Fernstudium: 4 Dinge, die Fernstudenten von Leistungssportlern lernen können

Christian Wolf

Ein Präsenzstudium ist anstrengend, ein Fernstudium kann noch anstrengender sein. In diesem Beitrag ziehe ich den Vergleich von Fernstudium zum Leistungssport und zeige euch 4 Dinge, die ihr als Fernstudis von Leistungssportlern lernen könnt.

Fernstudium: Eine Mischung aus Sprint und Marathon. Foto: Jacob Lund/Fotolia

Motivation ist gut, Disziplin ist besser

Jeder Leistungssportler will seinen nächsten Wettkampf gewinnen. Weiß aber auch genau, dass er dafür auch enorme Anstrenungen in Kauf nehmen muss – sei es das unerbittliche Training, sei es eine spezielle Wettkampfdiät, sei es die Angst, zu versagen. 

Um eine Wettkampfvorbereitung durchzuziehen, braucht es neben Motivation vor allem eines: Disziplin. Disziplin heißt, dass Dinge erledigt und durchgezogen werden, auch an Tagen, an denen die Motivation mal fehlt. 

Disziplin setzt Willenskraft voraus. Die richtige Entscheidung im richtigen Moment zu treffen.

Nur leider kann Willenskraft sich erschöpfen. Wenn es euch an Willenskraft fehlt, werdet ihr auch nicht sonderlich diszipliniert studieren. 

Und Willenskraft kann schnell erschöpfen. Beispielsweise nach einem langen Arbeitstag, an dem ihr Tausende von Mikroentscheidungen treffen musstet, bis ihr keine Kraft mehr für die wirklich wichtigen Entscheidungen habt. Decision fatigue oder Entscheidungs-Erschöpfung führt beispielsweise dazu, dass ihr netflixt, anstatt zu lernen, selbst wenn ihr genau wisst, dass die nächste Klausur in wenigen Tagen ansteht. 

So schlagt Ihr euer drohenden Entscheidungsermüdung im Fernstudium ein Schnippchen:

  • Entscheidungen abgeben. Deligiert, wo es nur geht. Sei es in der Familie, sei auf Arbeit. Vertraut und überlasst tendenziell unwichtige Entscheidungen anderen.
  • Nein sagen. Lernt, „nein“ zu sagen, ohne zu zögern. Beispielsweise im Supermarkt an der Kasse, wenn ihr nach nervigen Treuepunkten gefragt werden. Ihr dürft da gar nicht mehr drüber nachdenken. Lehnt es einfach ab und spart euch die Entscheidungskraft für wichtige Entscheidungen.
  • Studiert früh am morgen. Lernt früh noch vor der Arbeit. Früh am morgen habt ihr noch die meiste Kraft, seid motiviert und aufnahmefähig. Verkauft diese Kraft nicht ausschließlich an eure Firma oder wen auch immer, sondern nutzt sie fürs Studium.
  • Flugmodus. Lasst euer Smartphone in Lernphasen aus. All die Apps, die ihr Tag für Tag nutzt, fordern euch permanent Mikroentscheidungen ab. Das trägt zu schneller Entscheidungsermüdung bei. Schaltet auch sämtliche Benachrichtigungen ab. 

Mehr dazu: Diese 4 Nahrungsmittel steigern deine Motivation im Studium

Erholung ist wichtiger als Training

Der Alltag eines professionellen Bodybuilders in der Wettkampfvorbereitung sieht so aus: Trainieren, futtern, schlafen, und das wochenlang. Das Training ist „katabol“, Muskeln werden bis zur totalen Zerschöpfung beansprucht und mehr oder weniger zerstört. Die Erholung hingegen ist „anabol“. Erst in Erholungsphasen wachsen die Muskeln.

Jeder Wettkampfathlet fürchtet das sogenannte „overtraining“, also den Zustand, in dem der Körper mehr beansprucht wird, als er sich erholen kann. Ihr kennt das vielleicht aus eurem Arbeitsalltag: Burnout ist die Folge, wenn ihr euch nicht von permanentem Stress erholt.  

Um Overtraining und Burnout vorzubeugen, verlassen Athleten sich nicht einfach nur auf guten Schlaf. Sie erholen sich aktiv. „Aktive Erholung“ heißt, dass man sämtliche zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzt (bis hin zu Doping), um sich effizienter zu erholen. Für euch interessant sind beispielsweise diese Möglichkeiten:

  • Wellness: Sauna und Massagen fördern die Entspannung und den Schlaf. 
  • Eisbäder: Eisbäder sind effektiv, um Regeneration nach harten Workouts zu beschleunigen. Das kalte Wasser hilft außerdem, BDNF zu bilden, ein Protein, das eine wichtige Rolle bei Lernprozessen spielt. Sauna wirkt übrigens ähnlich. Wer sich nicht für 10 Minuten in einen kalten See oder eine Wanne kaltes Wasser traut, fängt langsam mit kalten Duschen bzw. Wechselduschen an.
  • Familie und Freunde: Entspannung ist das A und O für Regeneration. Was entspannt mehr, als sich im Kreise der Familie und in den Armen eines Partners geborgen zu fühlen. Vermeidet „toxische“ und stressige Beziehungen, wo es nur geht, und umgebt euch mit Menschen, unter denen ihr euch sicher fühlt. 
  • Meditiation: Meditation hilft euch ähnlich einem Mittagsschlaf, kurzfristig von einem anstrengenden Tag abzuschalten und euch neu zu fokussieren. Besonders nützlich, wenn ihr nach Arbeitstagen noch lernen wollt oder müsst. Falls ihr nicht wisst, wie Meditation funktioniert, probiert es einfach mal mit einer App wie Headspace.
  • Yoga: Yoga rekalibriert euren Bewegungsapparat und hilft euch, zu entspannen, besser zu schlafen und fördert, man mag es kaum glauben: BDNF.
  • Spaziergänge: Geht im Wald spazieren, am besten täglich. Die frische Luft und das Licht wirken Wunder auf eure Regenerationsfähigkeit.
Ohne Erholung und Regeneration kein Erfolg im Studium
Foto: dimadasha/Fotolia

Mehr dazu: Ihr wollt erfolgreich lernen und studieren? Schlaft euch erst einmal aus

HIIT schlägt Ausdauertraining

Ihr habt bestimmt auch schon gehört, dass ein Fernstudium ein Marathon sei und entsprechend langen Atem erfordere. Ich halte nicht viel Marathon-Läufen, aus gesundheitlicher Perspektive. Marathonläufe sind interessant, weil sie zeigen, was an Willenskraft und freiwilliger Selbstzerstörung möglich ist, ähnlich Hardcore-Bodybuilding. Aber der gesundheitliche Preis für einen absolvierten Marathonlauf ist enorm hoch.

Interessanter für euch als Studenten sind hingegen Sprints und HIIT-Training. HIIT heißt high intensity interval training, meint also Intervalltraining, und bezeichnet eine Trainingsmethode, bei der sich extrem hohe Belastungsphasen, beispielsweise Sprints, mit Regenationsphasen abwechseln. 

Das Besondere am Intervalltraining ist, dass man dadurch enorm Zeit spart und ähnliche Trainingserfolge hat wie bei längeren Trainingseinheiten. Ihr könnt also durch HIIT ausdauernd wie ein Marathonläufer werden, ohne je einen Marathon gelaufen zu sein!

HIIT fördert außerdem auch die Bildung von BDNF, das oben erwähnte Protein, das eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Lernen und Neuroplastizität spielt.

Wie könnte HIIT im Fernstudium aussehen? Einerseits so, dass wenn ihr tatsächlich Sport treiben solltet, probiert es mal mit HIIT-Training, so 1- bis 2-mal die Woche. Das können beispielsweise Sprints sein, das kann aber ein intensives Kraft-Workout sein. Das spart euch jede Menge Zeit.

Andererseits probiert mal, high intensity zu lernen. Nehmt euch einen ganzen Tag oder ein Wochenende Zeit, um eine Lektion durchzuarbeiten und alles zu lernen, was ihr dazu lernen müsst. Das ist deutlich effizienter, als ein Modul über Wochen hinweg durchzukauen, unter ständiger Ablenkung durch Alltags-Kleinigkeiten. Auch das spart euch sehr viel Zeit.

Performance Enhancement: Doping im Fernstudium

Zu guter Letzt muss ich noch aufs Doping zu sprechen kommen, das im Leistungssport gang und gäbe ist. Mit Doping meine ich nicht nur die Leistungssteigerung mit „illegalen“ Substanzen, sondern auch Performence Enhancement mit allem, was irgendwie die Regeneration beschleunigt und kurzfristig oder nachhaltig die Leistung steigert.

Einige Dopingmaßnahmen habe ich oben schon aufgeführt: Eisbäder und Saunagänge. Weitere für euch als Studierende interessante Maßnahmen:

Nahrungsmittel. Bestimmte Nahrungsmittel wirken sich förderlich auf eure mentale Leistungsfähigkeit aus, vor allem Nahrungsmittel, die viel B-Vitamine enthalten, also Fisch, Eier, Leber usw., aber auch grüner Tee und generell alles, was antioxidierend wirkt.

Sonne. Sonne, vor allem Morgensonne, ist wichtig für Stimmung und auch Motivation. Sonnenlicht wirkt sich positiv auf kognitive Leistungsfähigkeit aus.

Vitamine. Vor allem B-Vitamine wirken sich förderlich auf mentale Leistungsfähigkeit aus. Vitamine sind natürlich kein Ersatz für gutes Essen, können aber vor allem in stressigen Zeiten helfen, leistungsfähig zu bleiben.

Nooptropika:  Ein Nootropikum ist ein Stoff, der sich positiv auf die mentale Leistungsfähigkeit auswirkt. So ein Stoff kann ein synthetisches Medikament sein, wie er beispiesweise bei Alzheimer-Patienten zum Einsatz kommt, was sich für Fernstudierende selbstverständlich weniger empfiehlt. Das kann aber auch ein natürlich vorkommender Stoff sein, etwa Theanin aus dem grünen Tee, Gingko-Extrakt oder auch Nikotin (natürlich nur als Pflaster oder Kaugummi!).

Mehr dazu: Hirndoping im Studium: Die 7 besten Neuroenhancer fürs Lernen

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 veröffentlicht vor 3 Monaten

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