Gibt es Stipendien oder Fördermöglichkeiten speziell für Eltern im Fernstudium?
1 Antwort
Hi Elif,
ja, es gibt Fördermöglichkeiten, die für Eltern im Fernstudium besonders relevant sind. Ein spezielles „Eltern-Stipendium“ ist aber eher selten. Meist läuft es über BAföG-Zuschläge, Stipendien für Berufserfahrene oder Förderprogramme, bei denen Kinder und besondere Lebenslagen mitberücksichtigt werden.
1. BAföG im akademischen Fernstudium
Wenn du einen Bachelor oder Master an einer staatlich anerkannten Hochschule im Vollzeitmodell studierst, kann BAföG auch im Fernstudium möglich sein. Wichtig: Bei einem Hochschul-Fernstudium gilt BAföG grundsätzlich für die Regelstudienzeit, nicht nur für die letzten 12 Monate. Diese 12-Monats-Regel betrifft vor allem Fernlehrgänge, nicht akademische Fernstudiengänge.
Für Eltern wichtig: Wenn du mit eigenen Kindern unter 14 Jahren in einem Haushalt lebst, kannst du zusätzlich den Kinderbetreuungszuschlag beantragen. Er beträgt aktuell 160 € pro Monat und Kind und muss nicht zurückgezahlt werden.
Aber: BAföG deckt den Lebensunterhalt, nicht automatisch die Studiengebühren. Außerdem werden eigenes Einkommen, Vermögen und ggf. Einkommen von Eltern oder Partner angerechnet. Bei Kindererziehung können Altersgrenzen und Förderungshöchstdauer im Einzelfall anders bewertet werden.
Mehr dazu: BAföG im Fernstudium: Voraussetzungen, Höhe und typische Missverständnisse
2. Aufstiegsstipendium für Berufserfahrene
Sehr interessant ist das Aufstiegsstipendium, wenn du eine abgeschlossene Berufsausbildung, mindestens zwei Jahre Berufserfahrung und besondere berufliche Leistungen nachweisen kannst. Es fördert den ersten akademischen Hochschulabschluss, also z. B. einen Bachelor.
Für Eltern ist es besonders attraktiv, weil es einkommensunabhängig ist. Im Vollzeitstudium gibt es aktuell 1.072 € monatlich plus 160 € Kinderbetreuungspauschale pro Kind unter 14 Jahren. Im berufsbegleitenden Studium beträgt die Förderung 3.045 € pro Jahr. Die Förderung muss nicht zurückgezahlt werden.
Mehr dazu: Aufstiegsstipendium: Förderung für Berufserfahrene im Fernstudium
3. Deutschlandstipendium
Das Deutschlandstipendium läuft über die jeweilige Hochschule. Es beträgt 300 € pro Monat und wird in der Regel für zwei Semester vergeben. Es ist nicht speziell für Eltern gedacht, aber bei der Auswahl können neben Leistung und Engagement auch besondere persönliche oder familiäre Umstände zählen, also z. B. Kinderbetreuung, Pflegeverantwortung oder ein nicht geradliniger Bildungsweg.
Wichtig: Die Fristen und Kriterien legt jede Hochschule selbst fest. Wenn du schon konkrete Hochschulen im Blick hast, prüfe dort direkt die Stipendienseite.
Beispiel: Deutschlandstipendium an der FernUni Hagen
4. Aufstiegs-BAföG für Fortbildungen, nicht für Bachelor/Master
Wenn du statt eines akademischen Studiums eher eine Aufstiegsfortbildung planst, z. B. Fachwirt, Meister, Techniker oder Betriebswirt, kann Aufstiegs-BAföG passen. Es fördert Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis zu 15.000 €: 50 % als Zuschuss, der Rest optional als Darlehen. Bei bestandener Prüfung kann ein Teil des Darlehens erlassen werden.
Für Alleinerziehende gibt es zusätzlich einen Kinderbetreuungszuschlag von aktuell 150 € pro Monat und Kind. Für klassische Bachelor- oder Masterstudiengänge ist Aufstiegs-BAföG aber nicht der richtige Förderweg.
Mehr dazu: Aufstiegs-BAföG für Fernlehrgänge und Aufstiegsfortbildungen
5. Rabatte, Prämien und Stipendien der Anbieter
Zusätzlich zu staatlichen Förderungen lohnt sich der Blick auf hochschulinterne Rabatte und Sonderaktionen. Manche Fernhochschulen bieten z. B. Nachlässe für Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Schwerbehinderung, Alumni, Paare oder bestimmte Zielgruppen. Bei der Euro-FH etwa gibt es u. a. einen Elternzeit-Rabatt, weitere 15 %-Rabatte für bestimmte Gruppen sowie eine Erfolgsprämie, wenn ein Bachelor- oder Master-Fernstudium innerhalb der Regelstudienzeit abgeschlossen wird.
Wichtig: Solche Rabatte sind oft nicht miteinander kombinierbar, gelten nur mit Nachweis und müssen meist vor oder direkt bei der Anmeldung beantragt werden. Deshalb immer vor Vertragsabschluss fragen: Gibt es aktuell Rabatte, Stipendien, Prämien oder Aktionspreise – und gelten sie auch für meinen Studiengang und mein Studienmodell?
Beispiel zur Einordnung: Euro-FH: Kosten und Förderung im Fernstudium
Worauf du achten solltest:
- Studienart klären: Bachelor/Master an einer Hochschule, Fernlehrgang mit Zertifikat oder Aufstiegsfortbildung? Davon hängt ab, welche Förderung überhaupt passt.
- Vollzeit oder Teilzeit: BAföG ist in der Regel an ein Vollzeitstudium gekoppelt. Viele Fernstudierende lernen praktisch langsamer, sind aber formal im Vollzeitmodell eingeschrieben. Das solltest du mit Hochschule und BAföG-Amt sauber klären.
- Studiengebühren separat planen: BAföG hilft beim Lebensunterhalt, übernimmt aber nicht automatisch die Gebühren privater Fernhochschulen. Hier greifen eher spezielle Preisnachlässe oder Unterstützungs-/Finanzierungsangebote seitens der Anbieter.
- Fristen früh prüfen: Stipendien haben feste Bewerbungsfenster. Beim Aufstiegsstipendium ist eine Bewerbung vor Studienbeginn oder im frühen Studium möglich.
- Lebenslage gut darstellen: Bei Stipendien zählt oft der rote Faden: Warum dieses Studium, warum jetzt, wie organisierst du Kinderbetreuung, Lernen und Beruf, und welches berufliche Ziel verfolgst du?
Wenn du einen Bachelor oder Master planst, prüfe zuerst BAföG, Aufstiegsstipendium, Deutschlandstipendium und ggf. hochschuleigene Stipendien bzw. Förderungen. Wenn es eher eine IHK-, Fachwirt-, Meister- oder Techniker-Fortbildung wird, ist Aufstiegs-BAföG der wichtigere Weg. Für Eltern lohnt sich besonders der Blick auf Kinderbetreuungszuschläge, familienbezogene Auswahlkriterien und berufsbegleitende Stipendienmodelle.
Passende Studiengänge und Weiterbildungen kannst du im Kursfinder suchen, im Merkzettel speichern und direkt miteinander vergleichen. Wenn du interessante Kurse für deine Situation schnell einordnen möchtest, kannst du auch den Chat mit Sophie, unserer virtuellen Studienberaterin, nutzen.