Beruf & Karriere

Fernstudium? Nicht zu empfehlen!

Fernstudium boomt - ‚Äě82.000 Fernstudierende an staatlichen Hochschulen in Deutschland‚Äú lie√ü die Arbeitsgemeinschaft f√ľr das Fernstudium an Hochschulen neulich verlauten. Und dabei ging es nur um staatliche Hochschulen, obwohl auch private Fernhochschulen einen hohen Zulauf an nebenberuflich Studierenden verbuchen k√∂nnen. √úber die Gr√ľnde f√ľr den Boom kann man spekulieren. So wie ‚Äělebenslanges Lernen f√ľr alle‚Äú immer lauter propagiert wird, wird auch das Thema Fernstudium gehyped. Die Schattenseiten dieser Form von Weiterbildung werden regelm√§√üig unter den Tisch gekehrt.

Warum? ‚ÄěBildung‚Äú in Form von Weiterbildung und Ausbildung ist ein riesen Gesch√§ft f√ľr fast alle Beteiligten, vom Jobcenter √ľber kommerzielle Schulen bis hin zu staatlichen Hochschulen. E-Learning entwickelt sich schnell und vereinfacht das Lernen von zu Hause aus, und die Potenziele des Internets f√ľr das Thema Weiterbildung fangen gerade erst an, sich zu entfalten. Und E-Learning ist billiger, spart Raum und Personal.

Die Studienform Fernstudium passt gut in unsere Leistungsgesellschaft. Ihr wollt arbeiten, obwohl ihr krank seid, ihr wollt arbeiten und gleichzeitig eine Familie gr√ľnden, ihr wollt arbeiten und euch gleichzeitig weiter- und ausbilden. Und immer sch√∂n am Lebenslauf schleifen, in dem sich Bachelor und Master ganz gut machen. Ein Studium, das Ihr neben Eurem Beruf und neben der Familie absolviert habt, bescheinigt Euch Durchhalteverm√∂gen, einen starken Willen. Das ist es vielleicht sogar egal, ob es ‚Äěnur‚Äú an der FernUni Hagen absolviert wurde.

Aber bescheinigt es Euch auch Sozialkompetenz, wenn Ihr f√ľr Eure Karriere so viel aufgebt?

Ein Studium soll nicht einfach weiterbilden. Ein Studium soll bilden, sage ich, und zwar den Charakter und den K√∂rper. Ich bin gl√ľcklich dar√ľber, dass ich viele Jahre an normalen Unis studiert und nur studiert habe. Weil ich ausreichend Freiraum hatte, um mich, mein Pers√∂nlichkeit zu entfalten, mich zu bilden. Weiterbildung und Ausbildung sind nur Tropfen auf den hei√üen Stein Bildung. Das Umfeld und der soziale Raum, innerhalb dessen Weiterbildung oft stattfindet, wie eine Schule, ist oft f√ľr die pers√∂nliche Entwicklung wichtiger als der Lernstoff an sich.

Fernstudium - auch Multitasiking hat seine Grenzen
© Jean B. - Fotolia.com

Sich weiterzubilden und auszubilden, nur f√ľr den Lebenslauf, ist nichts, worauf man besonders stolz sein m√ľsste. Es ist materiell und hei√üt nur, mehr und mehr Wissen zu horten, das einem f√ľr seine Zwecke n√ľtzlich sein k√∂nnte, dass letztendlich daf√ľr sorgen soll, materiell reicher zu werden. Das muss nicht per se verurteilt werden und hat sicher auch Berechtigung; es ist halt nur nicht viel mehr.

Das ist die eine Sache, die gilt ja auch f√ľr ein Pr√§senzstudium. Hier die anderen Gr√ľnde, warum ich dringend rate, sich nicht Hals √ľber Kopf in ein Fernstudium zu st√ľrzen:

  • Ein Fernstudium erfordert Disziplin. Kannst Du Dich disziplinieren und konsequent das Ziel verfolgen, auch dann, wenn Du mal √ľberhaupt keine Lust hast?
  • Ein Fernstudium erfordert Ausdauer. Sich eine Woche lang zu disziplinieren, Triebverzicht zu √ľben, das geht schon mal. Aber kannst Du das auch √ľber ein Jahr? √úber zwei Jahre und vielleicht sogar f√ľnf Jahre? Denn f√ľnf Jahre wirst Du vielleicht investieren m√ľssen, wenn Du neben dem Beruf studierst. F√ľnf Jahre Triebverzicht, f√ľnf Jahre 150 %, f√ľnf Jahre Arbeit, Arbeit, Arbeit? √úberlege Dir gut, ob Dir der Benefit des Fernstudiums die Strapazen rechtfertigt.
  • Ein Fernstudium ist eine unsoziale Sache. Klar, Du wirst den ein oder anderen Kommilitonen kennen lernen, E-Mails schreiben, chatten, hin und wieder telefonieren. Aber glaube mir, das ist nicht zu vergleichen mit dem Sozialleben an einer normalen Uni. Mit dem ber√ľhmten Studentenleben. Mit dem vielen Freiraum, innerhalb dessen sich Pers√∂nlichkeiten gemeinsam entwickeln.
  • Fernstudium macht einsam, wirklich, da k√∂nnen Fernstudis sagen, was sie wollen. Das ist wie mit Apple. Ein Apple-Nutzer wird sein super Ger√§t schon alleine deswegen verteidigen, weil er viel daf√ľr bezahlt hat, mehr als f√ľr vergleichbare Ger√§te. Da muss es doch einfach besser sein.
  • Fernstudium zwingt auch euch an den Rechner. Vielleicht ist den meisten das ja egal. Aber ich bin froh √ľber jede Minute, die ich nicht am Rechner verbringen muss. Ich bin lieber drau√üen unterwegs, in der Sonne, im Wald, an der frischen Luft. Wer einen B√ľrojob hat und dann noch nebenbei studieren will, soll sich dar√ľber bewusst sein, dass so ein Fernstudium die t√§gliche B√ľrozeit um ein paar Stunden verl√§ngern kann, und zwar auch denn, wenn man √ľberwiegend mit Heften und B√ľchern lernt statt am Laptop.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin selbst Fernstudent. Aber ich bin es sehr gerne. Ich habe durch mein vorheriges Studium ein Studentenleben, das ich als Freiberufler immer noch mehr oder weniger pflege. Ich liebe es einfach, mich zu bilden und zu entwickeln, wozu auch Weiterbildung gehört, daher ist mir der Abschluss nicht so wichtig. Ich betreibe kein Lebenslaufdesign.

Wenn ich aber meinen Job nicht h√§tte, der mir so viel Zeit abverlangt, mir aber auch so viel gibt, w√ľrde ich aber auch wieder an einer ganz normalen Pr√§senzuni studieren.

Was denkt ihr?

Kommentare

Dein Kommentar?
or post as a guest
Lade Kommentar … The comment will be refreshed after 00:00.
  • Gast · vor 12 Jahren
    . Zur Einsamkeit im Fernstudium.
    Ich bin die Vorsitzende der Studentenverbindung der Fernstudenten in der Schweiz. Wir organisieren jeden zweiten Monat, einen Stammtisch f√ľr alle Fernstudenten der Fernuni Hagen. Diesen Herbst fand das erste Herbstfest im Studienzentrum Brig statt und seit vier Jahren organisieren wir Studienreisen, die wir einmal im Jahr durchf√ľhren.
    Am Stammtisch nehmen jeweils 8 bis 10 Personen teil. Daraus entstehen Lerngruppen oder es werden private Treffen organisiert.
    Beim Herbstfest waren es √ľber 20 Teilnehmer die einen tollen Nachmittag und Abend verbrachten. Kultur inklusive.
    Die Studienreisen f√ľhrten uns nach Berlin, Weimar, Wien und n√§chstes Jahr geht es nach Budapest. Im Moment l√§uft eine Planung f√ľr eine gr√∂ssere Reise nach Russland.
    Das sind alles freiwillige Angebote wer mag der kommt und wer nicht der eben nicht. Eines ist aber sicher, wer sich ein Netzwerk aufbaut der wird auch das Studium beenden.
    M√∂glichkeiten f√ľr den Kontakt unter den Fernstudenten bestehen, zumindest in der Schweiz, nutzen muss sie jeder selber.
    • Christian Wolf · vor 12 Jahren
      @Gast @Ursi
      Wenn ich jetzt meinen Beitrag oben lese, muss ich mich doch selbst √ľber diese Passage hier wundern:
      Fernstudium macht einsam, wirklich, da k√∂nnen Fernstudis sagen, was sie wollen. Das ist wie mit Apple. Ein Apple-Nutzer wird sein super Ger√§t schon alleine deswegen verteidigen, weil er viel daf√ľr bezahlt hat, mehr als f√ľr vergleichbare Ger√§te. Da muss es doch einfach besser sein.

      Eine blo√üe Behauptung ohne jeglichen Hintergrund. Au√üerdem frage ich mich, was f√ľr einen Zusammenhang ich zwischen dem ersten Satz und dem Apple-Vergleich ziehen wollte. Sehr sophistisch, dieser Absatz.
      Aber, das hatte ich ja bereits mehrfach gesagt, der Beitrag sollte weniger in die Tiefe gehen als vielmehr zum selbstständigen Denken und zu Diskussion anregen. Dieses Ziel hat er mit durchschlagendem Erfolg erreicht. Siehe auch die Diskussion dazu auf fernstudium-infos: http://www.fernstudium-infos.de/fernstudium-allgemein/26688-warnung-vor-dem-fernstudium.html (die ich bis jetzt noch nicht verfolgt habe, aber in die Auswertung der Blogparade zu den Vor- und Nachteilen einbeziehen werde).
      Eure Aktivit√§ten zur Vernetzung der Fernstudenten untereinander begr√ľ√üe ich ausdr√ľcklich. Besonders gef√§llt mir auch die Studienreise nach Weimar ;-) (mein Heimatort).
      Auch das Internet bieten viele Vernetzungsmöglichkeiten wie z.B. fernstudi.net.
      Man könnte jetzt die Begriffe "Vernetzung" und "Sozialisation" mal schön einzeln definieren und voneinander abtrennen.
      Und untersuchen, inwieweit "Vernetzung" z.B. f√ľr die sp√§tere Karriere oder auch andere Dinge von Vorteil ist.
      Dann k√∂nnte man diese Vorteile gegen√ľber denen der Sozialisation aufwiegen. Und Fernstudis, das hatte hier glaube ich auch jemand kommentiert, stehen ja oft bereits voll im Leben und sind vielleicht sogar "sozialisierter" als Pr√§senzstudis, auch weil sie im Schnitt √§lter sind. Fernstudis sind halt wahrscheinlich eher nicht so gut mit anderen Fernstudis oder Pr√§senzstudis sozialisiert.
      Dann schaut man sich an, wie erfolgreich die gut (untereinander) vernetzten Fernstudis, die auch stark Online-Möglichkeiten wie Foren, Blogs, Facebook und Twitter nutzen (https://www.fernstudi.net/umfragen?controller=polls&id=7&task=viewpolll)., z.B. im Beruf oder auch in anderen Bereichen sind.
      Und man schaut, wie der Vernetzungsgrad durch online bei Präsenzstudenten aussieht. Vielleicht ist der ja im Schnitt viel geringer und beschränkt sich eher auf Plattformen wie StudiVZ oder Facebook, die nicht dem gemeinsamen Lernen dienen, sondern eher der Unterhaltung.

      Vielleicht w√ľrde man dann feststellen, dass gut vernetzte Fernstudis in vielen Dingen erfolgreicher sind als Pr√§senzstudis, keine Ahnung.
      Das w√§re ein tolles Ergebnis. M√ľsste man nur noch daf√ľr sorgen, dass mehr Fernstudis die M√∂glichkeiten des Web-2.0 und des kollaborativen Lernens nutzen, denn hier hakt es sicher noch ... Vermutlich sind diejenigen, die die besten M√∂glichkeiten voll ausreizen, in der Minderheit.
      Ach ja, je nach Begriffsdefinition kann Online-Vernetzung ja wahrscheinlich auch zu Sozialisation f√ľhren. Oder einfach gesagt: Aus Online-Kontakten werden Real-Life-Begegnungen und vielleicht sogar -Freundschaften.
    • Gast · vor 12 Jahren
      @Gast Es ist eine grosse Arbeit und braucht viel Herzblut die Fernstudenten zu vernetzten, also nicht √ľber Facebook etc. Sondern das sie sich real vernetzen. Wenn ich an erst Semestertage gehe, dann f√§llt einem schon auf, das viele das Fernstudium untersch√§tzen. Sie meine ja einwenig lesen reicht aus. Das dies nicht der Fall ist, wissen wir die schon lange dabei sind (ich seit 1999). Die Vernetzung √ľber das Netz ist das eine, es braucht aber schon auch den Kontakt untereinander um Fachdiskussionen zu f√ľhren - ich sprech hier vor allem aus der Sicht der Kulturwissenschaft, weil eigene Erfahrung. Dieser Austausch sollte eben gepflegt werden, auch wenn man fernstudiert.
      Du hast aber sicher recht, aus Online-Kontakten sich k√∂nnen Freundschaften entwickeln und was gut ist, diese gehen √ľber die Landesgrenzen hinaus. Was ja auch ein grosser Vorteil ist.
    • Christian Wolf · vor 12 Jahren
      @Gast Und das Netz vereinfacht auch den Prozess des kollaborativen Lernens. Man stelle sich mal vor, wie sich 1000 Studis der FernUni in einem Fußballstadion treffen. Nun kann jeder einzelne den anderen eine Frage zu einem Problem, das er hat, stellen.
      Im Netz geht das effizient. Frage in einem Forum posten, warten, Anregungen, Hinweise und L√∂sungsvorschl√§ge bekommen, fertig. Nat√ľrlich muss man entsprechend bereit sein, selbst seinen Teil dazu beizutragen. Und man muss f√§hig sein, die Spreu der Antworten vom Weizen zu trennen.
      Aber Offline-Kontakte sind nat√ľrlich in vielerlei Hinsicht durch das Netz nicht zu schlagen. Sei es der Kontakt zu einem einzelnen Lernpartner oder "Buddy", der vielleicht sogar ein guter Freund ist, und den man immer wieder motiviert und der einen motiviert, mit dem man gemeinsam studiert.
      Sei es die Lerngruppe, die aus x Lernenden und x Lehrenden besteht, Lerngewohnheit durch regelm√§√üige Treffen schafft und das Lernen noch mit dem (f√ľr die meisten) Genuss der sozialen Interaktion verbindet. Vor allem werden dabei, im Gegensatz zu einem Forum, alle Sinne angesprochen, was Lern- und Verstehensprozesse sicher vereinfacht.
      F√ľr Gro√üst√§dter wie mich ist es nun kein Problem, solch eine Lerngruppe zu gr√ľnden oder einer beizutreten. Wer aber "absch√ľssig" wohnt, hat diese M√∂glichkeit nicht oder kann Treffen wahrscheinlich nicht z.B. w√∂chentlich besuchen. Skype und Videotelefonie k√∂nnten hier einen Ausgleich schaffen. Auch in Bezug auf die Interaktion mit Lehrkr√§ften.
      Noch was anderes: In Zukunft gibt es vielleicht gar keine Trennung zwischen Fernhochschule und Pr√§senzhochschule mehr. Vorlesungen kann man live von zu Hause √ľber den Rechner mitverfolgen, bei Bedarf geht man in den Vorlesungssaal. An Seminaren kann man per Videokonferenz teilnehmen oder auch direkt im Seminarraum. Lehrb√ľcher gibt es auf digitalen Leseger√§ten, oder auf Wunsch auch als richtiges Buch. F√ľr Kurse und Module gibt es immer einen E-Learning-Kurs, der Wissen festigt und abfragt. Usw ...
      All diese neuen Technologien kommen JEDEM Lerner zugute, ob im Fernstudium oder im Pr√§senzstudium, denn sie sorgen bei richtiger Anwendung f√ľr eine Effizienzsteigerung.
      Und da die Pr√§senzhochschulen auch durch den Wettbewerb untereinander stark an sehr guten Studenten interessiert sind, interessieren sie sich mehr und mehr f√ľr neue Technologien im Bereich Lernen. Manche sind der FernUni Hagen dabei doch schon Schritte voraus. Etwa die Uni T√ľbingen mit ihrem Angebot an online abrufbaren Vorlesungen.
  • Taylor · vor 12 Jahren
    Hallo Christian,
    ein sehr interessanter Artikel und ich muss dir in einigen Punkten recht geben.
    Ein Fernstudium/Fernlehrgang erfordert sehr viel Disziplin und es ist auch nicht leicht der Familie und den Freunden zu erklären, dass man jetzt keine Zeit hat.
    Die sehen das beim ersten und auch beim zweiten Mal noch ein, aber wenn man immer wieder absagt, fragt irgendwann keiner mehr nach.
    Allerdings habe ich selber die Feststellung gemacht, dass so oft ich meinen Fernlehrgang auch verteufle, ich könnte nicht ohne.
    Ich habe 2005 meinen ersten Fernlehrgang bei der SGD absolviert und dann geschworen, diese Schinderei nie wieder auf mich zu nehmen.
    Was mache ich heute? Ich bin beim n√§chsten Fernlehrgang dabei und √ľberlege schon, was ich da noch draufsetzen k√∂nnte.
    Ich bin der Meinung, hat man mal einen Fernlehrgang/ein Fernstudium absolviert, macht das ungemein s√ľchtig. Man will mehr.
    Und das ist wiederum das schöne an einem Fernlehrgang.
    lg
    Taylor
    • Christian Wolf · vor 12 Jahren
      @Taylor Hallo Taylor,
      danke Dir f√ľr deinen Kommentar, ich kann auch nachvollziehen, was du meinst. Aber vergiss dar√ľber deine Familie nicht ;-)
    • Taylor · vor 12 Jahren
      @Taylor Hallo Christian,
      keine Angst, die Familie vergess ich schon nicht.
      Meine Schwester macht ja auch eine zeitintensive Fortbildung und da schaufelt man sich dann einfach gemeinsam irgendwo ein paar Stunden frei und sitzt beisammen.
      Gute Nacht
      Taylor
  • · vor 12 Jahren
    Hallo,
    ich kann Deine Bedenken √ľberhaupt nicht teilen. Ich habe den Vergleich Pr√§senzuni, wo ich mein Erststudium absolvierte und mein Zweitstudium jetzt an der FernUni Hagen. Beides √ľbrigens in Vollzeit. Ich habe vielleicht den Vorteil, dass ich mir meine Zeit frei einteilen und nebenbei nur studentisch jobben muss, wie ich es an der Pr√§senzuni auch schon gemacht habe. Aber meine Erfahrungen sind folgende: Ich war an der Pr√§senzuni genauso schei√üe einsam, wie man es immer von Fernstudenten denkt. Ich war dank Abi auf dem Zweiten Bildungsweg ca. 15 - 20 Jahre √§lter als die "normalen" Studenten vom Gymnasium, wurde regelm√§√üig von anderen Studenten gesiezt und anfreunden konnte ich mich in den 5 Jahren Studium mit niemandem so richtig. Wenn es um Referate ging, war ich froh, wenn man sie alleine machen konnte, denn Teamwork lief bei vielen nicht. Da wurden Verabredungen zu Treffen nicht eingehalten oder schon mal gesagt: "Mach Du mal". Sowas nenne ich unsozial. Am Schluss hab ich mir dann nur noch die Skripte besorgt und bin gar nicht mehr in Vorlesungen gegangen. Und viele meiner Seminare habe ich als Blockseminare am Wochenende hinter mich gebracht.
    Ich w√ľrde nie wieder an einer Pr√§senzuni studieren. Es war die einsamste Zeit meines Lebens und als "Alte" hab ich mich unter den ganzen 19 J√§hrigen echt fehl am Platz gef√ľhlt. Und was n√ľtzt mir ehrlich gesagt das sog. studentische Leben, wenn ich auf Studentenparties eh nur bl√∂d angeschaut werde, so nach dem Motto: "Die Alte hat sich wohl verlaufen. Das ist ne Studentenfete, keine √ú30 Party".
    Au√üerdem glaube ich, dass es sich mit dem Bachelor und der Einf√ľhrung der Studiengeb√ľhren in vielen Bundesl√§ndern eh mit dem studentischen Leben erledigt hat. Die Jungstudis m√ľssen jetzt das Geld f√ľr die Studiengeb√ľhren erarbeiten und k√∂nnen nicht mehr jeden Tag Party machen. Und dank Bachelor geht jetzt das Konkurrenzdenken an den Unis los, ob man ja den Schnitt f√ľr die Aufnahme in den Master schafft und ob man vom lieben Kommilitonen nicht den begehrten, weil verpflichtenden, Praktikumsplatz, weggeschnappt bekommt. Wenn man dann noch in manchen Studieng√§ngen verpflichtende Stundenpl√§ne von 8 Uhr fr√ľh bis 6 Uhr abends hingeknallt bekommt und noch dazu jedes Semester studienbegleitende Pr√ľfungen hat, vergeht einem das studentische Leben ganz schnell.
    • Christian Wolf · vor 12 Jahren
      Hallo Tanja,
      sehr schöner Beitrag, danke!
      Ich gebe zu, dass der Beitrag von mir nur sehr oberflächlich reflektiert und mehr Diskussion provozieren soll als in die Tiefe des Themas zu gehen.
      Vieles von dem, was Du schreibst, kann ich nachvollziehen. Ich war zwar nicht viel älter an der Uni als die anderen, aber ich war auch immer Einzelgänger. Außerdem wollte ich wirklich ernsthaft studieren und nicht meine Zeit mir Partys etc. vergeuden (heute weiß ich aber, wie wichtig auch das ist). Alleine dadurch sondert man sich schon ab, denn die meisten wollen einfach nur so einfach wie möglich durchkommen und schauen Studis komisch an, die halb besessen studieren. Kann ich auch heute erst verstehen und nachvollziehen.
      Wie sehr ich das Selbststudium mag, habe ich als Gegenst√ľck zu diesem Beitrag ja hier beschrieben: https://www.fernstudi.net/magazin/fernstudium-ich-liebe-es
      Deine Erfahrungen zeigen auch noch einmal einen wichtigen Vorteil des Fernstudiums auf: Fernstudium ermöglicht es auch "älteren" Semestern, die nicht frisch vom Gymnasium kommen, zu studieren, bei größtmöglicher Flexibilität.
      Zur Einsamkeit: Das ist aber eine individuelle Sache, die bei mir √§hnlich war. In meinen Studieng√§ngen gab es aber auch viele weit √ľber 30, die sehr engagiert und integriert waren; sicher, bei den "fetten Sau√üen" waren sie nicht dabei, weil sie sich etwa um die Familie k√ľmmern mussten, aber sie waren nicht alleine.
      Wärst Du es vielleicht auch genauso alleine gewesen, wenn Du direkt nach dem Abitur an die Uni gegangen wärst?
    • · vor 12 Jahren
      Ich bin ja direkt nach dem Abi an die Uni, aber ich habe wohl zu lange damit gewartet das Abi nachzuholen.
      Es gab da an der Pr√§senzuni viele so kleine Begebenheiten, die mich halt voll genervt haben und die mir das "studentische Feeling" ganz sch√∂n vermiest haben, z.B. dass ich in der Mensa immer mal wieder nach meiner Immatrikulationsbescheinigung gefragt wurde, ob ich denn wirklich Studentin sei. Oder bei einer √ľberf√ľllten Vorlesung, dass ich mit anh√∂ren musste, wie sich junge Studenten dar√ľber beschwerten, dass die Gasth√∂rer und die vom Seniorenstudium ihnen die Pl√§tze wegnehmen und in dem Zusammenhang auch zu mir r√ľbergeschielt wurde. Oder wenn ich zu einer Studenteparty wollte, ich am Eingang audr√ľcklich darauf hingewiesen wurde, dass das eine Party f√ľr Studenten sei und man mich dann ganz bl√∂d angesehen hat, als ich meinen Studentenausweis gez√ľckt habe. Au√üerdem galten Leute, die ihr Abi √ľber den Zweiten Bildungsweg hatten, sowieso als Studenten zweiter Klasse. Immer mal wieder kam von Dozenen: "Das wissen Sie ja sicher noch vom Gymnasium", oder "Wie sie aus der Kollegstufe sicher wissen d√ľrften ....".
      Also, meine Zeit an der Pr√§senzuni war nicht so sch√∂n und ich hab zugesehen, dass ich das Studium so schnell wie m√∂glich √ľber die B√ľhne kriege.
      Ich weiß nicht, ob es genauso gewesen wäre, wenn ich mit 19 Abi hätte machen können und danach gleich studiert hätte. In dem Alter hab ich nach der Realschule eine schulische Ausbildung gemacht und an der Schule hatte ich eigentlich keine Kontaktprobleme. Da war ich eigentlich immer in der Spaß- und Säuferclique, lach.
  • Markus Jung · vor 12 Jahren
    Da hast Du Dir aber einen provokanten Titel ausgesucht. Ich hatte erst vermutet, dass es hier um einen bestimmten Anbieter gehen w√ľrde, aber dass Du es gleich so global angehen w√ľrdest h√§tte ich jetzt nicht gedacht ;-)
    Sicher fordert ein Fernstudium Disziplin und Ausdauer - das habe ich aber nie als Nachteil gesehen. Den Campus habe ich schon vermisst, aber als unsolzial habe ich das Fernstudium nicht empfunden. Im Gegenteil, es gab oft einen Austausch und ich habe viele Fernstudenten als extrem hilfsbereit trotz ihrer Belastungen erlebt. Das gilt sowohl f√ľr die Pr√§senzen als auch f√ľr den virtuellen Kontakt. Was die Einsamkeit angeht. Sicher ist die freie Zeit f√ľr soziale Kontakte geringer. Allerdings habe ich daf√ľr die Zeit, die ich mit Freunden, Familie, Partnerin verbracht habe als wesentlich intensiver und sozial aktiver erlebt.
    Ich möchte die Fernstudium-Erfahrung nicht missen. Aber ich gebe gerne zu, dass ich auch gerne die Erfahrung als Präsenzstudent gemacht hätte und es bedauere, die Möglichkeit dazu nicht ergriffen zu haben. Denn ein richtiges Studentenfeeling - das kommt im Fernstudium tatsächlich eher selten auf.
    • Christian Wolf · vor 12 Jahren
      @Markus Jung Hi Marcus,
      ja, ich habe ein wenig √ľberspitzt formuliert, um zum Nachdenken anzuregen. So ein Fernstudium l√§sst sich schon so organisieren, dass man auch noch "Freizeit" hat, die man mit Freunden und Familie verbringen. Au√üerdem studiert ja auch nicht jeder Fernstudi neben dem Beruf.
      Das Wort "unsozial" ist eigentlich nicht ganz passend, weil es irgendwie negativ anklingt - aber ein besseres Wort habe ich nicht gefunden. Studentenleben und Face-to-Face-Kontakte, auch mit Leerpersonal, lassen sich virtuell einfach nicht ersetzen.
      Und einsam bin ich als Fernstudent auch nicht, das liegt ganz an und in einem selbst. Das Thema hatten wir, glaube ich, an anderer Stelle schon einmal, möglicherweise tendieren Personen, die sich schwerer in Gesellschaft zurechtfinden, eher dazu, ein Fernstudium aufzunehmen.
      An einer Pr√§senzuni studieren, mindestens als Gaststudent, kannst Du √ľbrigens jederzeit, egal, wie alt Du bist :-)
    • Markus Jung · vor 12 Jahren
      @Markus Jung Ja, ich könnte als Gaststudent an die Uni gehen - und vielleicht mache ich das sogar mal. Aber es ist halt was anderes, als wenn man jung und ungebunden ein Präsenzstudium macht ;-)
  • Lukas · vor 4 Jahren
    Ich habe mein Fernstudium in erster Linie angefangen weil mich der Inhalt interessiert. Es passt zwar in meinen Job, den ich auch sehr gerne mache, aber es dient nicht prim√§r materiellen Vorteilen. Denn ich wei√ü nicht ob ich anschlie√üend √ľberhaupt noch in dem Feld weiterarbeiten werde. Sozial bleibe ich aktiv und ich habe in dieser Hinsicht bewusst ein Fernstudium dem Pr√§senzstudium vorgezogen weil ich meinen eigenen Freundeskreis den Studenten an der Uni vorziehe. Durch flexible Zeiteinteilung kann ich mich zudem gemeinn√ľtzig mit meinen Freunden engagieren, was ein Pr√§senzstudium st√§rker einschr√§nken w√ľrde (Erfahrung in eben diesem Freundeskreis). Somit h√§ngt das alles stark von der eigenen Situation ab und man sollte meiner Meinung nach auch nicht so generalisiert dagegen wettern nur um am Ende einen kurzen disclaimer einzubauen dass das einen selbst ja am allerwenigsten trifft. Es hat Nachteile aber wer sich dessen nicht im Vorfeld im klaren ist, ist irgendwie auch selbst schuld. Die allermeisten entscheiden sich sehr bewusst f√ľr ein Fernstudium. Die meisten Pr√§senzstudenten w√§gen indes kaum vor und Nachteile des Studiums generell oder der verschiedenen M√∂glichkeiten ab sondern wandern aus dem Abi blinddings in den n√§chsten freien Studiengang. Der Griff zum Fernstudium ist da einfach wesentlich weniger naheliegend weshalb die Entscheidung daf√ľr wohl auch sehr viel Informierter getroffen wird.
  • Christof · vor 4 Jahren
    Ich finde das mit der Fern Uni eine tolle Sache, es gibt zumindest f√ľr mich einen Hacken. Ich arbeite 170-190 Stunden im Monat, also w√§re es von der Zeit her machbar. Was nicht machbar ist sind die Kosten! 300‚ā¨ im Monat und das die n√§chsten 3-5 Jahre je nach Studiengang ist einfach f√ľr einen Otto Normal Verdiener nicht machbar. Bildung ist halt was f√ľr Akademiker Familien oder die die Inn lotto gewonnen haben. Schade das Deutschland einfach nichts dagegen tut.
    • Christian Wolf · vor 4 Jahren
      @Christof Hallo Christof,
      dann habe ich gute Nachrichten f√ľr dich: Das Studium an der FernUni Hagen ist nicht so teuer. Die 300 Euro zahlst du im Schnitt pro Semester, also alle halbe Jahre. Das Bachelor-Fernstudium Wirtschaftsinformatik an der FernUni kostet beispielsweise insgesamt etwa 2000 Euro, wenn du Teilzeit studierst. Die 2000 Euro verteilen sich auf die gesamte Studienzeit. Was du dann pro Semester zahlst, richtet sich danach, was du im Semester an Modulen belegst.
  • · vor 12 Jahren
    Hallo nochmal allerseits,
    ich habe mir nochmal zum "studentischen Leben" bei Fernstudenten Gedanken gemacht. Irgendwie sehe ich nicht, was Präsenzstudenten tun können und Fernstudenten nicht. Vor allem wenn man in der Nähe einer Präsenzuni wohnt, kann man doch am studentischen Leben der betreffenden Stadt teilhaben.
    Was hindert einen Fernstudenten z.B. daran in eine Studenten-WG zu ziehen? Das ist doch nicht sein Status als Fernstudent, sondern weil vielleicht jemand Familie hat. Aber auch Pr√§senzstudenten mit Frau und 3 Kindern w√ľrden nicht in einer WG wohnen. Hier ist der Hinderungsgrund also nicht das Fernstudium, sondern die Familiengr√ľndung.
    Was hindert einen Fernstudenten daran auf eine Studentenparty zu gehen, in eine Studentenkneipe oder ein Studentenbistro? Das ist dann wohl eher das Alter als der Umstand, dass man Fernstundent ist. Auch 40 j√§hrige Pr√§senzstundenten werden wohl eher auf Parties f√ľr ihre Altersgruppe gehen, als auf Studentenparties, wo lauter 19 J√§hrige rumh√ľpfen. Hier also das Alter als vermeintlicher Hinderungsgrund und nicht der Status als Fernstudent.
    Was hindert einen Fernstundenten daran die meist √∂ffentlichen Angbote des Hochschulsports der nahen Pr√§senzhochschulen zu nutzen? Was hindert einen Fernstudenten daran sich zum Lernen in die Unibib oder den Aufenthaltsraum der nahen Pr√§senzuni zu setzen? Was hindert einen Fernstudenten daran sich bei Studentenstreiks und einer Demo anderen Studenten anzuschlie√üen? Beim Bildungsstreik 2009 z.B. wurde das Audimax der FH N√ľrnberg auch von Studenten der Erlanger Uni und anderen umliegenden Hochschulen besetzt. Warum nicht auch als FernuniStudent einfach mitbesetzen? Was hindert einen Fernstudenten daran sich einer Studentenverbindung, einer Burschenschaft oder einer politischen oder religi√∂sen Studentengruppe anzuschlie√üen? Diese genanten Gruppen stehen Studenten hochschul√ľbergreifend zur Verf√ľgung. Der Umstand dass man Fernstudent ist, versperrt einem doch nicht den Weg in studentische Organisationen. Hier ist der Hinderungsgrund vielleicht die mangelnde Zeit wegen Berufst√§tigkeit. Aber auch Pr√§senzstudenten, die kein Baf√∂g bekommen oder reiche Eltern haben und daher f√ľr ihren Lebensunterhalt arbeiten m√ľssen, haben keine Zeit Hochschulsport zu machen oder sich anderweitig studentisch in Gruppen zu engagieren. Hier also das Hindernis Zeit/Berufst√§tigkeit, und wieder nicht der Umstand Fernstudent zu sein. Denn nicht alle Fernstudenten sind neben dem Studium berufst√§tig.
    Was hindert Fernstudenten daran sich dar√ľber zu erkundigen, ob die Mensa ihrer nahen Pr√§senzuni Gastkarten ausgibt, so dass auch Studenten, die nicht dem betreffenden Studentenwerk angeh√∂ren, die Mensa nutzen k√∂nnen. In N√ľrnberg ist es z.B. so. Ich besitze eine wei√üe Gast-Mensakarte. Auch habe ich eine Semsetermarke f√ľr die N√ľrnberger Verkehrsbetriebe, kann also zu studentischen Tarifen die √∂ffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Dank eines Internationalen Studentenausweises bekomme ich auch so manche studentische Verg√ľnstigungen bei √úbernachtungen, Kulturveranstaltungen etc.
    Und das studentische Feeling eines √ľberf√ľllten H√∂rsaals k√∂nnen Fernstudenten erleben, so sie es denn unbedingt wollen, bei √∂ffentlichen Ringvorlesungen, die jede Pr√§senzuni anbietet. Als Alternative kann man sich auch f√ľr 2 SWS als Gaststudenten einschreiben. Wird dabei (wie bei manchen Universit√§ten) die allgemeine Hochschulreife vorausgesetzt und man hat sie nicht, ist der Hinderungsgrund die fehlende Hochschulreife und nicht der Umstand, dass man Fernstudent ist.
    Also, was am studentischen Leben k√∂nnen Pr√§senzstudenten erleben, Fernstudenten aber nicht, sofern nicht andere Hinderungsgr√ľnde wie Familie, Berufst√§tigkeit usw. dagegensprechen?
    • Christian Wolf · vor 12 Jahren
      @Tanja
      Diese Diskussion und Deine Beitr√§ge sind interessant und geben mir viele Anregungen f√ľr die Auswertung der Blogparade zu den Vor- und Nachteilen eines Fernstudiums (https://www.fernstudi.net/magazin/10895).
      Folgendes möchte ich Dir auf Deinen Beitrag erwiedern.
      Du schreibst:
      Irgendwie sehe ich nicht, was Präsenzstudenten tun können und Fernstudenten nicht.

      Ich glaube, dass Du mit vielen Aufzählungen in Deinem Beitrag (implizit) von dieser Voraussetzungen ausgegangen bist: Die (meisten) Fernstudenten befinden sich einer nahezu gleichen Lebensituation wie Präsenzstudenten.
      Nun, dann könnten Sie doch auch ein Präsenzstudium machen? Tatsächlich, diese Tatsache kann ich auf die Schnelle jetzt allerdings nicht belegen, sind die meisten Fernstudenten in einer anderen Lage als Präsenzstudenten, bezogen z.B. auf diese Punkte:
      - Viele (der Großteil?) Fernstudenten sind berufstätig und opfern einen großen Teil ihrer Freizeit dem Studium. Sie haben also weniger "Freizeit" als Präsenzstudenten, selbst dann, wenn sie ein Teilzeitstudium absolvieren und berufstätig sind.
      - Mehr Fernstudenten als Pr√§senzstudenten haben eine Familie gegr√ľndet = weniger Freizeit f√ľr "Studentenleben".
      - Mehr Fernstudenten als Pr√§senzstudenten m√ľssen ihr Studium komplett alleine finanzieren, sie erhalten kein BAf√∂G und keine Unterst√ľtzung von den Eltern -> sie sind zur Arbeit gezwungen -> weniger Freizeit.
      - Usw.
      Zusammengefasst kann man sagen: Fernstudenten haben im Schnitt weniger freie Zeit zur Verf√ľgung als Pr√§senzstudenten. Freizeit ist allerdings eine wichtige Vorausetzung f√ľr das Studentenleben. Bei Fernstudenten ist sie eine wichtige Voraussetzung f√ľr Sozialkontakte zu Pr√§senzstudenten.

      Beim Begriff "Studentenleben" hakt es auch. Ich verstand Studentenleben im Beitrag oben als
      Sozialleben an einer normalen Uni. Mit dem ber√ľhmten Studentenleben.

      Mein Fehler ist es hier, den Begriff nicht ausreichend definiert zu haben.
      Mit Deiner impliziten Definition (WG, Party/Geselligkeit, Sport, "Hörsaalfeeling" etc.) gehe ich konform.
      Um auf Deine Frage zusammenfassend zu antworten:
      Also, was am studentischen Leben k√∂nnen Pr√§senzstudenten erleben, Fernstudenten aber nicht, sofern nicht andere Hinderungsgr√ľnde wie Familie, Berufst√§tigkeit usw. dagegensprechen?

      Nichts. Aber bei einem Gro√üteil der Fernstudenten sprechen die Hinderungsgr√ľnde wie Familie, Berufst√§tigkeit usw. dagegen.
      Bei nahezu gleichen Bedingungen aber (Vollzeitstudium, "Fremdfinanzierung", keine oder nur aushelfende Berufst√§tigkeit bzw. Praktika, evtl. gleiches Durchschnittsalter usw.) kann ein Fernstudent nat√ľrlich einen gro√üen Teil des Studentenlebens mitmachen. Allerdings treten nahezu gleiche Bedingungen aber bei den wenigsten Fernstudenten auf (das kann ich hier, wie oben gesagt, nicht belegen).
      Statistiken hierzu sind sicherlich aufzufinden und ich werde sie bei Gelegenheit recherchieren, vielleicht findest Du ja auch was.
      Stimmst Du mir da √ľberein?
  • Markus Peters · vor 12 Jahren
    Ich empfinde das Fernstudium als Bereicherung. Nat√ľrlich wird die Freizeit eingeschr√§nkt, aber es ist eine Wissensanh√§ufung, die auch ein Aspekt von Freizeitgestaltung sein kann. Zumindest versuche ich mir diese Sichtweise immer wieder einzupr√§gen :D
    Ich habe vorher den Staatlich gepr√ľften Betriebswirt gemacht und kann daher das Fernstudium mit Erfahrungen eines Pr√§senzstudiums vergleichen, auch wenn es nicht eine Hochschule mit Campus und Uni-Feten gewesen ist etc Aber entscheidend neben dem s√ľ√üen Studientenleben (dass ich heute auch nicht mehr so f√ľhren wollte) bleibt einfach der Nachteil beim Fernstuidum, dass man viel als vermeintlich Sozialkompetenz bezeichnete F√§higkeiten nicht erwirbt. Beim staatlich gepr√ľften Betriebswirt mussten wir immer wieder Vortr√§ge halten, uns in Gruppen mit Projekten besch√§ftigen etc. Beim Fernstudium habe ich dann und dann eine Klausur und ich lerne den Stoff, bis ich ihn mir auswendig vor Augen f√ľhren kann. Aber vom Wissen her ist es eine bessere Methode. Und das Fernstudium hat eine zeitliche Flexibilit√§t, die kein Pr√§senzstudium zu bieten hat.
    Alles hat seine Vor- und Nachteile oder vereinfacht:
    das Wissen vom Fernstudium möchte ich nicht missen, das soziale Lernen an der Wirtschaftsakademie nicht dissen.
    • Christian Wolf · vor 12 Jahren
      @Markus Peters Hallo Frenchi,
      viele Fernstudenten/Fernsch√ľler empfinden das Fernstudium als Bereicherung, die neue Horizonte er√∂ffnet, oft nach langer Zeit wieder an das Thema Lernen heranf√ľhrt, was ich auch sehr gut finde.
      Zudem haben viele Fernstudis wie Du schon Ausbildung, vielleicht sogar ein Studium etc. hinter sich und stehen sicher im Leben: Sozialkompetenzen sollten da schon vorhanden sein, und auch die Online-Kontakte k√∂nnen bereichern und sogar zu Offline-Freundschaften f√ľhren, die man ohne das Studium nicht gehabt h√§tte.
      Aber es gibt eben auch diese Tendenz, alles schnell schnell zu machen, um nur einen weiteren Schein, ein neues Zertifikat oder Zeugnis zu erwerben, das man vorzeigen kann; und eben, Bildung nur auf "Weiterbildung" und "Ausbildung" zu beschränken.
  • Angela · vor 2 Jahren
    Ich kann dem Geschriebenem in sofern zustimmen, dass man ein Fernstudium nicht "Hals √ľber Kopf" beginnen sollte, ohne sich √ľber den Aufwand im Klaren zu sein.
    Aber die Sichtweise hier ist sehr subjektiv.
    Ich f√ľr meinen Teil habe sowohl an einer Pr√§senzuni als auch an einer Fernuni studiert. Es mag einiges auf die pers√∂nliche Organisation ankommen. Ich empfand das Studium an der Fernuni nicht als einsamer als an der Pr√§senzuni. Auch dort war es nicht leicht Kontakte zu kn√ľpfen und zu halten. Sp√§testens im Schwerpunkt verlor man die bekannten Gesichter aus den Augen und sa√ü mit kleinen Gruppen im Seminar, wo mehr als ein wenig Small Talk nicht herum kam. Bei der Fernuni erfolgt der meiste Kontakt zwar virtuell, aber im fortgeschrittenem Studium hatte ich hier sogar mehr regelm√§√üige Kontakte als an der Pr√§senzuni. Von daher w√ľrde ich hier nicht pauschalisieren, dass ein Fernstudium einsam macht. Hierzu gibt es sogar eine interessante Studie: "Lone Wolves in Distance Learning? An Empirical Analysis of the Tendency to Communicate Within Students Groups". Diese widerlegt im √ľbrigen die Behauptungen, die der Autor aufgestellt hat.
    Die subjektiven Erfahrungen scheinen demnach auseinander zu gehen.

    Den Punkt "Fernstudium zwingt auch euch an den Rechner" finde ich schon fast l√§cherlich. "Ich bin lieber drau√üen unterwegs, in der Sonne, im Wald, an der frischen Luft." Ein Fernstudium erm√∂glicht hier doch gerade maximale Flexibilit√§t. Meine B√ľcher kann ich lesen, wenn ich mit den Kindern im Garten oder auf dem Spielplatz bin, lernen kann ich mittels Karteikarten Apps √ľberall zwischendurch - sogar auf dem Klo. Die Vorlesungen muss man sich nicht zu bestimmten Zeiten ansehen, das kann man abends, nachts, bei schlechtem Wetter. Ein Pr√§senzstudium erm√∂glicht einem hier doch viel weniger Freiraum. Die Vorlesungen finden zu festen Zeiten statt, die meisten Vorlesungsr√§ume habe ich eher als "Bunker" kennen gelernt. Da kann man (im Gegensatz zum Fernstudium) nicht sagen - "oh, drau√üen ist so ein sch√∂nes Wetter, ich gehe lieber raus" - oder man verpasst die Vorlesung.

    Und was bedeutet es, den Lebenslauf zu frisieren? So ein Quatsch. Den Lebenslauf frisiert man nicht dadurch, dass man möglichst viele, zum Teil absolut unterschiedliche Studiengänge abgeschlossen hat. Das zeugt wohl eher von Unentschlossenheit. Den Lebenslauf frisiert man durch ehrenamtliche Tätigkeiten, durch Lehrgänge, durch Fortbildungen im eigenen Bereich. Und da ist es den Arbeitgebern am Ende ziemlich egal, ob man an einer Präsenzuni oder "nur" an der FernUni studiert hat. Entscheidend ist am Ende das, was man kann - nicht das, was im Lebenslauf steht.
  • Studierender · vor 2 Jahren
    Die Sichtweise des Autors auf das Thema ist teilweise sehr subjektiv und einseitig pauschalisierend gepr√§gt. Der Vergleich zwischen den beiden Extremen "pr√§sent studieren" und "pr√§sensfern" (allein und von zu Hause aus) studieren beinhaltet eine all zu starke Schwarz-Wei√ü-Rasterung. Damit ist die Argumentation des Autors in sich f√ľr einige Menschen, die sich aus verschiedensten Gr√ľnden bewusst f√ľr ein Fernstudium entscheiden, uninteressant und auch nicht zutreffend. In der Argumentation und Wiedergabe des Autors fehlt ein Bisschen zu viel von dem, was es in der Welt der Studierenden und des Studierens um des Studierens Willen sonst noch so an Erkl√§rungsmodellen gibt. Nicht nur nach Rechts und nach Links, sondern auch mal nach Oben und Unten schauen, ist meine Empfehlung an den Autor.
    Studium - ganz gleich ob pr√§sent oder unpr√§sent - ist nicht nur leistungsorientiert oder profilierungsorientiert. Die Gr√ľnde f√ľr's Studieren k√∂nnen bunt wie ein Regenbogen sein. Manchen Menschen erf√ľllt die M√∂glichkeit zu Studieren den Zweck der Teilhabe. Allein deshalb ist es sehr gut und √§u√üerst positiv, dass es Fernstudienm√∂glichkeiten √ľberhaupt gibt.
  • astudy · vor 12 Jahren
    Ich stimme Dir da voll und ganz zu. Das Studentenleben ist wichtig, aber nicht wichtig um "sich zu formen", sondern einfach, weil es zum Studium dazugeh√∂rt! Die meisten Menschen kn√ľpfen in dieser zeit Kontakte f√ľr den Rest ihres Lebens. Ein Fernstudent tut das nicht.
    Ich w√ľrde daher jedem, der in dem passenden Alter ist (~20-30) und es sich leisten kann (ungebunden, ohne Verpflichtungen?) empfehlen ein Studium an einer Pr√§senzuni zu absolvieren. Allein wegen dem Studentenleben.
    Aber was machen denn z.B. Leute mit Familie? Oder Leute, die eine Ausbildung und einen guten Job haben, den sie nicht k√ľndigen wollen? Leute mit einer sch√∂nen Wohnung, die ihren Lebens-Standard nicht aufgeben m√∂chten? Oder Menschen √ľber 35/40/50, die sich weiterbilden m√∂chten oder bei denen ein Studium f√ľr eine bestimmte Stelle voraussetzung f√ľr den Karriereaufstieg ist? Diese wieder auf die Uni, ins Pr√§senzstudium schicken? Den Leuten bleibt nicht mehr viel mehr, als das Studium berufs- oder lebensbegleitend anzugehen. Das solltest Du bei deinem Beitrag vielleicht im Hinterkopf haben.
    Nicht jeder hatte das Gl√ľck in jungen Jahren von den Eltern, dem Baf√∂g oder einem gut bezahlten Studi-Job sein Studium finanzieren zu k√∂nnen und am Studentenleben (lt. den meisten Akademikern: der wohl sch√∂nsten Zeit in ihrem Leben) teilzuhaben.

Interessante Beiträge