07.08.2025

FernUni Hagen: Großangelegtes Modellprojekt stärkt psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Ein innovatives Modellprojekt der FernUniversität in Hagen und der Bezirksregierung Arnsberg rückt die frühzeitige Erkennung und Reduktion psychischer Belastungen am Arbeitsplatz in den Mittelpunkt. Mit über 2.000 Teilnehmenden sollen in mehreren Phasen datenbasierte Analysen und gezielte Maßnahmen die Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern.

In Kooperation mit Betrieben aus verschiedenen Branchen und der Bezirksregierung Arnsberg ist unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Dettmers, einem führenden Experten für Arbeits- und Organisationspsychologie, eine mehrstufige wissenschaftliche Untersuchung angelaufen. Ziel sei es laut Beteiligten, Risikofaktoren wie hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck oder belastende Fehler- und Kritikkulturen aufzudecken und wirksame Schritte zur Verbesserung des Wohlbefindens und der Motivation der Beschäftigten einzuleiten.

Die Bezirksregierung Arnsberg bringt sich als Praxispartner mit über 2.000 Mitarbeitenden ein, die anonym an einer umfassenden Online-Befragung teilnehmen. Prof. Dr. Dettmers betonte bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung am 6. August 2025 die Bedeutung der psychischen Gesundheit als Schlüsselfaktor für Motivation und langfristige Beschäftigungsfähigkeit. Er zeigte sich erfreut, mit der Bezirksregierung einen starken regionalen Partner an der Seite zu haben, für den eine wissenschaftlich fundierte Herangehensweise wichtig sei.

Laut Regierungspräsident Heinrich Böckelühr ermögliche die Zusammenarbeit eine datenbasierte Analyse und gezielte Verbesserung der Arbeitsbedingungen. In der Rolle als Arbeitgeber gelte es, Verantwortung für die Gesundheit der Beschäftigten zu übernehmen. Auch FernUni-Rektor Prof. Dr. Stefan Stürmer sieht das Projekt als Modell für die Region und betonte, dass wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Arbeitswelt einfließen müssten.

Rechtlich ist die Thematik ebenfalls relevant: Bereits seit 2013 verpflichtet das Arbeitsschutzgesetz Unternehmen dazu, psychische Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung systematisch zu erfassen. Hier biete das Hagen-Projekt nach Angaben der Verantwortlichen ein bewährtes Analyseinstrument, das Unternehmen und Behörden auch darin unterstützt, gesetzliche Vorgaben praxisnah zu erfüllen.

Monique Schröder, behördliche Gesundheitsmanagerin der Bezirksregierung Arnsberg, unterstrich, dass die Durchführung nicht nur eine gesetzliche Pflicht erfülle, sondern als Beitrag zu einer bedarfsgerechten, modernen Gesundheitsförderung verstanden werde. Bereits zum zweiten Mal beauftrage die Behörde daher die FernUniversität mit einer wissenschaftlichen Begleitung zur Regelbeobachtung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Der verwendete Fragebogen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen (FGBU) wurde bereits an mehr als 20.000 Beschäftigten aus unterschiedlichen Organisationen getestet und umfasst u.a. Themen wie Arbeitsorganisation, Kommunikation, Wertschätzung und Führung. Die Studie gliedert sich in drei Phasen: Zunächst erfassen Mitarbeitende per Online-Fragebogen aktuelle Belastungen, auf deren Basis gezielte Maßnahmen wie Team-Workshops, Feedbackschulungen oder neue Kommunikationsregeln entwickelt werden. Nach neun und erneut nach weiteren drei Monaten wird geprüft, ob sich die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit der Beschäftigten verbessert haben.

Neu an diesem Ansatz ist laut Prof. Dettmers die systematische Überprüfung, ob eingeleitete Verbesserungsmaßnahmen tatsächlich Wirkung zeigen und so aktiv Burnout-Risiken oder Unzufriedenheit gesenkt werden können. Die Wissenschaftler wollen so eine belastbare Datenbasis für den nachhaltigen Erfolg von Gesundheitsförderung schaffen.

Das Modellprojekt baut auf dem Vorgängerprojekt PROGRESS auf und wird durch die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) sowie die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) gefördert.

Quelle: FernUni Hagen vom 7.8.2025
Foto: FernUni Hagen
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