CHE: Steigende Studienangebote trotz rückläufiger Studierendenzahlen
Die Anzahl der Studienmöglichkeiten an deutschen Hochschulen hat einen neuen Höchststand erreicht. Trotz sinkender Studierendenzahlen wächst die Vielfalt der Studiengänge kontinuierlich. Eine Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt, dass derzeit rund 23.000 Studienangebote zur Verfügung stehen.
In den letzten fünf Jahren seien rund 500 neue Studiengänge pro Jahr hinzugekommen. Während es 2019 noch etwa 20.000 Studienangebote gegeben habe, liege die Zahl nun bei knapp 23.000, erklärte das CHE. Die aktuellen Entwicklungen seien bemerkenswert vor dem Hintergrund stagnierender oder gar rückläufiger Studierendenzahlen.
Als eine plausible Erklärung für den scheinbaren Widerspruch zwischen sinkenden Studierendenzahlen und wachsendem Angebot haben Experten die Doppeleintragungen verschiedener Modelle eines Studiengangs im Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) genannt. Dies betreffe beispielsweise Voll- und Teilzeitstudiengänge oder duale und nichtduale Varianten. Ein größeres Studienangebot bedeute zudem nicht automatisch mehr Studienplätze.
Besonders private Hochschulen und der Bereich der Gesundheitswissenschaften hätten ein starkes Wachstum verzeichnet. Die Zahl der Studienangebote an privaten Fachhochschulen sei um mehr als 50 Prozent gestiegen, während staatliche Hochschulen ein geringeres Wachstum aufgewiesen hätten. Der Bereich Medizin- und Gesundheitswissenschaften sei mit einem Plus von 32 Prozent das am stärksten gewachsene Fachgebiet.
Im Trend der Studiengänge seien Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Psychologie besonders gefragt. Von den 2023 neu eingeführten Studienfächern trägt noch jedes vierte eine klassische Bezeichnung. Über ein Drittel der neuen Studienangebote hätten hingegen englische Namen und seien intradisziplinär ausgerichtet, wie zum Beispiel Astrophysik oder Tourismusbetriebswirtschaft.
Hochschulen sollten laut Studienautor Cort-Denis Hachmeister das Angebotsportfolio an die Nachfrage der Studierenden anpassen. Eine zu große Vielfalt könne die Transparenz für Studieninteressierte beeinträchtigen und führe möglicherweise zu Studiengängen mit zu wenigen Studierenden.
Quelle: Pressemitteilung vom 5.11.2024
Abbildung: CHE
Veröffentlicht am 08.11.2024 13:52 von Christian Wolf
Einige Teilnehmer betonen, dass traditionelle Fächer wie Informatik oder BWL breiter aufgestellt und langfristig oft relevanter sind.
Trotzdem wird positiv angemerkt, dass spezialisierte Weiterbildungsstudiengänge Berufserfahrungen mit aktuellem Wissen verbinden und damit eine gute Möglichkeit für eine zukunftsfähige Karriere bieten. Zusammengefasst sehen viele die Gefahr, dass kurzfristige Trends langfristige Bildungschancen und wissenschaftliche Tiefe gefährden.