Literatur in Abschlussarbeiten: Strategien & Tipps zu Recherche & Verwaltung 📑 mit Nadine Syring

Die Literaturrecherche stellt für viele Studierende eine Herausforderung dar, besonders wenn es darum geht, wissenschaftlich relevante und qualitativ hochwertige Quellen zu finden. Neben der Vielzahl an verfügbaren Quellen erfordert es auch, die richtige Methodik zu kennen und Werkzeuge wie KI oder Literaturverwaltungsprogramme sinnvoll einzusetzen, um den Überblick zu behalten.

In Podcast 36 teilt Nadine Syring, ihres Zeichens Studi-Mentorin, Gutachterin und Expertin für Abschlussarbeiten, im Gespräch mit Christian Strategien sowie Tipps für eine erfolgreiche Literaturrecherche, Quellenbewertung und Verwaltung.

Inhalt:

00:00 Vorschau
01:14 Nadine stellt sich vor
03:06 Erste Schritte der Literaturrecherche
10:45 „Graue Literatur“ & State-of-the-Edge Forschung
13:50 KI-Tools für Suche, Zusammenfassung etc.
19:20 Bewertung von Quellen für wissenschaftliche Arbeiten
23:39 Qualität & Relevanz von Quellen beurteilen
39:13 Literaturverwaltung für wissenschaftliche Arbeiten
46:15 Zitierstile: Typische Stile, Leitfäden & Umsetzung
53:41 Plagiate vermeiden - das Wichtigste im Überblick
57:15 Nadines Mentoring & Social Media

Nadine im Internet:

➡️ Website: https://nadinesyring.de
➡️ Facebook: https://www.facebook.com/CoachingMitKonzept
➡️ Instagram: https://www.instagram.com/nadine.syring
➡️ LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/nadine-syring
➡️ TikTok: https://www.tiktok.com/@nadinesyring

Im Podcast erwähnt:

👉 Researchgate: https://www.researchgate.net/
👉 Consensus GPT: https://chatgpt.com/g/g-bo0FiWLY7-consensus
👉 Mimir Mentor Podcast mit den Gründern: https://www.youtube.com/watch?v=tBSjoRRCLCA
👉 Mimir Mentor im Test: https://www.youtube.com/watch?v=ArFv7dGd8Kk
👉 Connected Papers: https://www.connectedpapers.com/
👉 Zotero: https://www.zotero.org/
👉 Citavi Schnellkurs: https://www.youtube.com/watch?v=d0UikSwJt9g
👉 Podcast mit Nadine über Zitate, Plagiate & absolute No-Gos in wissenschaftlichen Arbeiten: https://www.youtube.com/watch?v=Whvas2If1SA

Christian: Nadine, herzlich willkommen hier zum wiederholten Male im Podcast, zum dritten Mal müsste das jetzt sein. Ich habe dich vorgestellt als unsere Expertin für wissenschaftliches Arbeiten. Vielleicht stellst du dich selber erstmal kurz vor.

Nadine: Erstmal vielen Dank, dass ich schon zum dritten Mal hier sein darf. Alle guten Dinge sind drei, Christian, das wird also unsere beste Folge heute. Ich bin Mentorin, akademische Mentorin, also Mentorin für wissenschaftliche Arbeiten, und ich habe es mir wirklich auf die Fahne geschrieben, dass wissenschaftliches Arbeiten Spaß machen darf, kann und soll. Was ich meinen Mentees immer wieder vermittle, ist, dass es leicht sein kann. Damit meine ich nicht, dass es von alleine geht, aber es gibt wirklich Wege, wie wir es dir deutlich leichter machen können. Wir wandeln einfach deine Wissenslücken in einen Wissensvorsprung um, und das, was du in drei Jahren Hochschule nicht gelernt hast, das bringe ich dir häufig in wenigen Wochen und in wenigen Monaten bei. Das ist so meine Hauptaufgabe: wissenschaftliches Arbeiten so vermitteln, dass es Spaß macht.

Christian: Cool, dann gucken wir mal, ob wir jetzt vermitteln können, dass Literaturrecherche und die Arbeit mit der Literatur auch Spaß machen kann. Für mich waren das in meinen Studienzeiten immer so die spannendsten Sachen, tagelang irgendwie in der Bibliothek zu verbringen. Ich glaube, die Literaturrecherche war in den Jahren auch noch ein bisschen anders, so um 2003, 2004, 2005. Da hat man sich eben noch in eine Bibliothek gesetzt häufig und ist da an so einen PC gegangen und hat irgendwelche komischen Programme genutzt. Das ist glaube ich heute alles ein bisschen einfacher und übersichtlicher.

Nadine: Nicht wirklich. Also ich erinnere mich auch an die Zeit, dass es noch ganz anders war. Ich weiß gar nicht, ob das noch jemand kennt: Fernleihe. Das heißt, du hast dir Bücher aus anderen Bibliotheken in deine Bibliothek schicken lassen müssen, weil es die halt nur analog gab. Gleichzeitig würde ich aber sagen, es ist gar nicht unbedingt einfacher heute, weil natürlich so eine coole Online-Datenbank auch immer heißt, du musst noch mehr wissen, was du suchst.

Christian: Das stimmt, du musst natürlich auch wissen, was du suchst. Dann können wir gleich mal ins Thema einsteigen. Ich habe im Intro gesagt, dass man möglicherweise, bevor man jetzt direkt an die Recherche seiner Literatur geht, noch ein paar Schritte vorher zu erledigen hat. Lass uns mal über die allerersten Schritte reden. Ich möchte jetzt eine Arbeit schreiben, einen Text schreiben, ob es nur eine Seminararbeit ist oder eine Bachelorarbeit. Was sind so die allerallerersten wichtigen Schritte in Zusammenhang mit der Literatur, wenn ich eine Arbeit schreiben möchte?

Nadine: Ich glaube, der allererste Schritt, und den auch viele immer so ein bisschen überspringen, weil sie sofort richtig machen wollen, was gar nicht verkehrt ist, aber der allererste Schritt ist wirklich: Geh mal ganz locker an die Sache ran und guck mal, was gibt's zu dem Thema. In dem Punkt darfst du auch wirklich noch alles lesen, was dir unterkommt, also von mir aus auch mal ein TikTok-Video dazu oder mal einen Blog oder einen Zeitschriftenartikel oder vielleicht auch schon mal ein Buch, was du noch im Studium hattest. Du kannst in dieser Phase wirklich wild mischen, erstmal dich mit dem Thema beschäftigen. Das Spannende ist, dass in genau dieser Phase oft schon coole Ideen kommen, gerade vielleicht über Medien, die jetzt nicht hochwissenschaftlich sind, dass da spannende Ideen kommen für einen Forschungsansatz. Dann ist es aber wichtig, dass du die Kurve wieder kriegst, wirklich zu wissenschaftlicher Literatur und zum wissenschaftlichen Recherchieren. Aber der Einstieg kann durchaus mit allem passieren, das dir Spaß macht. Das ist sogar ganz wichtig, denn wenn wir sofort irgendwie in wissenschaftliche Datenbanken einsteigen, die eben nicht so super schön aufbereitet sind, sondern die sehr funktional sind und wo wir wirklich mit gezielten Suchbegriffen suchen sollten, dann ist der Spaß von Anfang an schon irgendwie gekillt. Wenn aber vorher schon zumindest grob klar ist, was du machen möchtest, dann fallen dir die nächsten Schritte natürlich wieder viel leichter.

Christian: Das setzt ja auch voraus, dass ich tatsächlich auch schon ein Thema habe und das auch schon entwickelt und eingegrenzt habe. Dann fällt es mir natürlich auch ein bisschen leichter, die Literatur zu finden. Geht das irgendwie auch einher, dass man ein Thema sucht und findet und gleichzeitig auch nach Literatur schaut?

Nadine: Ja, also ich würde mir diese ganzen Quellen raussuchen, mit denen ich Bock habe zu arbeiten, und da würde ich gucken, was da drinne ist, was mich interessiert. Es kommt ein bisschen drauf an: Wenn es die erste Seminararbeit ist, dann haben die Studierenden ganz wenig Erfahrung mit der Recherche bisher gemacht. Da empfehle ich wirklich: Such dir mal das, was Spaß macht, und guck, kriegst du da irgendwie ein Thema raus, womit du dich beschäftigen kannst. Klar, bei der Seminararbeit oder Hausarbeit ist das Thema oft entweder schon grob eingegrenzt oder sogar vorgegeben, da ist das natürlich ein bisschen anders. Aber wenn ich jetzt weiter im Studium voranschreite oder vielleicht sogar schon eine Masterarbeit schreibe, dann habe ich – zumindest sollte das so sein – schon viel Erfahrung mit der Recherche gemacht, und dann kann ich natürlich viel schneller in wissenschaftliche Paper einsteigen. Da empfehle ich immer das Ende von Papern oder die Essenz von Reviews. Die sind großartig, um Forschungslücken aufzudecken, um zu gucken, was haben denn andere Autoren am Ende ihres Papers geschrieben, was könnte noch erforscht werden. Da kann man super cool reingucken und sehen: Spannend, das greife ich auf. Falls jetzt alle denken „Oh, das kann ich doch nicht machen, das ist ja geklaut": Nein, das ist nicht geklaut. Du erwähnst sogar in deiner Arbeit nachher, dass du aus diesem Paper die Empfehlung, dazu weiter zu beforschen, rausgenommen hast. Das ist völlig in Ordnung.

Christian: Forschungslücken sind ja dann in der Regel auch Literaturlücken. Das meinte ich auch damit: Das kann ja manchmal einhergehen, dass man erstmal schaut, wo sind denn da eigentlich die Lücken, und danach dann auch sein Thema richtet.

Nadine: Genau, das ist auch möglich. Du suchst vielleicht nach irgendwas und stellst fest, es gibt dazu nichts. Obwohl ich da sagen muss: Vorsicht, in 99,9 % der Fälle, wenn man so gar nichts findet, dann ist häufig die Suchstrategie eine falsche. Ich erlebe das ganz oft, dass Studierende sagen: „Zu meinem Thema gibt's nichts, mein Thema ist so neu, es gibt nichts." In 99,9 % der Fälle gibt es etwas, wo wir andocken können, vielleicht auch was Abstrakteres, wo wir andocken müssen. Aber wenn es so gar nichts gibt, dann kann das auch ein super Hinweis auf eine Forschungslücke sein.

Christian: Am Anfang gucke ich also auch erstmal nach eher so allgemeiner Literatur, nach so überblicksartiger Literatur, das kann auch mal ein Wikipedia-Artikel möglicherweise sein, und gehe dann so ein bisschen schneeballartig vor. Ich gucke, was da ist, was da für Literatur erwähnt wird, gibt's irgendwelche Literatur, die häufig in verschiedenen Quellen erwähnt wird, das gucke ich mir dann mal an.

Nadine: Ganz wichtig, da hast du schon eine Recherchestrategie tatsächlich angesprochen. Es gibt verschiedene Recherchestrategien, eine davon ist diese Schneeballmethode, dass du einfach guckst, was haben die zitiert, und dann weitergehst. Achtung, das kann sehr schnell auch sehr konfus werden, und oft überfordert das auch einige, weil du hast ein Paper, dann hast du da vielleicht 40 Quellen dran. Die Erwartung ist jetzt aber nicht, dass du alle 40 Quellen anguckst. In diesen 40 Quellen sind ja wieder 40, 50, 100 Quellen drin, das funktioniert also nicht. Um diese Strategie gut benutzen zu können, ist es schon wichtig – hast du vorhin schon kurz angedeutet –, dass du an dem Punkt schon eine Eingrenzung hast. Es sollte schon klar sein: Was will ich eigentlich machen, was ist so mein Themenfeld, welche Forschungsfrage idealerweise will ich bearbeiten? Dann ist diese Schneeballmethode cool, dann kannst du nämlich im Literaturverzeichnis gucken: Alles klar, die Titel, was passt in meine Forschungsfrage, was geht in meine Richtung. Dann ist es großartig. Für die erste Recherche kann das schnell sehr komplex werden.

Christian: Also wichtig, von Anfang an auch so ein bisschen die Recherche eindämmen und gucken, dass es nicht zu sehr ausufert. Das mache ich dann auch, indem ich mit meiner Literaturliste arbeite. Hast du auch eben schon angesprochen: Das gehört ja dann auch zu den ersten Schritten, dass man die Literatur dann auch gleich sortiert und strukturiert. Schreib ich mir da erstmal eine Excel-Liste auf oder in mein Word-Dokument, oder wie würdest du da vorgehen?

Nadine: Da würde ich immer gerne den Rat mitgeben: Mach mal das, was dir am leichtesten fällt. Es gibt sehr coole Literaturverwaltungsprogramme. Wenn du aber noch ganz am Anfang deines Studiums stehst und gerade nicht die Kapazität hast, dich in eine neue Software einzuarbeiten, dann ist Excel eine gute Lösung. Wenn du aber sagst, ich möchte es von Anfang an richtig machen und ich starte auch rechtzeitig für die Seminar- und Hausarbeit, dann auf alle Fälle von Anfang an in ein Literaturverwaltungsprogramm einarbeiten. Wichtig aber ist: Diese erste Phase, die wir gerade angesprochen haben, wo du wirklich erstmal super quer guckst, auf Blogs, auf TikTok, irgendwas, was du so einfach googelst – da brauchst du noch keine Dokumentation machen in deiner Literaturverwaltung. Das machst du wirklich in dem Moment, wo du sagst: Okay, alles klar, ich habe es ein bisschen eingegrenzt, ich weiß jetzt, was ich konkreter suche, jetzt steige ich ins Thema ein. Dann sofort jedes Buch, jede Notiz, die du irgendwo rausnimmst, immer sofort entweder in die Excel-Tabelle oder von mir aus auch in Zotero, in Citavi, was du für dich so als Weg für die Literaturverwaltung gefunden hast. Wichtig aber: niemals ohne Literaturverwaltung. Also niemals glauben „Oh, ich merke mir, wo ich das herhabe" oder „Ich stelle mir die Bücher alle auf" oder „Ich mache mir einen Ordner, wo ich die alle reinlege". No.

Christian: Über die Verwaltungsprogramme sprechen wir dann später noch mal ein bisschen detaillierter. Wichtig zu wissen: Am Anfang vielleicht sich schon mal so ein bisschen damit auseinandersetzen mit den Programmen und gucken, was man nutzen könnte, ob man einfach erstmal Excel nutzt, und eventuell auch schon mal anfangen, sich eine kleine Liste anzulegen. Dann ist mir noch ein Begriff aufgefallen oder untergekommen, ich glaube, den hatten wir auch im Vorgespräch kurz erwähnt: Das ist graue Literatur. Kannst du uns vielleicht kurz erklären, was genau graue Literatur ist und wie man damit in der Recherche umgeht?

Nadine: Graue Literatur ist erstmal wirklich was richtig Cooles, und jede gute wissenschaftliche Arbeit sollte sich auch mit grauer Literatur auseinandersetzen. Warum? Weil in grauer Literatur die neuesten Erkenntnisse veröffentlicht werden. Das sind Tagungsbände zum Beispiel, oder das können auch Paper sein, die veröffentlicht wurden, das können aber auch einfach Forschungsberichte sein. Es sind wirklich die neuesten Erkenntnisse, und man muss sich das so vorstellen: Wenn neueste Erkenntnisse irgendwie kommen – wir nennen das auch State of the Edge-Forschung, also Forschung auf der Kante –, das heißt, das sind neueste Erkenntnisse, die sind aber noch nicht so oft repliziert worden oder so bestätigt worden, dass sie es in die weiße Literatur, also die Fachliteratur, die theoretische Grundlagenliteratur, geschafft haben. Aber das sind wirklich die Erkenntnisse, die oft dein Thema sehr spannend machen, wo du sehr gut zeigen kannst, dass du kritisch reflektieren kannst. Denn diese Ergebnisse ziehst du noch mal extra durch einen kritischen Filter: Passt das auf mein Thema? Sehe ich das auch so, wie das da steht, oder habe ich vielleicht eine andere Quelle gefunden, die was anderes sagt? Also mit grauer Literatur kannst du in Arbeiten unglaublich cool reflektieren, auch so ein bisschen spielen und vor allen Dingen zeigen, dass du sehr gut in dem Thema drinsteckst. Also auf jeden Fall immer graue Literatur.

Christian: Und wie finde ich die? Da muss ich mich ja schon ein bisschen auskennen, eigentlich auch innerhalb der Community wahrscheinlich.

Nadine: Das kommt ein bisschen drauf an, an welcher Stelle des Studiums du stehst. Am Anfang würde ich jetzt nicht erwarten, dass jemand sofort weiß, welche Fachtagungen es gibt. Aber auch das kann man zum Beispiel googeln, und auch hier: Die Voraussetzung ist, du musst wirklich wissen, was dein Thema ist. Also nicht irgendwie grob nach Marketing googeln, sondern es ist dann wirklich wichtig, dass du genau weißt, was deine spezifische Forschungsfrage ist. Dann kannst du auch wirklich mal googeln, welche großen Tagungen es gibt, welche großen Institute gibt es, die sich damit beschäftigen und die dann Tagungen anbieten. Dank der Digitalisierung ist es wirklich so, dass Beiträge von Tagungen oft auf den Tagungswebseiten hinterher sogar kostenlos veröffentlicht werden. Oder du kannst bei ResearchGate gucken, das ist eine Plattform, wo ganz viele graue Literatur ist, weil da einfach Autorinnen und Autoren ihre Paper jederzeit hochladen können. Da gibt es die Möglichkeit, entweder sofort runterzuladen, oder du kannst die Autoren anschreiben und sagen: „Hey, ich schreibe gerade meine Masterarbeit, ich habe Ihr Paper gefunden, ich würde das gerne lesen." In der Regel bekommst du das sehr schnell zugeschickt. Also das ist auf alle Fälle eine gute Plattform, um graue Literatur zu finden. Aber auch die KI-basierten Suchmaschinen haben graue Literatur immer wieder mit drinne, und auch Google Scholar hat graue Literatur mit drinne. Woran erkennt man das? Zum einen am Veröffentlichungsdatum, am Veröffentlichungsort – also wenn das ein Tagungsband ist, steht das da meist auch wirklich drüber. Aber graue Literatur zu finden, ist heute viel leichter als früher.

Christian: Du hast gerade schon KI-basierte Suchmaschinen erwähnt, da hätte ich jetzt auch noch ein, zwei Fragen dazu. Grundsätzlich wollen wir jetzt nicht zu ausführlich darüber reden, wo ich denn jetzt ganz konkret recherchiere, in welcher Bibliotheksdatenbank und so weiter. Das lernen eigentlich alle auch unsere Zuhörer in der Regel schon im allerersten Semester, je nach Fachbereich. Die Hochschulen stellen heute auch super Übersichtsseiten zur Verfügung, viele Datenbanken auch von Verlagen und so weiter, wo man viel recherchieren kann, und da kommt es dann eben so ein bisschen auf den Fachbereich drauf an. Deswegen macht es jetzt keinen Sinn, hier wirklich zu ausführlich darauf einzugehen. Worüber ich noch ein bisschen reden würde, sind so KI-Tools, die du jetzt schon angesprochen hast. Da sucht man in der Regel nicht mehr so stichwortbasiert und mit irgendwelchen Operatoren in der Suche, sondern man kann da ja theoretisch ganzen Text zum Beispiel eingeben oder einfach eine ganz ausführliche Frage oder auch eine kurze Frage und bekommt dann da möglicherweise gute Ergebnisse oder auch nicht so gute. Consensus ist so ein Tool, was ich kenne für Forschungsliteratur, benutze ich selber auch mal ganz gerne. In ChatGPT gibt's ein Plugin, da gebe ich einfach irgendein Thema oder eine Frage ein und bekomme da ja so ein paar Paper vorgeschlagen und gleich noch so ein bisschen erklärt und zusammengefasst. Ich kenne noch meinMentor, das hatte ich mal vorgestellt, da kann man auch eine Frage dort in die Suche eingeben und bekommt dann schon eine ganze Menge Literatur dargestellt. Nutzt du sowas, oder deine Mentees?

Nadine: Auf jeden Fall, ich bin großer Fan von KI, und gleichzeitig bin ich auch immer dabei zu sagen: Es ist wichtig, dass wir es als Tool sehen. Es ist ein Tool, und ich muss wissen, wie ich mit diesem Tool umgehen kann. Dann ist es ein großartiges Tool. Es ist kein Ersatz für meinen eigenen Kopf, und das ist wirklich wichtig gerade bei KI. Im Mentoring arbeiten wir ganz viel auch mit solchen Datenbanken, weil sie das Leben einfach leichter machen. Du hast gerade schon zwei genannt, ich habe auch so eine Lieblingsplattform, mit der ich sehr viel arbeite: Connected Papers. Auch eine KI-basierte Datenbank, die sich darauf spezialisiert hat, wissenschaftliche Paper zu zeigen. Das Coole ist, dass du nicht nur Paper aufgelistet bekommst, sondern du siehst sofort, in welcher Verbindung die zueinander stehen, und du bekommst dann auch so Themenwolken angezeigt und kannst dir damit wirklich einen sehr guten Überblick über ein Thema verschaffen. Natürlich macht KI das Recherchieren einfach unglaublich leichter. Gleichzeitig ist es wichtig, dass du trotzdem die Paper auch überprüfst. Gerade in den KI-Datenbanken – das ist ein großer Unterschied zu den traditionellen Datenbanken – gibt's halt auch oft Paper, die eben nicht den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen. Deswegen sage ich immer: Schön den Kopf einschalten und immer noch mal drüber gucken. Kann ich dieses Paper wirklich benutzen? Ist das wirklich von der wissenschaftlichen Qualität her zitierfähig? Wenn du das aber kannst, dann sind das mega Tools, und man sollte die auch definitiv nutzen. Ich habe am Anfang gesagt, das darf Spaß machen, wir wollen uns das leicht machen. Und mit leicht meine ich nicht, dass jemand anders die Arbeit schreibt, sondern dass du es dir leicht machst, diese Arbeit zu schreiben. Da sind solche Tools total großartig.

Christian: Ich denke, für die Sichtung hat das auch sehr viel Potenzial. Man kann beispielsweise bei ChatGPT eine PDF-Datei einfach hochladen und dann sagen: „Fass mir das mal ganz kurz zusammen, fass mir da die wichtigsten Punkte zusammen." Oder: „Schreib mir einfach mal, worum es da jetzt geht." Mit dem Beurteilen ist glaube ich schwieriger, das kann die KI dann noch nicht ganz so gut, zu sagen, wie wissenschaftlich das Ganze jetzt ist. Aber wahrscheinlich mit dem richtigen Prompt müsste man eigentlich auch ganz gute Ergebnisse bekommen.

Nadine: Ja, wenn man zum Beispiel Kriterien vorgibt und sagt: Achte darauf, dass die Quellen das und das erfüllen. Die Erfahrung, die ich schon gemacht habe bei diesen Zusammenfassungen: Man sollte das Paper vorher einmal gelesen haben. Wir haben es auch schon getestet im Mentoring, und gerade wenn man ganz spezifische Fragen stellt – also wirklich nicht nur „Fass mir mal irgendwie die zehn Seiten auf einer zusammen", sondern ganz spezifische Fragen –, dann kann es auch mal sein, dass es wirklich nicht stimmt, was in der Zusammenfassung ausgespuckt wird. Es kommt auch ganz stark auf das Thema an. Wir haben das mal mit philosophischen Texten probiert, da sind wir sehr schnell an die Grenze gekommen, weil da geht's wirklich um einzelne sprachliche Punkte. Gleichzeitig, als Tool ist das super. Wenn du das Paper überflogen hast und weißt, darum geht's, in diesem Paper geht es um dein Thema, und dann konkreter nachfragst: „Kannst du mir sagen, ob auch die und die Punkte genannt werden?" Dafür ist es super, und dann kannst du entscheiden: Lese ich es jetzt noch mal konkreter, oder kommt es auf die aussortierte Liste? Auch da: super Tool, aber vielleicht nicht zu hundert Prozent drauf vertrauen, sondern immer den Kopf noch mit einschalten und prüfen, ob das richtig ist. Ich würde dann auch immer wirklich spezialisierte Tools bevorzugen, weil die eben Modelle benutzen, die tatsächlich auch trainiert sind auf Anforderungen, die ein Wissenschaftler oder auch Studierende haben an die Ergebnisse.

Christian: Lass uns doch mal über die Quellenbewertung reden. Ich habe jetzt eine kleine Literaturliste zusammengestellt in der ersten Recherche oder habe schon ein paar Sachen gefunden, die ich ganz interessant finde. Wie kann ich denn jetzt ganz konkret beurteilen und bewerten, ob das jetzt wirklich sinnvoll ist für meine Arbeit? Aber bevor wir in diese Frage einsteigen, lass uns noch mal ganz kurz darüber reden, was es denn überhaupt für Arten von Quellen gibt, also für unterschiedliche Arten von Quellen. Primärquellen habe ich irgendwann mal gelernt im Studium, das sind eben die Quellen, die ich vor allem auch in Geschichte dann eben nutze.

Nadine: Also was du in die Richtung meinst, sind die Arten von Quellen. Wir haben wirklich Primär-, Sekundär- und Tertiärliteratur, und dann gibt's aber auch noch Arten von Literatur, das heißt, ich kann ein Fachbuch haben, ich kann ein Sammelwerk haben, ich kann eine Monografie haben, ich kann einen Fachzeitschriftenartikel haben. Diese Einteilung haben wir auch noch. Aber um noch mal zu den Primär- und Sekundärliteraturarten vielleicht was zu sagen, weil das ganz wichtig ist: Primärliteratur ist wirklich das, was du primär benutzen solltest – das merkt sich ja schon mal leicht. Jetzt ist es aber gar nicht so einfach, immer die Primärliteratur zu finden. Wir suchen immer denjenigen oder diejenige, die das wirklich gesagt hat. Wenn wir das mal am Beispiel machen: Du hast ein Buch von Schulz, und Schulz erwähnt in seinem Buch, dass Meier eine bestimmte Liste aufgestellt hat. Wenn du jetzt das Buch von Schulz nur hast und daraus die Information nimmst, die Meier gesagt hat, dann ist das eine Sekundärquelle. Schulz ist in dem Moment die Sekundärquelle für Meier. Deine Aufgabe wäre jetzt – und wenn Schulz das richtig gemacht hat, dann hast du die Quellenangabe zu Meier –, du holst dir erst das Buch von Meier und liest in der Primärquelle nach, ob Meier das wirklich so gesagt hat. Warum? Weil Schulz hat das ja entweder direkt oder indirekt zitiert und trotzdem in einen Zusammenhang genommen. Das ist so ein bisschen wie Stille Post: Du kannst also nicht sicherstellen, ob du die Aussage von Meier genauso sehen würdest wie Schulz. Deswegen gehen wir auf Nummer sicher, wir wollen ja immer sehr transparent und objektiv arbeiten, also Primärquelle suchen.

Jetzt kann ich richtig sehen, wie einige beim Zuhören denken: „Echt, ihr Ernst?" Weil das natürlich aufwendig ist. Und ja, das mal vorweg: Es gibt auch Quellen, wo man die Primärquelle nicht findet. Das ist ganz besonders bei alten Standardwerken so, wo die Primärquelle vielleicht auch noch nicht digitalisiert wurde. In jedem Fachgebiet gibt es so Koryphäen, die immer wieder genannt werden, auf die sich alle beziehen, und dann darf man an der Stelle auch mal ein Sekundärzitat machen. Aber wichtig ist: Auch in der Zitationstechnik muss erkennbar sein, dass es eine Sekundärquelle ist. Das ist auch wichtig, weil damit bist du dann fein raus – wenn du sagst, ich habe das gar nicht bei Meier selber gelesen und ich habe das von Schulz, der behauptet, Meier hat das gesagt. Dann kann niemand sagen: „Warte mal, bei Meier steht aber eigentlich was anderes." Also für alle, die jetzt dachten, ich nehme einfach die Quelle von Meier und schreib es bei mir so rein: damit bitte Vorsicht.

Christian: Und dieses „zitiert nach" dann auch versuchen, eher zu vermeiden. Das lese ich auch mal sehr ungern oder habe ich als Lektor auch mal sehr ungern in wissenschaftlichen Arbeiten gelesen. Vielleicht kann man da noch eine Fußnote irgendwie dahinter machen und sagen, man hat tatsächlich nichts gefunden und muss sich dann da eben auf dieses Nachzitierte verlassen.

Nadine: Generell nicht so gerne gesehen, aber wie gesagt, wenn es sich nicht vermeiden lässt, ist es völlig in Ordnung. Dann aber lieber die Sekundärquelle angeben, statt zu behaupten, man hätte die Primärquelle gesehen. Und der Vollständigkeit halber: Tertiärquellen, das sind sozusagen Quellen, die Forschungsergebnisse von anderen zusammenpacken, also zum Beispiel sowas wie Handbücher oder Enzyklopädien. Wikipedia zum Beispiel ist eine Tertiärquelle.

Christian: Im Prinzip kann man auch alles Mögliche als Quelle nutzen, wenn man da einfach dann etwas über den Autor oder die Art der Entstehung oder was auch immer schreiben möchte, kann man das ja auch genauso als Quelle benutzen. Lass uns mal über die Qualität und die Relevanz von solchen Quellen reden. Ich habe mir auch mal ein paar Stichpunkte aufgeschrieben, und vielleicht sage ich einfach mal einen Stichpunkt und du sagst, was dazu einfällt. Also: Autorität und Qualifikation des Autors – wie wichtig ist das, um zu bewerten, wie gut diese Quelle ist?

Nadine: Sehr wichtig, und ich würde sagen, auch eines der wichtigsten Kriterien. Obwohl man immer sagen muss: Es gibt so eine Art Kriterienkatalog für die wissenschaftliche Qualität, und die Summe dieser Kriterien entscheidet nachher darüber, ob die Quelle wirklich gut ist oder nicht, also nicht nur einzelne singuläre Kriterien. Aber die können schon gute Hinweise darauf geben. Klar, der Autor, der das Buch geschrieben hat, der sollte natürlich Experte für dieses Thema sein. Und nur weil derjenige vielleicht Professor oder Professorin ist, heißt das jetzt nicht unbedingt, dass er oder sie Experte für dieses Thema ist. Das muss auch immer wirklich gecheckt werden: Ist er wirklich Experte für dieses Thema, hat er vielleicht schon mehr darüber veröffentlicht, ist der in diesem Feld anerkannt? Das kann man zum einen einfach machen, indem man den Namen mal googelt, total simpel, oder indem man sich den Zitationsindex anguckt, also wie häufig wurde dieses Buch in anderen Büchern zitiert. Achtung, das ist auch kein singuläres Kriterium, weil der Zitationsindex sagt nur, dass ein Buch sehr häufig zitiert wurde, sagt aber nicht, ob es im guten oder im schlechten Zusammenhang zitiert wurde. Wenn also ein Buch immer als Negativbeispiel angeführt wird, dann hat es auch einen hohen Zitationsindex. Deswegen müssen auch alle anderen Kriterien da mit reinspielen. Aber ja, ein wichtiges Kriterium auf alle Fälle.

Christian: Ein zweites Kriterium wäre eben Zitierhäufigkeit und Rezeption. Das hat man ja häufig auch, wenn man nach Studien googelt in einer Studiendatenbank: Da steht ja praktischerweise auch mal gleich daneben, wie häufig das eben irgendwo zitiert wurde. Aber ganz wichtig eben, das dann auch nicht als alleiniges Merkmal sozusagen zu verwenden für die Relevanz von der Quelle. Dann eine andere Möglichkeit, das zu bewerten, die ich mir hier notiert habe, ist die Art, wie das veröffentlicht wurde: ob das jetzt eine Verlagsveröffentlichung ist, in einem renommierten Verlag oder in einem weniger renommierten, ob es ein Peer-Review-Verfahren gab. Was kannst du uns dazu sagen?

Nadine: Das ist auch ganz wichtig. Zum einen ist der Verlag wirklich auch ein Kriterium: Ist das ein Wissenschaftsverlag, ist das ein freier Verlag, ist das vielleicht sogar im Eigenverlag entstanden? Dann muss man immer wirklich genau gucken. Bei den Review-Verfahren gibt's auch verschiedene Möglichkeiten. Review heißt einfach mal nichts anderes als: Hat schon mal jemand drüber geguckt? Also das hat nicht jemand einfach nur veröffentlicht, sondern vielleicht gibt es einen Gutachterkreis. Bei Fachzeitschriften haben wir das häufig, dann gibt es so einen Gutachterkreis, wo vorher alle Artikel, die eingegangen sind, wirklich geprüft werden. Dann gibt es auch verschiedene Stufen: Es gibt einfache Review-Verfahren, es gibt Double-Review-Verfahren, es gibt Double-Blind-Review-Verfahren. Das ist eigentlich so das Höchste. Double Blind bedeutet: Wenn du jetzt was veröffentlichen möchtest, dann reichst du deinen Artikel da ein, und dieser Artikel wird aber ohne Namen und ohne Institution eingereicht, wirklich nur der Text. Dann gibt es zwei unabhängige Gutachterinnen, die dieses Paper lesen und dir dann oft ein Feedback geben. Meist bekommt man das zurück mit ganz vielen Anmerkungen, dann arbeitet man das noch mal ein, und dann gibt's eine zweite Reviewschleife. Durch dieses Blind-Verfahren, also die Gutachterinnen wissen nicht, wer hinter dem Text steht, kommt es halt wirklich auf den Inhalt an. Das ist so das Höchste, was wir eigentlich in der Wissenschaft haben: Double-Blind-Peer-Review-Verfahren. Wenn das irgendwo dransteht, dann ist das schon mal ein Qualitätsmerkmal. Das Schöne ist: Bei Double-Blind-Review-Verfahren haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die noch ganz am Anfang stehen, oft eine sehr gute Chance, weil es eben nicht um ihren Namen geht, sondern um den Inhalt. Das ist auch ein cooler Indikator, um zu gucken, wie hoch ist die Qualität der Quellen.

Christian: Beim Verlag vielleicht auch noch wichtig zu schauen, dass häufig auch in so kleineren Promotionsverlagen veröffentlicht wird. Das ist dann vielleicht ein kleinerer Verlag, der jetzt in dem Sinne nicht so renommiert ist wie einer der ganz großen Fachverlage, aber trotzdem, die Dissertation muss ja irgendwie veröffentlicht werden. Ich weiß nicht, ob es auch möglich ist, im Eigenverlag zu veröffentlichen.

Nadine: Ja genau, und dann wäre das zwar auch eine Eigenverlagsveröffentlichung, aber trotzdem wahrscheinlich eine sehr gute Literatur, die man verwenden kann. Das ist ein super Hinweis, denn wenn du eine Dissertation bestanden hast, hast du ja so was wie ein Review-Verfahren durchlaufen, weil es werden ja nur Dissertationen veröffentlicht, die wirklich auch das Promotionsvorhaben erfolgreich abgeschlossen haben. Damit hast du ja so eine Art Review durchlaufen. Zum Hintergrund: Dissertationen müssen veröffentlicht werden, und es ist tatsächlich so, dass man als Autorin oder Autor sehr viel Geld zahlt, wenn man jetzt im Springer-Verlag oder so veröffentlichen möchte. In der Regel ist es so – ich mache mich jetzt vielleicht auch unbeliebt, wenn ich das so sage –, dass dafür viel Geld bezahlt werden muss. Dann gibt es auch Absolventinnen und Absolventen, die dann sagen, ich veröffentliche die Open Source. Das geht auch, und das macht man häufig über die Bibliothek. Deswegen findet man auch Dissertationen, wenn man in Bibliothekskatalogen sucht. Es gibt da also verschiedene Möglichkeiten.

Christian: Nächster Punkt, den ich mir notiert habe, wäre Aktualität: Wie aktuell ist die Quelle oder die Literatur eigentlich?

Nadine: Eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme, und da kursiert immer so diese Zahl: fünf bis zehn Jahre. Das kommt aber wirklich drauf an, was du studierst. Wenn du ein historisches Thema bearbeitest, dann arbeitest du definitiv mit älteren Quellen. Wenn du ein politisch-wirtschaftliches Thema bearbeitest, aber dir die wirtschaftliche Lage vor 10, 20, 30 Jahren anguckst, dann solltest du auch mit Quellen aus dieser Zeit arbeiten, und natürlich in Kombination mit Quellen, die heute einen Blick darauf haben. Man kann es nicht so pauschal sagen, aber wenn ich eine pauschale Zahl abgeben müsste, dann würde ich immer sagen: Achte darauf, dass es fünf, absolutes Maximum zehn Jahre sind. Wenn es ein Thema ist, was jetzt wirklich ein Neuzeitthema ist, also Digitalisierung, vielleicht auch Corona-Folgen, würde ich sagen maximal fünf Jahre. Da muss man das mal so ein bisschen anpassen.

Christian: Nächster Punkt ist inhaltliche Relevanz: Wie relevant ist diese Quelle jetzt für mein Thema und meine Arbeit?

Nadine: Da sind wir wieder bei dem, was ich heute schon gesagt habe: Du kannst nur entscheiden, ob eine Quelle für dich relevant ist, wenn du weißt, was für dich relevant ist. Das heißt, hier ist wieder wichtig: Bevor du überhaupt in die Quellenarbeit startest, deine Forschungsfrage muss stehen, deine Problemstellung muss stehen. Du musst sozusagen für dich geschafft haben, so eine Art Scheuklappen anzulegen, dass du genau weißt, das ist das, was ich suche, und eben nicht total durcheinanderkommst. Relevanz ist echt ein entscheidender Faktor. Um das zu testen: Zuerst mal den Titel angucken, den Untertitel, und dann das Literaturverzeichnis – nicht zuerst das Inhaltsverzeichnis, sondern wirklich das Literaturverzeichnis. Weil am Literaturverzeichnis siehst du, welche Zutaten benutzt worden sind, um dieses Buch zu schreiben, und wenn das sehr ähnliche Zutaten sind wie die, mit denen du arbeitest, oder auch thematisch das in die richtige Richtung geht, dann guckst du das Inhaltsverzeichnis an, und dann solltest du wirklich schon gut entscheiden können – vorausgesetzt du weißt genau, was deine Forschungsfrage ist –, ob das Buch für dich relevant ist oder nicht.

Christian: Und wenn ich jetzt eine Quelle nutze, mal angenommen, ich nutze jetzt als Quelle irgendwas anderes, was gar kein Buch ist, ein TikTok-Video oder sowas – wie kriege ich das hin?

Nadine: TikTok-Videos sind nicht zitierfähig.

Christian: Aber mal angenommen, ich nutze es als Quelle: Ich schreibe jetzt eine Arbeit darüber, wie TikTok sich in den letzten Jahren entwickelt hat oder irgendwas, dann brauche ich ja auch in dem Sinne Beispiele.

Nadine: Achtung, da müssen wir wirklich zwei wichtige Sachen unterscheiden. Du kannst eine Arbeit über TikTok schreiben, wie TikTok sich entwickelt hat, ohne irgendein TikTok-Video. Das geht. In den meisten Fällen ist es aber so – solche Arbeiten habe ich schon betreut –, dass dann Videos analysiert werden. Die Videos sind dann aber Teil der Methodik, des methodischen Vorgehens, und dann ist das was anderes: Dann darfst du diese Videos als Methodik verwenden. Du machst jetzt zum Beispiel eine qualitative Inhaltsanalyse und guckst dir an, wie haben diese Videos sich entwickelt, wie hat der Ton sich geändert, wie hat die Länge sich geändert, wie haben die Inhalte sich geändert. Dann ist sozusagen das TikTok-Video das, was du für deine Methodik nutzt. Die Fachliteratur, die du aber brauchst, um vorher deinen theoretischen Rahmen zu setzen, die ist bitte zitierfähig. Da darfst du keine TikTok-Videos zitieren, weil diese Videos einfach nicht die Vorgaben für wissenschaftliche Literatur erfüllen: Du hast keine Rückschlüsse auf den Autor – selbst wenn du einen Namen hast, du weißt nicht, steckt der wirklich dahinter. Du hast kein verlässliches Veröffentlichungsdatum. Du kannst keine Rückschlüsse auf die Qualität ziehen, im Sinne von: die Quellen, die der dann nennt oder die Informationen, die er oder sie da nennt – wo hat er die her? Weil es gibt zu dem TikTok-Video kein Literaturverzeichnis. Das klingt jetzt alles total skurril, aber es ist wirklich wichtig.

Stell dir das so vor: Wenn du eine wissenschaftliche Arbeit schreibst, dann müssen die Zutaten, die du verwendest, also deine Literatur, der wissenschaftlichen Methodik entsprechen. Das ist ungefähr vergleichbar mit: Du möchtest eine Bio-Tomatensoße kochen. In dem Moment, wo eine Zutat nicht Bio ist, ist deine ganze Tomatensoße nicht mehr Bio. Und so ist es auch bei wissenschaftlichen Arbeiten: In dem Moment, wo deine Quellen nicht der wissenschaftlichen Methodik entsprechen, ist deine Arbeit nicht mehr wissenschaftlich. Deswegen merken: Bei solchen Themen, die gerade ganz viele beschäftigen – ich habe auch schon viele Arbeiten betreut, wo wir Instagram Stories und Instagram Posts analysiert haben –, das ist auch alles machbar. Aber wichtig: In dem Theorieteil vorher hast du bitte wissenschaftlich fundierte Literatur benutzt, um das herzuleiten, und in der Methodik benutzt du dann diese Medien. Das ist möglich.

Christian: Ein Punkt hätte ich noch: Um zu beurteilen, ob jetzt die Quelle relevant ist für mich, ist ja die Methodik, die in der Literatur verwendet wird – also sollte man sich das auch mal anschauen, wie wissenschaftlich die Literatur tatsächlich auch ist?

Nadine: Es kommt ein bisschen drauf an, womit man arbeitet. Wenn du jetzt zum Beispiel eine Dissertation benutzt, dann würde ich schon sagen: Guck dir mal an, wie der auf diese zentralen Kernaussagen gekommen ist. Wenn du dich auf die zentralen Kernaussagen dieser Dissertation beziehst, dann würde ich auch mal gucken, wie ist er denn darauf gekommen. Wenn du aber eine Dissertation oder einen Text einfach nur benutzt, um zum Beispiel deine Aussagen noch mal zu bestätigen, oder du nutzt das um in der Relevanz zu sagen: „Guck mal, das Thema wird gerade viel diskutiert", dann brauchst du nicht so stark in die Tiefe gehen bei der Quelle. Es kommt also auch so ein bisschen drauf an, in welchem Kontext du das benutzt.

Christian: Letzter Punkt zu diesem Themenbereich ist die Frage nach Websites. Das hatten wir auch schon im Vorgespräch kurz besprochen, das scheint auch ein Problem zu sein, was häufiger auftritt. Wie beurteile ich denn, ob eine Website jetzt geeignet ist oder der Text auf einer Website für meine Arbeit?

Nadine: Das ist eigentlich gar nicht so schwer, du guckst es dir einfach an, als wäre es eine ganz normale Quelle. Auch hier gilt: Was steckt hinter der Webseite? Ist das eine private Webseite, ist das von einem privaten Unternehmen? Dann immer Vorsicht, weil klar, ein privates Unternehmen hat ein anderes Erkenntnisinteresse als jetzt die Seite eines wissenschaftlichen Forschungsprojektes beispielsweise. Da würde ich also immer noch mal genau drauf gucken: Folgen die Sachen, die da jetzt auf der Webseite stehen, der wissenschaftlichen Methodik? Sind die objektiv, sind die transparent? Habe ich die Quellen, die ich brauche, um das zu reproduzieren? Bei wissenschaftlichen Seiten hast du das immer. Aber gerade bei privatwirtschaftlichen Seiten ist da wirklich Vorsicht geboten. Ich weiß, die werden immer ganz oben angezeigt, und die sind auch viel schöner aufbereitet als jetzt irgendwie so eine Seite von einem Forschungsprojekt. Für die allererste Phase: Go for it. Aber dann ist es wirklich wichtig, dass keine unwissenschaftlichen Webseiten in deiner Arbeit landen – denk an das Beispiel mit der Bio-Tomatensoße.

Was bei Webseiten auch noch spannend ist: Guckt euch die mal wirklich an, wird da zum Beispiel Werbung drauf geschaltet? Weil wenn da Werbung geschaltet ist – was überhaupt nicht schlimm ist, es gibt alles, ich will es nicht verurteilen –, aber aus der wissenschaftlichen Perspektive bedeutet das ja: Diese Seite liefert Information, damit die Werbung auch gleichzeitig angeguckt wird. Das ist auch völlig legitim, dafür sind Webseiten da. Aber im wissenschaftlichen Bereich bedeutet das eben: Sind die Informationen, die auf dieser Webseite stehen, jetzt wirklich noch objektiv, oder sind die vielleicht in eine bestimmte Richtung gelenkt, weil es eine bestimmte Zielgruppe ist, für die Werbung geschaltet wird? Das sind so Fragen, die ich mir stellen darf. Also auch mal das Impressum angucken, das sind immer so Hinweise darauf. Was man eigentlich auch sehr schnell erkennt, ist der Schreibstil auf den Webseiten, und ich glaube, das Allererste ist: Sind Quellen angegeben? Wenn keine Quellen angegeben sind, dann ist das schon mal spooky, weil dann kannst du keine Rückschlüsse darauf ziehen, wo diese Informationen herkommen.

Christian: Als Lektor fand ich Webseiten auch mal schwierig, weil häufig gingen die Links dann tatsächlich in dem Moment, wo ich das lektoriert habe, schon gar nicht mehr, oder ganz häufig nicht. Dann klickt man da drauf und wollte noch mal nachprüfen, ob das alles korrekt zitiert ist, und dann gehen die Links schon gar nicht mehr. Hast du da vielleicht noch einen Tipp?

Nadine: Ganz wichtig, gut, dass du fragst. Wenn ihr mit Webseiten arbeitet oder generell mit Medien, die nicht statisch sind, die dynamisch sind, die sich also verändern können, dann ist es ganz wichtig, gerade bei Abschlussarbeiten, dass ihr Screenshots macht. Das heißt, wenn du auf einer Webseite bist, die alle Kriterien erfüllt und du kannst sie benutzen, und du nimmst da irgendwas runter, dann bitte immer davon einen Screenshot machen, abspeichern, wann du dir diese Seite angeguckt hast. Auch bei der Zitation muss in sehr vielen Zitationsstilen das Abrufdatum angegeben werden. Warum? Weil man im absoluten Notfall bei dem Provider nachfragen könnte, wie diese Seite an einem bestimmten Datum ausgesehen hat. Ihr geht immer auf Nummer sicher, wenn ihr Screenshots macht. Legt euch einen Ordner an oder arbeitet das gleich in euer Literaturverwaltungsprogramm, das geht – legt euch einen Ordner an, wo ihr diese ganzen Screenshots sammelt. Vielleicht schmeißt ihr die nachher wieder raus, wenn ihr sie nicht braucht, aber immer erstmal Screenshots machen und mit dem Datum abspeichern. Ganz wichtig.

Christian: Dann lass uns mal über die Literaturverwaltung reden. Was gibt's so für Möglichkeiten, um Literatur zu verwalten? Wir hatten schon die Excel-Tabelle angesprochen.

Nadine: Die Excel-Tabelle ist das Klassische, damit haben wir früher immer alle gearbeitet, irgendwie mit einer Tabelle, wo man reingeschrieben hat: Autor, Titel, Verlag und die ganzen Informationen, die man nachher braucht fürs Literaturverzeichnis. Nachteil bei der Excel-Tabelle ist, dass ihr nachher am Ende euer Literaturverzeichnis selber erstellen müsst. Du fängst nachher an und überträgst alles, dann muss es alles alphabetisch geordnet werden – das ist ein enormer Zeitaufwand, den coole Tools dir heute komplett abnehmen. Ich weiß, als ich meine Masterarbeit abgegeben habe – am 25. August 2014, fast zehn Jahre her auf den Tag –, da habe ich wirklich Stunden damit zugebracht, dieses Literaturverzeichnis zu erstellen. Und das ist jetzt halt super simpel, wenn das mit Literaturverwaltungsprogrammen passiert, weil dann ist das ein Klick am Ende. Voraussetzung dafür ist aber, dass du wirklich von Anfang an deine Literatur dort einpflegst.

Es gibt verschiedene Programme, ich würde sagen, die zwei großen sind Zotero und Citavi, es gibt auch noch Mendeley und viele verschiedene andere. Auch hier gilt: Wähl dir das aus, womit du am besten klarkommst. Ich persönlich empfehle super gerne Zotero, weil es Open Source ist, weil es auf allen Betriebssystemen läuft und auch sehr simpel aufgebaut ist. Viele Studierende arbeiten aber auch mit Citavi, weil viele Hochschulen Hochschullizenzen für ihre Studierenden haben. Für Citavi braucht man eine Lizenz, das muss man kaufen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht in den letzten Jahren, dass auch viele Hochschulen diese Lizenzen nicht mehr verlängert haben. Von daher: Egal was du benutzt, es ist wichtig, dass du was benutzt. Das sind Programme, wenn man die das erste Mal öffnet, dann sieht das ein bisschen kompliziert aus. Aber es lohnt sich wirklich, sich da mal eine halbe Stunde einzuarbeiten. Gerade bei Zotero, weil es Open Source ist, gibt's super viele Blogs, super viele YouTube-Videos, die das ganz easy erklären. Wenn du dann deine Literatur da von Anfang an einarbeitest, hast du einfach den Luxus, dass während des Schreibens schon möglich ist, dass du sofort deine Zitation ransetzt. Die hat dann auch sofort den richtigen Zitationsstil, du musst dir um Formatierung keine Gedanken mehr machen, das macht alles die Software für dich. Es lohnt sich wirklich, wenn man genug Vorlauf hat, idealerweise von Anfang an des Studiums, aber spätestens bei den Abschlussarbeiten sich da einzuarbeiten.

Christian: Citavi sieht auf den ersten Blick wirklich sehr erschlagend aus von den ganzen Funktionen, die es da so gibt. Aber die Grundlagen kann man eigentlich auch in ein bis zwei Stunden verstehen. Da gibt's bei uns hier auf dem YouTube-Kanal ein Video, und dann schaut man sich einfach mal so ein Tutorial an und kann da schon anfangen, seine Literatur einzupflegen, vor allem auch Zitate beispielsweise einzupflegen und da gleich anzufangen, so ein paar wichtige Zitate zu sammeln. Zotero kenne ich, habe ich mir natürlich auch schon mal angeschaut. Vielleicht noch ein Tipp: Du hattest die Excel-Tabelle erwähnt, da kriege ich dann kein strukturiertes Verzeichnis raus, ohne da wirklich selber ranzugehen. Weile, das müsste eigentlich auch mit ChatGPT gehen: Ich nehme die Excel-Tabelle, lade die da hoch und dann mache ich einen guten Prompt und sage „Gib mir das mal bitte wirklich als so und so formatiertes Literaturverzeichnis wieder aus."

Nadine: Du hast recht. Gleichzeitig ist Citavi oder Zotero vielleicht doch noch die bessere Lösung, weil du aus einer Excel-Tabelle heraus nicht zitieren kannst. Du hast es vorhin ganz kurz angesprochen: Es gibt auch jetzt in Word ein Zitationssystem hinterlegt. Allerdings muss ich sagen, ich hatte jetzt schon ein paar Studierende, die das damit gemacht haben, die waren am Ende alle nicht so super happy. Erstmal gibt es nicht so viele Zitationsstile da drinne. Microsoft kommt aus Amerika, wir haben APA, aber mit Fußnoten und so können die nicht so richtig gut. Es kommt auch mal drauf an, welche Vorgabe du von der Hochschule hast, welchen Zitationsstil du benutzen sollst. Da würde ich eher aus meiner Erfahrung von der Word-Version abweichen.

Christian: Der Quellenmanager von Word, da habe ich auch schon ein, zwei Arbeiten gelesen, wo der genutzt wurde, und da gab's irgendwie dann auch immer Probleme. Ein Problem sehe ich auch, wenn man Citavi nutzt: Die Zitationen werden als Feld eingefügt, und wenn du Pech hast, werden dir diese Felder mit einem Mal irgendwie völlig zerschossen, und dann ist alles, was du da so eingefügt hattest, irgendwie kaputt. Also hier muss man da auch ein bisschen drauf achten, dass man eventuell, wenn man sich das eingefügt hat als so ein Feld, dass man das dann gleich in Reintext umwandelt.

Nadine: Dann kann man es aber später nicht mehr aktualisieren. Das ist ja eigentlich ein Vorteil: Wenn du siehst, du hast da irgendwie einen Typo drin in den Titel der Quelle oder sowas, dann änderst du das in Citavi, und dann kannst du das in deinem Word-Dokument auch alles ändern lassen. Aber ja, es führt halt irgendwie immer so zu dem einen oder anderen Problem. Aber ich glaube, für User, die so ein bisschen versiert sind im Umgang mit Word und auch mit so einem Programm, sind das eigentlich ganz gute Tools. Gerade wenn du deine Abschlussarbeit oder auch eine Arbeit über einen längeren Zeitraum schreibst, hast du halt die Möglichkeit, die Literatur da zu hinterlegen, du kannst dir Markierungen machen, du kannst sie sofort zuordnen zu bestimmten Kapiteln. Natürlich auch hier Bedingung: Du weißt vorher, was du willst, wo die Reise hingehen soll. Dann kannst du wirklich mit diesen Programmen dir die Quellen zu den einzelnen Kapiteln schon zuordnen, und wenn du dann die einzelnen Kapitel schreibst, lässt du dir nur die anzeigen, die du da schon markiert hast. Das macht dir das Arbeiten mit der Literatur während der Schreibphase deutlich leichter.

Christian: Auf jeden Fall eben vorher damit beschäftigen und nicht erst, wenn man dann anfangen möchte, sein Verzeichnis zu erstellen oder sowas.

Nadine: Das kennen wir alle: Wir nehmen uns immer vor, dass wir das alles vorher machen. Für alle, die die hören, die noch am Anfang sind: Nehmt euch einfach mal eine halbe Stunde Zeit, euch da einzuarbeiten, und dann testet das über die Hausarbeiten. Wenn du schon kurz vor der Abschlussarbeit stehst, dann auch noch mal gucken, kriege ich das noch hin, ansonsten wie gesagt ist Excel auch eine Alternative. Aber sobald noch irgendwie Zeit ist, schon versuchen – das spart einfach super viel Nerven.

Christian: Und was für viele auch glaube ich so nervenaufreibend ist, sind Plagiate. Lass uns vielleicht im nächsten Abschnitt noch so ein bisschen über Zitierstile reden und dann auch über Plagiate und wie man diese auch erkennt und vermeidet. Es gibt ja auch ungewollte Plagiate. Vielleicht noch ganz kurz ein paar Worte zu den Zitierstilen: Ich kann mir mit Citavi ja beispielsweise auch Belege einfügen und mir dann einen Zitierstil auswählen. Woher weiß ich denn, welcher Stil jetzt der richtige für mich ist, und was sind so die üblichen Stile?

Nadine: Ich würde sagen, die üblichen sind Harvard, dann Chicago, MLA vielleicht, und APA. APA ist eigentlich das, was in den letzten Jahren wirklich so auf den Vormarsch gekommen ist. Aber wichtig, auch hier: Es ist von Fachbereich zu Fachbereich verschieden, und es divergiert vor allen Dingen auch ganz krass zwischen den Betreuungspersonen. Wenn eine Betreuungsperson sich schon vor zehn Jahren auf Fußnotensystem festgelegt hat, dann wird die auch noch in den nächsten zehn Jahren von den Studierenden verlangen: Macht das mit Fußnotensystem. Oder wenn das jemand ist, der immer selber nach Harvard zitiert, wird er auch von seinen Studierenden verlangen, dass sie nach Harvard zitieren. Also da immer nachfragen, direkt bei der Betreuungsperson, oder aber im Leitfaden der Hochschule. Die meisten Hochschulen haben Leitfäden für wissenschaftliches Arbeiten, und da steht meist auch drin, nach welcher Zitationsform zitiert wird. Das ist wirklich wichtig, dass ihr da reinguckt.

Was ich in der Praxis immer wieder erlebe – und ich kenne zahlreiche Leitfäden von Hochschulen –, ist, dass in dem Leitfaden steht: „Sie zitieren bitte nach APA", und dann sind da aber Beispiele aufgeführt, die aber nicht der eigentlichen Zitationsvorgabe von APA entsprechen. Das heißt, an vielen Hochschulen wird so ein bisschen gemischt, und dann ist es wirklich wichtig: Abschlussarbeit oder auch wissenschaftliche Arbeit ist nicht der Moment zum Diskutieren. Das heißt, ihr macht das wirklich so, wie das in dem Leitfaden steht. Deswegen wirklich in den Leitfaden gucken. Egal welche Zitationsform ihr wählt: Es ist wichtig, dass ihr die einheitlich durch die ganze Arbeit durchzieht. Nicht wechseln und auch nicht mischen, also auch möglichst nicht eine Intextzitation, also wo die Klammer aufgeht und die Quellenangabe kommt, mischen mit einer Fußnotenzitation. Das sind einfach formale Fehler, die müssen nicht sein. Also wichtig: Rausfinden, nach was ihr zitieren müsst, entweder am Leitfaden oder über die Betreuungsperson, und durchziehen, wirklich durch die ganze Arbeit durchziehen. Das ist glaube ich so das Allerwichtigste. Und lieber Seitenzahlen angeben. Bei APA sind in ganz vielen Vorlagen keine Seitenzahlen mehr drin, nur noch bei direkten Zitaten, aber viele Betreuungspersonen wollen das. Deswegen empfehle ich immer, während der Schreibphase lieber die Seitenzahlen angeben – rauslöschen kannst du die immer noch. Bei Citavi oder Zotero ist das ein Klick und die Seitenzahlen sind raus. Aber die hinterher nachrecherchieren, wenn die Betreuungsperson zum Ende hin sagt, da sind ja gar keine Seitenzahlen dran – das ist hart.

Christian: Also auch diese Einheitlichkeit, von der du gesprochen hast, die wird natürlich ein bisschen einfacher zu erledigen sein, wenn man so ein Programm nutzt. Dann stellt man einmal den Stil ein und das wird eben dann immer einheitlich eingefügt. Du hattest ein paar Stile genannt: APA, MLA und so weiter. Da muss einfach jeder selber schauen, das bringt jetzt auch nichts, wenn wir da jetzt jeden Stil noch mal hier im Detail erklären, das sollte man sich da einfach wirklich damit beschäftigen, bevor man seine Arbeit schreibt, und in der Literatur der Hochschule oder des Fachbereichs dann eben auch nachschauen. Du hast eigentlich schon ein paar Fehler genannt, aber lass uns das noch mal ganz kurz strukturiert angehen: Was sind so die ganz typischen Fehler beim Zitieren? Uneinheitlichkeit hattest du schon genannt, das lässt sich eigentlich einfach vermeiden, indem man eben einheitlich einen Stil durchzieht.

Nadine: Ich nenne noch zwei andere.

Christian: Punkt eins wäre übermäßiges Zitieren, also man zitiert zu viel.

Nadine: Das ist ein Fehler, der mir in der Praxis so gut wie nie begegnet.

Christian: Also doch kein typischer Fehler? Ich habe auch schon Arbeiten gelesen, die bestanden fast nur aus Zitaten, das war dann auch beim Lesen super anstrengend. Häufig frage ich mich auch, warum zitiert derjenige jetzt eigentlich irgendwas.

Nadine: Wichtig ist, das kommt immer ein bisschen drauf an, wo wir in der Arbeit uns gerade befinden. Im Theorieteil, das ist schon ein Teil, der sehr quellendicht ist, weil wir uns ja auf das beziehen, was schon da ist. Aber im Diskussionsteil wird das dann weniger, was nicht heißt, dass keine Quellen drin sind. Oder im Ergebnisteil, wo man sich auf die eigenen Ergebnisse bezieht und Ergebnisse darstellt, auch deutlich weniger. Aber ich bin jetzt seit fast 20 Jahren Gutachterin für Abschlussarbeiten, ich kann mich jetzt ad hoc nicht daran erinnern, dass ich irgendwann mal in einem Gutachten geschrieben habe: „Da sind so viele Quellen drin." Also ich würde sagen, das ist kein typischer Fehler, sondern eigentlich das andere: zu wenig Quellen.

Christian: Zu wenig Quellen.

Nadine: Ja, und das ist auch ein Fehler, der so leicht zu vermeiden ist, aber immer wieder passiert, dass Studierende noch nicht verstanden haben, warum zitieren und wann es wirklich wichtig ist. Da gilt wirklich diese Eselsbrücke: Alles, was nicht von dir ist, muss zitiert werden. Es sei denn, es ist eine Schlussfolgerung, aber auch dann muss aus dem Text ersichtlich sein, dass das eine Schlussfolgerung ist. Weil einfach derjenige, der das mal erfunden hat, der das rausgefunden hat, der das erforscht hat – der oder die haben ein Recht, einfach genannt zu werden. Das ist wirklich ein gängiger Fehler, der sehr häufig passiert, und wodurch auch Plagiate entstehen, die ganz oft nicht absichtlich sind.

Ganz wichtig: Ich weiß nicht, wo das irgendwie steht oder wer das mal kommuniziert hat, aber in wissenschaftlichen Arbeiten die Quelle an das Ende des Absatzes zu packen – formal bezieht sich die Quelle dann auf den ganzen Absatz, und aus wissenschaftlicher Perspektive ist das nicht richtig, das geht nicht. Wenn du einen ganzen Absatz auf eine Quelle beziehst, dann hast du erstmal dem Objektivitätsgrundsatz eine Schelle verpasst, weil wenn du dich auf einer ganzen Seite oder auf einem ganzen langen Absatz auf eine Quelle beziehst, dann kannst du nicht objektiv gearbeitet haben. Das machen wir schon mal nicht, weil wir wollen ja objektiv arbeiten. Es ist also theoretisch nicht möglich, am Ende eines Absatzes eine Quelle zu schreiben und zu sagen, das bezieht sich auf den ganzen Absatz. Auch wenn man jetzt irgendwie ganz viele Sätze hat und dann steht die Quelle am Ende – das erlebe ich ganz oft –, dann frage ich: Wo ist dann die Information her? Und dann kommt: „Ja, aus der Quelle, steht doch da." Ja, aber die Quellenangabe bezieht sich immer auf den Gedanken, der davor genannt wurde, nicht auf den davor, davor, davor. Es gibt da so ein paar Möglichkeiten, das über den Text zu lösen. Das geht. Aber generell würde ich sagen: Lieber zu viel als zu wenig Quellen.

Christian: Also wichtig zu verstehen, wo platziere ich jetzt meine Fußnote, wenn ich Fußnoten nutzen möchte. Das war auch mal so ein ganz typisches Problem, was ich so als Lektor mitbekommen habe, oder häufig einfach korrigiert habe: Platziere ich die jetzt direkt hinter ein Wort, hinter ein Komma oder irgendein Satzzeichen oder eben ans Ende von so einem Absatz. Damit sich auf jeden Fall auseinandersetzen, damit das alles korrekt ist. Plagiate hast du jetzt schon genannt. Vielleicht so als letzten Punkt: Kannst du uns noch ein bisschen was dazu erzählen, was kann ich denn machen, um Plagiate zu vermeiden, also vor allem natürlich die ungewollten Plagiate?

Nadine: Ich glaube, als Allererstes: wirklich verstehen, was Plagiate sind, und auch dass es verschiedene Formen von Plagiaten gibt. Viele denken immer: Okay, wenn ich irgendwas abschreibe, ein Copy-and-Paste-Plagiat. Okay, das wissen wir alle. Aber es gibt noch viele andere Plagiatsformen, die viel häufiger sind in Arbeiten. Ich würde sagen, das Häufigste ist wirklich so dieses unbeabsichtigte Plagiat: Da sind einfach keine Quellen dran an Informationen, die nicht von dir sein können. Dieser Leitsatz „Alles, was Allgemeinwissen ist, muss nicht zitiert werden" – der ist auch schlichtweg gelogen. Im wissenschaftlichen Arbeiten haben wir kein Allgemeinwissen.

Was auch aus meiner Erfahrung ganz oft passiert, sind andere Plagiatsarten wie zum Beispiel Mosaikplagiate. Das heißt, aus verschiedenen Quellen wird irgendwas zusammengenommen und als das Eigene verkauft. Oder Strukturplagiate: Ich gucke mir eine Hausarbeit an, die ich online gefunden habe, ich gucke mir eine Abschlussarbeit an, die ich online gefunden habe, und denke mir, die Gliederung, das ist eigentlich genau das, was ich auch machen möchte, und dann übernehme ich halt keine Texte, sondern ich übernehme die Gliederung. Das sind so Dinge, die viel häufiger auftauchen. Oder auch, dass Abbildungen aus anderen Arbeiten übernommen werden. Das sind immer Plagiate, ganz wichtig.

Um dem wirklich entgegenzuwirken, ist der erste Schritt, zu verstehen, was sind Plagiate, also wann begehe ich eine Urheberrechtsverletzung. Und auch wirklich zu verstehen: Was mache ich mit einem Text, also wie zitiere ich indirekt richtig, damit es eben kein Plagiat mehr ist? Das ist etwas, was ich sehr häufig sehe: Da ist ein Text, und der ist indirekt zitiert, und wenn ich mir die Originalquelle angucke, dann stelle ich fest, der ist nicht indirekt zitiert, der ist eigentlich direkt zitiert, weil da sind irgendwie nur zwei, drei Sachen umgestellt worden, oder da hat jemand die ganzen Wörter durch Synonyme ersetzt. Das ist nicht indirektes Zitieren, das ist dann ein Plagiat. Klar, für viele unbewusst, weil sie es nicht richtig beigebracht bekommen haben.

Christian: Du hast jetzt Plagiatscanner als Schlagwort erwähnt. Empfiehlst du, das zu machen?

Nadine: Ich empfehle immer, das irgendwie zu machen, aber Achtung: nicht einfach bei irgendeinem Onlineanbieter machen, wo ihr die Arbeit hochladet und dann sozusagen eine grüne Zahl oder eine rote Zahl kommt. Warum? Weil ein guter Plagiatscan nur wirklich was wert ist, wenn den jemand auswertet, also wenn jemand zusammen mit euch guckt: Okay, alles klar, die Parameter waren jetzt eingestellt in der Software, dann ist das und das bei rausgekommen. Wenn ihr diese Parameter nicht kennt, mit denen dieser Test gemacht wurde, oder auch niemand mit euch diesen Bericht auswertet, dann ist dieser Plagiatscan wertlos. Ich arbeite auch im Mentoring mit einer sehr großen Software, und ich kann jede Arbeit so testen, dass sie ein hundertprozentiges Plagiat ist – es kommt halt auch auf die Parameter an, die man da eingibt.

Christian: Also, wer sich für dieses Thema interessiert, das ist ja auch sehr komplex – darüber haben wir auch schon mal gesprochen, den Podcast verlinken wir natürlich hier in der Beschreibung. Du hast jetzt schon gesagt, es wäre optimal, wenn sich da jemand mit hinsetzt und die Software nutzt und dann eben das Ergebnis auswertet. Das kann man auch mit dir machen. Kannst du uns vielleicht noch zum Schluss beschreiben, wie man mit dir im Mentoring zusammenarbeiten kann?

Nadine: Ja, sehr gerne. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit mir zusammenzuarbeiten. Kommt immer drauf an, wie intensiv arbeiten wir zusammen, wie lange arbeiten wir zusammen. Das ist alles zusammengesetzt aus verschiedenen Bausteinen, und ein Baustein davon ist auch wirklich ein sehr hochwertiges Wissenschaftslektorat, wo wir auch diesen Plagiatscan machen, wo ich also auch wirklich drüber gucke und mit meiner Erfahrung aus jetzt fast 20 Jahren mir das angucke und genau entscheide, haben wir hier irgendwie eine Problematik, oder sollten wir da noch mal nachlesen in bestimmten Quellen, oder ist das alles so in Ordnung. Wenn das irgendwie spannend klingt, oder auch wenn ihr gerade an der Stelle seid, wo ihr nicht die Forschungsfrage gut eingrenzen könnt – weil ich begleite euch wirklich vom Anfang bis zum Ende oder in einzelnen Phasen –, dann schreibt mich gerne an, entweder über die Webseite oder über Instagram. Ich freue mich auf jeden, dem ich helfen kann.

Christian: Cool, das verlinken wir natürlich auch in der Beschreibung für das Video. Wo kann man dir sonst noch folgen?

Nadine: Auf TikTok kann man mir folgen, Instagram natürlich. Mein Hauptkanal ist allerdings aktuell Instagram und natürlich über die Webseite. Da könnt ihr auch mal nachlesen, die ganzen Bewertungen von Mentees, die bisher da waren. Ansonsten teile ich auf Instagram und auch TikTok wirklich viele Hinweise, viele Tipps, wie es dir eben gelingt, dass du da gut durchkommst durch die Abschlussphase und vor allem, dass es nicht so eine Phase ist, wo du am Ende ein mentales Wrack bist, sondern dass es wirklich auch eine Phase ist, die irgendwie Spaß macht. Das ist ja so das Ende vom Studium, danach geht der nächste Lebensabschnitt los, und es sollte nicht so eine ekelhafte Phase sein, sondern es sollte noch mal so ein richtig cooler Abschluss sein.

Christian: Cool, und ich hoffe mal, dass wir unseren Zuhörern jetzt auch so ein bisschen die Furcht vor der Literaturarbeit nehmen konnten. Also wirklich tausend Dank, dass du uns hier so viel darüber erzählt hast und uns diese Furcht dann eben genommen hast. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag.

Nadine: Ja, Christian, dir auch! Und vielen Dank, dass ich schon zum dritten Mal hier sein durfte. Tschüss!

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