Deep Work: Konzentration schaffen für wichtige Aufgaben in Studium & Job 📵 mit Dr. Julia Simon
Das Fernstudium erfordert oft, neben familiären und beruflichen Verpflichtungen, ein hohes Maß an Konzentration und Selbstdisziplin. Dazu gehört auch Ablenkungen bewusst zu vermeiden, um die gesamte Aufmerksamkeit für aktuelle Aufgaben zur Verfügung zu haben.
In Podcast 34 haben Dr. Julia Simon und Christian über das Konzept „Deep Work“ gesprochen, das für ungestörtes und fokussiertes Arbeiten steht. Sie diskutieren, wie durch feste Strukturen und gezielte Zeitfenster Ablenkungen reduziert und nachhaltiges Lernen gefördert werden kann.
Die ganze Folge: youtube.com/watch
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#studium #fernstudium #zeitmanagement
Transkript
Zum Schluss wollen wir noch über das Thema Deep Work reden. Ich glaube, über dieses Thema könnte man einen ganzen Podcast machen und ein paar Stunden lang reden – wir wollen es noch mal ein bisschen anschneiden, auch als Inspiration, sich damit auseinanderzusetzen, wie man konzentriert und über einen längeren Zeitraum an Dingen arbeiten kann. Also: Was ist Deep Work eigentlich genau, tiefe Arbeit – was kann ich mir darunter vorstellen?
Eine Welt voller Ablenkungen
Dazu gibt es das Buch von Cal Newport, der „Deep Work“ herausgebracht hat. In kurzen Worten beschreibt er, dass wir in einer Welt leben, in der wir permanent abgelenkt werden. Es ist also nicht unser Problem, dass wir Langeweile haben, sondern unser Problem ist eher, dass wir in einer Welt mit ganz vielen Ablenkungen leben und es selten schaffen, in einen wirklich tiefen Arbeitsflow zu kommen. Da gibt es zum Beispiel auch diese Studie, dass wir uns selbst häufig alle drei Minuten ablenken und gar nicht in so einen tiefen Workflow kommen.
Diesen tiefen Workflow brauchen wir natürlich nicht, wenn wir einzelne kleine Aufgaben erledigen – hier das Telefonat, da die Spülmaschine ausräumen und so weiter, dafür brauche ich das nicht. Aber ich brauche ihn in gewissen Situationen: wenn ich mich auf eine Prüfung vorbereite, wenn ich eine Altklausur durcharbeite oder wenn ich an der Abschlussarbeit schreibe. Da ist es absolut kontraproduktiv, wenn ich überhaupt nicht richtig in so einen tiefen Workflow hineinkomme.
Und da hineinzukommen, das braucht ein bisschen Übung. Denn Denken tut weh – das soll angeblich Albert Einstein mal zu Hannah Arendt gesagt haben, und man macht sich nicht unbeliebter, als wenn man Menschen zum Denken bringt. Aber man kennt das: Manchmal ist es so, einen Prozess komplett durchzudenken oder sich bei einer Prüfungsvorbereitung hinzusetzen und sich wirklich zu überlegen, wie die Antwort auf diese Frage sein könnte – das ist super anstrengend. Aber dafür muss ich auch wirklich tief hineingehen.
Den eigenen Deep-Work-Stil finden
Bei Deep Work geht es darum: Nutze die morgendliche Willenskraft, vermeide Multitasking und finde deinen persönlichen Deep-Work-Stil.
Mit dem Stil meine ich tatsächlich: Es gibt die Möglichkeit, eine komplette Auszeit zu nehmen. Manche bekommen das hin und sagen: Okay, ich fahre ein ganzes Wochenende irgendwo anders hin und bereite mich einfach ein Wochenende lang nur auf die Prüfung vor oder schreibe nur meine Abschlussarbeit. Als ich selbst mein Buch geschrieben habe, brauchte ich auch einfach solche Phasen – man kann so etwas nicht mal eben eine halbe Stunde zwischendurch machen, das funktioniert nicht.
Oder man nimmt sich eine temporäre Auszeit und sagt: Okay, am Dienstag und am Donnerstagabend passt mein Mann auf die Kinder auf, bringt sie ins Bett, macht das Abendbrot und so weiter, und ich habe dann immer dienstags und donnerstags vier Stunden Zeit. Oder eben wiederkehrende Auszeiten, also jeden Abend vielleicht eine Stunde oder so etwas in der Art.
Und dann eben auch Rituale zu finden, für die Arbeitszeit und für den Arbeitsort: also nicht einmal in der Küche lernen und einmal im Wohnzimmer, sondern zu sagen, wenn ich am Schreibtisch sitze, dann ist das auch produktive Arbeitszeit. Und sich damit eine gewisse Tagesstruktur zu schaffen. Es ist natürlich, das ist keine Frage, schwerer, wenn man ein Umfeld mit Familie hat, als wenn man sich nur für sich selbst organisieren muss.
Woran liegen die Unterbrechungen?
Da gibt es dann auch Möglichkeiten, zu schauen: Woran liegt es, warum werde ich immer wieder unterbrochen? Liegt es daran, dass viel Lärm in meiner Wohnung ist? Da gibt es zum Beispiel Kopfhörer, die man sich aufsetzen kann, um den Geräuschpegel zu reduzieren.
Und wenn es mein Handy ist, von dem ich mich immer wieder ablenken lasse, dann gibt es dafür Apps – eine davon ist zum Beispiel Forest. Kennst du bestimmt, oder? Ich sehe, dass sehr viele in unserer Community das nutzen. Ich selbst nutze es nicht, habe das noch nie ausprobiert, aber ich muss sagen, wahrscheinlich werde ich das demnächst auch mal machen, weil ich mich auch sehr viel von meinem Handy ablenken lasse. Das ist bei mir auch berufsbedingt, weil wir sehr viel auf Social Media unterwegs sind: Dann schaut man immer wieder, wie funktioniert dies und jenes, haben wir das jetzt richtig hochgeladen, gibt es Kommentare, man muss Kommentare beantworten und so weiter.
Dem Großteil unserer Zielgruppe geht es wahrscheinlich nicht so, unseren Zuhörerinnen und Zuschauern fällt es da vielleicht ein bisschen leichter. Aber gerade durch das Familienleben kann man sein Handy auch nicht immer abschalten, weil man erreichbar sein muss – für die Partnerin, vielleicht auch für die Kinder, wenn die schon ein bisschen älter sind. Das muss man sich dann eben im Alltag so organisieren, wie du es gesagt hast: Jeden Dienstag und jeden Donnerstag habe ich diese drei, vier Stunden Zeit, und ich weiß, darauf kann ich mich verlassen.
Nicht jede Aufgabe braucht Deep Work
Du hast gesagt, es muss nicht immer Deep Work sein – für den Abwasch brauche ich kein Flow-Erlebnis. Vielleicht wäscht man ja auch gerne ab, um dabei über Dinge nachdenken zu können. Aber für größere Aufgaben ist es schon wichtig. Bei mir ist Programmieren zum Beispiel so eine Sache, bei der ich ganz schnell in den Flow komme. Manchmal merke ich auch, dass ich mir solche Aufgaben regelrecht suche, bei denen ich die Möglichkeit habe oder danach getriggert werde, ganz vertieft an Dingen zu arbeiten.
Ja, und wahrscheinlich brauchst du das in dem Moment auch, denn du kannst ja auch nicht sagen: Okay, ich programmiere mal eben zehn Minuten.
Das Telefon in den anderen Raum
Du hast vorhin auch angesprochen, dass man natürlich erreichbar sein muss, das ist klar. Aber ich denke, wenn man tatsächlich die Zeit hat und sagt, jetzt habe ich zwei Stunden zum Lernen, weil der Partner auf die Kinder aufpasst oder weil sie schon im Bett sind, dann wäre es vielleicht trotzdem notwendig zu sagen: Dann lege ich zumindest das Telefon in den anderen Raum. Denn diese Push-Benachrichtigungen tauchen ja häufig auf, und dann ist es vielleicht nur eine Benachrichtigung von irgendeinem Social-Media-Account, die in dem Moment gar nicht wichtig ist – und trotzdem lässt man sich ablenken und klickt einfach drauf.
Die habe ich eigentlich größtenteils ausgeschaltet. Bei WhatsApp bekomme ich noch Push-Benachrichtigungen, da ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass etwas Wichtiges dabei ist, aber für Instagram und so habe ich sie ausgeschaltet. Ich ertappe mich aber immer wieder dabei, wie ich einfach auf Instagram gehe, um zu schauen, ob es da etwas Neues gibt. Da muss man sich irgendwie auch selbst kontrollieren lernen und dann einfach ganz konsequent in den Flugmodus gehen, für die Zeit, in der man wirklich vertieft arbeiten möchte.

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