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Diplom im Fernstudium: Die letzten Studiengänge in Deutschland und was sie wert sind

Das Diplom ist fast ausgestorben – aber nicht ganz. Während der Bologna-Prozess die meisten Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt hat, halten eine Handvoll Hochschulen in Sachsen am Diplom fest. Vom Dipl.-Ing. über den Dipl.-Wirtschaftsingenieur bis zum Dipl.-Wirtschaftsinformatiker: Welche Fernstudiengänge es noch gibt, was sie kosten und für wen sich das Diplom 2026 noch lohnt.

  • Diplom-Fernstudiengänge gibt es nur noch in Sachsen: TU Dresden, HTW Dresden, Westsächsische Hochschule Zwickau.
  • Verfügbar: Dipl.-Ing. (Maschinenbau, Bauingenieurwesen, Elektrotechnik), Dipl.-Wirtschaftsingenieur, Dipl.-Wirtschaftsinformatiker.
  • WINGS/Hochschule Wismar (Dipl.-Kauffrau/-mann): Ersteinschreibung seit 2022 nicht mehr möglich, nur Quereinstieg.
  • Kosten: Ab ca. 100 €/Semester (TU Dresden) – deutlich günstiger als private Bachelor-Programme.
  • „Dipl.-Ing.“ dürfen nur Diplom-Absolventen führen – Bachelor-Absolventen dürfen sich „Ingenieur“ nennen, nicht aber „Dipl.-Ing.“

Welche Diplom-Fernstudiengänge gibt es noch?

Alle verbliebenen Diplom-Fernstudiengänge konzentrieren sich auf drei Hochschulen in Sachsen. Der Freistaat ist der stärkste Verfechter des Diploms in Deutschland – hier wurde die Bologna-Umstellung nie vollständig vollzogen, insbesondere an den technischen Hochschulen.

Fast alle Programme sind Aufbaustudiengänge: Du brauchst einen abgeschlossenen Bachelor oder ein FH-Diplom als Zugangsvoraussetzung. Ein grundständiges Diplom-Fernstudium „von null“ gibt es praktisch nicht mehr.

StudiengangHochschuleStudiendauerKosten

Fernstudium
4 Semesterab 122 € Semesterbeitrag

Fernstudium
9 Semesterab 9126 € insgesamt
ab 1014 € Semesterbeitrag

Fernstudium
10 Semesterab 1800 € insgesamt
ab 180 € Semesterbeitrag

Fernstudium
20 Semesterab 2000 € insgesamt
ab 100 € Semesterbeitrag

Fernstudium
5 Semesterab 2450 € insgesamt
ab 490 € Semesterbeitrag

Fernstudium
5 Semesterab 200 € Semesterbeitrag

Fernstudium
5 Semesterab 200 € Semesterbeitrag

Die Hochschulen im Detail

TU Dresden – Dipl.-Ing. Maschinenbau und Bauingenieurwesen

Die TU Dresden bietet über ihre Arbeitsgruppe Fernstudium zwei Diplom-Aufbaustudiengänge an:

  • Maschinenbau (Dipl.-Ing.): 8 Semester, Spezialisierungen in Allgemeinem Maschinenbau, Produktionstechnik, Luft- und Raumfahrttechnik oder Energietechnik
  • Bauingenieurwesen (Dipl.-Ing.): 4–8 Semester, je nach anrechenbaren Vorleistungen

Kosten: Ca. 100 € pro Semester (Semesterbeitrag) – keine Studiengebühren. Das macht die TU Dresden zur günstigsten Option für ein Diplom-Fernstudium.

Voraussetzung: Abgeschlossenes Bachelor- oder FH-Diplom-Studium in einem verwandten Ingenieurstudiengang. Das Ziel ist das „Upgrade“ auf den universitären Diplom-Ingenieur.

HTW Dresden – Dipl.-Ing. Elektrotechnik und Informationstechnik

Die HTW Dresden hat ihr Diplom-Fernstudium zum Wintersemester 2024/25 modernisiert. Das Programm heißt jetzt Elektrotechnik und Informationstechnik (vormals Elektrotechnik/Kommunikationstechnik).

  • Dauer: 10 Semester (Grundstudium 1.–5. Semester, Vertiefung + Diplomarbeit 6.–10. Semester)
  • Spezialisierungen: 2 von 4 Schwerpunkten wählbar
  • Berufsbegleitend konzipiert, Stundenpläne bis 2026 veröffentlicht

Westsächsische Hochschule Zwickau – drei Diplom-Fernstudiengänge

Die WHZ Zwickau bietet gleich drei Diplom-Programme im berufsbegleitenden Fernstudium an:

  • Wirtschaftsingenieurwesen (Diplom): 5 Semester, 90 ECTS, ca. 7 Präsenzsamstage pro Semester
  • Umwelttechnik und Recycling (Diplom): 5 Semester, Aufbaustudiengang für Ingenieure und Naturwissenschaftler
  • Wirtschaftsinformatik (Diplom): Berufsbegleitendes Aufbaustudium

Kosten: Ca. 300 € pro Semester. Bewerbungsschluss ist jeweils der 31. August.

Diplom vs. Bachelor und Master – lohnt sich das Diplom noch?

Die ehrliche Antwort: Für die meisten Fernstudierenden ist ein Bachelor oder Master die bessere Wahl – schlicht wegen des viel größeren Studienangebots. Aber es gibt Szenarien, in denen das Diplom nach wie vor Sinn ergibt.

DiplomBachelor/Master
Studienangebot Sehr begrenzt (nur Sachsen, nur Technik/Wirtschaft) Mehrere Hundert Fernstudiengänge deutschlandweit
Kosten Ab 100 €/Semester (staatlich) 0 € (FernUni) bis über 400 €/Monat (privat)
Reputation im Ingenieurwesen Hoch – Dipl.-Ing. hat in der deutschen Industrie nach wie vor Gewicht Standard – international anerkannt und vergleichbar
Flexibilität Gering – feste Curricula, wenig Wahlmöglichkeiten Hoch – modulares System, Spezialisierungen wählbar
Dauer 5–10 Semester (meist Aufbau) Bachelor: 6–8, Master: 3–4 Semester
Zukunftssicherheit Auslaufmodell – keine neuen Programme zu erwarten Standard für absehbare Zukunft

Für wen sich das Diplom lohnt:

  • Ingenieure mit FH-Bachelor, die den universitären Dipl.-Ing. nachholen wollen (TU Dresden)
  • Berufstätige, die einen günstigen staatlichen Abschluss suchen (ab 100 €/Semester)
  • Fachkräfte in der deutschen Industrie, wo der Dipl.-Ing. bei älteren Personalverantwortlichen noch besonderes Gewicht hat

Wer darf sich „Dipl.-Ing.“ nennen?

Hier gibt es ein verbreitetes Missverständnis. Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem akademischen Grad und der Berufsbezeichnung:

  • „Dipl.-Ing.“ ist ein akademischer Grad – den darf nur führen, wer tatsächlich ein Diplom-Studium abgeschlossen hat. Kein Bachelor- oder Master-Absolvent darf diesen Titel tragen.
  • „Ingenieur/Ingenieurin“ ist eine geschützte Berufsbezeichnung – die dürfen auch Bachelor-of-Engineering-Absolventen führen, wenn ihr Studiengang die Anforderungen der Ingenieurgesetze erfüllt (mindestens 6 Semester, überwiegend MINT-Inhalte).

Die viel diskutierten Vorschläge aus Bayern und Sachsen, den Titel „Dipl.-Ing.“ auch für Bachelor- und Master-Absolventen zu öffnen, sind nicht Gesetz geworden. Die Trennung bleibt bestehen.

Häufige Fragen

Ja – genau dafür sind die Aufbaustudiengänge an TU Dresden und WHZ Zwickau konzipiert. Du bringst deinen Bachelor (oder ein FH-Diplom) mit und studierst in 4–10 Semestern zum universitären Diplom weiter. Bereits erbrachte Leistungen werden angerechnet.

Grundsätzlich ja. Das deutsche Diplom wird international anerkannt, insbesondere der Dipl.-Ing. genießt im technischen Bereich einen guten Ruf. Für formale Anerkennungsverfahren (z. B. Berufserlaubnis im Ausland) wird das Diplom in der Regel einem Master-Abschluss gleichgestellt – es liegt auf Stufe 7 des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR).

Aktuell nicht. Alle verbliebenen Diplom-Fernstudiengänge werden von sächsischen Hochschulen angeboten (TU Dresden, HTW Dresden, WHZ Zwickau). Der einzige nicht-sächsische Anbieter war WINGS/Hochschule Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) mit dem Diplom-BWL – dort ist die Ersteinschreibung aber seit 2022 geschlossen.

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