Staatlich geprüfter Techniker vs. Bachelor: Warum sich ein Bachelor mehr lohnt! Interview

Michael hat eine Aufstiegsfortbildung zum Staatlich geprüften Techniker am DAA-Technikum absolviert. Im Interview spricht er über die Fortbildung und darüber, warum sich seiner Meinung nach ein Bachelorabschluss im Fachbereich der Ingenieurwissenschaften mehr lohnt.

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Transkript

Christian: Du hast nämlich eine Aufstiegsfortbildung zum staatlich geprüften Techniker gemacht, vor einigen Jahren schon, und das auch im Fernstudium, und zwar am DAA-Technikum. Wer das DAA-Technikum nicht kennt: Die Einrichtung beschreibt sich selber als ein Bildungsinstitut für staatlich geprüfte Techniker und Technikerinnen. Man kann dort also im Prinzip im Fernstudium beziehungsweise berufsbegleitend eine Aufstiegsfortbildung zum staatlich geprüften Techniker machen. Was hast du denn für einen Techniker gemacht, gab es da schon diese Unterscheidung?

Michael: Ich habe den Elektrotechniker gemacht. Es gab auch Maschinenbau, Informatik, Bautechnik – ich weiß nicht, was die aktuell anbieten.

Christian: Das war interessanterweise einer der beliebteren Kurse bei unserem Portal. Wir haben den schon seit vielen Jahren auf fernstudi.net als Kurs, da gab es damals ganz viele Fragen dazu, und irgendwie ist der immer noch sehr beliebt. Aber du hast Elektrotechnik gemacht.

Lohnt sich der Techniker heute noch?

Christian: Vielleicht erst mal für diejenigen, die sich für so eine Aufstiegsfortbildung interessieren: Lohnt sich so etwas eigentlich überhaupt noch, oder sollte man nicht besser gleich einen Bachelor machen beziehungsweise studieren gehen?

Michael: In der heutigen Zeit – wie schon gesagt, zu meiner Zeit gab es den Diplom-Ingenieur und unter ihm Meister und Techniker. Jetzt ist es so, dass durch diesen Bologna-Prozess der Bachelor und der Master europaweit eingeführt worden sind, und der Bachelor ist meist nach zwei Jahren schon fertig. Ich weiß nicht, wie viel Prozent den Master noch machen, aber ich glaube, es sind nicht so viele. Und wenn natürlich jemand nach zwei Jahren einen Studienabschluss hat, ist der aus meiner Sicht nicht gleichwertig mit einem Diplom-Ingenieur, der fünf, sechs Jahre studiert hatte.

Christian: Also drei Jahre dauert der Bachelor normalerweise, und ich glaube, es sind so 50 Prozent nach den letzten Zahlen, die ich gesehen habe, die dann tatsächlich auch noch einen Master machen. Es ist also nicht mehr so wie früher beim Diplom, wo jeder eben das Diplom gemacht hat – in dem Sinne hat einen Masterabschluss heute nur ein kleiner Teil. Und dadurch gibt es sehr viele Leute mit Bachelorabschluss.

Michael: Und meine Erfahrung zeigt, dass es in den meisten Firmen so ist, dass in der Zwischenzeit Jobs mit Bachelorabsolventen besetzt werden, die früher von Facharbeitern ausgeübt wurden. Daher ist es für einen Techniker oder auch einen Meister gerade in mittleren oder größeren Unternehmen schwierig, noch Fuß zu fassen beziehungsweise eine ordentliche Stelle zu bekommen. Daher würde ich, wenn ich aktuell noch mal anfangen dürfte, auf jeden Fall den Bachelor machen und nicht mehr den Techniker.

Christian: Und das, obwohl der Techniker eigentlich in der Regel schon Berufserfahrung hat und da einfach mehr Praxiserfahrung mitbringt. Aber trotzdem werden dann lieber Absolventen von Bachelorstudiengängen eingestellt?

Michael: Es ist schwer zu sagen, es kommt doch ein bisschen auf die persönliche Zukunftsaussicht an beziehungsweise auf den Wunsch, was man denn in Zukunft machen will. Wenn man sagt, ich will immer in der Praxis bleiben, dann ist der Techniker doch gut. Wenn man sagt, man will in die Führung oder auch in gehobene Stellen als Projektleiter oder im Einkauf oder Verkauf arbeiten, dann ist der Bachelor schon von Vorteil. Oder wenn man sagt, ich bleibe im Handwerk, im mittelständischen Betrieb, dann ist der Techniker okay, weil da keine Bachelorabsolventen eingestellt werden.

Techniker und Bachelor kombinieren

Christian: Wie sieht es aus mit einer Kombination? Man macht beispielsweise erst den staatlich geprüften Techniker, und dann hängt man vielleicht noch ein Studium in dem Bereich dran, bei dem man sich dann auch Teile der Fortbildung anerkennen lassen kann. Das geht ja auch, da werden teilweise bis zu 50 Prozent anerkannt. Gerade wenn du sagst, du hast den Elektrotechniker – wenn du jetzt einen Bachelor in Elektrotechnik machst, kannst du dir wahrscheinlich einen sehr großen Teil davon für das Studium anerkennen lassen und dann innerhalb von, weiß ich nicht, drei, vier Semestern im Vollzeitstudium den Bachelor machen. Würde sich das vielleicht lohnen, oder ist das eigentlich auch gut?

Michael: Wenn man bedenkt, dass man für einen Bachelor ohne Abitur die Ausbildung und drei Jahre Berufserfahrung braucht, wäre das auch ein guter Weg: dass man knapp nach der Ausbildung den Techniker macht, der drei Jahre dauert, und dann ungefähr nach vier Jahren nach der Ausbildung mit dem Studium anfangen kann und sich durch die Anerkennung, wie du sagst, schon einiges anrechnen lässt. 50 Prozent ist schwer, aber man kann sich gut etwas anrechnen lassen. Es ist abhängig von der Hochschule, das muss man im Einzelnen prüfen lassen. Die DIPLOMA rechnet recht viel an und auch die Wilhelm Büchner Hochschule, beide rechnen sehr viel an.

Christian: Die Frage ist dann halt – also für mich zumindest als Außenstehenden – was bringt der Bachelor dann eigentlich noch wirklich, außer dass man bessere Chancen hat, irgendwo eingestellt zu werden? Aber wenn man dann irgendwo eingestellt wird, muss man ja auch abliefern können, als Führungskraft oder als Teamleiter vielleicht. Und das Ding ist ja: Mit dem Bachelor bekommt man jetzt auch nicht sofort eine Position im Management oder so etwas. Mit einem Master vielleicht schon ein bisschen mehr – oder braucht man dann auch noch ein kleines bisschen Berufserfahrung, um wenigstens zu zeigen, dass man fähig ist, überhaupt ein Team zu leiten? Also ich sehe den Sinn dann immer nicht ganz so sehr. Aber wenn du sagst, das ist eben in den Branchen so, dass da lieber Leute mit einem Bachelor eingestellt werden als staatlich geprüfte Techniker, die im Prinzip eine Aufstiegsfortbildung absolviert haben …

Wäre der Meister eine Alternative?

Christian: Wäre es vielleicht eine Möglichkeit, den Meister dann noch zu machen? Wie ist das?

Michael: Ich glaube, das macht keinen Sinn, wenn man als Techniker den Meister macht, das macht wenig Sinn. Im Meister lernt man noch viel über die Führung von Mitarbeitern, was beim Techniker nicht so ist, und man hat auch ein bisschen mehr betriebswirtschaftliches Wissen im Hintergrund. Aber ich glaube, für den Techniker macht das wenig Sinn, weil die Stellen, die der Meister besetzt, andere sind.

Förderung und Prüfungen

Christian: Hast du für deine Weiterbildung beziehungsweise Fortbildung am DAA eigentlich Meister-BAföG bekommen, oder wie war das damals?

Michael: Genau, das hatte ich bekommen. Ich weiß nicht mehr, wie viel das war, aber es waren schon ein paar tausend Euro, die ich nicht mehr zurückzahlen musste.

Christian: Okay, ich dachte, das heißt immer noch Meister-BAföG – aber es heißt inzwischen Aufstiegs-BAföG. Und vielleicht noch zum Abschluss zu diesem Themenkomplex: Wie waren da so die Prüfungen? Die Prüfung hast du ja dann, glaube ich, nicht am DAA gemacht, sondern das sind ja staatliche Prüfungen. Die stelle ich mir auch wirklich sehr anspruchsvoll vor.

Michael: Die Zwischenprüfungen macht man am DAA, also auch die Vorprüfungen zur Abschlussprüfung. Erst die staatliche Prüfung läuft dann anders – also organisiert wird sie schon über das DAA, aber es ist eine staatliche Abschlussprüfung.

Christian: Interessant. Also für mich ein sehr interessantes Thema, weil ich das eben aus meiner eigenen Erfahrungswelt noch nicht so kenne und auch eigentlich mit fast noch niemandem geredet habe, der so einen Weg gegangen ist. Ich würde mal sagen, für mich wäre es interessant, wenn wir das vielleicht in einem eigenen Podcast noch mal ausführlicher besprechen, für unsere Zuhörer oder Zuschauer.

Wenn euch das interessiert, schreibt es einfach mal in die Kommentare. Ihr könnt auch in die Shownotes gehen, die findet ihr auf fernstudi.net/podcast/4, und da könnt ihr auch in die Kommentare schreiben, wenn euch dieses Thema interessiert. Dann machen wir vielleicht noch einen ganz eigenen Podcast nur zu dem Thema staatlich geprüfter Techniker – auch via Fernstudium oder berufsbegleitend, da gibt es ja auch eine ganze Menge Möglichkeiten, wie man das absolvieren kann.

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