Universität Potsdam testet erstmals KI-gestützte digitale Juraprüfung
Am 9. Januar 2026 hat die Juristische Fakultät der Universität Potsdam erstmals eine digitale Probeklausur für rund 30 Studierende des ersten Semesters durchgeführt. Die Klausur fand im PC-Pool der Universität statt und wurde mit der Prüfungssoftware EDUTIEK geschrieben. Den Teilnehmenden stand dabei ein kostenloses Online-Gesetzbuch (lexmea.de) zur Verfügung.
Im Rahmen des bundesweiten Forschungsnetzwerks „DigitalProjekt" wurde neben der klassischen, menschlichen Korrektur auch eine KI-unterstützte Bewertung erprobt. Ziel des Projekts ist es, die Objektivität und Fairness bei der Bewertung juristischer Prüfungen durch den Einsatz von KI-Systemen zu erhöhen. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch ein Team um Prof. Dr. Susanne Hähnchen, das neben Potsdam auch Standorte in Berlin, Bielefeld, Köln, München und Passau umfasst.
Im Fokus der Forschung stehen sowohl die von der KI generierten Noten (summatives Feedback) als auch die individuellen Korrekturanmerkungen (formatives Feedback). Frühere Probeklausuren in Bielefeld und München zeigten laut den Forschenden, dass KI-Korrekturen bereits Vorteile hinsichtlich Objektivität und Umfang des Feedbacks bieten können. Dennoch betonen die Projektbeteiligten, dass bei examensrelevanten Bewertungen weiterhin die Letztverantwortung beim Menschen liegen sollte.
Die Universität Potsdam hat für die digitale Prüfung ihre PC-Schulungsräume temporär in eine sogenannte Technology-Enhanced-Assessment-Hall (TEA-Hall) umgewandelt. Die Veranstaltung wurde von Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinsamen Justizprüfungsamtes Berlin-Brandenburg und des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums begleitet, um sich ein Bild von den aktuellen Möglichkeiten digitaler und KI-gestützter Prüfungen zu machen.
Die Einführung von KI in Prüfungsformate ist Teil einer breiteren Entwicklung an deutschen Hochschulen. So wird in aktuellen Diskussionspapieren betont, dass Hochschulen ihre Prüfungsformate an die Potenziale und Herausforderungen von KI anpassen und neue Bewertungsformen entwickeln sollten. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie das Zusammenspiel von Mensch, Maschine und Wissen in der Hochschulbildung künftig gestaltet werden kann. Ein Diskussionspapier des Hochschulforums Digitalisierung hebt hervor, dass Hochschulen Kompetenzen im Umgang mit KI vermitteln und Prüfungen entsprechend weiterentwickeln sollten.
Quelle: Pressemitteilung vom 12.01.2026
Veröffentlicht am 13.01.2026 20:50 von Christian Wolf