PIAAC-Studie: Kompetenzerwerb und -erhalt ohne Weiterbildung kaum möglich
Die aktuellen Ergebnisse der PIAAC-Studie 2023 machen deutlich, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei den Grundkompetenzen von Erwachsenen überdurchschnittlich abschneidet. Gleichzeitig offenbaren sie jedoch signifikante Defizite in wichtigen Bereichen wie Leseverständnis und Problemlösungsfähigkeiten. Die Studie, die vom Bildungsdirektorat der OECD initiiert wurde, führt zu einem dringenden Aufruf an die Politik, die Bemühungen in der Erwachsenenbildung zu verstärken.
Laut der jüngsten PIAAC-Studie, die in Deutschland durch das GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften umgesetzt wurde, weisen ältere Erwachsene hierzulande bessere Kompetenzen auf als der Durchschnitt der teilnehmenden OECD-Länder. Dennoch haben sich die mittleren Fähigkeiten in den Bereichen Lesen und Mathematik seit der Erhebung 2011/2012 kaum verbessert. Die Studie zeigt, dass der verbesserte Rang Deutschlands in der Einbeziehung von Ländern mit zuvor schwächeren Durchschnittsergebnissen begründet liegt, anstatt aus einer tatsächlichen Erhöhung der Kompetenzwerte.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist der gestiegene Anteil Erwachsener mit minimalen Grundfähigkeiten. Rund 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland verfügen über eingeschränkte Lese- und Mathematikkenntnisse sowie gering ausgeprägte Problemlösungsfähigkeiten. Besonders auffällig sei hier das sozioökonomische Gefälle zwischen Menschen aus bildungsstarken und bildungsschwachen Familien. Zudem machte die Studie darauf aufmerksam, dass in Deutschland aufgewachsene Personen tendenziell bessere Leseleistungen zeigen als zugewanderte Erwachsene.
Professor Josef Schrader, Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE), betonte, dass die Studienergebnisse kein Grund zur Beruhigung seien, sondern vielmehr ein Ansporn für verstärkte Anstrengungen in der Bildungspolitik. Politik, Praxis und Wissenschaft seien gefordert, die Bildungsanstrengungen im Einklang mit staatlichen Institutionen, Unternehmen und Verbänden zu intensivieren, um die sprachliche Grundbildung Erwachsener zu stärken. Er begrüßte die Ankündigung von Bundesbildungsminister Cem Özdemir, sich in diesem Bereich entschlossener zu engagieren.
Im Zuge der Interpretation der PIAAC-Studie wird eine stärkere Anerkennung der Weiterbildung gefordert. Obwohl sie in Deutschland mittlerweile den größten Bildungsbereich ausmacht, würde ihre Bedeutung häufig unterschätzt, was in der politischen und öffentlichen Diskussion zu einer mangelnden Würdigung führen könne.
Abschließend betonte Schrader, dass die PIAAC-Ergebnisse ein "erneuter Weckruf" seien, dem sich das DIE durch Forschung und Begleitung der Praxis annehmen wolle. Die Nutzung der PIAAC-Daten sei für die Wissenschaft essentiell, um die Bildungspolitik evidenzbasiert weiterzuentwickeln.
Quelle: Pressemitteilung vom 17.12.2024
Veröffentlicht am 17.12.2024 20:04 von Christian Wolf