26.11.2025

Teilzeit und Fernstudium: Nachfrage steigt, Angebot bleibt teuer

Flexible Studienformate wie Teilzeit-, Fern- oder berufsbegleitende Studiengänge werden in Deutschland dringend gebraucht, sind aber häufig mit erheblichen Kosten verbunden. Das zeigt eine aktuelle Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Während 88 Prozent aller Bachelorstudiengänge weiterhin als Vollzeitstudium angeboten werden, arbeiten zwei Drittel der Studierenden nebenbei, acht Prozent studieren mit Kind und weitere zwölf Prozent übernehmen Pflegeaufgaben.

Vollzeitstudium dominiert trotz veränderter Lebensrealität

An deutschen Hochschulen ist das Vollzeitstudium nach wie vor das dominierende Format. Laut der CHE-Analyse auf Basis des Hochschulkompasses der Hochschulrektorenkonferenz werden aktuell 88 Prozent aller Bachelorstudiengänge und sogar 97 Prozent aller Masterstudiengänge als Vollzeitstudium angeboten.

Dabei passt die Lebensrealität vieler Studierender längst nicht mehr zu diesem starren Modell. Selbst im klassischen Präsenzstudium arbeiten rund zwei Drittel der Studierenden nebenbei, häufig mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 15 Stunden. Zugleich steigt die Zahl der Studierenden mit familiärer Verantwortung: Rund acht Prozent studieren mit einem oder mehreren Kindern, weitere knapp zwölf Prozent übernehmen Pflegeaufgaben für Angehörige.

„Viele Studierende jonglieren Erwerbstätigkeit, Kinderbetreuung oder sogar Pflegeverantwortung und dennoch dominiert an vielen Hochschulen das starre Vollzeitmodell", sagt Sigrun Nickel, Leiterin Hochschulforschung beim CHE. „Der Bedarf an zeitlich und räumlich flexiblen Studienmöglichkeiten ist so groß wie noch nie in Deutschland, aber das Studienangebot spiegelt dies oft nicht wider.“

Private Hochschulen und Fachhochschulen flexibler aufgestellt

Die Hochschulen reagieren sehr unterschiedlich auf die gestiegene Nachfrage nach flexiblen Studienformaten. Private Hochschulen weisen eine deutlich größere Vielfalt auf: Rund die Hälfte der Bachelorstudiengänge lässt sich dort berufsbegleitend oder im Fernstudium absolvieren.

Im staatlichen Sektor sind es vor allem die Fachhochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, die flexible Optionen anbieten, insbesondere durch duale und berufsbegleitende Studienangebote. Universitäten haben in diesem Punkt deutlich weniger zu bieten.

Besonders verbreitet sind flexible Studienmöglichkeiten in den Fächern Gesundheits- und Pflegewissenschaften sowie Therapien, aber auch in Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Hier kommen berufsbegleitende, duale und Fernstudienangebote vergleichsweise häufig vor.

Weiterbildungsstudiengänge kosten durchschnittlich 15.000 Euro

„Wer in Deutschland auf der Suche nach flexiblen Studienangeboten ist, zahlt dafür oft einen hohen Preis“, bilanziert Sigrun Nickel. Dies gelte nicht nur für private Hochschulen, sondern auch für den Bereich der hochschulischen Weiterbildung an staatlichen Hochschulen.

Weiterbildende Masterstudiengänge kosten laut CHE-Analyse durchschnittlich rund 14.400 Euro, einzelne Programme liegen sogar bei bis zu 88.000 Euro. Weiterbildende Bachelorstudiengänge sind mit durchschnittlich rund 15.500 Euro ähnlich teuer.

Deutlich günstiger sind kürzere Weiterbildungsformate wie sogenannte Microcredentials, also Nachweise für einzelne Kurse oder Module, oder Weiterbildungskurse ohne Zertifikat. Diese kosten im Schnitt rund 1.200 bis 2.000 Euro. Die Analyse zeigt allerdings auch, dass die kürzeren Formate im Angebotsportfolio der Hochschulen dominieren und einen deutlich geringeren Workload beinhalten als das Absolvieren eines kompletten Weiterbildungsstudiengangs.

„Damit entsteht eine soziale Schieflage: Ausgerechnet die Formate, die für Personen in anspruchsvollen Lebenssituationen besonders attraktiv sind, sind häufig mit hohen finanziellen Belastungen verbunden“, so Nickel.

Über die Studie

Der CHECK „Flexibel Studieren 2025“ basiert auf einer Auswertung von insgesamt rund 22.300 Studiengängen aus dem HRK-Hochschulkompass sowie 3.587 Angeboten der hochschulischen Weiterbildung aus dem Portal hoch & weit der HRK. Die Daten wurden im Juni und Juli 2025 erhoben und umfassen Studienangebote aller Hochschultyp


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