Staatlich geprüfter Betriebswirt: So laufen die schriftlichen Prüfungen ab

Sabine Hutter

Endlich ist der gesamte Stoff durchgearbeitet, die Seminare absolviert und das Ende des Fernstudiums steht kurz bevor. Jetzt gilt es, sich fundiert auf die Abschlussprüfung vorzubereiten. Der Kern der Tests sind die schriftlichen Prüfungen in insgesamt vier Fächern. Wie diese ablaufen, sehen wir uns heute etwas genauer an.

Der Lernstress vor der Prüfung gehört dazu // Foto: © Tiko/Fotolia

Der Rahmen der schriftlichen Prüfungen

Die schriftlichen Prüfungen zum Staatlich geprüften Betriebswirt werden in Zusammenarbeit mit der Schule durchgeführt, an der auch die vorhergehenden Seminare stattfinden. Ich habe den Betriebswirt beim ILS absolviert und deshalb meine Prüfung an der Oskar-Kämmer-Schule in Wolfenbüttel (bei Braunschweig) abgelegt. Sie findet im Rahmen einer Prüfungswoche statt.

Die vier schriftlichen Prüfungen im Überblick

Die vier Prüfungsfächer sind bei allen Prüflingen gleich – abgesehen vom gewählten Schwerpunkt gibt es hier keine anderen Fächerkombinationen. Konkret musst du dich auf diese Prüfungssituationen einstellen:

  • BWL/VWL/Recht: Die Bereiche Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie Wirtschaftsrecht werden gemeinsam zu einer Prüfung zusammengelegt. Dieser Test gehört mit zu den umfangreichsten Prüfungen und ist ziemlich anspruchsvoll, weil du ein breites Fachwissen benötigst und rechtliche Fragestellungen lösen können musst.
  • Rechnungswesen: Auch in Rechnungswesen legst du eine schriftliche Prüfung ab. Damit du den Titel Betriebswirt erhältst, solltest du hierfür auch fit in der Kosten- und Leistungsrechnung sein, beide Themen werden nämlich in einer Prüfung zusammengefasst.
  • Englisch: Ebenfalls ziemlich umfangreich ist die Englischprüfung. Sie besteht aus drei Teilen: 1. Du liest einen Ausgangstext in englischer Sprache und beantwortest anschließend einige Fragen dazu schriftlich, ebenfalls auf Englisch. 2. Du musst einen Geschäftsbrief schreiben (z. B. Beschwerde, Angebot). Dazu bekommst du einige deutsche Anweisungen bezüglich des Inhalts, die du dann in einem englischen Schreiben in Form bringst. 3. Du übersetzt einen englischen Text ins Deutsche.
  • Schwerpunktfach: Ob nun Personalwirtschaft, Logistik oder Absatzwirtschaft, nach deinem gewählten Schwerpunkt richtet sich die vierte schriftliche Prüfung. Eine Besonderheit: Diese Prüfung legst du nicht etwa in der Prüfungswoche ab, sondern schon im Rahmen des Prüfungsvorbereitungsseminars. Dadurch wird die eigentliche Prüfungsleistung ein wenig entzerrt und du musst nicht so viel Stoff auf einmal lernen.

Übrigens legst du nicht nur diese Tests ab. In den Pflichtseminaren gibt es zahlreiche weitere kurze Tests, mit denen sie bereits vor den eigentlichen Prüfungen abgeschlossen werden. In Mathematik beispielsweise schreibst du schon in einem der Seminare eine Prüfung. Die hier erzielte Note wird mit deiner Vornote aus den Einsendeaufgaben kombiniert und ergibt so die Gesamtnote, die später auch in deinem Zeugnis stehen wird.

Die Notenfindung: Verrechnung mit der Vornote

Deine Noten im Zeugnis ergeben sich in den schriftlichen Prüfungsfächern nicht alleine aus der Leistung am Prüfungstag. Stattdessen gehen zu einem bestimmten Prozentsatz auch hier einerseits deine Noten aus den Klausuren in den Seminaren ein, andererseits aber auch deine Noten aus den Einsendeaufgaben (sie sind oft das Zünglein an der Waage, wenn du auf der „Kippe“ stehst). So kannst du selbst dann noch eine annehmbare Note erreichen, wenn du am Prüfungstag einfach Pech hast oder dir die Prüfungsangst einen Strich durch die Rechnung macht.

Meine Erfahrungen mit den Prüfungen zum Staatlich geprüften Betriebswirt

Aus meiner Erfahrung heraus sind die Prüfungen durchaus gut machbar. Als ich sie damals abgelegt habe, wurden die Prüfungen von den Lehrern gestellt, die im Prüfungsvorbereitungsseminar die einzelnen Fächer unterrichtet haben. Mal deutlicher, mal nur durch kleine Hinweise, haben uns die Lehrer damals signalisiert, welche Themen wir für die Prüfungen beherrschen sollten. Deshalb war es auch vergleichsweise einfach, sich darauf vorzubereiten (auch wenn ein gewisses Grundwissen in den anderen Bereichen natürlich auch nicht geschadet hat). Meine Erfahrungen im Überblick:

  • Betriebs- und Volkswirtschaftslehre ist im Endeffekt ein reines Lernfach. Ich wusste vieles aus dem Bereich schon aus der Ausbildung, deshalb habe ich die Prüfung nicht als schwierig empfunden.
  • Rechnungswesen war ebenfalls machbar – man sollte halt vorher mal einige Übungsaufgaben durchgemacht haben und im Buchen ein wenig Sicherheit besitzen.
  • Mit Englisch hatten einige so ihre Schwierigkeiten, gerade jene, die im Beruf wenig damit zu tun haben oder auch in der Schule nicht so lange Englisch hatten. Hier lohnt es sich, vorab Business English-Vokabeln zu pauken.
  • Die Prüfung in Personalwirtschaft empfand ich als ziemlich einfach, weil ich den ganzen Stoff beim Fernlehrgang zur Personalfachkauffrau schon deutlich detaillierter gelernt hatte. Für einen absoluten Neuling in dem Bereich wäre sie aber sicherlich auch anspruchsvoll gewesen.

Aus meiner Sicht kann ich sagen: Wer sinnvoll mit den Lernheften arbeitet, in den Seminaren bei der Sache ist und sich vernünftig auf die Prüfung vorbereitet, hat auch ohne Vorkenntnisse eine gute Chance, hier einen guten Abschluss hinzulegen. Etwas Mühe muss aber natürlich auch investiert werden.

Betriebswirt

 veröffentlicht vor 1 Jahr (aktualisiert vor 3 Monaten)

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