13.11.2024 👏2

Experten im Bundestag: Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft

Am Mittwoch äußerten sich Experten einheitlich zur Notwendigkeit einer Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG), wobei sie die Schwächen des aktuellen Gesetzentwurfs betonten. Dies wurde während einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung deutlich. Der Entwurf soll unter anderem die Mindestvertragslaufzeiten einführen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärken.

Kai Gehring von Bündnis 90/Die Grünen erklärte zu Beginn der Anhörung die Bedeutung guter Arbeitsbedingungen für ein innovatives Wissenschaftssystem. Der aktuelle Entwurf basiere auf einer Evaluierung des WissZeitVG aus dem Jahr 2022, die aufzeigte, dass die Wissenschaft weiterhin von kurzzeitigen Verträgen und langanhaltenden Befristungen geprägt sei.

Sonja Bolenius vom Deutschen Gewerkschaftsbund, eingeladen von der SPD-Fraktion, hob hervor, dass unbefristete Beschäftigungen im europäischen und deutschen Arbeitsrecht die Norm seien. Angesichts vieler befristeter Stellen in der Wissenschaft werde dies oft übersehen. Sie forderte „Dauerstellen für Daueraufgaben“ und warnte vor möglichen Rechtsunsicherheiten durch kleinteilige tarifrechtliche Regelungen.

Patrick Cramer von der Max-Planck-Gesellschaft, auf Vorschlag der FDP-Fraktion, lobte die geplante Einführung von Mindestvertragslaufzeiten zur Erhöhung der Planungssicherheit. Gleichzeitig kritisierte er, dass Probleme wie Kettenverträge und Drittmittelfinanzierung weiterhin ungelöst blieben. Er forderte weniger Bürokratie und mehr internationale Karrieremöglichkeiten für Wissenschaftler.

Walter Rosenthal von der Hochschulrektorenkonferenz, von Bündnis 90/Die Grünen vorgeschlagen, betonte die Notwendigkeit klarer Karrierewege nach der Qualifizierungsphase. Er warnte, dass Tariföffnungen zu einer Zersplitterung des Wissenschaftssystems führen könnten. Rosenthal sprach sich für unbefristete Verträge in wissenschaftsrelevanten und Daueraufgaben aus.

Wolfgang Wick vom Wissenschaftsrat, überfraktionell eingeladen, wies darauf hin, dass Höchstbefristungsgrenzen den Leistungsdruck auf Post-Docs erhöhen könnten. Eine höhere Zahl unbefristeter Stellen würde wertvolle alternative Karriereziele bieten. Wick forderte, dass das WissZeitVG die Vielfalt der Karrierewege in der Wissenschaft berücksichtigen müsse.

Jan Wöpking von der German U15 e.V., eingeladen von der CDU/CSU-Fraktion, unterstützte die Einführung einer ersten Mindestvertragslaufzeit von drei Jahren während der Promotionsphase und die Integration einer pflegepolitischen Komponente. Er kritisierte jedoch die Tariföffnungen und die Höchstbefristungsdauer für die Post-Doc-Phase.

Quelle: Pressemitteilung vom 13.11.2024
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