KI-Symposium in Hagen: Hochschulen zwischen Innovation und Verantwortung
Am 14. Juli 2026 diskutierten Expertinnen und Experten auf dem KI-Symposium an der FernUniversität in Hagen über die Rolle von KI-Agenten, Avataren und Androiden in der Hochschulbildung. Die Veranstaltung brachte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen zusammen, um Chancen, Grenzen und ethische Herausforderungen der nächsten KI-Generation für Studium und Lehre zu beleuchten.
Im Zentrum der Diskussionen standen die Fragen, wie Hochschulen auf dialogorientierte KI, Multiagentensysteme und humanoide Androiden reagieren können und welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf Lern- und Arbeitsprozesse haben. Prof. Dr. Claudia de Witt, Prorektorin für Lehre, Studium und KI in Bildungsprozessen, betonte die Notwendigkeit, den Einsatz von KI-Technologien im Studium bewusst zu gestalten und dabei auch klare Grenzen zu ziehen. Dr. Peter Salden vom KI:Expertisezentrum.nrw hob hervor, dass die soziale Dimension der Universität trotz technischer Innovationen nicht verloren gehen dürfe.
Ein prägendes Bild lieferte Prof. Dr. Doris Weßels mit ihrer Keynote zu „AI Leadership“. Sie verglich Hochschulen mit einem traditionellen Holzschiff und einem innovativen Schnellboot, um die unterschiedlichen Herangehensweisen an technologische Veränderungen zu verdeutlichen. Die Metapher diente im Verlauf des Symposiums als Ankerpunkt für die Diskussion über institutionelle Steuerungsdynamiken, Innovationsbereitschaft und gesellschaftliche Verantwortung.
In Workshops und Vorträgen wurden praxisnahe Szenarien für den Einsatz von KI-Agenten, Avataren und Androiden vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass hybride Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine neue Potenziale für das Lernen eröffnen, aber auch kritische Reflexion und soziale Lernräume unverzichtbar bleiben. Der Philosoph Prof. Dr. Kevin Liggieri von der TU Darmstadt beleuchtete die technikhistorischen Wurzeln der aktuellen Entwicklungen und betonte die Notwendigkeit, funktionalistische Lernbegriffe zu hinterfragen.
Ein wiederkehrendes Motiv war das „gesunde Misstrauen“ gegenüber KI-Systemen. Lehrende und Forschende waren sich einig, dass der Einsatz intelligenter Systeme klare Leitplanken benötigt – etwa im Hinblick auf Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Transparenz und Prüfungsformate. Individuelle Vorstellungen darüber, welche Aufgaben Maschinen künftig übernehmen sollen, divergierten dabei ebenso wie die Einschätzungen zu den Grenzen automatisierter Lernbegleitung.
Für die FernUniversität ist die kritische Auseinandersetzung mit KI Teil ihrer Strategie, Innovation und Verantwortung zu verbinden. Die Hochschule verfolgt das Ziel, KI so einzusetzen, dass sie sowohl die Qualität der Bildung als auch die Autonomie der Lernenden stärkt. Ein weiteres KI-Symposium ist bereits in Planung, um den Diskurs kontinuierlich fortzuführen.
Die Bedeutung von KI in der Hochschulbildung wird auch durch aktuelle Studien und Praxisbeispiele untermauert. So zeigt eine Analyse des HIS-Instituts für Hochschulentwicklung, dass KI-Tools in unterschiedlichen Lehr- und Lernszenarien an Hochschulen bereits vielfältig zum Einsatz kommen – von Feedbacksystemen bis zu simulationsgestützten Trainings. Entscheidend für den Erfolg bleibt dabei die institutionelle Unterstützung und die gezielte Förderung von KI-Kompetenzen.
Quelle: Pressemitteilung vom 16.07.2026
Bild: ©FernUniversität in Hagen
Veröffentlicht am 16.07.2026 12:32 von Marcus Schütz