Studie der HWR Berlin: Frühere Weiterbildung prägt Karrierepfade und Chancengleichheit
Eine aktuelle Studie unter Leitung von Prof. Dr. Antje Mertens von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) beleuchtet, wie berufsbezogene Weiterbildung die Entwicklung von Karrierewegen und die Chancengleichheit im Arbeitsleben beeinflusst. Die Untersuchung, die mit dem Publikationspreis 2025 des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe ausgezeichnet wurde, vergleicht dabei die Dynamik und Ungleichheit der Weiterbildungsteilnahme in Deutschland und Großbritannien.
Im Mittelpunkt der Forschung stehen non-formale, berufsbezogene Weiterbildungsmaßnahmen, die nicht zu offiziell anerkannten Abschlüssen führen. Die Ergebnisse zeigen: Wer einmal an einer solchen Weiterbildung teilgenommen hat, erhöht signifikant die Wahrscheinlichkeit, auch künftig weitere Angebote zu nutzen. Dieser sogenannte Pfad-Effekt kann dazu beitragen, dass sich Weiterbildungserfahrungen im Erwerbsleben akkumulieren und sich langfristig auf die Karriere auswirken.
Die Studie identifiziert zwei zentrale Einflussfaktoren für wiederholte Weiterbildung: Einerseits spielen individuelle Voraussetzungen wie Erstausbildung, Branche oder Unternehmensgröße eine Rolle. Andererseits verstärkt die Teilnahme an früheren Weiterbildungen die Motivation und die Möglichkeiten, erneut aktiv zu werden. Besonders relevant ist dies für Beschäftigte, die sich aus Mustern der Nichtteilnahme lösen und durch wiederholte Weiterbildung ihre Position auf dem Arbeitsmarkt verbessern wollen.
Der Ländervergleich macht deutlich, dass institutionelle Rahmenbedingungen die Weiterbildungsdynamik stark prägen. Während in Deutschland berufsbezogene und standardisierte Qualifikationswege dominieren, setzt Großbritannien stärker auf allgemeine Kompetenzen mit weniger formalisierter beruflicher Ausbildung. Diese Unterschiede wirken sich auf die Durchlässigkeit der Arbeitsmärkte und die Entwicklung sozialer Ungleichheiten aus.
Die Ergebnisse liefern Anhaltspunkte für die Arbeitsmarkt- und Weiterbildungspolitik: Politische Maßnahmen, die Unternehmen gezielt dazu anregen, auch in die Weiterbildung von geringqualifizierten und benachteiligten Beschäftigten zu investieren, könnten helfen, bestehende Ungleichheiten abzubauen. Gerade für Personen, die nach Unterbrechungen wie Arbeitslosigkeit oder Elternzeit zurückkehren, bietet wiederholte Weiterbildung eine zweite Chance für beruflichen Aufstieg.
Mit rund 12.000 Studierenden in über 60 Studiengängen und einer starken internationalen Vernetzung zählt die HWR Berlin zu den größten Fachhochschulen Deutschlands mit ausgeprägtem Praxisbezug. Die Hochschule ist Teil des Verbunds „UAS7 – Alliance for Excellence“ und pflegt über 700 Kooperationen mit Partnern aus Wirtschaft und öffentlichem Dienst.
Quelle: Pressemitteilung vom 21.07.2026
Veröffentlicht am 10.08.2026 19:55 von Christian Wolf