kurse im Kursvergleich Fernabitur.
Kommentare
Lehrer schaut interessiert: "Wirklich ALLES?"
Schülerin: "Ja wirklich!"
Lehrer: "Dann lerne!"
:-)