5 Fehler, die dich die Bestnote in der Seminararbeit & Abschlussarbeit kosten | Mit Nadine Syring

In dieser Folge von Fernstudi.fm dreht sich alles um die fünf Fehler, die dich bei Seminar- und Abschlussarbeiten die Bestnote kosten können – und wie du sie vermeidest. Gemeinsam mit Nadine Syring, langjährige Hochschuldozentin, Gutachterin und erfahrene akademische Mentorin, beleuchtet Christian typische Stolpersteine im wissenschaftlichen Schreiben.

Nadine gibt praxisnahe Einblicke ins Zeitmanagement, zeigt auf, wie wichtig eine klare Struktur und die präzise Formulierung der Forschungsfrage sind, und erklärt, weshalb regelmäßiges Feedback essenziell für deinen Erfolg ist. Außerdem geht es um den Umgang mit Quellenchaos und wie du Zitierfallen sicher umgehst.

Ob du gerade deine erste Hausarbeit schreibst oder kurz vor der Abschlussarbeit stehst: Diese Episode liefert dir wertvolle Tipps, um deinen Schreibprozess effizienter, motivierender und stressfreier zu gestalten – und dir Bestnoten zu sichern.

Inhalt:

00:00:00 Vorschau
00:03:20 Nadine über sich
00:10:43 Fehler Nr. 1: Zeitmanagement & Prokrastination
00:24:00 Fehler Nr. 2: Fehlende Struktur & roter Faden
00:32:26 Fehler Nr. 3: Unklare Forschungsfrage & Zielsetzung
00:41:27 Fehler Nr. 4: Kein Feedback & keine Qualitätssicherung
00:54:20 Fehler Nr. 5: Chaos bei Zitaten & Quellen
01:01:52 Kontakt zu Nadine

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Im Podcast erwähnt:

👉 Christians Workspace Empfehlung Notion: https://www.notion.com/de
👉 Nadines Workspace Empfehlung Miro: https://miro.com/de/
👉 Word-Vorlage für Abschlussarbeiten: https://www.fernstudi.net/tutorials/vorlage
👉 Podcast mit Prof. Dr. Godehardt-Bestmann von der IU: https://www.fernstudi.net/podcast/56
👉 Podcast mit Nadine über Literatur in Abschlussarbeiten: https://www.fernstudi.net/podcast/36

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#podcast #studium #abschlussarbeit

Christian: Schönen guten Tag, liebe Freundinnen und Freunde des wissenschaftlichen Arbeitens. In diesem Podcast zum wiederholten Male zu Gast: Nadine Syring, unsere Expertin für Abschlussarbeiten und wissenschaftliches Arbeiten. Lange als Hochschuldozentin, auch als Gutachterin und natürlich als akademische Mentorin. Möglicherweise kennt ihr sie auch von Instagram, wo sie sehr aktiv ist. Sie hat mittlerweile Hunderte von Studierende in ihrer Abschlussarbeit begleitet und gecoacht. Und heute möchte ich mit ihr darüber reden, was so die Top-Fehler sind beim wissenschaftlichen Schreiben, von Hausarbeiten, Seminararbeiten und vor allem auch von Abschlussarbeiten. Wir haben uns mal fünf ganz typische Fehlerquellen rausgesucht und die wollen wir in diesem Podcast durchsprechen.

Christian: Hallo Nadine, dann herzlich willkommen in dieser weiteren Folge, die wir jetzt aufnehmen. Ich weiß schon gar nicht mehr so richtig, wie viele das jetzt eigentlich waren. Zwei, drei hatten wir glaube ich schon gemacht, dann müsste es jetzt die vierte sein.

Nadine: Ja, ich weiß es gar nicht, aber es waren alles sehr, sehr coole Folgen und es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Christian: Ja, interessanterweise sind das auch wirklich so die Top-Folgen, vor allem auf Spotify, die mit dir. Ich weiß nicht, das Thema Abschlussarbeiten betrifft ja jetzt nicht wirklich so eine große Community, sondern dann wirklich immer nur einen kleinen Teil, der gerade in seiner Abschlussarbeit ist. Aber wirklich riesiges Interesse, ne? Ich denke auch von normal sterblich Studierenden, die jetzt kein Fernstudium machen, nicht berufsbegleitend studieren, die hören sich das auch sehr gerne an. Aber für diejenigen, die dich jetzt noch nicht kennen, stell dich doch noch mal kurz vor.

Nadine: Also, erstmal vielen Dank, dass ich noch mal hier sein darf. Ich bin echt super gerne in deinem Raum und das macht mir immer sehr viel Spaß. Ich begleite meist berufsbegleitende Studierende, aber auch klassische Studierende so auf dem Weg von dem Frust in den Flow zu einer Abschlussarbeit, auf die sie am Ende wirklich stolz sind. Und das Ganze, ohne ein mentales Wrack zu sein, das ist mir so total wichtig.

Und wie machen wir das? Ganz wichtig: Was du in vielen Jahren der Hochschule, meistens drei, vier, fünf, nicht gelernt hast, das bringe ich dir halt in wenigen Wochen bei, indem wir deine Wissenslücken sozusagen zu einem Wissensvorsprung machen. Und ich bin auch an der Seite, wenn die Motivation gerade mal nicht so hoch ist, und das ist auch total normal in dem Prozess. Meine Mentees profitieren einfach von meiner wirklich jetzt 18-jährigen Erfahrung als Hochschuldozentin, als Betreuungsperson, als Gutachterin für Abschlussarbeiten. Ich kenne wirklich viele Seiten, auch als Wissenschaftlerin und jetzt letztendlich als Mentorin für Abschlussarbeiten.

Dieses ganze Paket sorgt dafür, dass ich einen sicheren Rahmen schaffen kann, wo wirklich jeder es schaffen kann, eine geile Abschlussarbeit zu schreiben, weil darum geht es. Und auch wirklich dabei Spaß zu haben, das ist für viele überhaupt nicht vorstellbar, dass das auch wirklich Spaß machen kann. Und dann eben am Ende des Studiums wirklich noch mal so eine coole Erfahrung zu machen und eine Abschlussarbeit abzugeben, auf die du wirklich stolz bist, und wo du weißt: Hey, ich habe alles gegeben und ich bin jetzt auch nicht reif für die Klapse. Das ist mein Ziel.

Christian: Und auch Seminararbeiten schon, ne? Das geht ja schon im Studium los, möglichst schon im ersten, zweiten Semester. Da kommt man häufig mal zu solchen Arbeiten. Ich muss ganz ehrlich sein, ich weiß gerade gar nicht, wie das eigentlich bei den Fernstudierenden so ist. Ob die noch so typische Seminararbeiten schreiben. Workbooks gibt's glaube ich viele, da muss man auch so längere Texte schreiben. Hast du da irgendwie einen Einblick?

Nadine: Ja, also ich arbeite ja sehr viel mit berufsbegleitenden Studierenden, aber auch mit klassischen Präsenzstudierenden zusammen. Und ich glaube, wissenschaftliches Arbeiten, das zieht sich durch das komplette Studium. Klar, die Krönung ist nachher die Bachelor- oder die Masterarbeit oder vielleicht sogar die Doktorarbeit, aber es ist natürlich was, was vom ersten Semester eigentlich gefordert wird. Weil das wissen viele nicht: Wenn du in Deutschland eine Hochschulzugangsberechtigung bekommst, dann hast du eigentlich irgendwo mal nachgewiesen, dass du das kannst.

Jetzt werden viele denken: Moment, nee, ich habe noch nie was davon gehört. Und das ist natürlich, durch diese vielen heterogenen Wege zu studieren, die alle mega sind. Ich liebe es, dass wir nicht mehr nur dieses Klassische haben nach dem Abi vier, fünf, sechs, sieben Jahre Vollzeitstudium. Und gleichzeitig hat sich halt dieses System noch nicht richtig drauf angepasst. Das heißt, viele Studierende sind, sagen wir mal ehrlich, total lost, und auch nachvollziehbarerweise lost, von Anfang an.

Wissenschaftliches Arbeiten ist einfach was, was so einen Stempel hat, völlig unberechtigterweise, denn wenn du einmal verstanden hast, wie es geht, dann hast du natürlich das ganze Studium über das schon leichter. Aber ehrlicherweise: Viele gucken dann erst am Ende, wenn es wirklich um die Bachelor- oder Masterarbeit geht. Aber ich weiß, dass in allen Studiengängen eigentlich irgendwie eine Form von wissenschaftlichem Arbeiten wichtig ist. Also es sind Seminararbeiten, Hausarbeiten, die oft auch total unterschiedlich sind. Manchmal sind es Praxisberichte, an anderen Hochschulen sind es dann auch Teamarbeiten. Also ich glaube, es gibt an jedem berufsbegleitenden Studium irgendeine Form von wissenschaftlicher Arbeit, und das ist ja auch wichtig, weil es ist immerhin ein akademisches Studium, dafür brauchen wir wissenschaftliches Arbeiten.

Christian: Und ich denke, es wird auch immer wichtiger dann auch im Berufsleben, ne? Weil ganz viele Arbeiten, die man so als Berufseinsteiger gemacht hat, direkt nach dem Abschluss, die wird's in Zukunft nicht mehr so geben. Und es ist einfach wichtiger, wirklich noch smarter zu sein, smarter auch als KI beispielsweise, wirklich auch gut wissenschaftlich arbeiten und forschen zu können. Das wird in Zukunft immer wichtiger werden. Und dann ist auch gut, wenn man sich im Studium wirklich schon ganz systematisch damit auseinandersetzt, und natürlich gleich von Anfang an.

Christian: Ich habe noch eine persönliche Frage. Deine Haarfarbe hat sich verändert im Vergleich zum letzten Podcast.

Nadine: Tatsächlich, ja, das ist wirklich, da sprichst du was Gutes an. Tatsächlich hat sich meine Haarfarbe verändert. Ich habe ein Projekt gestartet vor drei Monaten: Back to the roots, zurück zu meiner Naturhaarfarbe. Und tatsächlich ist das jetzt gerade meine Naturhaarfarbe. Ich bin aber ehrlich, es sollte so stufenweise passieren und das hat stufenweise nicht so gut geklappt. Ich muss mich dran gewöhnen. Ich war 20 Jahre blond, und als ich damals angefangen habe, meine Haare blond zu färben, war ich auch noch nicht so dunkel. Das heißt, es war jetzt auch eine Überraschung. Andere werden im Alter heller, ich werde dunkler. Ist ja jetzt auch nicht so, ne? Gibt Schlimmeres. Aber ja, ich muss mich dran gewöhnen, und wahrscheinlich wird's wieder ein bisschen heller, bis ich mich so dran gewöhnt habe.

Christian: Ja, ich habe dich halt noch so im Kopf sozusagen ganz blond, auch durch die letzten Podcast-Folgen. Geht alle auf Instagram und folgt dort Nadine.

Nadine: Genau, @Nadine.Syring, das ist mein Instagram-Kanal. Und da habe ich es auch schon ein bisschen angeteasert. Aber ich bin ehrlich, seit ich diese ganz neue Haarfarbe habe, habe ich noch keine Story gemacht. Das ist jetzt hier wirklich Premiere. Selbst meine Follower haben diese Haarfarbe, diese dunkle, tatsächlich noch nicht gesehen. Ich hänge ein bisschen hinterher gerade. Ich habe gerade im Hintergrund wirklich richtig coole Arbeiten, die ich gelesen habe, auch am Wochenende, die jetzt abgegeben werden. Da liegt dann immer mein absoluter Fokus drauf. Also absolute Premiere hier heute bei dir im Podcast.

Christian: Okay, wir steigen jetzt erstmal in das Thema ein. Top-Fehler beim Schreiben von Seminararbeiten, Hausarbeiten, vielleicht auch generell von wissenschaftlichen Texten. Wir haben uns eine Reihe an Fehlern überlegt, die wir nennen möchten und mal ein bisschen ausgiebiger besprechen möchten. Wir fangen an mit der Nummer 1. Das ist das Thema Zeitmanagement, also Fehler, die man machen kann in Bezug auf Zeitmanagement und auch Prokrastination beispielsweise. Was fällt dir spontan dazu ein?

Nadine: Also ich glaube, ein Fehler, den wirklich ganz viele machen, ist, dass sie überschätzen, was sie schon wissen, und unterschätzen, wie lange es eigentlich dauert, eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben. Und für beides liegt beim Studi selber nicht die Verantwortung, weil meistens ist es so, gerade wenn es die erste Seminar- oder Hausarbeit ist, sind wir mal ehrlich, es hat ja keiner beigebracht, wie es geht. Es ist ja eher mehr so ein Trial and Error-Ding: Du schreibst was und dann kriegst du, wenn du Glück hast, ein geiles Feedback und lernst damit. Aber das hat natürlich hohes Frustpotenzial.

Was ich immer wieder auch in den Gesprächen mit Studierenden reflektiert bekomme, ist, dass sie oft denken: So schwer kann es nicht sein. Und das ist ja auch gar nicht so schwer, aber sie unterschätzen wirklich, welche Punkte auf dem Weg erledigt werden müssen. Weil machen wir ein Beispiel: Du hast eine Hausarbeit, 12 Seiten, und jetzt denkst du vielleicht, 12 Seiten runterschreiben ist nicht so das Problem. Ist es ja auch nicht, wenn wir einen E-Mail-Text schreiben. Aber wissenschaftliche Texte sind halt anders strukturiert und jeder Satz, fast jeder Satz, entsteht aus einer Quelle, die du vorher gelesen hast. Und das unterschätzen ganz viele, diese Zeit, die nötig ist, um diese Seiten zu schreiben.

Und gerade bei berufsbegleitenden Studierenden: Du hast ja nicht die Möglichkeit, irgendwie vier Stunden mal abzugammeln und mal zu gucken, wie so eine Methodik funktioniert, sondern es ist total wichtig, dass du effizient die ein, zwei Stunden, die du abends noch hast, wo du ja schon 7, 8, 9, 10, 11, 12 Stunden gearbeitet hast, dann musst du es ganz effizient hinkriegen und sofort auch vorankommen. Und ich glaube, das ist zeitlich eine große Herausforderung, gerade bei den ersten Arbeiten.

Christian: Ja, ich kann mich auch noch an meine ersten Arbeiten im Studium erinnern. Das waren wirklich große Projekte. Da wusste ich auch nicht so richtig, wie fange ich jetzt am besten an, wie schätze ich das denn ein? Ich habe noch nie eine Seminararbeit geschrieben. Richte ich mich da so nach typischen Richtwerten, weiß ich nicht, 6 Wochen oder sowas? Wie schätze ich das am besten ein, was ich für Zeit brauche, um das Ganze zu erledigen?

Nadine: Pauschal ist es immer schwer zu sagen, weil ich natürlich gucken muss, wie viel Zeit habe ich überhaupt? Der eine arbeitet vielleicht Teilzeit und hat vielleicht 20 Stunden die Woche für das Studium, eine andere hat vielleicht nur 10 Stunden die Woche. Und dann hast du vielleicht jetzt noch bis zur Abgabe noch irgendein Projekt in deinem Job, was vielleicht diesen Durchschnitt auch noch mal nach unten drückt, oder du hast vielleicht auch eine Woche Urlaub, was ihn nach oben drückt. Also das sind Punkte, die sind sehr individuell.

Das heißt, als Allererstes einen Überblick verschaffen: Okay, ich muss in sechs oder acht Wochen abgeben. Was heißt das jetzt? Wie sehen meine nächsten 6 bis 8 Wochen aus? Wie viel Zeit habe ich realistisch? Weil ich kann dir jetzt erzählen, investiere auf alle Fälle in deine Theorie zwei volle Wochen, aber das bringt nichts, wenn es nicht zu deinem Plan passt. Das heißt, immer vom Möglichen ausgehen: Wie viel Stunden hast du jetzt überhaupt? Und dann muss runtergerechnet werden, wie viel Zeit habe ich für die einzelnen Segmente?

Und da hängt es natürlich auch wieder von der Hausarbeit oder der Seminararbeit ab. Hast du schon ein Thema vorgegeben bekommen? Musst du dein Thema selber eingrenzen? Hast du eine Forschungsfrage? Brauchst du eine Methodik oder ist es eine rein deskriptive Arbeit? Das sind Fragen, die ich vor allem immer erstmal der Betreuungsperson, den Dozierenden stellen würde, um wirklich eine klare Vorstellung zu bekommen: Was ist mein Soll, was soll ich hier überhaupt gerade leisten?

Und dann realistisch einschätzen. Ich würde immer sagen, ein Viertel der Zeit sollte auf alle Fälle für die Recherche draufgehen. Und da haben viele dann immer so ein blödes Gefühl: Man recherchiert, man hat ja noch nichts geschrieben.

Christian: Das ist ein blödes Gefühl, weil du eigentlich an den 10, 12 Seiten gemessen wirst, die du dann geschrieben hast, und wenn du jetzt zwei Wochen dran bist und hast noch nicht eine Seite geschrieben, das macht ein mulmiges Gefühl.

Nadine: Da kann ich sagen: Tief atmen. Weil die Zeit, die du da investierst jetzt in das Lesen, wichtig ist, dass es gezieltes Lesen ist, die holst du wieder raus, wenn du nachher strukturierter schreiben kannst. Literaturrecherche ist ein wichtiger Punkt, ein wichtiger Zeitblock. Und was glaube ich auch wichtig ist, und deswegen plane ich immer von hinten bei Abgaben: eine Überarbeitung. Wirklich am Ende noch mal Zeit zu haben für die Überarbeitung, für die Formatierung auch, weil das kostet unnötig Punkte.

Christian: Da kommen wir dann auch noch mal dazu zum Thema Qualitätskontrolle, auch ganz wichtiges Thema.

Nadine: Auf jeden Fall. Aber das muss zeitlich natürlich schon eingeplant werden. Und dann kommt es ein bisschen drauf an: Hast du eine eigene Methodik, hast du keine, ist es eine Literaturarbeit, musst du Interviews erheben oder möchtest du noch eine Befragung machen? Das sind natürlich immer Zeitblöcke.

Ich würde auf alle Fälle auch ein Viertel für die Theorie einplanen. Und dann ist es total wichtig, was wirklich viele in der Praxis nicht machen: Die Theorie muss stehen, bevor ihr in die Methode geht. Daran lässt sich nicht rütteln. Nicht einfach irgendwie quer irgendwelche Daten erheben und dann erst gucken, wie passt es. Dann die Methodik, das geht meist relativ schnell, wenn es gut geplant ist. Dafür brauchen wir nicht ein Viertel, sondern vielleicht ein Achtel. Dann die Auswertung, wieder ungefähr ein Viertel, und dann haben wir noch ein Achtel für die Überarbeitung.

Was ich auch noch empfehlen kann: Auf meinem Instagram-Kanal könnt ihr eine kostenlose Schreibtypenanalyse machen. Das ist ein sehr umfangreicher Test. Macht das ruhig, um für euch herauszufinden, welcher Schreibtyp ihr seid. Bin ich eher derjenige, der von Anfang an erstmal schreibt und dabei versteht, oder brauche ich erstmal alle Notizen und wirklich einen kompletten Plan, eine komplette Gliederung und gehe dann ans Schreiben? Das ist auch bei der Zeitplanung ein wichtiger Faktor.

Christian: Okay. Wer es braucht, der stellt sich vielleicht ein Board irgendwie in so einer App wie Notion beispielsweise oder irgendein Projektmanagement-Board. Gibt ja Menschen, die brauchen es irgendwie so visuell vor Augen, oder man klebt sich Haftnotizen irgendwo an die Wand, um sich das Ganze so ein bisschen strukturierter darzustellen.

Nadine: Kann ich noch einen Tipp geben, der für mich seit wirklich vielen Jahren funktioniert und den ich auch meinen Mentees weitergebe: Macht alles in einem Kalender. Also wirklich in dem Kalender, wo alles stattfindet, dein Leben, dein Job, dein Studium. Ein Kalender und nicht fünf verschiedene, weil dann siehst du auf einen Blick, was ist überhaupt möglich, wo habe ich Zeit, wo ist am Wochenende schon ewig lange was geplant, wo habe ich Zeitblöcke, die ich mir freihalten kann. Alles in einem Kalender. Und Miro zum Beispiel ist ein Tool, was ich auch super gerne im Mentoring nutze, um die Sachen zu visualisieren.

Christian: Zum Thema Zeitmanagement gehört auch Prokrastination. Vielleicht eine kleine Anekdote: Ein Freund von mir, das war noch zu meinen Studienzeiten, schon 15 Jahre her oder noch länger, der hat für eine Hausarbeit mehr als ein Jahr gebraucht. Also wirklich so kleine Seminararbeiten. Der hatte riesige Probleme mit Prokrastination, hat's kaum geschafft, an einem Tag einen Satz zu schreiben. Der hat dann irgendwann doch sein Studium geschafft. Aber das ist für mich so ein Paradebeispiel von extremer Prokrastination. Da leiden jetzt wirklich nicht viele von uns drunter, aber es sind noch glaube ich nicht wenige, die unter so einem Endspurtstress leiden. Gibt's da irgendwie einen Tipp dagegen, was mache ich, wenn ich wirklich das Gefühl habe, ich komme jetzt gar nicht voran und mache einfach andere Sachen, Netflix gucken oder sowas?

Nadine: Also ich glaube, Prokrastination ist so die Volkskrankheit beim Schreiben. Und das Spannende ist mal zu fragen, wo kommt die her? Die meisten wissen ja eigentlich, was sie machen müssen. Wir wissen auch, wie Schreiben geht, ihr könnt alle eine Tastatur bedienen. Warum klappt das trotzdem nicht? Und ein Fakt, der extrem oft auftaucht, ist Unsicherheit. Weil ja, okay, ich weiß zwar eigentlich, wie ich schreiben soll, und eigentlich habe ich das im Kopf schon. Da gehen schon bei mir alle Alarmglocken an, ne? Weil natürlich weißt du eigentlich, wie es geht, aber hast du es de facto wirklich mal gemacht und hast du vor allen Dingen auch die Erfahrung gemacht, dass du das gut machst? Oder schlummert dann so ein bisschen Angst: Was ist denn, wenn das jetzt blöd wird, blamiere ich mich dann, wie machen die anderen das?

Oft steckt eine Vermeidungstaktik dahinter. Und herauszufinden, welche Taktik deine eigene ist, ist der erste Schritt. Wir haben in solchen Momenten, wenn wir ganz groß unter Stress stehen, oft drei Taktiken: Vermeidung, Kampf und Totstellen. Vermeidung ist die, die bei den Studierenden am häufigsten auftaucht. Kampf sind die, die am Schreibtisch sitzen bleiben und sagen: Okay, ich habe heute nichts geschafft, aber ich saß 10 Stunden am Schreibtisch. Genauso ineffizient.

Vermeidung passiert immer dann, wenn ich am Schreibtisch sitze und plötzlich doch das Handy in die Hand nehme mit Instagram. Oder wenn mir plötzlich Sachen einfallen, auf die ich sonst nie kommen würde. Das ist immer eine Red Flag, wenn du plötzlich Bock auf Fensterputzen hast. Du würdest nie auf die Idee kommen, Fenster zu putzen, und plötzlich fällt dir ein, du könntest doch mal das Fenster putzen. Oder plötzlich hast du Bock, deinen Schrank aufzuräumen, was du sonst nie machen würdest. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass dein Unterbewusstsein nach Sicherheit strebt, weil auch wenn Fensterputzen keine so schöne Aufgabe ist, wissen wir, wie es geht, und wir haben die Sicherheit, dass wir das richtig machen.

Da darfst du dich dann immer fragen, wenn du merkst, du prokrastinierst ganz stark: Was brauche ich denn jetzt hier gerade, um mir selber die Sicherheit zu geben, dass ich vorankomme? Das kann sein, dass mal jemand rüberguckt, dass du dir Feedback einholst, dass du eine Gruppe hast. Aber die erste Frage, die man sich immer stellen muss, ist: Was brauche ich denn jetzt hier gerade, um es einfacher zu machen, dass es mir Spaß macht?

Jetzt sagen vielleicht einige, es macht mir nie Spaß, weil es ist eine blöde Aufgabe. Nee, das ist nicht richtig. Weil alles, was mit wissenschaftlichem Arbeiten zu tun hat, coole Themen bearbeiten, an einer Problemstellung, einer Problemlösung arbeiten, das sind eigentlich Dinge, die uns von Natur aus Spaß machen. Deswegen ist es so eine Krux, dass wissenschaftliches Arbeiten irgendwie keinen Spaß macht, weil eigentlich ist das eine intrinsische Motivation. Wir wollen ja immer Erklärungen für alles haben.

Fragt euch immer, wenn ihr merkt, ihr prokrastiniert ganz doll. Und ich habe wirklich die krassesten Sachen erlebt: Ein Mentee bei mir hat 18 Jahre seine Arbeit vor sich hergeschoben. Also es gibt Prokrastination in wirklich harten Fällen. Und damit es soweit nicht kommt, ist es wichtig, dich wirklich immer zu fragen: Was brauche ich denn jetzt hier gerade, damit es mir mehr Spaß macht? Das ist so die erste Frage. Nicht das einfach so hinnehmen und sagen, ist alles blöd, sondern wirklich aktiv die Verantwortung für diesen Prozess übernehmen und sich fragen: Was würde jetzt den Prozess für mich erleichtern oder verändern? Wie kann ich es mir leichter machen?

Christian: Okay, kommen wir zur nächsten Fehlerquelle. Das ist so ein Mangel an Struktur und auch überhaupt ein fehlender roter Faden. Ich fühle mich auch einfach so ein bisschen überfordert von den ganzen Dingen, über die ich da jetzt schreiben möchte. Ich komme mit der Gliederung zum Beispiel nicht zurecht. Kannst du uns dazu was sagen?

Nadine: Ja, Gliederung ist wirklich ein Punkt, und da muss ich wieder sagen, es ist nicht deine Schuld, wenn du das nicht weißt, weil es wird dir wirklich oft nicht beigebracht. Das sind so banale, grundlegende Sachen, und ich habe dazu auch mal einen Post gemacht, der hatte dann viel mehr Interesse als alle anderen. Ich dachte, krass, das sind so die Grundlagen, aber es wird nicht vermittelt.

Und für alle, die jetzt was zu schreiben dabei haben, bitte einmal notieren: Jede wissenschaftliche Arbeit hat den gleichen Aufbau. Kleines Sternchen, es gibt Ausnahmen, aber wir haben immer eine Einleitung, wir haben immer einen Theorieteil, wir haben immer eine Methodik, wir haben einen Ergebnisteil, einen Diskussionsteil und dann oft auch noch ein Fazit.

Wichtig ist, dass Einleitung und Fazit gleichgewichtig sind. Man sagt immer so roundabout 5 bis maximal 10 Prozent der Gesamtarbeit. Das bildet so einen Rahmen um die Arbeit wie ein Bilderrahmen. Und dann wird das eingebettet: Theorie, Methodik, Ergebnisse, Diskussion. Das ist eigentlich immer der Aufbau. Wenn ihr den schon mal auf euer Word-Dokument runterschreibt, dann habt ihr schon mal eine sehr coole Struktur. Ist natürlich nicht alles, aber ich merke immer wieder, dass da schon Fehler gemacht werden. Auch wenn Mentees zu mir ins Mentoring kommen, die schon mittendrin sind im Prozess, dass wir erstmal noch mal an die Gliederung gehen und sagen: Hey, da fehlen echt wichtige Teile oder die haben zu viel Gewicht oder zu wenig Gewicht.

Christian: Das ist vielleicht, wenn man aus dem Deutschunterricht noch Erinnerungen hat, da gab's noch diese Faustregeln: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Das ist ein bisschen komplexer bei einer wissenschaftlichen Arbeit. Kann ich das irgendwie üben, dass ich dieses Schema reinbekomme und auch ein Gefühl dafür habe, welchen Anteil innerhalb der Arbeit welcher Teil haben muss?

Nadine: Also wichtig ist, die Grundstruktur ist ja noch die gleiche. Wir haben eine Einleitung, wir haben Schluss, wir haben einen Hauptteil, nur dass dieser Hauptteil noch mal aus verschiedenen Elementen, Puzzleteilen, besteht. Aber kommt mich wirklich nicht festnageln auf die Prozentzahlen, nur als Orientierung. Das hängt sehr vom Thema ab, aber als Orientierung: Ein Theorieteil 20 bis 25 Prozent der Arbeit. Dann haben wir einen Methodikteil, der ist oft ein bisschen kürzer, vielleicht 10, vielleicht 15 Prozent. Bei umfangreichen Arbeiten kann das auch mal ein bisschen höher gehen, aber der ist kleiner als der Theorieteil.

Und der bildet den Übergang zu den Ergebnissen. Als Eselsbrücke: Die Theorie, das ist das, was ihr vorbereitet, das Wissen, was ihr braucht. Ich sage immer, das sind die Zutaten. Stellt euch vor, wir wollen eine Torte backen. Dann ist es ja auch so, dass wir, das machen wir in der Einleitung bereits, genau sagen, wie die Torte auszusehen hat, was wir vorhaben, und dass wir uns erstmal eine Rezeptliste zusammensuchen und dann unsere ganzen Zutaten, die wir für die Torte brauchen, vor uns liegen haben. Und auch wenn es noch andere coole Zutaten gibt, die liegen dann nicht mehr auf dem Küchentisch. Ihr holt doch nur die Sachen raus, die ihr wirklich braucht.

Das rauszufiltern ist schon eine enorme Leistung. Und das höre ich auch immer wieder: Ja, aber dann ist ja nichts von mir, weil ich muss ja alles zitieren. Doch, das rauszusuchen, das in die Struktur zu bringen, das auf die Forschungsfrage anzupassen, das ist eure Leistung.

Wenn wir das haben, dann sind wir auch in der Lage, den Übergang zur Methodik zu machen, nämlich zu sagen: Hey, okay, und ich mache es jetzt so und so. Und der Methodikteil ist eigentlich nichts anderes als ein zweiter Theorieteil in Anführungsstrichen, denn das, was der Theorieteil für den Inhalt ist, ist der Methodikteil für die Vorgehensweise. Da erkläre ich, für welche Methode habe ich mich entschieden und warum. Warum ist das die beste? Wie habe ich die aufgebaut? Welche einzelnen Entscheidungen habe ich auf diesem Weg noch mal getroffen? Je nachdem, ob sie jetzt qualitativ oder quantitativ ist oder eine reine Literaturarbeit.

Dann kommt der Ergebnisteil. Jetzt sage ich, was ist denn dabei rausgekommen, als ich das gemacht habe, was ich im Methodikteil gesagt habe? Und hier ist wichtig: Dieses Kapitel heißt Darstellung der Ergebnisse, nicht Diskussion der Ergebnisse. Das kommt danach. Das sind wirklich zwei getrennte Kapitel. In Hausarbeiten wird es manchmal zusammengefasst, aber in der Regel sind es zwei getrennte Sachen.

Und jetzt kommt das absolute Herzstück, was sehr oft stiefmütterlich behandelt wird, aber eigentlich das absolute Herzstück ist: der Diskussionsteil. Hier verbindest du jetzt das, was du in der Theorie gesagt hast, also die Zutaten, von denen du geglaubt hast, dass du sie brauchst, mit den Ergebnissen, die du rausgefunden hast. Das wird jetzt verknüpft. Da kannst du auch richtig zeigen, was du drauf hast, zeigen, dass du dein Thema verstanden hast, dass du die Methodik ordentlich durchgezogen hast. Dann kommt noch ein bisschen kritische Reflexion und der Schlussteil.

Christian: Ich gebe auch gerne noch einen Tipp mit auf den Weg von meiner Seite. Ein wichtiger erster Schritt, wenn man jetzt so ein Projekt macht, sei es nur eine Seminararbeit oder die Bachelorarbeit oder die Masterarbeit, ist, sich erstmal ein Dokument einfach anzulegen und sich da schon diese Struktur reinzubringen. Ich mache auch momentan eine Weiterbildung im KI-Bereich und habe jetzt mal angefangen, was umzusetzen, nämlich ein Kinderbuch zu machen. Der erste Schritt für mich war es, mir erstmal einfach ein Dokument anzulegen. Ich benutze da InDesign. Ich habe erstmal festgelegt, das soll jetzt so 30, 32 Seiten haben, so ein ganz typischer Aufbau für ein Kinderbuch, und da hatte ich noch keinen Inhalt. Das hat's viel einfacher gemacht. Die ersten paar Seiten sind dann halt der Kram, der am Anfang immer in Büchern steht, Impressum, Titelbild, und dann geht der Text los.

Ist beim wissenschaftlichen Arbeiten an der Uni oder an der Fachhochschule so ähnlich. Ihr habt auch einen begrenzten Seitenumfang. Legt euch erstmal ein Dokument an und fangt an, das nach und nach zu befüllen. Die ganzen Standardsachen, die da sowieso rein müssen, die bringt ihr da schon mal auf die Seiten. Dann fällt euch das auch viel leichter, weil ihr das visuell schon vor Augen habt, was dann euer fertiges Endergebnis sein könnte.

Nadine: Auf jeden Fall, diesen Soll-Prozess mal festlegen. Aber hier vielleicht auch Achtung, wenn wir gerade über Prokrastination gesprochen haben: Was jetzt nicht passieren darf, ist, dass ihr Wochen und Tage lang an dieser Datei rumformatiert. Das erlebe ich halt auch oft, dann wird alles ganz schick gemacht, nur weil man sich darum drückt, jetzt auch dieses Dokument zu füllen. Aber vollkommen richtig, am Anfang einmal wirklich einen Überblick verschaffen: Was ist denn der Soll des Ganzen? Was muss in 6, 8, 10, 12 Wochen stehen? Das gibt ja auch schon wieder Sicherheit.

Und das ist bei Hausarbeiten oft noch leichter als nachher bei der Abschlussarbeit, weil bei Hausarbeiten häufig ja auch das Thema vorgegeben wird. Da habt ihr also schon eine ganze Menge. Ist eine ideale Möglichkeit, um dann zu üben für die Bachelor- oder Masterarbeit, wo häufig das Thema dann nicht mehr vorgegeben wird. Aber die Struktur ist eigentlich immer die gleiche.

Christian: Gut, nächstes Sammelsurium an Fehlern: auch etwas, über das wir tatsächlich schon gesprochen hatten, und das ist die Forschungsfrage, die bei vielen so ein bisschen unklar ist, vielleicht nicht so gut formuliert, zu breit, zu eng gefasst vielleicht auch. Und generell so die Zielsetzung der Arbeit. Was sind da die ganz großen Probleme, die du aus deiner Praxiserfahrung kennst?

Nadine: Also, ich würde sagen, die Forschungsfrage ist wirklich eine sehr große Hürde, weil auch ganz oft in den Hausarbeiten und Seminararbeiten das nicht geübt wird. Viele, die ich im Mentoring kennenlernen darf, die formulieren jetzt in der Abschlussarbeit zum ersten Mal eine Forschungsfrage. Es gibt Hochschulen, da gibt es auch schon während des Studiums Praxisprojekte, da wird das ein bisschen geübt, aber häufig kommt die nicht von dir alleine. Und das ist schon eine große Herausforderung.

Ich erlebe es immer wieder, dass die Forschungsfragen entweder viel zu breit sind, ganz schwammig formuliert sind, sodass ihr selber nachher auf dem Weg gar nicht wisst, was ihr eigentlich vorhabt, oder auch ein spannender Fehler: dass sie schon ein Ergebnis suggerieren.

Wenn wir jetzt wieder bei dem Beispiel mit der Torte bleiben: Je konkreter ihr vorher wisst, wie diese Torte aussehen soll, ob die zweistöckig oder vierstöckig ist, ob die vegan ist oder nicht, ob die rosa oder lila außen ist, desto besser könnt ihr nachher auch die Zutaten auswählen. Denn wenn ich einfach nur sage, ich will eine Torte backen, und jetzt laufe ich los und gehe in die Literatur und gucke, welche Rezepte ich finde, na ist doch völlig nachvollziehbar, dass ich total überfordert bin, weil es gibt Millionen von Tortenrezepten.

Wenn ich aber vorher über die Forschungsfrage mich schon eingegrenzt habe und weiß, es muss eine vierstöckige vegane Hochzeitstorte werden, die braucht ein Einhorn oben, die muss rosa sein, die darf nicht nach Erdbeere schmecken, dann fällt's mir viel leichter.

Ich gebe mal ein Beispiel für so eine zu breite Forschungsfrage. Eine Forschungsfrage wirklich aus meiner Praxis war mal: Wie wirkt sich Digitalisierung auf Unternehmen aus? Das ist ein Thema, was gerade ganz viel bearbeitet wird, mega und total wichtig. Aber Wie wirkt sich Digitalisierung auf Unternehmen aus? ist wie Ich will eine Hochzeitstorte backen. Ich habe mich vielleicht schon so ein bisschen eingegrenzt, aber es ist noch nicht klar genug.

Wenn ich das konkreter mache, wenn ich eine klare Eingrenzung habe, zum Beispiel auf ein Tool, was ich untersuche, auf eine Branche, auf einen Kontext, dann wird's machbar und messbar. Es könnte zum Beispiel dann eher so lauten: Wie beeinflusst die Einführung von digitalen Kollaborationstools die interne Kommunikation in mittelständischen IT-Unternehmen in Deutschland?

Da habe ich das viel konkreter gemacht. Digitale Kollaborationstools ist eine Eingrenzung. Was will ich untersuchen? Die Wirkung auf die interne Kommunikation in Deutschland. Ich bin viel konkreter geworden.

Das ist wirklich ein Fehler, den ganz viele machen, und wo auch wirklich Zeit rein laufen darf, die zu formulieren.

Christian: Da kann ich doch eigentlich ganz konkrete Übungen machen, um Forschungsfragen zu formulieren. Auch schon bevor ich irgendwie loslege mit dem Schreiben, vielleicht schon im ersten Semester. Kann ich da KI nutzen? Also, ich hatte jetzt so als erste Idee, ich erstelle mir mal eine Übersicht, wie eine Forschungsfrage funktionieren muss, eine gute, mit diesen Hinweisen, die du jetzt schon gegeben hast. Und das lade ich dann als Kontext in die KI hoch und sage: Du bist wissenschaftlicher Mitarbeiter, hilf mir mal bitte dabei zu üben, Forschungsfragen zu finden, und gib mir einfach mal ein paar Übungen vor. Ist das eine Möglichkeit?

Nadine: Also, KI ist immer eine Möglichkeit, das mal vorweg. Ich bin großer Fan von KI und ich halte auch nichts davon, was manche Hochschulen da machen mit dem Verbieten. Kann man nicht verbieten, darf man nicht verbieten. Und gleichzeitig ist es ein Tool, und es kommt beim Nutzen von KI, gerade im wissenschaftlichen Arbeiten, sehr auf das Prompting an.

Wenn ich jetzt nur sage: Hey, gib mir mal eine Forschungsfrage zu Digitalisierung und Unternehmen, dann wird dir ChatGPT wahrscheinlich nicht diese Version ausspucken, die ich gerade gesagt habe. Weil die KI in diesen Details zum wissenschaftlichen Arbeiten, zumindest das ist meine Erfahrung, noch nicht so mega verlässlich ist.

Und jetzt kommt der Punkt: Wenn ihr mit einer Forschungsfrage arbeitet, die 100 Prozent von KI erzeugt wurde, steht ihr nicht dahinter, und das holt euch später wieder ein. Lasst uns bei dem Beispiel mit der Hochzeitstorte bleiben. Natürlich kann jemand anderes euch ein Bild zeigen von der Hochzeitstorte und ihr sagt: Okay, cool, jetzt habe ich was Konkretes. Aber dann auf dem Weg stellt ihr fest, oh, aber ich hätte schon gerne Erdbeergeschmack gehabt oder mir wäre lieber gewesen, wenn da kein Einhorn drauf ist, sondern eine Star-Wars-Figur. Dann wird es zu eurer Forschungsfrage. Das Problem ist, wenn wir was aufgesetzt bekommen, womit wir nicht richtig connected sind, dann wird es im Verlauf des Arbeitens schwieriger. Wir haben über Prokrastination gesprochen, weil dann ist es wieder so ein Thema, was von außen aufgesetzt ist und ihr seht den Sinn darin nicht so richtig.

Deswegen KI: mega Tool, aber bitte nicht vorgeben lassen, sondern wenn dann mit euren eigenen Interessen erarbeiten. Aber viele machen den Fehler, dass sie sich zu viel vorgeben lassen. Gerade im wissenschaftlichen Arbeiten, aus meiner Erfahrung heraus, wenn du dein eigenes Thema von Anfang an hast und dafür auch wirklich brennst, dann werden alle weiteren Schritte leichter.

Christian: Also, meine Idee war jetzt eher, das zum Üben zu nutzen, zu sagen: Gib mir mal ein Thema vor und ich versuche jetzt mal eine wirklich gute Forschungsfrage zu formulieren und du sagst mir dann, ob die wirklich gut ist oder nicht. So dass man das schon von Anfang an einübt, auch ordentliche Forschungsfragen zu formulieren. Natürlich kann man die sich auch erstellen lassen, dann hat man keinen Übungseffekt. Und deswegen habe ich gesagt, man muss natürlich auch selber wissen, wie eine gute Forschungsfrage funktioniert. Sonst macht die KI da auch wieder Quatsch und erzählt dir, das ist super, was du da gesagt hast, und vielleicht ist es gar nicht so.

Nadine: Ist auch eine coole Idee. Ich würde halt vorsichtig sein mit Ist das eine gute Forschungsfrage?, weil KI ja international befüllt ist, und da muss man wissen, dass wir auch international unterschiedliche Anforderungen haben. Im deutschsprachigen Raum wird da sehr viel Wert drauf gelegt, und es macht auch Sinn, weil ihr sehr akkurat mit der Literatur nachher arbeiten sollt. Aber die Idee, das als Übungstool zu nutzen, ist erstmal cool.

Und es gibt doch jetzt diesen neuen Modus bei ChatGPT, Study and Learn oder so. Das wäre vielleicht eine Möglichkeit, weil da wird ja immer zurückgefragt: Hey, wie siehst du das? Das könnte eine coole Übung sein. Aber du musst halt Daten vorgeben, das ist wichtig, und du musst auch wirklich einen guten Prompt schreiben. Man muss der KI sagen, welche Rolle sie einnehmen soll und so weiter. Beschäftigt euch einfach mal damit, probiert es aus, und übt die Forschungsfrage zu stellen. Dann fällt euch das dann auch leichter, wenn ihr dann vor eurer Abschlussarbeit sitzt.

Christian: Und Feedback ist auch ein Thema, über das wir jetzt im nächsten Themenbereich sprechen. Fehler Nummer 4, den wir uns so überlegt haben, ist: Man holt sich kein Feedback ein, so richtig, oder wartet dann eben nur auf das Feedback ganz zum Schluss, wenn die Arbeit geschrieben und eingereicht ist, die Note letztendlich mit einer Bewertung. Man holt sich kein Feedback ein und kümmert sich auch nicht so richtig um Qualitätssicherung. Ist das auch typisch?

Nadine: Auf jeden Fall. Und da aber noch mal wichtig: Für viele ist es ja auch schwer, Feedback einzuholen. Wenn ich eh schon unter Zeitdruck stehe und wenn ich im Fernstudium studiere, habe ich vielleicht auch gar nicht so die Connections zu den anderen Studierenden. Vielleicht hänge ich auch ein bisschen hinterher, das heißt, meine Kommilitonen sind vielleicht schon fertig. Ich sehe die Möglichkeit für mich gar nicht, Feedback einzuholen.

Und dennoch ist es so wichtig, wirklich immer wieder auch für diesen Sicherheitsaspekt. Wenn wir wieder das Prokrastinationsthema haben, diese Unsicherheit: Wenn mir jemand auf dem Weg sagt, das hast du total super gemacht, aber hier guck noch mal drauf oder hier biegst du falsch ab oder hier fehlt der rote Faden, dann gibt dir das natürlich immens Sicherheit im Prozess.

Dieses Feedback kann aus verschiedenen Bereichen kommen. Idealerweise kommt es natürlich von der Betreuungsperson oder von den Dozierenden, aber hier muss ich echt sagen, gibt es so krasse Unterschiede. Auch innerhalb der Hochschulen. Ich habe von großen internationalen Hochschulen Mentees, wo die Betreuungspersonen wirklich komplett unterschiedlich sind, wo die auch komplett unterschiedlich erreichbar sind. Und auch da: nicht drüber aufregen, die Zeit habt ihr nicht, Eigenverantwortung übernehmen und gucken, wo hole ich mir dann das Feedback her. Denn das ist wirklich wichtig: Wissenschaftliches Arbeiten lebt vom Austausch.

Nicht umsonst gibt es ja nachher wissenschaftliche Kolloquien, und in der Wissenschaft wird ganz viel immer diskutiert, auf jeder einzelnen Ebene. Weil eine Person ist nicht in der Lage, aus so vielen Perspektiven drauf zu gucken wie verschiedene Personen. Wichtig aber für den Schreibprozess ist, dass es dir selber Sicherheit gibt. Deswegen wirklich auch sich trauen, wenn es möglich ist, die Kommilitonen zu fragen, die Betreuungsperson. Viele beantworten die Fragen, auch wenn sie gefragt werden, aber häufig trauen sich die Leute auch gar nicht zu fragen.

Guckt, wo ihr euch Hilfe holen könnt. Das können auch Freunde sein, obwohl ich da immer ein bisschen vorsichtig bin. Wenn die in einem anderen Format studiert haben oder was komplett anderes studiert haben oder wenn es schon lange her ist, dann kann dieses Feedback auch schnell mal kontraproduktiv werden. Freunde und Verwandte zu fragen ist immer auch so ein Risiko, weil erstmal sind die nicht wirklich ehrlich zu dir, oft wollen die dir nicht irgendwie wehtun und sagen, das ist totaler Mist. Und dann haben die oft was anderes studiert in einem anderen Format, und das kann auch gefährlich sein.

Was ich aber immer empfehlen würde: Wirklich die Betreuungsperson fragen und gucken, wo ihr Feedback herbekommt. Das ist so wichtig für den gesamten Prozess.

Christian: Ich hatte neulich Stefan Godehard Bestmann von der IU im Gespräch, ist Professor für soziale Arbeit. Und der hat erzählt, die Profs und Lehrkräfte, die treffen sich häufig auch nach einem Arbeitstag noch mal digital über Zoom und trinken da so ein Feierabendbierchen. Das kann ich auch empfehlen für Studierende: Sucht euch irgendwie eine Gruppe, mit der ihr das Studium irgendwie durchzieht, und trefft euch da einfach regelmäßig. Das ist dann auch mal ein guter Raum für Feedback. Da hat jeder auch Zeit dafür. Wenn ich jetzt im Alltag irgendwo eine Nachricht kriege, Kannst du da mal kurz drüber gucken, super schwer, das irgendwie unterzubringen. Aber wenn man sich so einen Raum schafft, einmal in der Woche, Freitagabend 20 bis 21 Uhr, da kann man das ansprechen, hat jeder Zeit dafür.

Nadine: In der Praxis ist es halt oft schwer, wenn jemand Vollzeit arbeitet, eine Familie hat, und die sagt Freitagabend, also pass mal auf. Und gleichzeitig, wenn das von Anfang an im Studium sich etabliert, dann sind das ja auch Gruppen, wo ihr auch eine Vertrauensbasis nachher habt, die wirklich hilfreich ist. Also das macht total Sinn, und dann muss man sich auch nicht jede Woche treffen, sondern in dem Rhythmus, in dem es sinnvoll ist für alle. Das macht durchaus Sinn, feste Termine zu haben oder auch eine WhatsApp-Gruppe, wo man sich austauscht. Und da vielleicht noch der Hinweis: lieber weniger und dafür intensiv als ganz viele. Es macht auch keinen Sinn, wenn 50 Leute in der Gruppe sind.

Christian: Absolut.

Nadine: Sucht euch, wenn es irgendwie geht, von Anfang an Leute. Und ich erlebe es immer wieder in den Gesprächen, auch mit meinen Mentees: Wir haben in der Academy auch so eine Co-Working-Möglichkeit. Viele kommen und sind total skeptisch, weil sie das überhaupt nicht kennen aus ihrem Studium, weil sie bisher wirklich alleine durchgezogen haben, so Scheuklappen drauf. Das ist auch nachvollziehbar. Aber es macht einen Riesen-Unterschied, mit anderen, die in der gleichen Bubble sind, die in dem gleichen Umfeld sind, durchzuziehen, als wenn ihr das alleine macht.

Ich nenne das immer den Fitnessstudiöffekt. Wenn du Freunde hast, die alle übergewichtig sind, rauchen, sich ungesund ernähren, keinen Bock auf Sport haben, wenn das dein Umfeld ist und du die Einzige bist, die studiert, dann ist es total schwer, das durchzuziehen, weil du immer irgendwie innerlich dafür kämpfst. Wenn du aber ein Umfeld hast oder zumindest eine Bubble, in die du regelmäßig reingehen kannst, wo die Leute fünfmal ins Fitnessstudio gehen, wo sie alle committed sind, wo sie alle das gleiche Ziel haben, wo sie auch die gleichen Struggles haben, weil alle mal Muskelkater haben oder weil alle mal keinen Bock haben auf Sport, dann fällt es dir viel leichter durchzuziehen. Alleine der Effekt, dass du in dieser Bubble bist, wird es dir leichter machen.

Ich glaube, das unterschätzen ganz viele Fernstudierende. Sucht euch ein Umfeld, sucht euch eine Bubble, die euch mitzieht, die es euch leichter macht, eure eigenen Ziele zu erreichen. Und da bekommt man automatisch Feedback.

Christian: Coaching ist auch eine super Möglichkeit für Feedback. Du hast jetzt gesagt, manche haben Freitagabend keine Zeit, bei mir wäre das genauso, da ist dann Familienzeit. Eigentlich für mich jetzt auch Samstag und Sonntag, gerade wenn man da noch viele Kinder hat. Aber Coaching ist eigentlich eine super Möglichkeit, wenn ich jederzeit jemanden anschreiben kann, kurz fragen kann.

Vielleicht noch eine kleine Anekdote aus meiner Erfahrungswelt. Ich habe ja auch lange als Lektor gearbeitet und habe einfach immer nur Arbeiten korrekturgelesen. Ich habe erwartet, dass ich da wirklich eine fertige Arbeit bekomme. Und ich kann mich aber dran erinnern, dass ab und zu auch die Anfrage kam, ja, ich fange gerade an zu schreiben, von irgendwelchen Doktoranden beispielsweise. Und können Sie vielleicht einfach regelmäßig drüber schauen, mir immer wieder Feedback geben. Ich habe gesagt, nee, mache ich nicht, komm, ich will die Arbeit einfach, wenn die fertig ist, ganz zum Schluss, und dann hole ich da wirklich das Beste raus. Aber wie ich das so heute beobachte, ist, dass dieses Coaching eigentlich das ist, wie Lektoren überleben können. Das ist wirklich viel mehr gefragt als noch dieses reine Lektorat und Korrektorat, wie es das früher gab.

Nadine: Da würde ich dir recht geben, dass dieses klassische Lektorat und Korrektorat, wirklich nur Rechtschreib- und Grammatikprüfung, das macht heute schon ganz viel die KI im Hintergrund bei Word oder so. Deswegen ist es auch bei uns deutlich mehr: Wenn wir sagen, wir lektorieren diese Arbeit, dann ist da genau diese Zusammenarbeit dabei. Wir geben noch mal Feedback, und wenn du dann Fragen hast zu bestimmten Kommentaren, dann gehen wir die auch noch mal durch. Das ist also nicht dieses Ich reiche eine Arbeit ein und kriege die irgendwie zurück und bin dann damit alleine gelassen.

Aber Coaching generell ist natürlich immer eine Abkürzung. Wenn wir bei dem Bild vom Fitnessstudio bleiben: Natürlich kann ich mir das alles selber beibringen und ich kann mir 1.000 YouTube-Videos angucken. Aber wenn ich mir einen Personal Trainer gönne, der zugeschnitten auf mich, auf meinen Körper, auf meine Bedürfnisse mir einen Plan macht und das mit mir gemeinsam durchzieht, dann hat das natürlich einen anderen Effekt. Und wenn ich bereit bin, da in mich zu investieren, dann habe ich eine große Zeitersparnis.

Denn jemand, der das so wie ich seit fast zwei Jahrzehnten macht, der hat schon so viele Fälle gesehen und weiß sofort, mach geh mal so ran, probier mal das, lass uns das mal so umstellen, ich glaube, hier wäre das und das besser. Natürlich ist das immer eine Zeitersparnis.

Aber um noch mal zu diesem Wochenendaspekt zu kommen: Es ist total wichtig, dass der Kopf auch mal eine Pause kriegt. Und das habe ich ja eingangs gesagt, das ist ja mein großes Ziel. Ihr sollt ja am Ende eures Studiums nicht ein mentales Wrack sein. Und das ist ja schon eine krasse Doppelbelastung. Jeder, der sich neben einem Vollzeitjob oder auch einem Teilzeitjob für ein Studium entscheidet, ist ja schon mal eine krasse Type, mal ehrlich. Weil man könnte ja auch sagen, ein bisschen bekloppt. Wer macht denn das? 40 Stunden, und dann, wenn du in die Modulbeschreibung guckst, sollst du noch mal 20 Stunden die Woche für dein Studium aufbringen. Jetzt hast du noch eine Familie, einen Partner, eine Partnerin.

Es ist ein enormes Pensum. Und natürlich wird die Familie in dieser Zeit ein bisschen zurückstecken müssen, aber du sollst es nicht auf null fahren, weil die hat ja auch eine Daseinsberechtigung. Du brauchst das ja auch für dich selber, um die Batterien wieder aufzufüllen. Deswegen ist es völlig absurd, am Anfang total motiviert zu starten und zu sagen, jetzt ziehe ich das komplett durch und verzichte auf alles. Ihr müsst schon auf sehr viel verzichten, aber diese Aufladezeiten sind super wichtig, da braucht man einfach auch mal eine Pause.

Christian: Wenn es denn auflädt, ne? Wir waren im Urlaub, so Sommerzeit, und mit drei Kindern ist Urlaub natürlich immer völliges Chaos, keine Entspannung eigentlich. Wir waren tatsächlich irgendwann essen, wie man das im Urlaub so macht, in der Pizzeria. Und ein Italiener, der da gekellnert hat, kam so und sagte: Ach, auch drei Kinder. Und guckt so die ganz Kleine an. Ist ja noch alles schön, wenn die so klein sind. Hat dann so erzählt, ja, bei mir zu Hause ist Hölle, da ist alles Hölle. Auch drei Kinder, die sind jetzt schon älter, das ist einfach nur Hölle. Aber im Weggehen meinte er dann so: Aber nette Hölle.

Und so ist es dann irgendwie auch. Jetzt ist da nicht wirklich Erholung am Wochenende, wenn man viele Kinder hat, aber es ist trotzdem noch mal ganz anders, als nur am Schreibtisch zu sitzen und zu studieren. Nutzt diese Zeit. Auch mein Appell mit der Familie, das bekommt man nie wieder zurück in dem Sinne, die Zeit.

Nadine: Und es ist wirklich, wir können nicht nur in einem Feld leben. Es gibt ja auch dieses Modell von den verschiedenen Lebenssäulen. Und natürlich, ich bin überhaupt kein Fan davon zu sagen, das muss immer alles im Gleichgewicht sein. Sorry, wenn ich das sage, aber das ist totaler Bullshit. Das verkauft sich gut, aber es ist nicht möglich. Du bist nie in allem im Gleichgewicht, und es wäre auch langweilig. Es bekommt mal die eine Säule ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und dann die andere, aber es ist wichtig, dass sie immer alle ein Minimum haben und eben nicht auf null fahren, weil dann wird's gefährlich.

Aber ich fühle dich, wir haben ja auch, ich bin auch Mama von drei Jungs. Ich weiß genau, was du meinst. Und ich muss aber auch sagen, auf der anderen Seite ist das auch für mich ein enormes Energiefeld. Ich ziehe da auch ganz viel raus. Ich glaube, ich arbeite effizienter als viele andere, weil ich eben wirklich immer nur diesen Zeitslot habe. Ich glaube, das hat alles seine Vor- und Nachteile, und wichtig ist, dass man es für sich selber irgendwie so in Einklang bringt, und dazu gehört auch mal ein freies Wochenende.

Christian: Absolut. Wo wir schon mal bei Chaos sind, das häufig auch durch Familie entstehen kann: Die große Fehlerquelle Nummer 5, die wir uns noch überlegt hatten, ist das Chaos generell in den Quellen. Das ist, wo ganz viele ein Problem haben, die Quellen irgendwie sortiert zu bekommen, vielleicht sogar auch schon am Anfang, nicht erst wenn sie fertig sind mit dem Schreiben. Und überhaupt bei Zitaten: uneinheitliches Zitieren wäre da zum Beispiel so ein Stichpunkt. Was kannst du dazu sagen? Chaos bei Zitaten und Quellen als große Fehlerquelle in Abschlussarbeiten.

Nadine: Ich glaube, nicht nur in Abschlussarbeiten, sondern das fängt schon bei der ersten Hausarbeit an. Und ich kann jedem nur raten: Fangt wirklich früh an, euch mit Literaturverwaltungsprogrammen zu beschäftigen. Das heißt Citavi oder Zotero. Ich persönlich empfehle immer Zotero, weil es Open Source ist, weil ihr da keine Lizenz braucht, auch nicht nach dem Studium. Fangt an, euch damit zu beschäftigen, weil das bringt Struktur rein und das hilft euch, auch bei größeren Arbeiten nachher den Überblick zu behalten. Und vor allen Dingen spart es euch mega Zeit bei der Erstellung des Literaturverzeichnisses.

Fangt auf keinen Fall an, das manuell zu machen. Ich weiß noch, bei meiner Masterarbeit, da gab's schon Citavi, das hat immer noch nicht so richtig funktioniert, und dann habe ich das alles manuell gemacht. Es waren Stunden, die ich da verbracht habe, und dann hieß es am Ende, ich muss da doch hinter dem Autor ein Semikolon haben, da muss ich das alles ändern. Wenn du das mit Zotero oder Citavi machst, dann ist das ein Klick.

Und gleichzeitig ist es natürlich auch wieder eine Software, in die ich mich einarbeiten muss. Wenn es bei der ersten Hausarbeit noch nicht Zotero oder Citavi ist oder Mendeley oder was auch immer, dann wenigstens eine Excel-Tabelle, wo ihr euch wirklich die Quellen sofort aufschreibt, mit denen ihr arbeitet, um den Überblick zu behalten.

Und was ganz wichtig ist: Ich weiß, es wird oft empfohlen, erstmal den Text runterzuschreiben, habe ich auch schon empfohlen in bestimmtem Kontext, aber wichtig ist, nicht auf die Idee kommen, einen Text schreiben und dann hinterher die Quellen suchen. Das funktioniert nicht. Habt wirklich eure Quellen bereit und schreibt die auch immer sofort an den Text ran. Ihr werdet euch auch nicht merken, wo ihr das gelesen habt. Wenn ihr was lest, macht euch Notizen.

Was aber beim Zitieren bei vielen auch immer für Panik sorgt, und berechtigterweise für Panik sorgt, ist die Frage: Wie zitiere ich? Und damit meine ich jetzt nicht den Zitierstil. In den letzten Jahren ist APA immer wichtiger geworden und immer mehr verbreitet. Aber hier auch der Sidetipp: Bitte, bitte, bitte immer klären, ob ihr wirklich nach APA arbeiten sollt. Ich erlebe es täglich, dass zwar gesagt wird nach APA, aber dann gibt es bestimmte Vorgaben, wie zum Beispiel Seitenzahlen, obwohl die bei APA nicht gefordert sind. Also immer die Betreuungsperson noch mal fragen, ob er oder sie das wirklich möchte, sonst bekommt ihr unnötig Abzug.

Und damit meine ich jetzt eigentlich gar nicht den Zitierstil, sondern ich meine die Art und Weise, die Unterscheidung: Was ist ein direktes Zitat, was ist ein indirektes Zitat? Da erlebe ich immer wieder, das wird auch im Studium zu wenig thematisiert, das wird zu wenig trainiert. Indirekte Zitate sind das Allerwichtigste. 98 Prozent eurer Arbeit wird aus indirekten Zitaten bestehen. Direkte Zitate nur in absoluten Ausnahmefällen.

Und indirekte Zitate sind nicht einfach nur Umstellen des Satzes. Es geht auch nicht darum, dass ihr Synonyme findet für die Wörter, die im ursprünglichen Text sind, sondern es geht darum, dass ihr versteht, was da steht. Und das ist auch die geistige Leistung, für die ihr im wissenschaftlichen Arbeiten eine geile Note bekommt: wenn ihr verstanden habt, was da steht, und das dann in den Kontext für eure Arbeit bringt.

Das ist wirklich wichtig und das ist auch was, was ich von Anfang an üben kann. Indirektes Zitieren: Wie schaffe ich es, etwas umzuformulieren mit meinen eigenen Worten in Bezug auf meine Forschungsintention?

Und oft sagen dann Studierende: Ja, aber das steht da schon perfekt formuliert. Ja, und trotzdem wird es einen Weg geben, das für deine Forschungsfrage noch mal anders zu formulieren, weil dann, wenn es für deine Forschungsfrage angepasst ist, dann ist es perfekt formuliert, nämlich für deine Forschungsfrage.

Also, da lohnt es sich wirklich von Anfang an, den Fokus drauf zu setzen, denn das ist was, was einfach echt Punkte kostet. Und da sind wir noch lange nicht bei KI. Einfache Plagiatsfinder finden das, wenn nicht richtig zitiert wird.

Und wenn wir bei Zitaten und KI sind, dann auch noch mal der Hinweis, da wirklich vorsichtig zu sein mit der Verwendung von Quellen, die KI vorschlägt. Aber das wissen jetzt mittlerweile alle, dass man da vorsichtig sein muss. Immer noch mal prüfen, ChatGPT ist keine gute Idee, wenn man Quellen sucht.

Christian: Absolut. Ich meine, es gibt den Deep-Research-Modus, den ich super praktisch finde in vielerlei Hinsicht. Ich kann ja vielleicht auch noch aus dem Nähkästchen plaudern. Bei uns auf der Webseite auf fernstudi.net gibt's einen Chatbot, der Studienberatung macht, und das war nicht einfach, den zu entwickeln, und ist immer noch in Arbeit sozusagen. Es hat auch was damit zu tun, dass dieser Chatbot oder die KI sich einfach Quellen manchmal ausdenkt. Fragst du jetzt, wie erreiche ich den Deutschen Akademischen Austauschdienst, dann steht da daad.de/kontakt.html oder sowas, was so eine ganz typische Kontaktadresse ist. Aber das gibt's in Wirklichkeit nicht. Die KI hat sich das ausgedacht.

Also muss man da erstmal sagen, du darfst auf keinen Fall irgendwas ausdenken, und bevor du irgendeine Quelle nennst, die jetzt nicht aus unserer Datenbank kommt, machst du erstmal eine Websuche. So ähnlich funktioniert Deep Research bei ChatGPT. Das sucht ja richtig nach Quellen, die es auch wirklich gibt.

Für die wissenschaftliche Arbeit jetzt vielleicht nicht ganz zu empfehlen, aber die Frage der Qualität der Quellen ist wichtig. Es geht ja nicht nur darum, dass wir Quellen haben, sondern wir müssen auch eine bestimmte Qualität der Quellen haben. Wenn wir wieder zu unserem Tortenbeispiel kommen: Wenn wir jetzt draufschreiben wollen, das ist eine Biotorte, also eine wissenschaftliche Arbeit ist eine Biotorte, und in dem Moment, wo wir eine Zutat benutzen, die nicht Bio ist, können wir eigentlich nicht mehr Bio draufschreiben. Und so ist es im wissenschaftlichen Arbeiten: Wenn ihr Quellen benutzt, die nicht selbst wissenschaftliche Quellen sind, die nicht selbst der wissenschaftlichen Methodik folgen, dann ist eure Arbeit keine wissenschaftliche Arbeit mehr. Das war jetzt ein bisschen übertrieben mit einer Quelle, aber um das zu veranschaulichen: Es ist wirklich wichtig, auf die Qualität der Quellen zu achten, und das ist auch was, was ich von Anfang an in den Hausarbeiten üben kann.

Nadine: Mein Tipp: Hört euch den Podcast an, den wir dazu schon mal gemacht hatten. Wir hatten einen ganz ausführlichen Podcast zum Thema Arbeit mit Literatur. Da ging es auch wirklich ausführlich um das Thema indirektes Zitieren. Haben wir auch Beispiele gebracht. Hört euch das einfach an, dann könnt ihr das ein bisschen lernen und üben.

Christian: Jetzt haben wir wirklich alle großen Fehlerquellen durchgearbeitet, die wir uns überlegt hatten. Zum Abschluss: Vielleicht sagst du uns noch mal, wie kann man dir am besten folgen, wie kann man mit dir in Kontakt treten, wie kommt man zum Beispiel in dein Coachingprogramm?

Nadine: Ja, also super gerne über Instagram, wie gesagt, @Nadine.Syring. Webseite nadinesyring.de. Das sind so die großen Kanäle, über die man mich am besten erreicht. Und was mein Mentoring-Programm angeht, ich sage immer bewusst Mentoring, weil ich schon auch dich begleite: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit mir zusammenzuarbeiten. Ich habe eine Online-Akademie gegründet. Ihr könnt aber auch mit mir eins zu eins arbeiten, je nachdem was sinnvoll ist. Und das ist tatsächlich für jeden unterschiedlich sinnvoll.

Deswegen kann man meine Programme auch nicht einfach auf einer Webseite buchen, sondern für mich ist es total wichtig, dass ich dich vorher kennenlerne, dass ich weiß, bin ich überhaupt die Richtige für dich? Ich muss mir sicher sein, dass du mit dem, was ich leisten kann, was ich dir biete, dein Ziel erreichst. Und erst dann kannst du auch mit mir zusammenarbeiten. Das heißt, wenn das irgendwie spannend klingt, dann gerne mal über Instagram, über die Webseite ein Kennenlerngespräch vereinbaren. Das ist komplett kostenlos natürlich. Und dann gucken wir beide: Wo stehst du gerade? Was brauchst du eigentlich? Was brauchst du auch nicht? Das ist auch immer ein wichtiges Thema. Und dann gucken wir, wie kann ich dich unterstützen.

Christian: Okay, wir verlinken natürlich alle deine Kontaktmöglichkeiten in der Beschreibung für diesen Podcast. Ganz, ganz vielen lieben Dank an dich. Vielleicht bis zum nächsten Podcast. Vielleicht können wir beim nächsten Podcast auch mal ein ganz anderes Thema angehen, weiß ich nicht, Familie und wie bekommt man das alles auf die Reihe mit Studium und so.

Nadine: Gerne. Man kann gerne bestimmt auch kommentieren unter dem Podcast. Wenn da Wünsche sind, wozu wir uns mal austauschen sollen, dann einfach reinschreiben. Ich bin immer für alles. Ich mache alles mit.

Christian: Super. Okay, bis bald. Tschüss.

Nadine: Danke dir sehr. Tschüss.

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