28.10.2025

Private Hochschulen unter Bürokratielast: Neue Studie deckt massive Hemmnisse auf

Eine aktuelle Untersuchung des Verbandes der Privaten Hochschulen (VPH) zeigt: 71 Prozent der privaten Hochschulen bewerten ihre bürokratische Belastung als (sehr) hoch. Besonders Akkreditierungsverfahren und Berichtspflichten bremsen die Bildungsanbieter aus.

Private Hochschulen sind längst ein fester Bestandteil der deutschen Bildungslandschaft. Im Wintersemester 2023/2024 studierten bereits 372.887 Menschen an nicht-staatlichen Hochschulen – das entspricht einem Anteil von 13 Prozent aller Studierenden. Die Tendenz ist seit Jahren steigend: 2001/2002 lag die Quote noch bei lediglich 1,6 Prozent.

Doch hinter dem Erfolg der privaten Bildungsanbieter verbirgt sich ein Problem, das ihre Entwicklung hemmt: überbordende Bürokratie. Eine neue Studie des VPH, durchgeführt von management consult / macexplore, bringt das Ausmaß der administrativen Belastung ans Licht. An der Untersuchung nahmen 27 private Hochschulen mit insgesamt 163.976 Studierenden teil.

Die Zahlen sind eindeutig: 71,4 Prozent der befragten Hochschulen bewerten die bürokratische Belastung als (sehr) hoch. Nur 4,8 Prozent empfinden sie als gering. Als größte Hürden identifiziert die Untersuchung verschiedene Akkreditierungsverfahren: Systemakkreditierung (Mittelwert: 5,0 von 5,0), erste institutionelle Akkreditierung (4,9), Re-Systemakkreditierung (4,9), Konzeptprüfung durch den Wissenschaftsrat (4,8) und institutionelle Re-Akkreditierung (4,5).

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Vorstandsvorsitzender des VPH, bringt das Problem auf den Punkt: "Wissenschaftsrat, Ministerien und Akkreditierungsagenturen prüfen häufig dieselben Sachverhalte – begleitet von einer Vielzahl an Selbstberichten, Evaluationen und Gutachten seitens der Hochschulen."

Die Studie deckt systematische Probleme auf: Inhaltlich identische Informationen müssen für verschiedene Nachweise unterschiedlich aufbereitet werden. Berichtsformate ändern sich häufig, sodass Hochschulen nicht auf Vorjahresarbeiten zurückgreifen können. Besonders problematisch sind die ZFU-Prüfverfahren für Fernstudienangebote, bei denen bereits akkreditierte Studienprogramme nochmals durch die Zentralstelle für Fernunterricht geprüft werden müssen.

Weitere Belastungen entstehen durch aufwendige Berufungsverfahren für Professoren, Nachweise zur Lehrverflechtung und das Melde- und Berichtswesen. Die Studierenden- und Prüfungsstatistik verursacht dabei den größten Aufwand (Mittelwert: 4,2), oft durch manuelle Datenzusammenführungen ohne geeignete Softwarelösungen.

Die befragten Hochschulen haben konkrete Verbesserungsideen entwickelt: Vereinheitlichung von Verfahren, Formularen und Kriterien, längere Akkreditierungsfristen, Verzicht auf doppelte Abfragen und Integration verschiedener Prüfverfahren. Zudem fordern sie digitale Prozessstandards, technische Schnittstellen für Statistiken und eine stärkere Berücksichtigung der spezifischen Strukturen privater Hochschulen bei gesetzlichen Vorgaben.

Die Studie macht deutlich: Private Hochschulen haben eine signifikant höhere Bürokratiebelastung als staatliche Hochschulen. Dies schwächt ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem ohnehin herausfordernden Bildungsmarkt. Ulrich Freitag, Geschäftsführer des VPH, betont: "Auf dem Bildungsmarkt haben alle ihre Berechtigung – staatliche und private Hochschulen. Denn Bildung ist der Schlüssel zu persönlicher Entfaltung, Chancengleichheit, einer zukunftsfähigen Gesellschaft und allem, was morgen wichtig ist."

Das Problem liegt nicht in einzelnen Verfahren, sondern in der fehlenden Integration verschiedener Prüfprozesse. Statt isolierter Einzelvorgänge braucht es aufeinander abgestimmte, integrierte Prozesse. Für die Zukunft der privaten Hochschullandschaft ist eine grundlegende Entbürokratisierung unerlässlich. Nur so können diese Bildungsanbieter ihre Stärken – Flexibilität, Praxisnähe und innovative Studienformate – voll ausspielen und ihren wichtigen Beitrag zur deutschen Bildungslandschaft leisten.

Die vollständigen Ergebnisse der Untersuchung bürokratischer Hürden und Hemmnisse für Private Hochschulen 2025 sind als Gutachten und Ergebnisbericht verfügbar.

Quelle: Verband der Privaten Hochschulen e.V. vom 28.10.2025
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