22.10.2025 👍2

Neues HFD-Diskussionspapier: Wie KI die Zukunft von Abschlussarbeiten verändert

Das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) hat ein neues Diskussionspapier zur Zukunft wissenschaftlicher Abschlussarbeiten im KI-Zeitalter veröffentlicht. Die Autorinnen Doris Weßels, Annabell Bils und Jannica Budde zeigen auf, warum Verbote von KI-Tools destruktiv wirken und wie Hochschulen stattdessen neue Prüfungsformate entwickeln können.

Die Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 hat eine tiefgreifende Disruption in der Hochschullandschaft ausgelöst, die etablierte Praktiken in Forschung, Lehre und Studium grundlegend in Frage stellt. Mit dieser Herausforderung beschäftigt sich das neue HFD-Diskussionspapier „Wissenschaftliche Abschlussarbeiten im KI-Zeitalter" von Prof. Dr. Doris Weßels (Fachhochschule Kiel), Dr. Annabell Bils (FernUniversität in Hagen) und Dr. Jannica Budde (CHE/HFD).

Laut einer Umfrage von UniNow unter 650.000 Studierenden in Deutschland nutzen bereits 9 Prozent der Befragten KI, um ihre Abschlussarbeit vollständig zu erstellen, während 35 Prozent KI-Tools für etwa ein Viertel ihrer Arbeit einsetzen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass es sich nicht mehr um ein Randphänomen handelt, sondern um eine etablierte Praxis.

Hochschulen reagieren bislang heterogen auf diese Entwicklung. Während einige Institutionen KI-Tools komplett verbieten, fordern andere lediglich Transparenz bei der Nutzung. Diese unterschiedlichen Ansätze führen zu einem „Flickenteppich" an Vorschriften, der sowohl Studierende als auch Lehrende verunsichert.

Die Autorinnen des Diskussionspapiers kritisieren den Fokus auf Verbote und Kontrolle als destruktiv. Stattdessen formulieren sie vier zentrale Thesen: Das traditionelle Rollenverständnis von Lehrenden und Studierenden sei brüchig geworden, die klassische unbeaufsichtigte Abschlussarbeit obsolet, das Verständnis von „eigener Leistung" überholt und ein Paradigmenwechsel von Kontrolle zu Befähigung notwendig.

Als Lösungsansätze schlagen die Expertinnen alternative Prüfungsformate vor: mündliche Prüfungen und Kolloquien, Portfolio-Prüfungen, anwendungsbasierte Aufgaben und KI-integrierende Aufgaben. Besonders interessant ist das von Weßels entwickelte „3-P-Modell", das die Bewertung in drei Dimensionen unterteilt: Prozess, Produkt und Präsentation.

„Schriftliche Arbeiten werden jedoch auch in Zukunft nicht komplett wegfallen", betont Dr. Jannica Budde, Mitautorin und Expertin beim HFD/CHE. „Vielmehr muss die Frage im Mittelpunkt stehen, welches Ziel eine schriftliche Arbeit verfolgen soll. Dabei geht es um mehr als nur die Anpassung von Prüfungsordnungen, sondern darum, dass das Verhältnis von Mensch, Maschine und Wissen neu ausgehandelt wird."

Das Diskussionspapier entstand auf Basis eines Workshops von Prof. Dr. Doris Weßels beim Austauschtreffen „Strategische Hochschulentwicklung in Zeiten generativer KI" des Hochschulforums Digitalisierung im Juli 2025. Dr. Annabell Bils, Geschäftsführerin im Zentrum für Lernen und Innovation der FernUniversität in Hagen, bringt ihre langjährige Expertise in Hochschulstrategie und Digitalisierung in das Papier ein.

Die zentrale Botschaft der Autorinnen: Anstatt KI zu bekämpfen, sollten Hochschulen einen kompetenten und kritischen Umgang mit diesen Werkzeugen lehren und Bewertungsformen entwickeln, die diesen Umgang sichtbar und bewertbar machen.


Veröffentlicht am von