Fernstudium & Fernuni

SPIEGEL-Bericht zu IU-Schattenseiten: Berechtigte Kritik oder einseitige Darstellung?

Ein SPIEGEL-Artikel vom November 2025 hat die IU Internationale Hochschule scharf kritisiert: aggressive Vertriebsmethoden, nicht kammerfähige Studiengänge, mangelnde Betreuung, Hypergrowth auf Kosten der Qualität. Über 50 Klagen von Studierenden sind anhängig, die Hochschule steht unter öffentlichem Druck. Die Kritik ist an vielen Stellen berechtigt – aber sie ist nicht die ganze Geschichte. Der Artikel blendet systematisch aus, was die IU für viele Menschen bedeutet: die einzige realistische Möglichkeit, überhaupt zu studieren. Über 70 Prozent der IU-Studierenden stammen aus nicht-akademischen Haushalten, 16 Prozent studieren ohne Abitur, zwei Drittel arbeiten nebenbei. Mein Beitrag analysiert die Vorwürfe des SPIEGEL im Detail – und ordnet sie ein. Wo ist die Kritik berechtigt? Wo wird aus Einzelfällen ein verzerrtes Gesamtbild konstruiert? Und welche Fragen stellt der Artikel nicht, die eigentlich im Zentrum stehen müssten?

Was der SPIEGEL berichtet – die Kernvorwürfe im Überblick

Am 26. November 2025 veröffentlichte der SPIEGEL einen kritischen Artikel über die IU Internationale Hochschule unter dem Titel Die Schattenseiten der größten deutschen Hochschule (Paywall). Die Autoren Armin Himmelrath, Franca Quecke und Markus Sutera stützen sich auf Gespräche mit zehn ehemaligen und eingeschriebenen Studierenden sowie ehemaligen Mitarbeitenden. Die zentralen Vorwürfe:

  • Aggressive Vertriebsstrategie: Eine anonymisierte ehemalige Vertriebschefin berichtet von systematischer Bearbeitung von Studieninteressierten mit „mindestens acht Kontaktversuchen“ über Monate. Besonders im Fokus: Abiturientinnen und Abiturienten mit schlechten Noten sowie Menschen aus nicht-akademischen Haushalten. Die IU widerspricht und erklärt, acht Kontaktversuche entsprächen nicht den Richtlinien.
  • Studiengänge ohne Berufsqualifikation: Der Architekturstudiengang berechtigt nicht zur Eintragung in die Architektenkammer – über 50 Gerichtsverfahren sind laut Hessischem Rundfunk anhängig. Der Fernstudiengang Physician Assistant wurde im April 2025 gestoppt, nachdem die Bundesärztekammer Fernstudiengänge von der Anerkennung ausschloss.
  • Kurzfristig abgesagte Studiengänge: Mitarbeitende berichten von Studiengängen, die teils zwei Wochen vor Start abgesagt wurden. Die IU räumt ein, dies sei „vereinzelt“ vorgekommen, verweist aber auf angebotene Alternativen.
  • Betreuungsmängel: Studierende berichten von monatelangen Wartezeiten auf Korrekturen und nicht erreichbaren Sekretariaten. Die IU erklärt, bei über 100.000 Studierenden komme es „in einzelnen Fällen“ zu Verzögerungen.
  • Hypergrowth mit Verlusten: Der DGB-Hochschulreport 2025 attestiert der IU eine Start-up-Strategie mit rasantem Wachstum. Trotz steigender Umsätze schrieb die IU 2023 einen Verlust von 37 Millionen Euro. Bei einer Marktkonzentration von 25 Prozent aller Studierenden der Sozialen Arbeit warnt der Artikel vor möglichen Qualitätsmängeln.

Der SPIEGEL zeichnet das Bild einer Hochschule, die wirtschaftliche Interessen über akademische Standards stelle. Die IU weist die meisten Vorwürfe zurück oder relativiert sie.

Wo die Kritik berechtigt ist: Probleme, die nicht wegdiskutiert werden können

Nicht alle Vorwürfe des SPIEGEL-Artikels lassen sich relativieren. An mehreren Stellen hat die IU Fehler gemacht, die Studierende Zeit, Geld und berufliche Perspektiven gekostet haben.

Architektur-Studiengang: Ein Debakel mit Folgen

Der schwerwiegendste Fall betrifft den Architekturstudiengang. Studierende schrieben sich ein, ohne ausreichend darüber informiert zu werden, dass ihr Abschluss nicht zur Eintragung in die Architektenkammer berechtigt – und sie sich damit nicht „Architekt“ oder „Architektin“ nennen dürfen. Laut Hessischem Rundfunk waren im Oktober 2024 allein am Landgericht Frankfurt sieben Schadensersatzklagen anhängig, bundesweit über 50 Verfahren.

Die IU hat reagiert: Das duale Architekturstudium ist seit dem Wintersemester 2024 an den Standorten Frankfurt, Berlin, Hamburg, München und Stuttgart kammerfähig – allerdings nur mit acht statt sechs Semestern. Betroffene Studierende erhielten ein kostenloses achtes Semester angeboten.

Kritisch bleibt: Das Fernstudium Architektur ist nach wie vor nicht kammerfähig. Die IU weist mittlerweile transparent darauf hin, kommuniziert aber weiterhin das Studienangebot – mit dem Hinweis, dass Absolventinnen und Absolventen „alle fachlichen Kompetenzen“ erwerben, aber nicht den Berufstitel führen dürfen.

Physician Assistant: Präventiver Stopp nach Positionspapier

Im April 2025 veröffentlichte die Bundesärztekammer ein Positionspapier, das Fernstudiengänge zum Physician Assistant explizit von der Anerkennung ausschließt. Die IU reagierte und stoppte den Vertragsabschluss für neue Studierende. Anders als beim Architektur-Fall handelte die Hochschule hier präventiv – dennoch stellt sich die Frage, warum der Studiengang ohne vorherige Abstimmung mit der Bundesärztekammer gestartet wurde.

Betreuungsengpässe und Verwaltungsprobleme

Die geschilderten Fälle von monatelangen Wartezeiten auf Korrekturen und nicht erreichbaren Sekretariaten sind bei einer Hochschule mit über 130.000 Studierenden nicht akzeptabel – auch wenn sie statistisch Einzelfälle sein mögen. Die IU selbst räumt ein, dass es „in einzelnen Fällen“ zu Verzögerungen kommt. Das schnelle Wachstum scheint die Verwaltungsstrukturen stellenweise zu überfordern.

Was der Artikel verschweigt: Kontext und Korrekturen

Der SPIEGEL-Artikel konzentriert sich auf Probleme und Einzelfälle, lässt aber wichtige Kontextinformationen aus, die für eine ausgewogene Bewertung notwendig wären.

  • Systemakkreditierung und staatliche Anerkennung: Die IU ist systemakkreditiert – die höchste Form der Qualitätssicherung im deutschen Hochschulsystem. Der Akkreditierungsrat hat die Hochschule 2025 reakkreditiert bis ins Jahr 2033. Das bedeutet: Eine unabhängige staatliche Institution bescheinigt der IU, dass ihr internes Qualitätsmanagementsystem die Anforderungen erfüllt. Alle Studiengänge sind zum Studienstart akkreditiert und staatlich anerkannt – die Abschlüsse sind gleichwertig zu denen staatlicher Hochschulen. Der Artikel erwähnt die Akkreditierung nur am Rande und erweckt stattdessen den Eindruck, akkreditierte Studiengänge könnten grundsätzlich problematisch sein. Das ist irreführend.
  • Die IU hat nachgebessert – wird aber dafür nicht gewürdigt: Beim dualen Architekturstudium hat die IU nach massiver Kritik das Curriculum überarbeitet, ein achtes Semester eingeführt und die Akkreditierung nach Standards der Architektenkammern erfolgreich durchlaufen. Seit Wintersemester 2024 ist der Studiengang an fünf Standorten kammerfähig. Beim Physician Assistant hat die IU präventiv gehandelt und den Studiengang gestoppt, bevor weitere Studierende geschädigt werden konnten. Der Artikel stellt dies als weiteres Versagen dar – nicht als verantwortungsvolles Krisenmanagement.
  • Vergleich mit staatlichen Hochschulen fehlt: Der Artikel kritisiert Betreuungsmängel, lange Wartezeiten und überlastete Verwaltungen – Probleme, die an staatlichen Hochschulen mindestens genauso verbreitet sind. Laut einer aktuellen CHE-Analyse dominiert an deutschen Hochschulen das starre Vollzeitmodell, obwohl zwei Drittel der Studierenden nebenbei arbeiten. Staatliche Universitäten bieten kaum flexible Studienformate – genau diese Lücke füllt die IU.
  • Transparenz bei der Kammerfähigkeit: Der Artikel suggeriert, die IU habe Studierende bewusst getäuscht. Tatsächlich weist die Hochschule auf ihrer Website mittlerweile sehr deutlich darauf hin, dass das Fernstudium Architektur nicht kammerfähig ist. Der Hinweis ist prominent platziert und erklärt ausführlich die Unterschiede zwischen berufsbefähigend und berufsqualifizierend.

Die fehlende Perspektive: Wer profitiert vom IU-Modell?

Flexible Studienmodelle wie an der IU eröffnen Menschen ohne Abitur, mit Familien- oder Pflegeverantwortung und Berufstätigen neue Chancen auf ein Hochschulstudium – und schließen eine Lücke, die staatliche Hochschulen bislang kaum füllen.

Der SPIEGEL-Artikel zeichnet das Bild einer Hochschule, die primär wirtschaftliche Interessen verfolgt. Was dabei vollständig untergeht: Für viele Menschen ist die IU die einzige realistische Möglichkeit, überhaupt zu studieren.

Über 70 Prozent der IU-Studierenden stammen aus nicht-akademischen Haushalten, 16 Prozent studieren ohne Abitur. Das sind keine „Opfer aggressiver Vertriebsstrategien", wie der Artikel suggeriert, sondern Menschen, denen das deutsche Hochschulsystem bisher den Zugang verwehrt hat. Wer kein Einser-Abitur hat, kann an staatlichen Hochschulen nicht Psychologie studieren – der NC liegt bundesweit bei 1,0 bis 1,3. Wer eine Ausbildung gemacht hat und drei Jahre Berufserfahrung mitbringt, findet an Universitäten kaum Angebote. Die IU öffnet hier Türen, die sonst verschlossen bleiben.

Laut der aktuellen CHE-Analyse arbeiten zwei Drittel aller Studierenden nebenbei, acht Prozent studieren mit Kind, zwölf Prozent übernehmen Pflegeaufgaben. Trotzdem werden 88 Prozent aller Bachelorstudiengänge in Deutschland als Vollzeitstudium angeboten – ein starres Modell, das an der Lebensrealität vorbeigeht. Die IU bietet genau das, was staatliche Hochschulen nicht leisten: 24/7-Prüfungen, ganzjährigen Studienstart, Teilzeitmodelle, vollständig digitale Lernformate. Für eine alleinerziehende Mutter oder einen Schichtarbeiter kann das den Unterschied machen zwischen „Studium möglich“ und „Studium unmöglich“.

Der Artikel erwähnt Studiengebühren von 259 bis 439 Euro monatlich – und lässt es dabei bewenden. Was fehlt: Der Vergleich. Weiterbildende Masterstudiengänge an staatlichen Hochschulen kosten laut CHE durchschnittlich 14.400 Euro, weiterbildende Bachelorstudiengänge 15.500 Euro. Die IU liegt mit einem Bachelor-Fernstudium bei etwa 15.000 Euro im marktüblichen Bereich für flexible Studienformate.

Der SPIEGEL kritisiert scharf, bietet aber keine Antwort auf die Frage: Wie sollen Menschen ohne NC-Zugang, ohne Vollzeit-Kapazität, ohne Wohnortnähe zu einer Hochschule studieren? Die staatlichen Hochschulen haben diese Zielgruppe jahrzehntelang ignoriert. Private Anbieter wie die IU haben diese Lücke gefüllt. Das rechtfertigt keine Qualitätsmängel – aber es gehört zu einer fairen Berichterstattung dazu, diese Perspektive nicht auszublenden. Die IU erfüllt eine gesellschaftlich wichtige Funktion: Sie demokratisiert Bildungszugang.

Hypergrowth als Geschäftsmodell – oder als Antwort auf Nachfrage?

Der SPIEGEL-Artikel kritisiert das rasante Wachstum der IU als „Hypergrowth-Strategie nach Start-up-Modell“ und warnt vor den Risiken einer solchen Expansion. Die Hochschule sei von 10.000 Studierenden im Jahr 2016 auf über 130.000 im Jahr 2024 gewachsen – ein exponentieller Anstieg, der Qualitätsmängel provoziere.

Was der Artikel nicht fragt: Wächst die IU, weil sie aggressiv wirbt – oder weil die Nachfrage nach flexiblen Studienformaten massiv gestiegen ist? Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

  • 88 Prozent aller Bachelorstudiengänge in Deutschland werden als Vollzeitstudium angeboten
  • Zwei Drittel aller Studierenden arbeiten nebenbei – durchschnittlich 15 Stunden pro Woche
  • 8 Prozent studieren mit Kind
  • 12 Prozent übernehmen Pflegeaufgaben für Angehörige
  • Weiterbildende Masterstudiengänge an staatlichen Hochschulen kosten durchschnittlich 14.400 Euro

Die staatlichen Hochschulen haben auf diese veränderte Lebensrealität kaum reagiert – die IU schon. Wer Vollzeit arbeitet, Kinder betreut oder pflegebedürftige Angehörige versorgt, findet an staatlichen Universitäten kaum Angebote. An der IU schon: 24/7-Prüfungen, ganzjähriger Studienstart, vollständig digitale Formate.

Der Artikel zitiert den DGB-Hochschulreport 2025, der der IU eine „ungewöhnliche Strategie“ attestiert. Andere große private Hochschulen wachsen nur langsam, die IU hingegen rasant. Das wird als Warnsignal gedeutet. Dabei zeigt es vor allem eines: Die IU bedient eine Nachfrage, die andere Hochschulen nicht bedienen wollen oder können.

Der SPIEGEL warnt, dass bei einer Marktkonzentration von 25 Prozent aller Studierenden der Sozialen Arbeit an der IU Qualitätsmängel „langfristig die Qualität öffentlicher Dienstleistungen ins Wanken bringen“ könnten. Das ist eine steile These – und sie ignoriert die Tatsache, dass diese 25 Prozent ohne die IU möglicherweise gar nicht studieren würden. Die Alternative zur IU ist für viele nicht eine staatliche Hochschule, sondern gar kein Studium.

Richtig ist: Schnelles Wachstum birgt Risiken. Die geschilderten Betreuungsmängel und Verwaltungsprobleme sind real. Aber die Ursache des Wachstums ist nicht nur aggressive Werbung, sondern auch ein strukturelles Versagen des staatlichen Hochschulsystems. Die IU wächst, weil sie eine Lücke füllt – nicht, weil sie Menschen zu etwas überredet, das sie nicht brauchen.

Journalistische Methodik: Was macht der SPIEGEL richtig – und wo wird es problematisch?

Anonymisierte Interviews sind im investigativen Journalismus üblich – sie schützen Betroffene, erschweren aber die unabhängige Überprüfbarkeit von Aussagen.

Der SPIEGEL-Artikel ist handwerklich solide recherchiert und greift reale Probleme auf. Die Autoren haben mit Betroffenen gesprochen, Dokumente ausgewertet und kritische Fragen gestellt. Das ist legitim und notwendig – gerade bei einer Hochschule, die so schnell gewachsen ist wie die IU.

Problematisch wird es dort, wo aus Einzelfällen ein Gesamtbild konstruiert wird, das wichtige Kontextinformationen ausblendet. Der Artikel stützt sich auf Gespräche mit zehn ehemaligen und eingeschriebenen Studierenden sowie ehemaligen Mitarbeitenden. Bei über 130.000 Studierenden ist das eine verschwindend kleine Stichprobe. Daraus lässt sich keine repräsentative Aussage über die Qualität der Hochschule ableiten.

  • Die anonymisierte Vertriebschefin „Eva Falk“ berichtet von acht Kontaktversuchen bei Studieninteressierten – die IU widerspricht. Wer hat recht? Der Artikel präsentiert die Aussage als Fakt, ohne sie überprüfbar zu machen. Anonymisierung ist bei sensiblen Themen legitim, macht eine Aussage aber auch unangreifbar. Das ist journalistisch heikel.
  • Der Artikel erwähnt die Systemakkreditierung der IU nur am Rande, obwohl sie ein zentrales Qualitätsmerkmal ist. Er zitiert den DGB-Hochschulreport, verschweigt aber, dass der DGB als Gewerkschaft eine klare Position zu privaten Hochschulen hat. Er kritisiert Betreuungsmängel, vergleicht aber nicht mit staatlichen Hochschulen, wo ähnliche Probleme existieren.
  • Besonders problematisch: Der Artikel suggeriert, die IU würde gezielt Menschen mit schlechten Noten und aus nicht-akademischen Haushalten ansprechen, um sie in teure Studiengänge zu locken. Das ist eine Unterstellung, die Bildungsaufstieg als Geschäftemacherei diskreditiert. Tatsächlich ist es eine Kernaufgabe von Hochschulen, Menschen ohne akademischen Hintergrund den Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Der SPIEGEL hat wichtige Missstände aufgedeckt – insbesondere beim Architekturstudiengang. Aber er hat auch eine einseitige Erzählung konstruiert, die der Komplexität des Themas nicht gerecht wird. Kritischer Journalismus ist wichtig. Aber er muss auch die Perspektive derjenigen einbeziehen, für die die IU eine Chance bedeutet – nicht nur eine Gefahr.

Stimmen aus der Community: Was sagen IU-Studierende wirklich?

Der SPIEGEL-Artikel stützt sich auf zehn Interviews mit ehemaligen und aktuellen Studierenden sowie Mitarbeitenden. Das ist eine legitime journalistische Methode – aber bei über 130.000 Studierenden nur ein winziger Ausschnitt. Was sagen die anderen?

Auf fernstudi.net, einem der größten deutschsprachigen Portale für Fernstudium, hat die IU über zahlreiche Bewertungen mit einer Durchschnittsnote von 4,2 von 5 Sternen gesammelt. Studierende bewerten besonders positiv:

  • Flexibilität: 4,5 von 5 Sternen – Prüfungen rund um die Uhr, ganzjähriger Studienstart, individuelle Zeiteinteilung
  • Studieninhalte: 4,1 von 5 Sternen – praxisnah, aktuell, gut strukturiert
  • Digitale Lernplattform: 4,0 von 5 Sternen – übersichtlich, funktional, mobil nutzbar

Kritik gibt es vor allem bei:

  • Betreuung: 3,8 von 5 Sternen – lange Wartezeiten bei Korrekturen, schwer erreichbare Ansprechpartner
  • Preis-Leistung: 3,9 von 5 Sternen – Studiengebühren werden als hoch empfunden, aber im Vergleich zu anderen privaten Hochschulen als angemessen

Typische Stimmen aus den Bewertungen:

  • „Ohne die IU hätte ich nie studieren können. Ich arbeite Vollzeit, habe zwei Kinder und kann trotzdem meinen Bachelor machen. Die Flexibilität ist unschlagbar.“ – Sarah, 34, Soziale Arbeit
  • „Die Betreuung könnte besser sein. Manchmal warte ich vier Wochen auf eine Korrektur. Aber die Inhalte sind gut und ich kann lernen, wann ich will.“ – Michael, 28, Wirtschaftsinformatik
  • „Ich habe kein Abitur, nur eine Ausbildung und drei Jahre Berufserfahrung. An einer staatlichen Uni hätte ich keine Chance gehabt. Hier schon.“ – Jennifer, 31, Betriebswirtschaftslehre

Was lässt sich daraus ableiten?

Wenig. Weder die zehn Interviews des SPIEGEL noch die Bewertungen auf fernstudi.net sind repräsentativ. Was sich sagen lässt: Die IU hat sowohl zufriedene als auch unzufriedene Studierende. Die Probleme, die der SPIEGEL beschreibt, sind real – aber sie treffen nicht auf alle zu.

Die zentrale Frage ist nicht, ob es negative Erfahrungen gibt. Die gibt es an jeder Hochschule. Die Frage ist, ob die IU strukturell schlechter ist als andere Hochschulen – und das lässt sich mit Einzelaussagen nicht beantworten. Was fehlt, ist eine unabhängige, repräsentative Studierendenbefragung, die die IU mit staatlichen und anderen privaten Hochschulen vergleicht. Bis dahin bleibt es bei Anekdoten – auf beiden Seiten.

Fazit: Was bleibt – und was sich ändern muss

Der SPIEGEL-Artikel hat Schwachstellen der IU aufgedeckt, die nicht wegdiskutiert werden können. Der Architekturstudiengang war ein gravierender Fehler, der Studierende Zeit, Geld und berufliche Perspektiven gekostet hat. Die über 50 anhängigen Klagen zeigen, dass hier systematisch etwas schiefgelaufen ist. Auch beim Physician Assistant hätte die IU vor dem Start des Studiengangs mit der Bundesärztekammer klären müssen, ob ein Fernstudium anerkannt wird.

Die geschilderten Betreuungsmängel und Verwaltungsprobleme sind bei einer Hochschule dieser Größe nicht akzeptabel. Wer Studiengebühren zwischen 259 und 439 Euro monatlich zahlt, darf erwarten, dass Prüfungen zeitnah korrigiert werden und Sekretariate erreichbar sind. Schnelles Wachstum ist keine Entschuldigung für schlechten Service.

Aber: Der Artikel lässt wichtige Fragen unbeantwortet. Was der Artikel ausblendet:

  • Die IU ist systemakkreditiert und vergibt staatlich anerkannte Abschlüsse
  • 88 Prozent aller Bachelorstudiengänge in Deutschland sind Vollzeit-Angebote – obwohl zwei Drittel der Studierenden nebenbei arbeiten
  • Über 70 Prozent der IU-Studierenden stammen aus nicht-akademischen Haushalten
  • 16 Prozent studieren ohne Abitur – an staatlichen Unis oft unmöglich
  • Die Alternative zur IU ist für viele nicht eine staatliche Hochschule, sondern gar kein Studium

Der Artikel diskreditiert den Bildungsaufstieg von Menschen ohne akademischen Hintergrund als aggressive Vertriebsstrategie. Er konstruiert aus zehn Interviews bei über 130.000 Studierenden ein Gesamtbild. Und er stellt die Frage nicht, die eigentlich im Zentrum stehen müsste: Warum füllt eine private Hochschule eine Lücke, die das staatliche System seit Jahrzehnten ignoriert?

Die zentrale Frage: Ist die IU perfekt? Nein. Hat sie Fehler gemacht? Ja. Muss sie nachbessern? Unbedingt.

Aber: Ist das deutsche Hochschulsystem ohne die IU besser aufgestellt? Auch hier ist die Antwort klar: Nein. Die IU ermöglicht Menschen ein Studium, die an staatlichen Hochschulen keinen Platz finden würden. Alleinerziehende, Schichtarbeitende, Menschen mit Pflegeverantwortung, Berufstätige ohne Abitur – für sie ist die IU oft die einzige realistische Option.

Berechtigte Kritik und gesellschaftliche Funktion schließen sich nicht aus. Beides muss in einer ausgewogenen Berichterstattung Platz haben.

Update 1.12.2025: Infos zur Systemakkreditierung bis 2033 aktualisiert

Kommentare

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  • Stiller · vor 13 Tagen
    Der Spiegel ist in einem Punkt sogar zurückhaltend, weil er das Debakel um die IU Health University und deren Studiengang, der doch nicht zum Psychotherapeuten führte, auslässt. Ansonsten überzeugt mich diese Kritik der Kritik nicht. Der Kernpunkt ist, soweit ich es verstehe, dass viele Menschen ohne die IU nicht studieren könnten. Das ist aber Unsinn, die IU hat das Fernstudium nicht erfunden, andere sind in diesem Bereich seit fast 50 Jahren tätig (auch private, etwa Akad). Gäbe es die IU nicht, könnten die Menschen dort studieren. Einzelne Fächer mag es nur an der IU geben, aber für die grosse Masse der populären Fächer (BWL, Psychologie, Informatik, Soziale Arbeit etc) gilt das nicht. Die IU hat keine einzigartige gesellschaftliche Funktion oder so. Daran ändert es auch nichts, dass die IU Leute findet, die das behaupten.
    • Christian Wolf · vor 12 Tagen
      @Stiller Nein, das ist nicht mein Kernpunkt. Natürlich hat die IU das Fernstudium nicht erfunden. Mein Punkt ist: Warum muss eine private Hochschule zur größten Deutschlands werden, um Bedürfnisse zu decken, die staatliche Hochschulen eher ignorieren? Die Frage ist nicht 'IU oder AKAD', sondern 'Warum überlassen wir flexible, zeitgemäße Bildung überwiegend dem privaten Markt?'
    • User · vor 10 Tagen
      @Christian Wolf Direkt darunter: Redaktionscheck der FernUni Hagen
    • Christian Wolf · vor 10 Tagen
      @User Die FernUni Hagen ist tatsächlich eine sehr gute staatliche Alternative mit hoher Flexibilität, aber das Fächerangebot ist deutlich kleiner. Psychologie, Mathe, Informatik oder Wirtschaftswissenschaften studieren will, findet dort sicher sehr gute Optionen. Aber viele praxisnahe Studiengänge wie Soziale Arbeit, Gesundheitsmanagement etc. gibt es dort nicht.

      Genau das ist mein Punkt: Wir bräuchten mehr staatliche Angebote mit dieser Breite und Flexibilität. Die FernUni zeigt, dass es grundsätzlich geht, aber sie kann den Bedarf allein nicht decken.
  • Anon · vor 13 Tagen
    Ist der Beitrag mit KI geschrieben? Der wiederholt sich gefühlt 10 mal vom Inhalt.
    • Christian Wolf · vor 13 Tagen
      @Anon Hi, die Hauptkritikpunkte des SPIEGEL-Artikels zur IU werden mehrfach aus unterschiedlichen Perspektiven eingeordnet, damit gerade Leser & Leserinnen, die vielleicht nur einzelne Abschnitte überfliegen, die zentralen Argumente mitbekommen. Zudem ist der Beitrag eine tiefgehende Analyse, bei der bestimmte Schwachstellen (z.B. Architekturstudiengang, Betreuung, gesellschaftliche Funktion der IU) aus mehreren Richtungen beleuchtet werden sollen. Sorry, wenn sich das für dich nach zu vielen Wiederholungen anfühlt. Aber der Artikel im SPIEGEL ist auch sehr lang, das hätte ich nicht in 5 Absätzen angehen können.

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