Latein lernen für das Latinum: Bücher, Apps und Fernkurse – meine Empfehlungen
Salve! Ich habe mein Latinum vor einigen Jahren an der Uni nachgeholt – überwiegend im Selbststudium, ergänzt durch einen Intensivkurs. Hier zeige ich, welche Bücher, Wörterbücher, Apps und Fernkurse mir geholfen haben – und was ich heute, mit KI-Tools und Lern-Apps, anders machen würde. Plus: kostenlose PDF-Downloads für Deklinationen und Konjugationen.
- Grundausstattung: Studium Latinum (2 Bände, ~60 €), Stowasser (~30 €), Übungsgrammatik.
- Digital: Navigium-App (Top-Tool für Latinum in Deutschland), Anki-Karteikarten, KI als Lernbegleiter.
- Fernkurse: 5 Kurse von SGD, ILS, Fernakademie u.a. ab 134 €/Monat.
- Zeitbedarf: 1–1,5 Jahre Vorbereitung im Selbststudium, Mix aus Materialien empfohlen.
- Kostenlose Downloads: Deklinationen und Konjugationen auf je einer A4-Seite (PDF).
- So habe ich mein Latinum im Selbststudium nachgeholt
- Lehrbücher: Studium Latinum, Latinum Ausgabe B und Ørberg
- Wörterbücher: Stowasser, Langenscheidt, Georges
- Grammatik und Übungsmaterial
- Digitale Helfer: Apps, KI und YouTube
- Latein-Literatur: Cicero, Caesar und Sallust
- Latinum per Fernkurs
- Häufige Fragen
- Kommentare
So habe ich mein Latinum im Selbststudium nachgeholt
Latein ist eine faszinierende Sprache mit einer ähnlich komplexen Grammatik wie das Deutsche. Um die staatliche Ergänzungsprüfung zum Latinum zu bestehen, braucht es viel und täglich Übung über einen längeren Zeitraum. Ich habe etwa 1 bis 1,5 Jahre gebraucht.
Zwischendurch belegte ich einen Intensivkurs an der Uni sowie ein Tutorium. Heute würde ich wahrscheinlich einen Fernkurs belegen und zusätzlich KI-Tools nutzen – dazu weiter unten mehr. Nur durch den Mix all dieser Materialien konnte ich mich so vorbereiten, dass ich die Prüfung mündlich und schriftlich im Durchschnitt mit befriedigend bestanden habe.
Lehrbücher: Studium Latinum, Latinum Ausgabe B und Ørberg
Studium Latinum (Buchner Verlag)
Die Lehrbücher Studium Latinum sind speziell für Studierende konzipiert, die an der Uni das Latinum nachholen. Der Kurs besteht aus 2 Teilen: Teil 1 (Texte, Übungen, Vokabeln) und Teil 2 (Übersetzungshilfen, Grammatik).
Die Bücher sind didaktisch gut aufgebaut – zumindest konnte ich gut damit arbeiten. Teil 1 enthält 29 Lektionen mit Informationen zur römischen Kultur; Teil 2 ergänzt mit Vokabeln und Grammatikübersichten. Wer diese beiden Bücher vollständig durcharbeitet, sollte fit für die Latein-Ergänzungsprüfung sein. Ohne sie hätte ich die Lateinprüfung definitiv nicht bestanden.
Latinum Ausgabe B (Vandenhoeck & Ruprecht)
Latinum Ausgabe B ist ein weiteres bewährtes Lehrbuch, das auf Schüler und Studierende zugeschnitten ist. Es ist weiterhin lieferbar. Kein Muss, wenn du Studium Latinum schon hast – aber eine sinnvolle Ergänzung, weil der Lernstoff anders vermittelt wird. 28 Lektionen mit anspruchsvollen Lateintexten plus römische Kulturgeschichte. Das grammatische Beiheft empfehle ich dazu.
Lingua Latina per se Illustrata (Ørberg)
Ein Lehrbuch, das in meinem Original-Artikel fehlte und das mir Leser zu Recht empfohlen haben: Lingua Latina per se Illustrata von Hans Ørberg. Das Besondere: Das gesamte Buch ist auf Latein geschrieben. Vokabeln werden im Kontext eingeführt, nicht in Vokabellisten. Das baut eine natürliche Leseflüssigkeit auf, die für die Prüfung Gold wert ist.
Kein Ersatz für Studium Latinum (das wird in Uni-Kursen verwendet), aber eine hervorragende Ergänzung für die Lesepraxis. International einer der beliebtesten Latein-Lehrgänge überhaupt.
Wörterbücher: Stowasser, Langenscheidt, Georges
Ich habe zum Latein-Lernen 3 verschiedene Wörterbücher benutzt:
Der Stowasser ist häufig für die Prüfungen vorgeschrieben und wird in den meisten Universitätskursen genutzt. Ein übersichtliches Wörterbuch, das schnelles Nachschlagen durch Fettdruck häufiger Wörter erleichtert. Auf 574 Seiten enthält er sämtliche prüfungsrelevanten Vokabeln. Tipp: Ob Neuauflage oder alte Ausgabe ist egal – die Vokabeln ändern sich nicht mehr. Stowasser, ca. 30 € bei Amazon.
Das Taschenwörterbuch Latein von Langenscheidt habe ich mir gekauft, weil es auch Deutsch → Latein übersetzt – das können andere Wörterbücher wie der Stowasser nicht. Kein Muss, aber hilfreich, wenn du ein tieferes Sprachverständnis aufbauen willst. Langenscheidt Latein, ca. 25 € bei Amazon.
Den Großen Georges – das meiner Meinung nach beste Latein-Wörterbuch überhaupt – nutze ich kostenlos online auf zeno.org. Liefert weit mehr Kontext und Informationen als Schulwörterbücher.
Grammatik und Übungsmaterial
Die Langenscheidt Lern- und Übungsgrammatik Latein, mit der ich damals gelernt habe, ist leider vergriffen – nur noch gebraucht erhältlich. Eine gute Alternative ist die PONS Grammatik kurz & bündig Latein (~10–14 €) – kompakt, übersichtlich, noch lieferbar. Für die wissenschaftliche Referenz: Rubenbauer/Hofmann/Heine: Lateinische Grammatik (Buchner, ~40 €) – das Standardwerk.
Kostenlose Downloads: Meine selbst erstellten Übersichtsblätter hatte ich beim Lernen immer über dem Schreibtisch hängen und eine Kopie in der Hosentasche:
- Deklinationen des Lateinischen, 1 A4-Seite (PDF)
- Konjugationen lateinischer Verben, 1 A4-Seite (PDF)
Digitale Helfer: Apps, KI und YouTube
2026 gibt es deutlich mehr digitale Hilfsmittel als zu meiner Studienzeit. Hier die wichtigsten:
Navigium ist das beste digitale Tool für die Latinum-Vorbereitung in Deutschland. Vokabeltrainer, Textanalyse, Deklinations- und Konjugationstrainer – alles auf die Prüfung zugeschnitten. Abo ca. 4–8 €/Monat. Meine Top-Empfehlung.
Anki ist eine kostenlose Karteikarten-App (Desktop + Android kostenlos, iOS ~28 € einmalig). Es gibt fertige Decks für Studium-Latinum-Vokabeln, die kapitelweise aufgebaut sind. Ersetzt die klassischen Vokabelboxen aus Pappe – und du hast sie immer dabei.
KI-Tools wie ChatGPT oder Claude sind überraschend gute Latein-Lernbegleiter: Grammatik erklären lassen, Übersetzungen üben, Übungsaufgaben generieren, komplexe Satzkonstruktionen (AcI, Ablativus Absolutus) Schritt für Schritt analysieren. Kein Ersatz für systematisches Lernen – aber ein hervorragender Tutor-Ersatz für Selbstlerner. Hätte mir damals enorm geholfen.
Rosetta Stone Latein verfolgt einen spielerischen Ansatz: Du lernst Latein wie eine lebende Sprache – über Bilder, Hören und Sprechen. Das Programm läuft über ein Abo-Modell. Gut für ein natürliches Sprachgefühl, aber allein nicht ausreichend für die Latinum-Prüfung (die ist reine Übersetzungsarbeit). Als Ergänzung interessant. Mehr Infos bei Rosetta Stone.
Duolingo Latin existiert – ist aber nur für absolute Anfänger geeignet. Für die Latinum-Vorbereitung reicht es nicht.
YouTube: „Latein – einfach erklärt“ (auf Deutsch, gut für Grammatik), LatinTutorial (englisch, umfassend), ScorpioMartianus (gesproches Latein, unterhaltsam).
Latein-Literatur: Cicero, Caesar und Sallust
Dass die lateinischen Klassiker im Regal stehen sollten, ist klar – nicht nur, weil sie große Literatur sind, sondern weil für die Latinum-Prüfung das ständige Übersetzen ins Deutsche unabdingbar ist. Wer rasch genug übersetzt, nicht jede zweite Vokabel nachschlagen muss und die Formen sicher bestimmt, wird die Prüfung bestehen.
Ich empfehle die zweisprachigen Reclam-Ausgaben (die orangenen). Unter anderem habe ich damit gelernt:
- Caesar, De Bello Gallico, ca. 13 € (Kleines Latinum)
- Sallust, Die Verschwörung des Catilina, ca. 4 €
- Sallust, Der Jugurthinische Krieg, ca. 7 €
- Cicero, Vier Reden gegen Catilina, ca. 5 €
Es lohnt sich übrigens auch für die, die das Kleine Latinum machen, mal in Cicero und Sallust reinzuschauen – die Sprache ist sehr viel schöner als das militärische Latein Caesars.
Latinum per Fernkurs
Latein kannst du auch im Fernstudium lernen! Derzeit bieten mehrere Fernschulen Kurse an, die auf die staatlichen Ergänzungsprüfungen zum Latinum vorbereiten. So ein Kurs dauert etwa 1–2 Semester.
Der große Vorteil: Du lernst systematisch, und deine Aufgaben werden von Fernlehrern korrigiert – das fehlt im reinen Selbststudium schmerzlich.
| Kurs | Anbieter | Studiendauer | Studieninhalte | Kosten | |
|---|---|---|---|---|---|
| Großes Latinum, Großes Latinum | Studiengemeinschaft Darmstadt | 10 Monate | u. a. Schrift- und Lautlehre, Formenlehre, Satzlehre, Umgang mit lateinischen Texten: Cicero, Caesar und für das Große Latinum zusätzlich: Sallust, Se… | ab 1690 € insgesamt ab 169 € monatlich | |
| Großes Latinum, Großes Latinum | Fernakademie für Erwachsenenbildung | 10 Monate | Schrift- und Lautlehre, Formenlehre (Deklinationen, Konjugationen, Perfektstamm, Komparation, Deponentien), Satzlehre (der einfache Satz, Satzerweiter… | ab 1340 € insgesamt ab 134 € monatlich | |
| Kleines Latinum, Kleines Latinum | Studiengemeinschaft Darmstadt | 6 Monate | u. a. Schrift- und Lautlehre, Formenlehre, Satzlehre, Umgang mit lateinischen Texten: Cicero, Caesar und für das Große Latinum zusätzlich: Sallust, Se… | ab 1014 € insgesamt ab 169 € monatlich | |
| Latein, Großes Latinum | Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium | 10 Monate | Texte von Cicero, Sallust, Caesar u.a., Grammatik | ab 189 € insgesamt | |
| Latein, großes Latinum, Großes Latinum | Institut für Lernsysteme | 10 Monate | Schrift- und Lautlehre, Formenlehre, Satzlehre, Caesar-Lektüre, Cicero-Lektüren, Vergil-Lektüren, Res Romanae: Geschichte, Staat und Politik, Gesellsc… | ab 1340 € insgesamt ab 134 € monatlich |
Alle Kurse im Detail: Fernkurse Latein im Überblick.
Häufige Fragen
Rechne mit 1 bis 1,5 Jahren bei täglichem Lernen (1–2 Stunden). Mit einem Fernkurs oder Intensivkurs an der Uni geht es etwas schneller, weil du strukturierter lernst und Feedback bekommst. Manche Intensivkurse bereiten in einem Semester (6 Monate) auf die Prüfung vor – das ist aber extrem anspruchsvoll.
Kommt auf dein Studienfach an. Theologie, Geschichte, Klassische Philologie und Archäologie verlangen in der Regel weiterhin das Latinum. In Germanistik, Romanistik und Philosophie haben viele Unis die Pflicht in den letzten Jahren abgeschafft oder auf „Lateinkenntnisse“ (niedrigere Stufe) reduziert. Jura und Medizin erfordern kein Latinum. Prüfe die Zulassungsvoraussetzungen deiner Wunsch-Uni – die Regelungen unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule.
Das Kleine Latinum verlangt die Fähigkeit, einfachere lateinische Texte (z.B. Caesar) zu übersetzen. Das Große Latinum erfordert die Übersetzung anspruchsvollerer Autoren (Cicero, Tacitus). In vielen Bundesländern wird die Unterscheidung aufgeweicht – es gibt oft nur noch „Latinum“ als einheitliche Stufe. Die Uni-Ergänzungsprüfung entspricht in der Regel dem Latinum-Niveau.
Als Ergänzung ja – als alleiniges Lernmittel nein. KI-Tools wie ChatGPT oder Claude können Grammatik erklären, Übersetzungen prüfen und Übungsaufgaben generieren. Bei komplexen literarischen Passagen machen sie aber gelegentlich Fehler. Nutze KI als Tutor-Ersatz neben einem soliden Lehrbuch (Studium Latinum) und einem Prüfungswörterbuch (Stowasser).
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Kommentare
ich kann gut nachvollziehen, dass die ersten Schritte mit den längeren lateinischen Texten im Studium Latinum zunächst überwältigend wirken können. Hier einige Tipps, wie du strukturiert und effektiv mit diesen Büchern arbeiten kannst:
Lektion für Lektion vorgehen: Beginne mit einer Lektion und arbeite dich Schritt für Schritt voran, ohne zu viel auf einmal zu machen. Die Lektionen sind bewusst so gestaltet, dass sie überschaubare Inhalte bieten. Nimm dir pro Lektion ausreichend Zeit, um das Thema wirklich zu verstehen.
Übersetzungen in kleinen Schritten: Lies die lateinischen Sätze oder Absätze zunächst einmal durch, auch wenn du nicht alles verstehst. Markiere unbekannte Wörter und Grammatikstrukturen und schau dir diese gezielt an, bevor du eine Übersetzung versuchst. So erkennst du nach und nach Muster und wiederkehrende Strukturen.
Grammatik als Grundgerüst: Arbeite regelmäßig mit einer Übungsgrammatik – z. B. der von Langenscheidt. Wenn du beim Übersetzen auf eine neue grammatikalische Struktur stößt, schlage sie nach und übe sie gezielt mit zusätzlichen Übungen. Die Grammatik zu beherrschen, ist die Grundlage, um mit den Texten gut zurechtzukommen.
Vokabeln lernen – kontinuierlich: Lege dir eine Vokabelbox oder eine App an, in der du die wichtigsten Vokabeln der Lektion sammelst. Versuche, jeden Tag eine kleine Auswahl zu wiederholen. Das erleichtert dir das Lesen der Texte enorm, wenn du nicht ständig Wörter nachschlagen musst.
Textarbeit durch Fragen: Stelle dir Fragen zu den Texten. Was ist das Hauptthema des Satzes? Wer handelt? In welchem Tempus und Modus steht das Verb? Wer ist das Subjekt, was ist das Objekt? Das hilft, die Struktur zu verstehen und Sätze leichter zu übersetzen.
Regelmäßige Wiederholungen einbauen: Wiederhole immer wieder frühere Lektionen und Vokabeln. Latein erfordert langfristige Wiederholungen, und das regelmäßige Zurückgehen hilft, die Strukturen wirklich zu verinnerlichen.
Intensivieren durch Hören und Sprechen: Wenn möglich, nutze ergänzende Software wie Rosetta Stone Latein oder höre dir vertonte Texte an. Selbst das laute Lesen der lateinischen Sätze kann helfen, ein besseres Sprachgefühl zu entwickeln und die Inhalte lebendig zu machen.
Ich hoffe, diese Tipps geben dir eine erste Orientierung. Mit etwas Routine wird dir das Lernen immer leichter fallen. Viel Erfolg und bleib dran! Und falls du merkst, dass du im Selbststudium alleine nicht weiter kommst, such dir Hilfe und absolviere einen Kurs :)
Viele Grüße,
Christian