Doppel-Master Wirtschaftspsychologie per Fernstudium an der HfWU: Prof. Dr. Reinhardt im Interview
Wirtschaftspsychologie ist die Anwendung psychologischer Prinzipien auf wirtschaftliche Kontexte, um Verhalten, Entscheidungsfindung und Leistung in Organisationen zu verstehen und zu verbessern. Sie kombiniert psychologische Konzepte mit betriebswirtschaftlichem Know-how, um Fragen der Führung, Organisation, des Marketings und Personalmanagements zu untersuchen.
Mit einem Master in Wirtschaftspsychologie eröffnen sich verschiedene Berufsmöglichkeiten in HR, Marketing und Marktforschung, Organisations- und Unternehmensberatung sowie -kommunikation uvm.
Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen @HfWUimFilm bietet ihrerseits einen Master of Science in Wirtschaftspsychologie per Fernstudium an: mit 5 Vertiefungen und den Möglichkeiten für einen Doppelabschluss in 2 Fachrichtungen und zur Promotion.
Voraussetzungen, Ablauf, Inhalte und Prüfungen erörtert Prof. Dr. Rüdiger Reinhardt, akademischer Leiter des Studiengangs und Studiendekan für Unternehmensführung an der HfWU, im Gespräch mit Christian.
Inhalt:
00:00 Intro
01:27 Prof. Dr. Reinhardt & HfWU stellen sich vor
07:24 Formale Zugangsvoraussetzungen
14:39 Studieninhalte & Vertiefungen
18:56 Wechsel der Vertiefung & Doppel-Master
21:49 Studiendauer & Zeitaufwand
24:01 Die 5 Vertiefungen im Überblick
24:58 Organisation, Ablauf & Präsenzen im Fernstudium
29:40 Kombination von Berufspraxis & Prüfungsleistung
32:03 Sind die Präsenzen Pflicht?
33:23 Prüfungsformen: Studienarbeiten, Präsentationen & Co.
36:54 Promotion an der HfWU
38:47 Wie anspruchsvoll wird es berufsbegleitend?
39:11 Persönliche Voraussetzungen
44:01 Prof. Dr. Reinhardt im Web
Prof. Dr. Reinhardt im Internet:
➡️ LinkedIn: linkedin.com/in/r%C3%BCdiger-reinhardt-88559b66
Im Video erwähnt:
👉 Der M.Sc. Wirtschaftspsychologie im Überblick: fernstudi.net/fernstudium/wirtschaft/wirtschaftspsychologie…
#interview #wirtschaftspsychologie #masterstudium
Transkript
Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 2023. Genannte Preise, Studiengänge und Studienbedingungen können sich seitdem geändert haben.
Schönen guten Tag! In diesem Interview habe ich Professor Dr. Rüdiger Reinhardt zu Gast. Herr Reinhardt ist akademischer Leiter des Studienprogramms Wirtschaftspsychologie an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, und über eben dieses Masterprogramm wollen wir jetzt ausführlich reden.
Wir gucken uns erstmal an, was die Voraussetzungen sind, die man mitbringen muss, um sich immatrikulieren zu können – und auch, was die persönlichen Voraussetzungen sind. Dann schauen wir ganz genau auf die Studieninhalte und die vielen spannenden Vertiefungsmöglichkeiten, die es in diesem Studiengang gibt. Das ist eine der großen Besonderheiten an diesem Masterprogramm: Jede dieser Vertiefungsrichtungen ermöglicht letztendlich einen eigenständigen Masterabschluss, und man kann sogar einen Doppelabschluss erwerben, also zwei Masterabschlüsse. Dann gucken wir uns an, wie der Studiengang abläuft, welche digitalen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, was es für Präsenzphasen gibt – da gibt es nämlich einige – und wie die Prüfungsformen aussehen.
Zur Person
Herr Reinhardt, herzlich willkommen! Vielleicht stellen Sie sich als Allererstes kurz selbst vor.
Vielen Dank. Ich bin seit 2015 Professor für Wirtschaftspsychologie und empirische Methoden an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, selbst am Standort Geislingen. Seit 2017 bin ich verantwortlich für den Masterstudiengang Unternehmensführung und seit 2018 für die wirtschaftspsychologischen Masterprogramme bei uns an der Hochschule.
Vielleicht ein bisschen Historie von der Ausbildung her: Als ich jung war, habe ich tatsächlich Psychologie studiert, damals mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie. Dann war ich sieben Jahre in der Beratung, Schwerpunkt Strategieimplementierung, Change Management, solche Dinge. Ich habe dann berufsbegleitend promoviert, das heißt, ich habe auch sehr früh diese Doppelbelastung zwischen akademischer Weiterbildung und beruflichen Aufgaben kennengelernt. Dann bin ich 1996 zurück an die Uni nach Chemnitz und habe mich dort bei den Wirtschaftswissenschaftlern habilitiert – das heißt, ich bin Psychologe und habilitierter Wirtschaftswissenschaftler. Wenn man über Wirtschaftspsychologie redet, bringe ich also auch beides aus akademischer Perspektive mit.
Dann war ich Projektprofessor an der Universität St. Gallen für zweieinhalb Jahre, und seit 2003 arbeite ich mit berufstätigen Studierenden zusammen: zunächst am Management Center Innsbruck, da war ich verantwortlich für ein berufsbegleitendes BWL-Studienprogramm, und dann habe ich an die SRH Fernhochschule in Riedlingen gewechselt. Seit 2008 bin ich in Sachen Wirtschaftspsychologie im Fernstudium unterwegs – salopp ausgedrückt bin ich nicht nur vom Alter her, sondern auch von der Erfahrung her sicherlich derjenige in Deutschland, der am meisten Erfahrung mit Wirtschaftspsychologie im Fernstudium hat.
Die rechtliche Konstruktion
Eine Sache, die mir aufgefallen ist: Wenn man ins Impressum auf der Website für diesen Studiengang guckt, dann steht da die PEMACO Akademie GmbH, deren Geschäftsführer Sie auch sind. Können Sie da kurz den Zusammenhang erklären?
Gerne, das ist tatsächlich zumindest für Baden-Württemberg eine interessante Konstruktion. Die Hochschule, letztlich das Rektorat, ist verantwortlich für die kompletten Weiterbildungsangelegenheiten; operativ wird das von der Weiterbildungsakademie verantwortet. Der wichtige Punkt ist: Es gibt nach Paragraf 33 des baden-württembergischen Landeshochschulgesetzes eine Regelung für die sogenannten externen Programme. Was ist das? Die Hochschulen, auch Universitäten, dürfen Weiterbildung externalisieren. Das heißt nichts anderes, als dass es jeweils private Träger gibt, die dann im Auftrag der Hochschule diese Programme abwickeln.
Ich habe gerade nachgeschaut: Momentan haben wir rund 30 Programme bei uns an der Hochschule laufen, Wirtschaftspsychologie extern ist eines davon. Der organisatorisch-rechtliche Träger dazu ist die PEMACO Akademie GmbH, die mein Mitgeschäftsführer und ich verantworten.
Jetzt fragen Sie vielleicht: Wo ist der Link zu den akademischen Verantwortlichkeiten? Auch hier Folgendes: Wir erfinden ja keine Abschlüsse, sondern bei uns geht es um staatliche Abschlüsse einer staatlichen Hochschule, und das ist über diese Konstruktion gewährleistet. Die Hochschule akkreditiert auch alle externen Programme und ist fürs Qualitätsmanagement letztlich verantwortlich. Das soll heißen, dass wir einmal im Jahr immer wieder nachweisen müssen, dass wir die Standards erfüllen – das ist dann auch noch mal anspruchsvoller als bei einer externen Akkreditierung oder anderen Akkreditierungsformen. Und last but not least ist die Weiterbildungsakademie die verantwortliche operative Organisationseinheit, die auch die Verträge unserer Bewerberinnen und Bewerber prüft und die Voraussetzungen prüft.
Zusammengefasst: Das Ganze wird von der Hochschule, vom Rektorat verantwortet, und wir sind diejenigen, die es jeweils operativ umsetzen.
Also ganz wichtig zu wissen für diejenigen, die sich für diesen Studiengang interessieren: Wenn ich diesen Studiengang absolviere, dann erhalte ich auch einen Abschluss der Hochschule, einen ganz normalen anerkannten staatlichen Masterabschluss, wie man das auch von anderen Hochschulen kennt.
Die formalen Voraussetzungen
Im Wesentlichen geht es um einen ersten Bachelorabschluss oder vielleicht auch einen älteren Diplom- oder Magisterabschluss im Umfang von mindestens 180 Credits. Wir sind ein Weiterbildungsmaster-Angebot, das heißt, zu uns kommen in aller Regel diejenigen, die im Erststudium keinen Bachelor in Wirtschaftspsychologie gemacht haben. In der Regel haben wir zwei Drittel Leute aus den Wirtschaftswissenschaften, dann eine ganze Reihe aus der Pädagogik und Sozialpädagogik, wir haben Wirtschaftsingenieure, Wirtschaftsinformatiker und auch einige Naturwissenschaftler.
Das ist die eine Perspektive, die akademische Voraussetzung. Und dann gibt es die zweite Voraussetzung, nämlich die der qualifizierten Berufstätigkeit. Das bedeutet, dass nach deutschem Recht eine Zulassung auch dann möglich ist, wenn Sie das entsprechend nachweisen. Was heißt qualifizierte Berufstätigkeit? Im Wesentlichen sind das Tätigkeiten, die im weitesten Sinne im Kontext dessen liegen, was Wirtschaftspsychologie, Management, Organisation und Ähnliches beinhaltet. Im Einzelfall schauen wir uns das auch an – wir hatten zum Beispiel mal einen Yogalehrer, das würde nicht unbedingt da reinpassen. Aber wenn das jemand ist, der selbstständig ist und seine eigene Firma schon länger führt, dann passt es natürlich wunderbar dazu.
Vielleicht noch zur Demografie unserer Studierenden: Wir haben einerseits ganz junge Persönlichkeiten – die haben gerade einen Bachelor gemacht und dann ihre einjährige Berufstätigkeit. Und dann haben wir eine Vielzahl von Personen, die deutlich älter sind, bis Mitte, Ende 40. Das heißt Leute, die schon in Führungsverantwortung sind, die schon länger selbstständig sind und sich hier noch mal weiterqualifizieren möchten. Und noch ein Satz zur beruflichen Qualifikation: Wir dürfen auch Ausbildungsleistungen anerkennen, es ist also nicht zwingend nötig, die beruflichen Voraussetzungen nach dem Studium nachzuweisen.
Wenn der Bachelor nur 180 Punkte hat
Ist es auch möglich, sich einzuschreiben, wenn ich im Erststudium nur 180 Leistungspunkte erreicht habe, was ja bei den meisten Bachelorstudiengängen der Fall ist?
Seit 2020 gab es noch mal eine rechtliche Veränderung in Baden-Württemberg. Bis dahin war es komplett unproblematisch, auf den 180-Credit-Bachelor einen 90-Credit-Master aufzusetzen. Und Sie wissen ja, dass der Zugang zu einem Promotionsstudium 300 Creditpunkte voraussetzt – jetzt haben wir quasi diese Lücke mit den 90 Creditpunkten.
Was vielleicht noch zur Ergänzung wichtig ist: Wenn man sich die deutsche Studienlandschaft anschaut, dann sind es in der Regel die Unis, die nur mit 180 Credits im Bachelor abschließen; die meisten Fachhochschulen schließen mit 210 Credits ab, weil sie in der Regel noch das Praxissemester dabeihaben.
Was machen wir, um die 30 Credits anzuerkennen? Es läuft über ein sogenanntes Kompetenzportfolio. Der Hintergrund: Im Zuge der Bologna-Reform ist es möglich geworden, Praxiskompetenzen und auch außerberufliche Kompetenzen – also Kompetenzen, die zum Beispiel in ehrenamtlichen Tätigkeiten entwickelt wurden – in akademische Credits umzuwandeln. Wenn Sie einen kurzen Blick nach Norddeutschland wenden: Da gibt es eine ganze Reihe von Hochschulen, die mittlerweile das Programm „Vom Meister zum Master“ fahren, das heißt, Meister- oder Technikerausbildung plus Berufserfahrung ist gleich komplettes Bachelorstudium. So etwas bekommen wir in Baden-Württemberg, im Übrigen auch nicht in Bayern, nicht hin. Aber was wir hinbekommen, ist, über eine explizite Prüfung der in der Praxis entwickelten Kompetenzen diese 30 Credits anzuerkennen.
Wie läuft es formal ab? Die Studierenden füllen im ersten Semester ein Kompetenzportfolio aus – das muss man sich vorstellen wie einen sehr ausführlichen Lebenslauf, weil es eben nicht nur um berufliche, sondern auch um außerberufliche Erfahrung geht. Das Ganze ist durchstandardisiert, wir unterstützen die Studierenden mit entsprechenden Leitfäden. Dieses ausgefüllte Kompetenzportfolio überprüfen wir dann noch mal im Zweiergespräch, ob alles anerkennungswürdig ist, wir sprechen die Empfehlung gegenüber dem Prüfungsamt aus, und letztlich steht dann im Masterzeugnis: die 90 Credits, aufgesplittet nach den jeweiligen Modulnoten, plus die 30 anerkannten Credits durch das Kompetenzportfolio. Da steht dann tatsächlich der Masterabschluss mit den 120 Credits im Zeugnis.
Die Vertiefungsrichtungen
Es gibt insgesamt fünf Vertiefungsrichtungen, die auch zu eigenständigen Abschlüssen führen können. Vielleicht picken wir uns eine heraus, zum Beispiel Decision Making – wie stelle ich mir das vor?
Vielleicht noch mal vorab in Bezug auf die Abschlüsse: Es ist tatsächlich so, dass es bei uns keine Vertiefungsrichtungen oder Wahlpflichtmodule wie bei anderen Anbietern gibt, sondern in Abhängigkeit dessen, was Sie bei uns wählen, können Sie tatsächlich – Stand 2022 – zwischen fünf verschiedenen Abschlüssen wählen. Diese Entscheidungsmöglichkeit haben wir dann im zweiten Semester.
Sie hatten nach Decision Making gefragt. Im ersten Modul geht es darum, grundsätzlich zu verstehen, wo die Anforderungen und Problemfelder in Sachen Entscheidungskompetenz liegen. Das heißt, als Wirtschaftspsychologen schauen wir uns hier die entsprechende Forschung aus der Psychologie an. Im Gegensatz zum Ökonomen glauben wir nicht an die Rationalität der menschlichen Akteure, sondern wir wissen, dass es Urteils- und Entscheidungsverzerrungen gibt – Stichworte Biases und Heuristiken.
Es ist gut und wichtig, das zu wissen, aber im Wesentlichen geht es uns – und das ist im zweiten Semester der Fall – darum, unsere Studierenden zu befähigen, ihre Biases nicht nur zu erkennen, sondern auch deren Einflüsse zu reduzieren. Dazu haben wir ein entsprechendes Debiasing-Trainingsprogramm entwickelt, das unsere Studierenden durchlaufen und dann anhand der eigenen Erfahrung erleben, wie sie eine höhere Entscheidungsqualität erzeugen können. Dazu gibt es im Übrigen auch eine Doktorarbeit, die genau dieses Programm evaluiert hat.
Im dritten Modul wechseln wir dann die Perspektive: weg von der individuellen Entscheidung hin zur Ebene des Teams und der Organisation. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass viele Entscheidungen in Organisationen zumindest in Teams vorbereitet werden. Dann haben wir wiederum ganz andere Einflüsse, die mit Konformität und Groupthink-Phänomenen zu tun haben, also gruppenbezogene Phänomene, die die Entscheidungsqualität auf Gruppenebene reduzieren. Und auf Organisationsebene sind wir dann im Spielfeld von Macht und Mikropolitik – auch hier geht es darum, erstmal zu verstehen, wie es zu diesen Entscheidungsproblemen kommt, und dann auf struktureller Ebene entsprechende Stellhebel einzubauen, um auch auf Organisationsebene bessere Entscheidungen zu treffen.
Kann man wechseln – oder zwei machen?
Und wenn mir im Laufe des Semesters einfällt, dass das doch nichts für mich ist – kann ich dann noch wechseln?
Die Entscheidung für ein spezifisches Programm sollte im ersten Semester erfolgen, und bis zwei Wochen vor Beginn des zweiten Semesters ist ein Wechsel unproblematisch. Was wir darüber hinaus tun können, weil wir aufgrund unseres Rechtsstatus wesentlich flexibler sind als im Standard-Studienbetrieb: Solange es keine Prüfungsleistungen gegeben hat, sind wir auch in der Lage, während des zweiten Semesters noch einen Wechsel vorzunehmen. Wenn es schon eine Prüfungsleistung gegeben hat, dann muss man im Einzelfall darüber nachdenken und gemeinsam entscheiden, wie wir so einen Wechsel organisieren.
Das ist die defensivere Variante. Was Sie aber viel öfter erleben, ist eine ganz andere: dass uns Studierende sagen, okay, das, was ihr da tut, ist so spannend, ich kann mich nicht entscheiden – kann ich nicht zwei Dinge machen? Dazu gibt es wiederum zwei Lösungen. Die eine: Du kannst im Anschluss an dein Studium noch mal die drei Module nachstudieren, die dich noch interessieren, und dann möglicherweise über einen Doppelmaster-Abschluss nachdenken. Oder aber du gehst parallel – wenn du das für dich organisieren kannst – in ein Zertifikatsstudium rein, machst quasi noch mal parallel drei Module zur jeweiligen Vertiefung und kannst dann zeitgleich beide Schwerpunkte abschließen. Auch das bieten wir an.
Sie sehen: Wir versuchen schon, unseren Studierenden maximal entgegenzukommen, wenn es um zeitliche Flexibilität geht. Unsere Studierenden sind zusammengefasst höchst motiviert, und alles, was sie nicht haben, ist Zeit.
Der Zeitaufwand
Wie viel Zeit muss ich investieren, um gut durch diesen Studiengang zu kommen?
Im Gesamtsystem haben wir die Mindeststudiendauer mit drei Semestern und 90 ECTS-Punkten, also 30 Credits pro Semester. Wir haben uns gerade für die letzte Qualitätsdiskussion angeschaut, wie lange die Studierenden tatsächlich studieren: Das sind 4,6 Semester im Mittel. Wie kommt das zustande? In der Regel entscheiden sich die Studierenden, in den ersten drei Semestern ihre Modulprüfungen abzuleisten und im vierten Semester dann die Masterthesis, die sich manchmal auch nach hinten rausschieben kann.
Das ist die Makroebene. Auf der Mikroebene – ich werde eine Zahl nennen, aber ich möchte vorher noch ein paar Infos dazu geben: Es ist vergleichsweise schwierig, hier eine vernünftige Evaluation vorzunehmen. Das Einzige, was wir aus entsprechenden Evaluationen wissen, also nicht nur wir an der Hochschule, sondern auch die übergeordneten Akkreditierungsorgane: Die Studierenden studieren immer weniger, als was das Creditpensum vorgibt. Das hat verschiedene Gründe. Wir sagen immer: Rechnen Sie bitte damit, so 15 Stunden pro Woche aufzuwenden. Es gibt einige, die schaffen das mit weniger. Und das ist wiederum etwas, was uns auszeichnet: Diejenigen, die in der Lage sind, das, was sie für uns tun, stärker mit ihrem Business zu verbinden, die investieren zum Teil auch ein bisschen mehr.
Die fünf Fachrichtungen
Die anderen Fachrichtungen hatten wir noch nicht genannt: Leadership, Business Transformation, HR Management und Digital Consumer Behavior – und dann natürlich Decision Making. Gibt es besonders beliebte Fachrichtungen?
Was wir tatsächlich beobachten können, was natürlich auch ein bisschen mit der Reife des Angebots zusammenhängt, um das mal ökonomisch auszudrücken: Die ersten drei, die älteren, werden häufiger gewählt als die beiden jüngeren. Das hängt einfach mit der zeitlichen Perspektive zusammen.
Wie das Studium organisiert ist
Viele Menschen, die noch kein Fernstudium absolviert haben, stellen sich das häufig so vor, dass man ganz viel mit Videovorlesungen und digitalen Materialien arbeitet – aber eigentlich ist doch in den meisten Fernstudiengängen das Lernen über das Skript vorherrschend. Ist das auch in diesem Studiengang so?
Ein Studium in Deutschland ist rein juristisch betrachtet im Grundsatz ein Studium in Selbststudiumsform. Und dann gibt es natürlich ganz unterschiedliche Varianten der Unterstützung seitens der verschiedenen Anbieter. Das eine ist notwendigerweise das ganze Thema Teaching – da finden Sie Spielarten von reinen Online-Angeboten über gemischte Angebote wie bei uns bis hin zu Anbietern, die halb- oder ganzwöchige Angebote machen.
Was machen wir auf der Teaching-Ebene? Bei uns gibt es für die Vorlesung zwei Perspektiven: Wir haben pro Semester zwei Präsenzveranstaltungen, das sind zwei Wochenenden, freitags von 16 bis 21 Uhr und samstags von 8 bis 17 Uhr. Dazu kommen dann noch entsprechende Online-Vorlesungen, im Verlauf des Semesters sind das fünf Abende von 19 bis 21 Uhr. Und dann haben wir noch drei bis acht Zusatzveranstaltungen, die wir den Studierenden anbieten. Auf der einen Seite ist bei uns die empirische Ausbildung wichtig – bei uns gibt es nur empirische Abschlussarbeiten, und viele der Studierenden haben das nicht wirklich gelernt, das heißt, wir machen noch Zusatzveranstaltungen, damit sie fit für die Masterthesis werden. Wir machen auch Online-Sprechstunden, Einführungen in unsere Onlinesysteme und in unsere unterschiedlichen Bibliotheken. Und was ganz wichtig ist: das Kick-off für das erste Semester, damit die Studierenden sich untereinander ausführlicher kennenlernen und auch uns kennenlernen.
Kein Auswendiglernen aus dem Studienbrief
Sie haben das Thema Studienbrief angesprochen. Es gibt ja so eine Art Tradition bei den Fernhochschulen, die lautet: Okay, wenn du den Fernstudienbrief kannst, dann kannst du nicht durchfallen. Das können wir mit unserem didaktischen Konzept leider – oder glücklicherweise, je nach Perspektive – so nicht anbieten.
Was bedeutet das? Erstens: Wir bieten keine Klausuren an, auf die man sich durch Auswendiglernen vorbereiten kann. Zweitens: Wir setzen unsere Prüfungsaufgaben so um, dass die immer in einem engen Bezug – so gewünscht – zu Ihrem beruflichen Alltag herstellbar sind, das heißt, Sie können eigene Inhalte einfließen lassen. Wir können in unseren Vorlesungen natürlich never ever auf all das eingehen, was für unsere Studierenden potenziell relevant ist. Das heißt, wir haben natürlich ein Standardskript im Umfang von 60 bis 80 Seiten, wo es um die wesentlichen Inhalte geht, und zusätzlich machen wir unsere Studierenden fit im Umgang mit Online-Datenbanken, damit sie sehr gezielt ihre Themen identifizieren und diese Verzahnung vornehmen können.
Vielleicht interessiert Sie ein kleines Beispiel für die Verzahnung zwischen Praxis und Prüfungsleistung. Eines der Modulbereiche ist ja – nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen – das Thema wissenschaftliche Ausbildung. Was machen wir im ersten Semester? Wir bringen Ihnen bei, wie ein typischer empirischer Forschungsprozess aussieht – das ist letztlich nichts anderes, als schon mal bekannt zu machen, wie eine Masterthesis aussieht und wie man dabei vorgeht. Zweitens bringen wir Ihnen bei, wie man gute Fragebögen und gute Interviewleitfäden macht.
Wie sieht die Prüfungsleistung aus? Wir sagen: Okay, liebe Studentin, lieber Student, such dir ein Thema aus, das du gerne untersuchen würdest – welches, kannst du entscheiden, ob das etwas mit deinem Beruf zu tun hat oder etwas ist, das dich interessiert. Ein paar Beispiele: In welchem Zusammenhang stehen Stress und Gesundheit, oder Führungsstil und Leistung, oder Führungsstil und Bindung? Und das arbeiten die dann entsprechend aus, und am Ende haben wir einen praxistauglichen Fragebogen beziehungsweise Interviewleitfaden. Im zweiten Semester bringen wir unseren Studierenden dann noch bei, wie man Daten auswertet, mit SPSS und auch mit MAXQDA, also die qualitative Datenanalyse.
Die Präsenzen
Natürlich ist es für viele auch eine Herausforderung, diese Präsenzveranstaltungen beruflich unterzubekommen – da muss vielleicht Urlaub eingereicht werden. Gibt es Möglichkeiten, eine Präsenz zu verschieben oder nicht teilzunehmen, wenn das überhaupt nicht möglich ist?
Unsere Präsenzen sind äußerst beliebt. Wir lassen aus steuerlichen Gründen immer ausfüllen, ob die Studierenden da gewesen sind – wir haben eine Teilnahmequote von 95 Prozent. Die tun sich also eher schwer damit, nicht zu uns zu kommen, weil wir keine reine Vorlesung machen, sondern das Ganze seminaristisch: Wir diskutieren Cases, in der Regel Cases der Studierenden. Und wenn es mal nicht geht, dann geht es halt nicht, dann sagen Sie uns Bescheid – berufliche Veranstaltung oder Urlaub –, und dann können Sie es im nächsten Semester nachholen.
Es ist also keine Pflicht, um die Prüfung bestehen zu können?
Es ist halt für den Lernerfolg hilfreich.
Die Prüfungsformen
Es ist uns ein ganz wichtiges Anliegen, unsere Studierenden nicht in Richtung Bulimielernen zu befähigen, sondern unsere Idee ist eine ganz andere: Wir wollen einen Beitrag zur Weiterentwicklung berufsfeldbezogener Kompetenzen leisten. Das gelingt einerseits durch die enge Verzahnung zwischen Prüfungsinhalten, Prüfungsleistung und Prüfungsform.
Über die Studienarbeit habe ich gerade etwas erzählt, das sind so 15 bis 20 Seiten. Wir haben des Weiteren Online-Präsentationen – Präsentationen in der Dreier-Kleingruppe, wo sich die Studierenden virtuell zusammensetzen, das ausarbeiten und dann tatsächlich vortragen: eine 45-minütige Präsentation zu dritt plus 15 Minuten Fragen dazu.
Dann haben wir mündliche Prüfungen, das ist eine Einzelprüfung. Da geht es darum, dass Sie einen Case entwickeln sollen, also Beschreibung und Analyse, und in der mündlichen Prüfung, die 15 Minuten dauert, diskutieren wir dann die Praxiskonsequenzen des Cases und der Analyse.
Und im Präsentationskontext haben wir noch eine Variante entwickelt, um den Studierenden ein bisschen die Befürchtung vor der Präsentation zu nehmen: Sie sollen erstmal eine Präsentation erstellen und dann erläutern, warum sie diese Folien wie angelegt haben – quasi einen Leitfaden dazulegen. Das ist dann auch eine schriftliche Prüfungsleistung. Und fürs dritte Semester haben wir noch eine asynchrone Präsentation vorgesehen: Die Studierenden nehmen die Präsentation auf, schicken uns das Video und entwickeln dazu auch noch ein Strategiepapier. Das sind die fünf Präsentationsformen.
Was uns auch auszeichnet – auch hier wieder der Bezug zum knappen Zeitbudget unserer Studierenden: Die Studierenden kennen die Prüfungsleistung vom ersten Tag des Semesters an und haben dann für die schriftlichen Prüfungsleistungen ein halbes Jahr Zeit, die auszuarbeiten. Für die mündlichen Prüfungsformen ist es ein bisschen knapper, weil unsere Studierenden uns gesagt haben, es wäre schön, wenn man die Prüfung in zeitlicher Nähe zur Präsenzveranstaltung machen könnte – da haben wir gesagt, machen wir gerne, und machen das dann so vier bis fünf Wochen danach.
Promotion im Anschluss
Habe ich überhaupt die Möglichkeit, im Anschluss noch zu promovieren?
Das eine hatte ich schon genannt: Wir liefern mit dem Master einen 300-Credit-Abschluss, und damit sind Sie rein formaljuristisch zur Promotion zugelassen. Man muss ganz einfach sehen, dass das Gros unserer Studierenden berufstätig ist und eine weiterführende Promotion nicht wirklich im Kern des Interesses steht. Dennoch gibt es einige wenige, die nach dem Master bei uns weiter promovieren – momentan sind das zwei. Das sind Absolventinnen und Absolventen, die sich extern eine Uni und einen Doktorvater beziehungsweise eine Doktormutter gesucht haben und dort promovieren. Das ist die eine Variante.
Und die andere, auf die Sie ansprechen: Unsere Hochschule ist jetzt auch im Promotionsverbund, das heißt, wir haben als Hochschule für angewandte Wissenschaften das Promotionsrecht. Da hätten wir dann auch einen Zugang – qua Interesse und natürlich qua Fit mit den Kollegen, die das auch betreuen.
Und aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus: Ist es gut berufsbegleitend zu schaffen?
Ich hatte bei meiner Selbstvorstellung kurz skizziert, dass ich das auch hinter mich gebracht habe. Also, lange Rede kurzer Sinn: Es ist noch mal anspruchsvoller als ein berufsbegleitender Master.
Die persönlichen Voraussetzungen
Zum Schluss noch mal ganz kurz: Was sind die persönlichen Voraussetzungen, die man mitbringen sollte?
Wenn ich das aus der Perspektive unserer Studierenden zusammenfassen darf, dann gibt es eine ganze Reihe gemeinsamer Nenner. Im Wesentlichen sind das Studierende, die in ihrem Beruf erkannt haben, dass man in der Organisation nur dann erfolgreich sein kann, wenn man – ich sage das jetzt mal in Anführungszeichen – besser verstanden hat, wie der Mensch tickt.
Wechseln wir mal kurz die Perspektive und schauen uns die typische Qualifikation von Führungskräften an: Das sind in der Regel Personen, die zu zwei Dritteln irgendetwas mit Wirtschaft studiert haben, dann haben wir Juristen, dann Ingenieure und dann ein paar Naturwissenschaftler, je nach Branche. Fragt man sich, was die in Sachen „Wie ticken Menschen?“ gelernt haben, dann kann man das bei den Juristen, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern mit der Lupe suchen – und bei den BWLern vielleicht ein bisschen, wenn Sie einen Human-Resource-Management- oder Marketing-Schwerpunkt studiert haben. Das heißt, wir bedienen quasi eine Lücke in der Qualifizierung Richtung Führungsebene, die die anderen Studiengänge gar nicht mitbringen und die auf Grundlage der Erfahrung der Studierenden umgesetzt werden kann.
Wenn Sie sagen, psychologisches Interesse – klar, psychologisches Interesse sollte da sein, und das ist auch da. Es gibt auch immer wieder einige, die sagen: Naja, eigentlich wollte ich ursprünglich Psychologie studieren, aber mit dem Numerus clausus hat das nicht wirklich geklappt.
Was die Berufsfelder angeht, in denen unsere Studierenden unterwegs sind: Das ist im Wesentlichen alles, was im Kontext HR unterwegs ist, alles, was im Bereich Marketing und Marktforschung unterwegs ist, alles, was mit Leitung und Führung zu tun hat – ob Projektleitung, Teamleitung bis hoch zur Abteilungsleitung, das hatten wir alles schon und haben es unterstützt. Auch Menschen, die sich selbstständig machen: Es gibt eine ganze Reihe von Studierenden, die sagen, okay, jetzt bin ich Ende 30, habe schon so viel gelernt, aber mir fehlt ein bisschen systematisches Know-how, zum Beispiel in Transformation oder Leadership oder HR, um mich selbstständig machen zu können.
Was auf der anderen Seite natürlich dazukommt, ist etwas Persönliches – ich sage es mal anhand des Schlagworts Resilienz. Unsere Studierenden sind berufstätig, und die allermeisten reduzieren ihren Workload im Job nicht, das heißt, sie bleiben bei ihren 100 Prozent Berufstätigkeit, und dann setzen wir noch das Studium mit drauf, über mindestens drei Semester mit den 15 Stunden in der Woche im Mittel. Dann müssen die in der Lage sein, gut mit Stress umzugehen und sich erholen zu können – und damit einher geht natürlich auch entsprechendes Zeitmanagement.
Sehr interessant, ein ganz wichtiger Punkt. Ich frage ja immer mal, was so die persönlichen Voraussetzungen sind, die man in verschiedenen Studiengängen mitbringen sollte – das Thema Resilienz fiel jetzt eigentlich noch nicht. Es ist aber völlig klar, dass jemand wirklich stressresistent sein sollte, wenn er neben dem Beruf studiert und vielleicht noch Familie da ist und man das alles unter einen Hut zu bekommen versucht.
Herzlichen Dank für die vielen Einblicke in diesen Studiengang! Wer Fragen hat, kann die in den Kommentaren für dieses Video stellen, wir verlinken natürlich auch die Webseite für diesen Studiengang und weitere Informationen in der Beschreibung.

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