Studieren, Gründen, Wachsen – wie Andreas sein Studium zum Karriereprojekt machte
Wie gelingt der Spagat zwischen Studium, Selbstständigkeit und persönlichem Wachstum? Andreas Dauerer, BWLer, YouTuber, Podcaster, Gastdozent und Doktorand, teilt in dieser Folge seine Erfahrungen, wie er sein Studium zum Karriereprojekt machte.
Andreas erzählt von seiner Gründung einer Fitness-Mode-Marke während des Studiums, den Herausforderungen beim Start ins Unternehmertum und wie er dabei aus Fehlern lernen musste. Zusammen mit Christian beleuchtet er, warum Praxisphasen im Studium essenziell sind, wie man mit Selbstmarketing richtig sichtbar wird und welche Bedeutung das BWL-Studium für den Berufseinstieg hat.
Für Fernstudierende gibt Andreas wertvolle Einblicke, wie man Studium, Job und Gründung miteinander verbinden kann – und dabei motiviert und authentisch bleibt. Außerdem erfährst du, wie Podcasts als Netzwerk- und Lernplattform genutzt werden können.
Key Takeaways:
- Nutze Praktika oder ein duales Studium, um praxisnahe Erfahrungen zu sammeln und später im Beruf zu punkten.
- Beschäftige dich im Falle einer Selbstständigkeit früh und gründlich mit steuerlichen und rechtlichen Grundlagen, um Stress zu vermeiden.
- Selbstmarketing ist entscheidend: Zeige mit authentischem Mehrwert, was du kannst, auch wenn es am Anfang Überwindung kostet.
- Kontinuität beim Posten und Pflegen eines Netzwerks sind wichtige Erfolgsfaktoren für Sichtbarkeit und Wachstum.
- Podcasts bieten eine wertvolle Möglichkeit, Expertenkontakte zu knüpfen, sich weiterzuentwickeln und die eigene Positionierung zu stärken.
Inhalt:
00:00 Vorschau
02:10 Gründung im Studium: Andreas' erstes Start-up
05:16 Learnings aus der ersten Selbstständigkeit
13:20 Warum BWL-Grundlagen für jede/n Selbständige/n wichtig sind
15:44 BWL-Studium nur des Geldes wegen? Lohnt sich das?
17:43 Vollzeit- & Duales Studium: Wie wichtig sind Praktika?
20:16 Ein typischer Tag im Präsenzstudium
25:20 Selbstmarketing: Cringe vs. "Winken im Dunkeln"
29:25 Authentisch sichtbar werden: Organisches vs. anorganisches Wachstum
34:21 Zielgruppen erreichen: Planung & Social Media Strategie
36:42 Aller Anfang ist schwer: Geringe Reichweite, Rückschläge & Selbstreflexion
39:02 Kontinuität, Konsistenz & Anpassung: Die Schlüssel zu Sichtbarkeit
42:11 Wie Andreas mit YouTube & Podcast anfing
47:13 Education vs. Entertainment: Reichweiten-Dilemma
51:27 Podcasts als Netzwerk- und Lern-Tool für persönliches Wachstum
54:16 Podcaster & Doktorand: Über was & wie promoviert Andreas?
55:05 Wo findet man Andy & "Studieren ist sexy"?
55:58 Fazit & Abschied
Andreas im Internet:
➡️ Spotify: open.spotify.com
➡️ Youtube: www.youtube.com/@StudierenistSexy
➡️ Instagram: www.instagram.com/studieren_ist_sexy
➡️ LinkedIn: www.linkedin.com/in/andreasdauerer/
Weiterführend:
👉 Wenn ihr euch dafür interessiert, welche Bücher Andreas veröffentlicht hat: www.amazon.de/stores/Andreas-Dauerer/
👉 Ihr interessiert euch für ein BWL-Fernstudium? Bitte hier entlang: www.fernstudi.net/fernstudium/wirtschaft/betriebswirtschaftslehre
👉 Weiterbildungen in Betriebswirtschaft gibt's hier: www.fernstudi.net/weiterbildung/wirtschaft/betriebswirt
👉 Noch unentschieden? Fragt unsere 24/7-Studienberaterin Sophie: www.fernstudi.net/hilfe/chat
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#podcast #studium #entrepreneurship
Christian: Herzlich willkommen, liebe Freundinnen und Freunde. In diesem Podcast habe ich einen ganz besonderen Gast, nämlich Andy vom Podcast „Studieren ist sexy". Er ist selber Podcast-Host und ich war zuerst bei ihm im Podcast. Dann haben wir uns überlegt, machen wir auch noch eine Folge bei fernstudi.fm, und das ist diese Folge. Kurz vor Weihnachten reden wir über sehr interessante Themen, nämlich zum Beispiel über Andis Selbstständigkeit. Andy hat sich als BWL-Student schon sehr früh im Studium selbständig gemacht im Fitnessbereich. Warum das Ganze nicht so gut funktioniert hat, wird er uns im Podcast erzählen. Dann reden wir natürlich über seinen Bildungsweg, warum BWL-Studium, was das Besondere daran ist, was es ihm fürs Leben bringt. Er hat zum Beispiel auch sehr viele Praktika gemacht. Warum sind Praktika sinnvoll? Was kann man noch tun, um seine Karriere heutzutage anzukurbeln? Zum Beispiel Selbstmarketing. Ein sehr interessantes Thema, und wir hoffen, dass wir das Interesse dafür entfachen können, dass Selbstmarketing nicht immer heißen muss, dass man angibt und sich extrem inszeniert, sondern dass man das auch auf eine smarte Weise machen kann. Dann reden wir noch übers Podcasting an sich, und ich würde sagen, wir legen mal direkt los.
Christian: Andy, herzlich willkommen hier im Podcast. Ich war neulich bei dir im Podcast. Wenn diese Folge hier erscheint, dann ist die Folge möglicherweise auch schon online, vielleicht aber auch nicht. Aber auf jeden Fall haben wir uns so kennengelernt und überlegt, wir machen auch noch einen gemeinsamen Podcast hier bei fernstudi.fm. Also herzlich willkommen, und ich würde sagen, wir steigen auch gleich ins Thema ein, und zwar in das Thema Selbstständigkeit. Vielleicht sagst du trotzdem ganz kurz, wer du bist und was du machst und wie du dich im Studium selbständig gemacht hast.
Andreas: Hi Christian, vielen Dank für die Einladung als Allererstes. Also kurz für die Zuhörer, die mich nicht kennen: Ich bin Andreas Dauerer. Ich bin BWLer, YouTuber, ein bisschen Podcaster und auch Doktorand im echten Leben. Und ja, wie ist es damals zu meiner Selbständigkeit gekommen? Ich habe ganz klassisch BWL studiert und ich weiß noch, da bin ich immer trainieren gegangen und da kam dann gerade diese Phase mit Gymshark auf. Sagt euch das was?
Christian: Ja, sagt mir was.
Andreas: Genau. Und die kamen gerade hoch, und auch 2013, 2014, dann kamen so diese ganzen Fitness-YouTuber auf und dann dachte ich mir, ja, das will ich, das finde ich geil. Und dann habe ich eben eine eigene Fitness-Klamottenmarke gegründet namens Elephantics.
Und dann saß ich immer abends, statt zu lernen, da und habe irgendwelche Fitnessklamotten designt und Onlineshops entwickelt und Marketingmaßnahmen geplant. So bin ich damals zur Selbständigkeit gekommen. Das war meine erste Berührung, mein erstes, in Anführungszeichen, Startup.
Christian: Okay. Gibt's die Marke noch? Kann man sich das noch angucken?
Andreas: Nein, leider nicht mehr. Also ich habe gemerkt, ich brauche jemanden, der mich ein bisschen sparrt, der auch sagt, das ist doof, was du da machst. Und das habe ich damals mit dem Fabi angefangen, und das lief dann langsam an und der Onlineshop lief gut. Und dann ist der gute Mann leider gestorben.
Christian: Oh, okay.
Andreas: Ja, möchte ich nicht drüber reden. War halt plötzlich, leider. Und dann habe ich das Unternehmen – immer wenn ich anfangen wollte, kam der Fabi mir in den Kopf und das hat es emotional so aufgerührt, dass ich dann gesagt habe, ich kann es nicht mehr anfassen. Und so endete die Startup-Story eigentlich nach ca. eineinhalb Jahren leider.
Christian: Okay. Aber grundsätzlich funktioniert hat's ja, auch wenn es dann traurig sozusagen zu Ende ging. Aber interessant, dass das so gut funktioniert hat direkt aus dem Studium heraus. Ich weiß noch, wie das bei mir war. Völliges Chaos mit dem Selbständigmachen. Auch so ein bisschen aus einer Notwendigkeit heraus, weil ich nicht so richtig wusste, was ich jetzt beruflich anfangen soll. Und ich wusste, okay, ich kann nicht im Büro sitzen den ganzen Tag. Und mir nicht immer sagen lassen, was ich jetzt so tun und lassen soll. Und dann habe ich mich da mal selbständig gemacht. Aber völlig chaotisch! Ich wusste, ich muss mir jetzt irgendwie eine Steuernummer besorgen, aber bei der ersten Steuererklärung wurde es dann schon wirklich komplex und kompliziert. Wie bist du denn da rangegangen? Auch erstmal zum Finanzamt gegangen und gesagt, ich brauche jetzt eine Steuernummer?
Andreas: Das ist der Punkt eben. Man hatte die Idee und dachte sich, okay, das mache ich. Und dann ist der erste Gedanke zum Glück: Oh, da ist Finanzamt, Steuern, ich will nicht ins Gefängnis, mein Hintern ist zu süß dafür. Und dementsprechend bin ich auch erstmal zum Finanzamt. Und ich hatte das Glück, weil eigentlich dürfen die ja keine Beratung geben, und da war einer, so ein Älterer, der hat gesagt: „Ach komm her, Bub, ich erklär dir das schnell." Und da hat er auch gesagt: Okay, Selbständigkeit, was gibt's da, Kleingewerbe, Einzelunternehmen und so weiter, und das ist ja bei jedem dann individuell. Also da sollte man sich erstmal schlau machen. Das hat dann eben der für mich gemacht. Dann habe ich mich angemeldet, durfte dann erstmal mehr Müllgebühren bezahlen. Das war der erste Schock, als mein Vermieter gesagt hat: Aufgrund deiner Selbständigkeit darf ich jetzt mehr Müll verlangen von dir.
Und dann standest du da und ja, jetzt muss was passieren. Und dann auch, wie du wahrscheinlich, erstmal gegoogelt: Okay, wir wollen die Sachen online, also erstmal brauche ich einen Produzenten. Wo kriege ich einen Produzenten für Klamotten? Also gegoogelt, Klamottenproduzent. Dann habe ich ein paar angeschrieben, habe ein paar Samples bekommen, habe dann auch mein Logo entworfen, was leider ein großer Fail war, aber vielleicht kommen wir dazu noch. Und dann hatte ich mein erstes Muster bekommen, das hat gepasst. Dann ging's ans Onlineshop-Entwickeln, und dann hat man sich da halt reingefuchst, wie so ein Onlineshop funktioniert. Man hat halt einfach gemacht und geguckt. Wie es halt immer heißt: Ich nehme ein paar Spaghettis und werf die gegen die Wand und hoffe, dass irgendwas hängen bleibt.
Christian: Ja, das Coole an Onlineshops ist ja, dass die sich heutzutage relativ leicht erstellen lassen. Man kann ja auch einfach mit Plattformen anfangen, so Baukastensysteme, auch bei Onlineshops. Bei mir war das damals noch so, ich musste erstmal HTML lernen eigentlich, um eine Webseite zu erstellen, und da gab's auch keine KI, der ich sagen konnte: Erstell mir mal eine ganz einfache Landingpage für irgendwas. Allein das Thema Formulare war damals so ein Riesending, ein Formular auf die Webseite reinzubekommen. Heute ist das wirklich easy, ein Formular zu programmieren. Aber damals habe ich dann irgendeinen Service bezahlt, dass ich da ein Formular eingebunden bekomme, weiß ich nicht, 5 Euro im Monat oder irgendwas. Aber ich habe relativ schnell die ersten Kunden bekommen. Und tja, bei mir war es so, ums Finanzamt habe ich mich jetzt nicht so gekümmert, auch nicht um diesen Unterschied Freiberuflichkeit, Gewerbe und so weiter. Irgendwann später ist mir das dann natürlich noch mal auf die Füße gefallen. Deswegen auch mein großer Tipp an alle: Erstmal auch damit beschäftigen. Das ist heute auch sehr einfach, man kann es alles googeln, sich gut damit auseinandersetzen. Oder man hat jemanden, der einem hilft. Wie wichtig war das generell für dich, da irgendwie Hilfe zu suchen und zu finden?
Andreas: Sagen wir so, inhaltlich und auch vom Drive her, dass man da wirklich sich hinhockt und was tut, da habe ich gemerkt, da brauche ich jemanden. Und auch allgemein Aufgaben abzugeben, weil anfangs ist man ja Mädchen für alles. Das kennst du auch, du hast gesagt, du hast gecodet, dann hast du dich mit Steuern befasst, dann hast du aber noch gleichzeitig deine Expertise für dein Produkt erfahren müssen. Ich bin jetzt nicht groß geworden und wusste, wie man Nähte setzt und wie man das plant und welchen Stoff man nimmt. Da ist man eigentlich dauernd am Links-und-rechts-Gucken. Und da war es schon cool, der Fabi hat gesagt: „Hey, ich übernehme so ein bisschen die Akquise und das Management der Community", weil ich hatte dann auch eine Community und sowas. Das war sehr wichtig. Und natürlich dann Erfahrenere fragen. Da hatte ich den Vorteil, meine Eltern waren selbständig und dann habe ich halt immer meinen Vater gefragt: „Hey, wie schaut's denn aus? Wie würdest du das jetzt machen?" Die denken ja ganz anders. Also, ich weiß noch, ganz einfaches Beispiel: Du hast jetzt gesagt, 5 Euro Provider für dein Formular. Ich habe damals gedacht: Was, 5 Euro selber zahlen? Nee, das finde ich selber raus, da tue ich drei Tage lang recherchieren. Und er so: Steck doch die 5 Euro rein, bist du blöd? Du gehst kurz Barkeepern und dann hast du 15 Euro in der Stunde verdient und die Sache ist gegessen.
Auch dieses Mindset dazuzubekommen, da war es super wichtig, einfach von anderen mal ein bisschen die Gedanken zu bekommen.
Christian: Ich denke mal, da spielt das BWL-Studium auch eine gewisse Rolle. Da können wir auch gleich noch mal drüber reden. Was war jetzt der Logo-Fail?
Andreas: Okay, also Achtung: Gymshark kam auf, und ich wollte ein Logo entwerfen. Ich fand auch damals Tiere irgendwie geil. Also habe ich gedacht, gut, du machst einen Elefanten. Die Brand hieß dann Elephantics, also Athletics und Elefant, englisch. Super. Und ich habe das gezeichnet. Und ich hatte damals eine Marketingdame, und die habe ich dann gesagt: „Hey, hier habe ich einen Entwurf, mach das mal, tu es in Vektordateien", die kennt sich da aus, und die hat es dann entwickelt.
Das Problem ist aber, dass ich beim Elefanten-Entwerfen aus irgendeinem Grund das Gymshark-Logo im Kopf hatte, ein bisschen. Und das Schlimme war, und das hat mir die Dame nicht erzählt: Die hat dann das Gymshark-Logo als Vorlage verwendet, um das Ganze zu verfeinern. Lange Rede, kurzer Sinn: Nach einem halben Dreivierteljahr kriege ich einen lieben Brief. Die haben nicht lang gescherzt. Die waren zum Glück noch nett zu mir. Die haben geschrieben: Nehmen Sie sofort das Logo weg, sonst passiert etwas. Die hätten theoretisch instant mit mehreren tausend Euro mich verklagen können.
Und dann habe ich mein Logo auf die Schnelle abändern müssen. Neue Designerin und so weiter, weil ich die Marketingdame nicht mehr hatte. Und das war damals der erste Schock, wo man merkt, man geht raus und es kann wirklich Konsequenzen haben und einem richtig auf die Füße fallen. Das war der erste Schockmoment. Hattest du eigentlich sowas mal, so einen richtig krassen Moment?
Christian: Also Abmahnung habe ich auch schon bekommen. War sicherlich auch kostenpflichtig, und dann zahlt man da halt keine Ahnung 1.000 Euro oder was auch immer und hält sich damit eigentlich erstmal den Stress vom Hals. Oder man ist der Meinung, dass man im Recht ist. So einen Fall hatte ich auch mal tatsächlich. Das war kein Fail in dem Sinne. Ich habe mich mal mit dem Thema Ghostwriting beschäftigt und da gab's eine Ghostwriter-Firma. Ich kann und darf da eigentlich gar nicht so viel dazu sagen. Durch einen Rechtsstreit, der daraus entstanden ist oder fast zumindest, da gab's dann auch eine Abmahnung. Und die war teuer, die habe ich nicht hingenommen. Ich bin dann zum Anwalt gegangen, habe gesagt: Hier, guck mal, wir sind eigentlich im Recht. Die Firma macht wirklich Sachen, die so nicht rechtens sind. Und es wurde dann relativ teuer, und dann hat man sich geeinigt, dass jeder einfach gar nichts mehr über den anderen sagt, und gut war.
Aber so richtige Fails – bei mir war eigentlich wirklich der Fail, keine Steuererklärung machen zu können. Das ist mir dann Jahre später noch mal richtig auf die Nase gefallen mit hohen Nachzahlungen und allem Drum und Dran. Also ganz wichtig, sich da wirklich gut damit auseinanderzusetzen. Und der Fehler bei mir war einfach, dass ich nicht aus einer BWLer-Sicht denken konnte. Ich habe halt Philosophie studiert und Geschichte und konnte auch mein Handwerk dann gut als Lektor, was ich gemacht habe, als Selbstständiger, oder Webseiten bauen, was auch immer. Aber mit diesem Handwerk Management, BWL, Buchhaltung, Bilanzierung – damit habe ich mich nie so richtig auseinandergesetzt und hab es immer von mir weggeschoben. Das hätte ich natürlich von Anfang an machen sollen.
Andreas: Ja, klar. Da merke ich natürlich meinen BWL-Background. Ich habe seit der siebten Klasse Accounting gehabt. Das war dann für mich – also als ich dann Preise entwickeln musste, der Fabi hat mich auch mit großen Augen angeschaut. „Hey, was machst du da in der Exceltabelle?" Ich so: „Ja komm, ich mache das Konto rein, bam bam." Und der hat wirklich gedacht, das ist ein ganz anderer Planet. Das war natürlich auch für mich der Vorteil, warum es dann einfacher für mich war und verständlicher, in die Selbständigkeit reinzukommen.
Christian: Okay, dann lass uns auch ein bisschen über BWL-Studium reden. BWL ist manchmal, finde ich, mit Vorurteilen belastet. Ich habe selber auch mal zwei, drei Semester BWL an der Präsenzhochschule studiert, dann später noch mal einfach aus Interesse heraus und eben, weil ich gemerkt habe, das wird nichts, wenn ich jetzt noch eine Firma gründen will ohne dieses Hintergrundwissen, wirklich ohne Grundlagen. Und habe gemerkt, das ist ein richtig cooles Studium eigentlich. Man kann wirklich sehr vielfältig studieren, viel vielfältiger als man denkt. Es sind nicht nur Zahlen, es sind aber auch Zahlen. Ist auch viel logisches Denken, auch viel Recht zum Beispiel, was ich auch super interessant fand. Wie kam denn bei dir die Entscheidung dafür, BWL zu studieren?
Andreas: Bevor ich da kurz eingehe, ich muss eine Anekdote erzählen. Gestern war ich mit einem Kumpel essen und der überlegt gerade, eine Immobilie zu kaufen. Der ist Kinderpfleger und hat keine Ahnung davon. Und dann habe ich auch gesagt, mein Appell an ihn: Jeder Mensch muss eigentlich in der heutigen Zeit irgendwas über BWL lernen, weil es dir irgendwann auf die Füße fällt. Und dann habe ich dem zum Beispiel gestern erklärt, wie funktioniert das mit dem Immobilienkauf, was ist eine Abschreibung und so weiter. Also deswegen, weil du schon sagst, BWL-Wissen, warum du das auch belegt hast: Es betrifft uns ja alle, egal welche Expertise wir einschlagen, in der Regel.
So, okay, wie kam das bei mir? Ich bin auf der Realschule gewesen und habe den BWL-Zweig gewählt. Also für alle, die es nicht wissen: Da hat man eben statt mehr Mathe dann Accounting gehabt, also Buchführung und Wirtschaft. Und das kam von der Mama, die hat gesagt: Das hatte ich selbst in der Schule, nimm das, dann kann ich dir das erklären.
Und da hat's mir eigentlich super viel Spaß gemacht, eben dieses, was man wirklich mit dem Unternehmen sieht, warum machen die das, wie machen die das – das zu verstehen fand ich super sexy. Und darum ist es dann auch geblieben: Realschule, dann FOS und dann eben ins Studium. Und warum habe ich studiert? Ganz einfach, mein Vater hat damals gesagt: Studier es, weil dann sind deine Gehaltsaussichten höher. Punkt. So das klassische: Studier BWL, dann verdienst du mehr. Und ich war Bester beim Realschulabschluss und FOS war ich, glaube ich, Viertbester im BWR-Zweig. Also mir lag es auch sehr gut. Dementsprechend war es klar, dass ich BWL studiere.
Christian: So, verdient man wirklich so viel mehr mit dem BWL-Studium?
Andreas: Gut, okay. Gehen wir da mal drauf ein. Also, es gibt natürlich im BWL-Studium verschiedene Schwerpunkte. Ich mache zum Beispiel Vertrieb, ich mache Einkauf, ich mache Marketing, ich mache Finance, wie auch immer. Also es gibt ja die verschiedenen Expertisen, wo ich dann reingehen kann, und diese Expertisen zahlen unterschiedlich.
Also nehmen wir mal aus meiner Erfahrung her: Ich betreue Studierende und Co. Marketing verdienen am schlechtesten, also die verdienen wirklich mit Startgehalt, selbst in der aktuellen Situation, vielleicht 30.000 bis 35.000, was für Normalverdiener viel ist, ja, aber für uns BWLer ist das eigentlich wenig. Und dann kannst du zum Beispiel hochgehen: Bei mir war es so, ich bin mehr so in die Finance-Richtung gegangen, da waren dann so die Startgehälter zwischen 50.000 und 60.000. Und dann geht's natürlich zur Elite hoch: Frankfurt Business School, oder ich war in London, in Oxford und habe da Business gemacht. Da können teilweise die Gehälter schon bis 80.000, 90.000, 100.000 Startgehalt gehen. Aber du bist dann im Financebereich, nehmen wir mal ganz klassisch Unternehmensberatung und Co. Dann sind aber deine Stunden nicht 40 – auf dem Papier schon, aber in Realität sind es dann 50, 60. Und dann kannst du den Stundenlohn runterrechnen und dann verdienst du so viel wie beim Großkonzern mit einer 34-Stunden-Woche mit einem normalen Finance-Job.
Also der Gehalt, die Gehaltsspanne kommt auf die Expertise drauf an. Und verdiene ich mehr? Ja, aber ich möchte eine Sache hier anmerken: Ich habe viele Freunde, die haben eine Ausbildung gemacht, ganz normal bei einer Versicherung, bei einem großen Industrieunternehmen, und die haben sich dann einfach hochgearbeitet und sind dann im Endeffekt in derselben Zeit, wo der eine studiert hat, intern so hoch gestiegen und gut verhandelt, dass sie dann auf dasselbe Gehalt hinausgekommen sind wie der, der eingestiegen ist, oder sogar schon ein bisschen höher waren.
Christian: Okay, also wichtig ist, was du im Studium schon machst, worauf du dich schon spezialisierst, womit du dich auseinandersetzt, vielleicht was für eine Bachelorarbeit du schreibst und, denke ich mal, auch was du für Praktika im Studium machst. Hast du im Studium schon Praktika gemacht oder im Anschluss dann erst?
Andreas: Zahlreiche. Also weil eben der Markt da draußen – bei uns hieß es immer in der ersten Veranstaltung: Machen Sie Praktika, drei Stück, sonst finden Sie keinen Job. Oder: Sie wollen über 50.000? Machen Sie drei Praktika. Das wurde immer von jedem Prof gepredigt. Auch: Machen Sie Auslandssemester, eins oder zwei, sonst heben Sie sich von den anderen BWLern nicht ab.
Punkt eins, und Punkt zwei ist: Weil es ja so breit gefächert ist, schmeißen die einen auch raus und sagen: Lern doch mindestens zwei, drei Bereiche kennen, bevor du dann was willst, was dir dann gar nicht liegt.
Und darum habe ich Praktika gemacht, absolut richtig. Was habe ich alles gemacht? Also an der Hochschule, wo ich war, das war eine richtige Hochschule mit Präsenz und Co, also nicht dual. Und da ist der nächste Punkt: Weil wir es nicht dual machen, haben wir sonst keine Praxiserfahrung. Und wenn dann ein dualer Student und ein Bachelor-Student von der Hochschule oder Uni kommen, dann wen nehme ich? Dann nehme ich immer den mit Praxiserfahrung, weil der andere wahrscheinlich noch nichts kann. Also so habe ich es dann auch gehandhabt, wenn ich Leute eingestellt habe: Immer der mit mehr Praxiserfahrung.
Wo war ich denn alles? Ich war in Irland, ich habe Kugelschreiber über Telefon verkauft, ich war bei Vodafone, habe da im Vertrieb geholfen, und dann auch bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, auch im Vertrieb, also im Key-Account-Management. Man merkt, ich wollte damals in den Vertrieb gehen, darum war es sehr vertriebslastig. Aber ja, so habe ich dann meine drei bis sechs Monate Praktika gehabt.
Christian: Okay, also ist auch mein Tipp eigentlich, wenn man die Möglichkeit hat, eher ein duales Studium zu machen, um da wirklich sofort von Anfang an immer die Praxiserfahrung mitzusammeln und mitzunehmen. Und das Coole am dualen Studium ist ja, das ist heute relativ aufgeweicht eigentlich, im Sinne von, dass man nicht mehr zwangsweise eine Ausbildung und ein Studium macht, also eine Berufsausbildung, sondern sich jetzt einfach einen Praxisbetrieb sucht und das Studium macht. Und da kann man auch ganz viel online mittlerweile machen. Gerade so Einführungsvorlesungen, wo eigentlich keiner mehr wirklich mit 200 anderen im Hörsaal sitzen muss, wo es einfach schneller geht, wenn man sich den Stoff selber aneignet.
Also wenn man die Möglichkeit hat, meine Empfehlung: Geht in so ein duales Studium! Ansonsten natürlich Praktika machen, wirklich wirklich hilfreich. Sieht man ja auch bei dir. Sag mal, nimmst du uns vielleicht mal mit in so einen ganz typischen Tag für einen Präsenzstudierenden? Unsere Community sind ja alles Fernstudierende. Der typische Tag ist eher so: Geh arbeiten, dann setz ich mich abends noch mal zwei Stunden an den Schreibtisch. Wie ist denn das im Präsenzstudium?
Andreas: Gerne. Also es kommt auch darauf an, in welchem Semester man ist und in welchem Abschnitt sozusagen. Nehmen wir mal klassisch drittes Semester, man hat sich langsam eingelebt. Man steht auf, man hat seine Veranstaltungen. Ich weiß, im Dualen – ich unterrichte an der dualen Hochschule nebenberuflich – da habt ihr wirklich die Termine fest, wann ihr welches Modul zu belegen habt. An der Hochschule und Universität kann das ab einem gewissen Grad dann freier werden, dann entscheidest du selbst: Gehe ich in die Vorlesung oder nicht, nehme ich das Fach oder das. Dementsprechend baust du am Anfang deinen Semesterplan, Stundenplan, und dann hast du halt, okay, 10 Uhr morgens erste Vorlesung.
Nehmen wir Herr Wallasch, Küsschen geht raus, bester Dozent. Um 10 Uhr Bilanzierung. So, dann wackelst du halt dahin. Kommt davon, wie weit du weg wohnst. Ich habe direkt in der Innenstadt gewohnt und bin dann hochgewackelt in Coburg. Hab mir unterwegs ein Käffchen geholt, dann da reingehockt. Dann erstmal 10, 15 Minuten immer eingeplant, mehr Zeit, weil ich an einer kleinen Hochschule war. Bedeutet: Jeder kannte jeden. Das heißt, man war erstmal morgens begrüßen – Leute, was geht ab? Was gibt's Neues? Typisches Gejammer. Bei Prüfungsphase: Ich hasse mein Leben. Und dann ging es in die Vorlesung. Dann hast du da eineinhalb Stunden zugehört.
Damals noch viel mitschreiben, heute weniger, mehr Präsentationen. Und ja, dann bist du raus, bist du in die Cafeteria, hast vielleicht dann noch mal eine Veranstaltung gehabt, bist wieder reingewackelt, dann bist du in die Mensa essen gegangen oder direkt wieder heim, weil nichts mehr war. Und dann kommt's auf deine intrinsische Motivation drauf an: Bist du noch in die Bib runtergewackelt oder am Campus geblieben, um ein bisschen zu socializen, einfach mit Leuten zu sprechen und zu reden? Hast du vielleicht eine studentische Initiative gehabt, hast du dich engagiert, dann hast du die ganzen Sachen gehabt. Und dann im Endeffekt Prüfungsphase Hardcore, einfach Prüfungen lernen ganzen Tag, wahrscheinlich wie bei euch auch im Fernstudium. Und bei der Bachelorarbeit entweder zu Hause schreiben oder in der Bib.
Also eigentlich alles identisch, nur wenn du Vollstudent bist, hast du nicht dieses Arbeiten. Bei mir war es so, ich hatte drei Nebenjobs. Deswegen war es bei mir wahrscheinlich genau wie bei dualen Studenten. Ich bin in die Vorlesung rein und danach habe ich halt geplant: Wann mache ich meine Nebenjobs? Wann arbeite ich abends bis nachts in die Puppen rein? Den typischen Tag gibt es also eigentlich nicht, aber so lässt sich das grundsätzlich ein bisschen beschreiben. Ich hoffe, ich konnte das so ein bisschen beantworten.
Christian: Ja, aber das Sitzen in Vorlesungen, Sitzen in Seminaren, Cafeteria – das ist auch eigentlich mal cool gewesen. Habe ich auch mal gerne gemacht, da vorher noch meinen Kaffee zu trinken. Oder dann im Anschluss sich mit Laptop in die Bibliothek zu setzen, da noch ein bisschen zu arbeiten. Ist schon ganz anders eigentlich als ein Fernstudium. Und in den meisten Fernstudiengängen heutzutage gibt's auch nicht mehr diese Prüfungsphasen in der Form, zumindest bei den privaten Hochschulen. Da schreibst du eine Klausur einfach, wenn du dich fit fühlst, online, rund um die Uhr, nachts um 3 Uhr, frühmorgens um 6 Uhr, gleich los. Das ist alles ein bisschen flexibler. Aber dafür hast du halt auch nicht die Gruppe um dich rum von Menschen, die jetzt auch diese Klausur mitschreiben, sondern bist dann noch mehr auf dich alleine gestellt.
Okay, also BWL-Studium – guckt euch das an. Selbst wenn ihr da Vorurteile und Bedenken habt, dass es nicht interessant ist: Ich fand es auch sehr interessant. Wir haben jetzt auch nicht über Recht gesprochen, zum Beispiel fand ich es auch super interessant, wirklich einen ganz systematischen Einblick in verschiedene Rechtsgebiete zu bekommen. Ich weiß noch heute: Hans kauft sich am Coburger Marktplatz eine Bratwurst. Er ist 16 Jahre alt, darf er das? Paragraph 433, dann Taschengeldparagraph und so weiter. Und es ist super interessant zu wissen, dass so eine eigentlich einfache Situation mit so vielen Gesetzen verlagert ist, was für Regeln da zum Tragen kommen und dass man auch Recht hat, wo man manchmal nicht denkt, so: Darf ich das jetzt eigentlich? Ja, du dürftest in dem Moment so und so reagieren. Diese Erfahrung zu machen, auch das super spannend.
Andreas: Ja. Vertragsrecht zum Beispiel, die Vorlesung. Bringt mir heute immer noch super viel, auch privat, sich da einfach wirklich ein Gefühl, ein Verständnis dafür zu haben, wie Verträge funktionieren. So guck ich mir alles auch noch mal genauer an. Ich mache auch viel mehr Dinge schriftlich seitdem.
Christian: Also, wer jetzt keine Lust hat auf ein Studium: Man kann natürlich auch BWL-Weiterbildung machen, sich einfach mal nur mit Controlling oder was auch immer beschäftigen, auch wenn man selbständig ist. Ganz viele Weiterbildungen werden auch von den IHKs vor Ort angeboten. Also da kann man sich dann auch noch mal in das Thema reinarbeiten.
Okay, Marketing ist natürlich auch ein wichtiger Bestandteil im BWL-Studium. Lass uns vielleicht mal ein bisschen über Selbstmarketing reden. Gerade bei Praktika – oder anders gesagt: Du hast erzählt, du hast jede Menge Praktika gemacht, du warst selbständig, relativ früh schon in deinem Studium. Und letztendlich ist ja wichtig, dass man irgendwie wahrgenommen wird bei potenziellen Arbeitgebern. Man versucht natürlich, sich irgendwie in die Wahrnehmung zu schieben, durch eine Bewerbung zum Beispiel. Aber es gibt ja heutzutage auch ganz andere Wege, um auf sich aufmerksam zu machen. Was spielt denn Selbstmarketing an sich für dich für eine Rolle, und wenn es eine Rolle spielt, seit wann?
Andreas: Also, ich zitiere da immer gerne meinen damaligen Chef, der hat gesagt: Kein Marketing zu betreiben ist wie Winken im Dunkeln. Man macht zwar etwas, aber keiner sieht's.
Und dementsprechend: Du kannst der größte Held vom Erdbeerfeld sein in deiner Expertise. Du kannst geile Projekte haben, Förderungen, Stipendien und Co. Aber wenn du es nicht nach außen trägst, weiß das keiner. Keiner kann in dich reingucken. Und das war für mich damals auch super schwierig zu lernen. Ich war gut, ich war ein guter BWLer, ich habe meine Stipendien gehabt. Und dieses nach außen Treten, so: Schaut mich an, ich habe ein Stipendium, schaut mich an, ich habe diese Leistung – boah, war das anfangs cringe.
Also ich muss das wirklich sagen. Wenn ich mich wohin hocke und mich jemand fragt, was ich mache, dann sage ich immer so, wenn ich gar keinen Bock habe: Ich bin Burgerbrater bei McDonald's, weil ich möchte gar nicht drüber reden. „Was, du machst YouTube? Was, du bist Doktorand? Was was?" Ich hasse das. Ich hasse mich selber zu verkaufen, weil ich finde, es ist angeben. Aber diese Ansicht hat sich natürlich geändert. Wie du schon sagst: Wenn ich es nicht mache, dann macht's ein anderer, der vielleicht gar nicht so gut ist wie ich, aber den merkt man, den sieht man, den erreicht man. Und dann kriegt der plötzlich deine Jobs und nicht du, nur weil du so ja, humble bist, wie man im Englischen so schön sagt. Deswegen ja, es ist super wichtig, auch wenn es anfangs eklig anfühlt.
Christian: Ja, ich denke aber, das ist auch so ein bisschen Vorurteil, dass man angibt. Es gibt auch ganz verschiedene Wege, um auf sich aufmerksam zu machen. Bei mir in der Selbständigkeit, als ich angefangen habe, mich als Lektor selbständig zu machen, war das eher Zufall. Und zwar bin ich eher aufgefallen dadurch, dass ich hilfreich war. Ich hatte erzählt, HTML gelernt, die erste Webseite, und irgendwann habe ich auf der Webseite angefangen, Artikel zu veröffentlichen: Wie man in Word dieses macht, jenes macht, ein Inhaltsverzeichnis erstellt. Dann gab's eine Vorlage zum Runterladen, und diese Tutorials sind immer ausführlicher geworden. Es waren alles hilfreiche Inhalte. Da habe ich mich jetzt nicht sonderlich dargestellt. Da gab's zwar dann noch eine Über-mich-Seite, wo ich geschrieben habe: Ja, ich bin der Lektor, wenn ihr Bock habt, Hilfe zu bekommen beim Formatieren oder auch beim Gegenlesen, schreibt mich einfach an. Aber grundsätzlich habe ich erstmal einfach nur auf mich aufmerksam gemacht dadurch, dass ich hilfsbereit war, alles kostenlos zur Verfügung gestellt. Relativ viel Arbeit da reingesteckt und wirklich ruckzuck kamen die ersten Aufträge. Ich habe ganz lange davon richtig gut gelebt, dass ich da wirklich viele Besucher auf der Webseite hatte und wirklich teilweise mehr Aufträge und Anfragen reinkamen, als ich dann selber bewältigen konnte. Das war auch eine Art Selbstmarketing – eher so ein passives, sage ich mal – aber das hat auch ganz gut funktioniert. So kann man das auch machen.
Andreas: Das ist ja auch dein Ding: Das Vertrauen zu dir aufbauen. Du gibst etwas kostenlos raus, du gibst mir einen Mehrwert. Danke dir, I love you. Und jetzt bräuchte ich aber noch mehr. Dann gehe ich lieber zu dir, weil du hast mir schon mal geholfen und es war ein positives Ergebnis, positives Outcome. Das tue ich in meinem Kopf verbinden und zack, bin ich dazu bereit, auf dich zuzukommen statt auf jemand anderes. Das macht's natürlich auch.
Christian: Ja, heutzutage gibt's ja noch viel mehr Möglichkeiten, sich sichtbar zu machen. Damals gab es vielleicht Facebook schon, aber da war man irgendwie nur so privat unterwegs. Es gab diese Pages auch noch nicht so richtig, die sind so langsam entstanden, dass man sich da auch als Unternehmer oder Unternehmen sichtbar machen konnte. Heute ist es ja ganz anders. Da gibt's LinkedIn, Instagram, Podcast – da werden wir auch gleich noch drüber reden – und was nicht noch alles. Was ist so bei dir die Strategie, wie du vorgehst, um dich sichtbar zu machen?
Andreas: Gut, also ich habe zwei Wege. Es gibt ja immer organisch und anorganisch. Organisch bedeutet: Ich mache das selbst, von mir heraus. Anorganisch, also von mir extern, bedeutet meist, dafür bezahle ich dann logischerweise.
Wie mache ich es mit meiner privaten Brand? Mich persönlich, weil ich ja später mal Hochschulprofessor werden möchte, muss ich mich extremst gut vermarkten, weil das ist das Erste, was die machen, wenn die meine Bewerbung sehen: Wie tritt der nach außen auf, wie verkauft er sich?
Da habe ich ganz klassisch meine LinkedIn-Posts, die ich erstelle. Da auch ein bisschen mit KI, aber ich bringe eigenes Hirnschmalz mit rein und denk mir einfach: Hey, wie kann ich das cool gestalten und wie generiere ich in diesem Post auch Mehrwert, und nicht nur Blabla? Wie du schon sagtest: Customer Trust entwickle ich dadurch, und dann wird auch gelesen, dann wird auch geteilt. Also das ist einmal LinkedIn, so ein bisschen meine Vermarktung. Auch bei meinem Podcast, wenn eine Folge rauskommt, mache ich auch immer schön den Post. Also alles organisch.
Und dann habe ich zum Beispiel meine Buchreihe da oben, die verkaufe und vermarkte ich natürlich auch über meinen YouTube-Kanal, dass ich da immer schön Werbung schalte unter den Videos oder in den Videos. Das ist auch alles von mir heraus. Aber ich habe auch Anorganisches, dass ich zum Beispiel Amazon Ads bezahle, dass die meine Sachen ausspielen.
Und so ist es eine Mischung aus beiden. Organisch kostet halt nichts, kostet dafür viel Arbeit und viel Trial and Error, bedeutet Aufwand, Zeit. Das Anorganische kostet Geld, ist aber dafür nicht so aufwendig. Also so habe ich da so meine zwei Kanäle. Hast du auch irgendwie bezahlte Werbung dann gemacht bei deinem damaligen Angebot?
Christian: Nein, damals gar nicht, und ich mache das eigentlich heute auch noch relativ wenig. Bin immer noch so ein Verfechter von organischem Wachstum. Wobei mittlerweile wird das alles ein bisschen schwerer, jetzt auch durch die vielen KI-Änderungen, dass ich auch denke, okay, wahrscheinlich wäre es einfacher, viele Dinge auch anorganisch zu machen, also Werbung zu bezahlen. Ist ein bisschen schwieriger, weil wir vor allem Informationsprodukte anbieten. Es ist schwieriger, über Werbung zu schalten, um mehr Leser zu bekommen, zum Beispiel. Das schafft man halt vor allem organisch. Aber ich finde, organisch ist auch mehr authentisch. Du erzählst halt authentisch aus deinem Alltag oder was auch immer. Wie gehst du mit dieser Gratwanderung um, zwischen Authentizität auf der einen Seite und einer gewissen Selbstinszenierung, die viele pflegen?
Andreas: Also genau denselben Punkt hatte ich eben auch damals. Ich dachte mir immer: Wenn du auf Amazon gehst und siehst, der und der sponsort, dann denke ich schon immer: Das kann schon Müll sein, das muss Müll sein, weil der muss es promoten, um es zu verkaufen. Von der Ansicht muss man aber weggehen, weil wieder das mit dem Winken – sonst sieht mich ja keiner. Also irgendwie muss ich es ja hervorbringen, und nur weil ein Produkt beworben wird, heißt es nicht, es ist schlecht. Adidas und Co macht es ja auch, und die Produkte sind super.
Okay, aber Authentizität, das ist ja eben genau das Problem. Wann wirkt es noch natürlich und wann wirkt es eigentlich so ein bisschen aufgesetzt? Und ich sage immer, das ist eine Kombination: Einmal möchte ich mein Produkt verkaufen, das möchte ich nach außen geben. Das wirkt dann für mich wieder ein bisschen unauthentisch, es ist authentisch, logisch. Ich habe das Buch geschrieben, das ist das Beste zum Lernen, nimm es, Herzblut alles drin. Aber es ist trotzdem wieder so: Na, jetzt verkauft er wieder irgendwas.
Und dann tue ich das so im Kopf bei mir auf eine Waage legen und dann sage ich: Okay, jetzt muss ich mal wieder irgendetwas Authentisches machen, Mehrwert bieten, ohne da was zu verkaufen, um dann wieder in die Waage zu kommen. Weil sonst bist du irgendwann nur noch ein Verkäufer. Und darum mache ich dann meine kostenlosen Postings oder ich helfe mal wieder jemandem oder ich mache mal wieder ein neues Video. Also so versuche ich, die Balance zu kriegen. Aber den goldenen Mittelweg, wie man ein Produkt authentisch verkauft, damit es richtig geil rüberkommt – habe ich auch noch nicht gefunden. Hast du für uns eine Lösung?
Christian: Ja, ich denke, es kommt erstmal darauf an, was ich eigentlich erreichen möchte. Also wenn ich jetzt ein Produkt habe, da gibt's natürlich ganz viele verschiedene Wege und Strategien. Aber wenn ich mich jetzt einfach erstmal sichtbar machen möchte, weil ich vielleicht einen besseren Job finden möchte oder wie du es gesagt hast, du hast das Ziel, Prof zu werden: Dann gucke ich mir natürlich immer erstmal an, wen möchte ich eigentlich ganz konkret erreichen. Sind es Personalverantwortliche, zum Beispiel? Sind es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus bestimmten Unternehmen? Und so geht man auch ans Marketing ran: Erstmal gucken, wer ist jetzt die Zielgruppe? Sich ganz genau überlegen, wie spreche ich diese Zielgruppe am besten an, auf welchen Kanälen finde ich die? Und wenn man das mal analysiert und ganz genau durchdenkt – und wenn man es wirklich richtig strategisch macht, dann legt man sich noch Marketing Personas an, um die Ansprache für sich dann auch noch einfacher zu machen – dann weiß man, okay, für mich ist vielleicht LinkedIn ein ganz guter Kanal, um mich sichtbar zu machen. Für andere vielleicht Instagram. Ganz viele unserer Fernstudies sind auch auf Instagram unterwegs. Wenn man jetzt im Fitnessbereich ist, ist das vielleicht sogar ein besserer Kanal, um sich sichtbar zu machen.
Andreas: Der Punkt ist ja der: Ich sag immer liebevoll „Holzis künstlicher Avatar". Ich stell mir vor, ich möchte jetzt, dass Recruiter X mich anschreibt, damit ich einen besseren Job kriege. Dann ist es für mich der Thomas. Thomas ist Recruiter, 35 Jahre alt, arbeitet da, sucht auf den und den Plattformen und sucht nach den und den Keywords. So, und dann würde ich natürlich anfangen, mir zu überlegen: Okay, was will Thomas sehen? Wie kann ich Thomas überzeugen und dazu bringen, dass er mich anschreibt? Und das tue ich einfach brainstormen, selbstständig, mit einer KI zusammen, mit Freunden, oder ich rufe sogar Thomas einfach an und frage einen Recruiter: Wie schaut's denn aus?
Und dann kann man ja, wie du schon sagtest, auf LinkedIn genau dementsprechende Posts absetzen, wo diese Keywords drin sind. Oder auch ganz einfach auf LinkedIn schon mal den Lebenslauf so bauen, dass die Keywords drin sind. Ich habe da genau erklärt, wie man sein LinkedIn-Profil baut, damit man von den Recruitern die höchste Chance hat, gefunden zu werden, weil die benutzen auch nur Methodiken. Und wenn du verstanden hast, welche Methodik die verwenden, kannst du das verwenden in deinem Lebenslauf und – tschakka – fluten die Leute dich: Komm zu mir, ich zahle dir viel.
Christian: Und sag mal, wie geht man dann damit um, dass man das Gefühl hat, okay, jetzt hört mich eigentlich keiner, ich bekomme auf meine Beiträge keine Likes, keine Kommentare und nichts und stecke hier einen Haufen Arbeit rein in Beiträge, die ich jetzt interessant finde, aber es passiert irgendwie nicht so richtig?
Andreas: Ja, willkommen in der heutigen Zeit, würde ich dann liebevoll sagen. Ich hatte das auch. Meine ersten YouTube-Videos: null Likes, kaum Aufrufe, Dislikes, Beleidigungen – auf YouTube ist ja noch krasser. Und auf LinkedIn: Ganz ehrlich, meine Podcast-Posts, die tausende Downloads kriegen, haben auf LinkedIn vielleicht drei, vier Likes. Leute, das ist halt einfach so, bis ihr wachst, bis ihr groß werdet. Ihr seid nicht am Anfang schon ein Adidas-CEO, der ein Post macht und 1.000 sagen: „Oh yeah, er hat wieder was Neues gemacht."
Man muss sich einfach damit anfreunden, dass man von sich aus klein startet. Und auch wenn es anfangs schlimm ist, man muss halt dann einfach sein Netzwerk nutzen und sagen, alle anschreiben. Also wenn ich ein neues Buch rausbringe, sage ich ja auch immer jedem: Leute, klickt auf die Seite, liked es. Dann muss man halt ein bisschen künstlich nachpushen.
Machen wir in der Beratung auch. Achtung, jetzt kommt ein Insider: Ich komme aus der Beratung, ich alter Wurm. Und wenn der CEO von uns einen Post gemacht hat, ging eine Rundmail an alle Berater im Unternehmen durch. „Am 17 Uhr kommt der Post online. Bitte alle drauf gehen, liken, kommentieren, teilen." Das war Pflicht. Wer das nicht gemacht hat, hat vom Chef einen Kommentar bekommen, warum er jetzt nicht unter den Likes ist. Und so pushen die sich künstlich hoch. Auch die machen das.
Also: Anfangen, nicht aufgeben, einfach mal gucken, was passiert. Und ich möchte noch kurz sagen: Vielleicht machst du etwas, was nicht zieht. Vielleicht sind deine Posts ja wirklich langweilig, ganz direkt gesagt, und bringen keinen Mehrwert. Du denkst es, aber vielleicht fragst du mal deinen Kumpel und der sagt: „Würdest du den lesen? Würdest du den liken?" – „Ehrlich gesagt, Andy, das ist Müll." Und immer wieder denselben Müll an die Wand zu werfen, der klebt nicht. Dann musst du halt mal vielleicht auch was anderes probieren.
Christian: Also selbst das, was du an Videos machst, hinterfragen. Und dann eben: Du fängst klein an, wenn es wächst, machst du was richtig. Wächst es nach Ewigkeiten nicht, machst du vielleicht was falsch.
Ja, ich kenne das auch aus meiner eigenen Erfahrung von früher. Als ich die ersten Webseiten aufgebaut habe, gab's auch Foren zum Beispiel auf diesen Webseiten. Und wenn man angefangen hat damals, so ein Forum aufzubauen, also mal so eine Community aufzubauen: Dann sieht man über die Website-Statistiken, okay, da kommen tatsächlich Leute rein und gucken da, aber da passiert gerade nichts. Also musste man die ganze Zeit posten und selber Beiträge posten und vielleicht noch jemanden finden, der da ab und zu mal mit drunter kommentiert. Und das Zauberwort war damals schon, und das ist heute letztendlich dasselbe: Einfach wirklich Kontinuität und Konsistenz, wirklich regelmäßig posten, immer rauszuhauen, unabhängig davon, ob es da jetzt ein oder zwei Likes drauf gibt oder 100.
Und wenn du wirklich regelmäßig postest – und es muss nicht übertrieben viel sein, LinkedIn vielleicht zwei-, dreimal die Woche –, dann merkst du schon, okay, da gibt's auch Beiträge, die gehen eigentlich durch die Decke. Das macht es dann wieder wett, dass zehn andere Beiträge eigentlich gar keine Reichweite haben. Und du kriegst dann auch ein Gefühl dafür, was deine Community interessiert. Und das ist halt das Ding: Das Ganze als so ein Community-Spiel sehen, Menschen kennenzulernen und zu gucken, wen interessiert das jetzt. Und auch zu verstehen, dass es gar nicht so wichtig ist, 30 Likes auf dem Posting zu bekommen. Manchmal kommt nur ein Kommentar drunter und du merkst, du hast wirklich jemanden damit erreicht, der hat sich damit auseinandergesetzt, den interessiert das, der findet das gut, dem hast du irgendwie weitergeholfen. Also sich einfach ein bisschen lockermachen und versuchen, wegzukommen von diesem ständigen Schauen auf Zahlen.
Andreas: Ja, und man muss sich immer eins vor Augen halten. Ich rufe mir dann immer im Kopf: Okay, das hat jetzt 53 Likes. Hälfte ist von Mama und Papa, keine Ahnung, ist ja Wurst. Aber stell dir mal vor, 53 Leute stehen in einem Raum vor dir. Du sagst denen etwas, in dem Moment dein Post, und die reagieren, die klatschen, machen Daumen hoch. 53 Leute, stellt euch das mal vor. Manche von euch hätten jetzt in dem Moment Angst, weil es für die zu viele sind.
Also schon allein dieser Gedankengang. Oder wie du schon sagtest: Ich habe einer Person geholfen, vielleicht sogar ihr Leben bereichert – dann ist es doch ein geiles Gefühl. Da muss es doch nicht die Million sein. Und eine Community muss auch nicht unglaublich riesig sein. Man kann ja auch in seiner Bubble so 20, 30 coole Leute haben, die man hilft, wo man sich gegenseitig unterstützt. Geil.
Christian: Absolut. Und das geht online eigentlich heute noch einfacher denn je. Man kann sich theoretisch auch treffen einfach über einen Zoom-Call oder irgendwas. Gerade wenn man jetzt nicht das Präsenzstudium hat, wo das alles auf dem Campus stattfindet, sollte man das auch ab und an mal so pflegen, digital oder vielleicht, wenn man in einer größeren Stadt wohnt, auch durch Stammtische. Das gibt's ja auch.
Ja, lass uns noch ein bisschen über deinen Podcast reden. Wir hatten den jetzt schon mehrmals angesprochen. Da war ich ja neulich auch zu Gast. „Studieren ist sexy" heißt der Podcast. Wie ist der denn entstanden?
Andreas: Gut, also wie gesagt, mein BWL-Erklär-Kanal, YouTube-Kanal, alles Andy. Da habe ich anfangs ein bisschen Studientipps gegeben, dann bin ich komplett in die BWL-Erklärvideos gegangen. Ich habe gemerkt: Studientipps kommen vielleicht von mir nicht gut an, verkaufe ich schlecht, oder ist gerade die Nachfrage nicht da. Also habe ich meine Stärke genutzt, BWL-Erklärvideos, und das lief. Da habe ich auch gemerkt, obwohl es ewig lang gedauert hat.
Und dann kamen immer wieder drunter Fragen: „Hey, soll ich das studieren? Ganz klassisch BWL, was erwartet mich?" Und dann dachte ich irgendwann: Ich mache jetzt nur BWL auf YouTube, weil sonst zerlege ich meinen Algorithmus, aber ich möchte noch Studierenden helfen, das macht mir einfach Spaß. Dementsprechend dachte ich mir, okay, da machst du doch einfach mal einen Podcast. Und dann fing es an mit diesen klassischen 10 Minuten, einfach Tipps in das Ding hier reinschnacken, bearbeiten, hochladen. Und ja, so ist mein Podcast entstanden, und mittlerweile bin ich bei Folge 130, die jede Woche online geht. Geile Erfahrung, coole Sache, kann ich jedem empfehlen. Sage ich auch immer wieder. Wie war es bei dir mit dem Podcast? Wie war bei dir die Entstehungsgeschichte?
Christian: Das war so 2019 rum. Da gab's natürlich schon die ganz großen Podcasts, so wie Joe Rogan oder sowas. Und ich habe auch sehr viele Podcasts gehört. Bin selber einfach ein großer Podcast-Fan. Und da war einfach die Überlegung: Okay, das gibt's jetzt bei uns noch nicht, warum machen wir nicht auch einen Podcast? Wir probieren es einfach mal mit ein paar Folgen aus.
Es war natürlich am Anfang noch ganz schwer technisch. Wie war das bei dir? Wie war so die Lernkurve?
Andreas: Das war mein Leben, habe ich immer gesagt. Du kaufst dir dann dieses Mikrofon, das jeder empfiehlt. Da fängt's ja schon an, weil wenn die Qualität schlecht ist, dann hört das keiner an. Und dann habe ich ewig lang die Mikrofone gekauft und habe rumprobiert und habe das immer angehört und fand es dann schlecht und es hat geechot und so. Das war super ätzend. Bis ich jetzt das gefunden habe und einigermaßen zufrieden bin.
Dann die Bearbeitung: Damals war es noch schwieriger. Heute habe ich jetzt Riverside, keine Werbung oder so, aber damit mache ich es, und da macht die KI die Tonaufnahmen und bearbeitet die. Also damals war es viel Reinfuchsen, auch wieder dieses nachts da hocken und gucken: Wie mache ich's? Und ja, auch sein Format zu finden oder seine eigene Stimme zu hören, auch ganz anfangs komisch. Und auch nicht zu cringen, dass man sagt: Ich gebe Leuten Tipps. Das war so die Anfangsphase, die komisch war. Aber ich bereue es auf keinem Weg, dass ich es angefangen und durchgezogen habe.
Weil es gibt ja eine Studie, ich weiß nicht, ob du die gesehen hast: Ich glaube, es schaffen 95 % der Podcasts nicht mal zweistellige Folgen.
Christian: Okay.
Andreas: Und 100 Folgen schaffen nicht mal 1 % aller Podcasts. Musst mal überlegen: Es entstehen täglich neue Podcasts. Wenn du 100 Stück machst, bist du schon bei diesen 1 % dabei, da kannst du dir schon auf die Schulter klopfen.
Christian: Ja, zumal das bei dir auch mal sehr ausführliche Folgen sind. Das ist jetzt nicht nur so 5 Minuten Content, sondern richtige Gespräche. Du musst die Gäste irgendwie rankriegen, zum Beispiel. Das waren für mich eher so die Schwierigkeiten am Anfang. Der allererste Gast, weiß ich noch, war Gabriel Gorbach, der Lernberater. Der hatte tatsächlich auch gefragt, ob wir mal nicht irgendein Videoformat machen wollen. Und damals war bei uns die Überlegung: Machen wir nicht auch mal einen Podcast? Da haben wir gesagt: Okay, dann lass uns doch einfach einen Podcast machen, Nummer eins.
Das Technische war gar nicht mal so problematisch, da gibt's einen Kollegen, der kümmert sich um sowas, der kannte sich schon ganz gut aus mit dem Ton und so weiter. Für mich war wirklich der größte Stress: Die Aufnahme irgendwie hinzubekommen, so dass die funktioniert, ohne dass der Gast nach 30 Minuten merkt, oder ich dem mitteilen muss, okay, das war jetzt nichts, wir müssen noch mal anfangen. Und wir haben es auch am Anfang mit Riverside probiert. Das war vor ein paar Jahren noch ein bisschen komplizierter als heute. Nach 3 Minuten Aufnahme war Riverside plötzlich weg und habe ich gesagt: Komm Gabriel, wir machen das jetzt mit Zoom und gut ist. Und seitdem nehme ich auch mit Zoom auf. Da ist die Qualität zwar nicht mehr ganz so hoch, aber es funktioniert irgendwie immer.
Und dann generell: Ich bin immer noch ein bisschen aufgeregt vor jeder Folge, vor jedem Podcast. Das gehört irgendwie auch mit dazu. Wir haben nicht so viele Folgen gemacht wie du. Das ist jetzt Folge 63 oder so. Davon sind ein paar so Zusammenschnitte. Aber trotzdem: Jedes Mal aufgeregt. Aber auch auf so eine positive Art und Weise. So: Ich freue mich mal richtig, okay, jetzt ist wieder Podcastzeit, jetzt geht's gleich los.
Dein Podcast ist ja auch eher so Mehrwertcontent, hilfsbereite Inhalte. Du stellst Studiengänge beispielsweise vor und Menschen, die auch irgendwie interessant für Studierende sind. Das ist ja jetzt kein Unterhaltungscontent, so wie Joe Rogan, der irgendwie auf eine Art auch Unterhaltungscontent macht, deswegen hat er auch so eine Reichweite. Und dann gibt's noch ganz andere Formate mit wirklich hoher Reichweite. Aber du hast halt mit dem Mehrwertcontent jetzt nicht so viele Hörer, wie du haben könntest, wenn du Unterhaltung machen würdest. Und eigentlich bist du ja BWLer. Warum hast du jetzt nicht irgendeinen unterhaltenden Podcast gestartet?
Andreas: Also es gibt natürlich die Option, man sagt dann immer Edutainment oder so, der neue Fachbegriff. Also wir tun Education machen, wir bilden Leute, plus wir entertainen sie. Das ist natürlich das Goldene vom Ei. Das wäre das Coolste, wenn man das als Format hinkriegt. Respekt.
Zum Beispiel: Ich habe da einen YouTube-Kanal, dem folge ich, der macht Finanztipps, aber der zerlegt dabei die Leute. Also der lädt Leute ein und die müssen dann alles offenlegen, wie die ihr Geld verdienen und so weiter, und der zerlegt die, warum die in Schulden sind, und macht die richtig nieder, damit die das lernen. Ist teilweise Unterhaltung, weil du siehst, wie der die zusammenschneidet. Klingt zwar doof, aber es ist so. Aber die ändern dann ihr Leben und dann wird auch irgendwann gezeigt, dass die endlich die 100.000 Euro Schulden abgezahlt haben und so. Also das wäre natürlich das Geilste, weil dann hast du Education und Entertainment.
Ich weiß noch nicht, wie ich es bei mir hinkriege. Wie auch jetzt bei uns beiden: Wir reden einfach schön und fragen uns gegenseitig aus. Habe ich noch keine Lösung. Falls jemand die Lösung hat, schreibt mich gerne an, ich bin da gerne offen für.
Und genau darum geht's ja: Weil meins jetzt nur Education ist, weiß ich, bin ich mir im Klaren, ich habe Zuhörer, die einmal die Folge hören – BWL studieren, Architektur studieren – und dann kommen die nie wieder. Vielleicht tun die Leute es nicht mehr weiterempfehlen, das bin ich mir bewusst. Aber bei mir ist die intrinsische Motivation so hoch, dass mir das egal ist, weil ich eben der Tanja geholfen habe, ein Architekturstudium zu finden, oder dem Alexander, der mitten in der Bachelorarbeit war, dass der jetzt halt weiß, wie man richtig zitiert. Geil.
Aus BWLer-Sicht das Schlimmste, was ich machen kann. Also so gesehen: Ich habe nicht so eine hohe Reichweite, ich kann kein Produkt verkaufen, Marketing auch schwierig. Wer will den Podcast promoten mit ein paar tausend Zuhörern? Wenn einer kauft, dann ist es ein Sale. Also ich habe nicht diese Reichweite, diese Kraft, die Power dahinter, die ein Entertainment-Ding hätte. Bin ich mir bewusst. Ich habe noch keine Lösung dafür. Ich habe jetzt schon Sponsoren, das passt, das funktioniert, ist auch cool. Ich werde nicht reich damit. Nein, es hält die Kosten.
Aber ich glaube einfach, langfristig – ich denke sehr langfristig – wird schon irgendwann was draus entstehen. Und wenn nicht, dann nicht. Ich liege am Sterbetag dort und sage nicht: „Hätte ich diesen Podcast gestartet." Ich kann sagen: Ich habe den Podcast gemacht, ich habe das durchgezogen und ich habe herausgefunden, ob mehr draus wird oder nicht. Und der nächste Punkt ist, wie du schon sagtest, Christian: Es macht so viel Spaß. Ich liebe es!
Christian: Da ist bei mir genauso. Da gibt's jetzt keine Zahlen, die das irgendwie rechtfertigen. Auch bei uns auf YouTube die Werbung kannst du völlig vergessen, wenn der Podcast jetzt 100 Aufrufe oder so hat. Bei Spotify kannst du nicht mal Werbung schalten. Du kannst natürlich, wenn du einen Sponsor hast, den in dem Podcast mit reinnehmen. Das funktioniert, aber um da wirklich nennenswerte Umsätze zu generieren, brauchst du wirklich einen sehr großen Podcast. Das ist es nicht bei uns. Deswegen war auch die Frage: Machen wir das jetzt weiter?
Und die Lösung für mich war dann zumindest: Alle zwei Wochen, das ist okay, da kommt alle zwei Wochen ein Podcast raus und ich kann dem als Herzensprojekt trotzdem nachgehen. Weil das Coole ist: Du kommst halt mit ganz vielen Leuten ins Gespräch, so wie wir jetzt. Du lernst wirklich ganz viele Leute kennen, kannst die ausquetschen, kommst mit Experten und Expertinnen in Kontakt, die du so nie kennengelernt hättest wahrscheinlich.
Andreas: Absolut. Und ich glaube, das ist auch für dein Ding: Wenn du sagst, du promovierst, ist das eigentlich eine richtig gute Strategie, um Leute kennenzulernen, Expertinnen und Experten kennenzulernen, und ganz viele Inspirationen dadurch auch zu sammeln.
So unter uns: Wo kommen meine Gäste her? Komischerweise von Hochschulen in Bayern. Wo möchte ich später Dozent werden? An der Hochschule in Bayern. Also doof bin ich natürlich auch nicht, und zum Netzwerken nutze ich es auch. Warum auch nicht? Ich stecke Arbeit rein.
Aber was ich noch einen wichtigen Aspekt finde: Mich hat das persönlich sehr weit gebracht. Ich weiß jetzt, wie ich mich zu unterhalten habe. Also vielleicht findet ihr meinen Redestil schrecklich, dann tut's mir leid, aber ich weiß, wie ich auf Leute zugehen kann. Ich weiß, wie ich technisch das machen muss. Ich weiß, wie ich Gespräche führe. Ich komme aus mir heraus. All das, was man gelernt hat, und diese persönliche Erfahrung und die Skills, die du dadurch lernst, sind so viel mehr wert.
Und jetzt auch noch eine Anekdote: Ich hatte letztens, als ich noch in der Beratung war, hat sogar jemand bei mir ein Bewerbungsgespräch gehabt, obwohl er keine Praktika hatte in der Beratung, was eigentlich ein No-Go ist übrigens. Den habe ich eingeladen, weil er einen eigenen Podcast hatte. Da stand im Lebenslauf drin: Podcast-Host, dreistellige Folgenzahl. Und ich dachte mir: Wenn jemand sowas durchzieht, dann ist es jemand, der dranbleibt, und ich will jemanden in meiner Beratung, der dranbleibt und Engagement zeigt. Und darum hat er dann die Einladung zum Bewerbungsgespräch bekommen.
Also auch das: Wenn ihr einen Podcast habt, gerne wieder Licht an und winken. Zeigt's den Leuten, dass ihr es macht, weil vielleicht kommt ja was zustande. Oder auch bei uns beiden: Vielleicht machen wir irgendwann mal was zusammen, vielleicht auch nicht, lernen was gegenseitig. Also es kann nur Vorteile geben. Ich sehe eher weniger die Nachteile.
Christian: Ja, cool. Also probiert's mal aus, wenn ihr selber schon eine Weile drüber nachdenkt, mal sowas zu starten: Einfach starten und dann an uns denken – wirklich konsistent dranbleiben. Macht einfach mal die ersten 10, 20 Folgen. Ich glaube, bei Tim Ferriss war das auch so, auch ein Podcast, den ich sehr gerne höre oder lange viel gehört habe. Er hat auch mal so erzählt, wie bei ihm der Start ins Podcasting war, und er hat auch einfach gesagt: Okay, ich probiere es einfach mit 20 Folgen, wenn es danach nicht funktioniert, dann lass ich's sein. Und der ist jetzt bei 500 Folgen oder irgendwas, und das sind wirklich mal super ausführliche Folgen, da geht eine Folge manchmal auch zwei Stunden oder so.
Ja, cool. Also Andy, dann gib uns vielleicht mal noch einen Ausblick. Du hast gesagt, du promovierst. Das war mir jetzt übrigens auch neu, das wusste ich nicht, bevor wir das Gespräch jetzt gestartet haben. Sehr interessant. Was machst du, was hast du für einen Fachbereich und was ist dein Thema für deine Promotion?
Andreas: Also mein Promotionsthema ist das ökologische Nachhaltigkeitscontrolling. Also: Wie kriege ich Nachhaltigkeit ins Unternehmen rein? Kann ich das messen? Erzeuge ich mehr Wert im Unternehmen, am besten sogar noch auf die Profitabilität oder den Umsatz? Also das ist mein Themenbereich. Ich promoviere kumulativ, das bedeutet, ich muss mehrere Paper veröffentlichen. Das schmeiße ich zusammen, mache eine Mantelschrift und dann habe ich meinen wunderschönen Doktortitel, den ich mal an die Wand hängen kann. Und wenn ich beim Arzt aufgerufen werde, guckt mich jeder kurz an, weil ich ein Doktor bin. Ganz toll.
Christian: Okay. Und den Podcast, hast du gesagt, wirst du jetzt erstmal beibehalten. Wo findet man deinen Podcast am besten?
Andreas: Wahrscheinlich überall. Einfach googeln nach „Studieren ist sexy", gibt's auf Spotify, Google, Apple, YouTube gibt's mich auch zum Angucken.
Christian: Okay, Instagram auch. Wo findet man dich da?
Andreas: Da gibt man auch einfach „Studieren ist sexy" ein, aber ich – Leute, da wieder merkt ihr, es kann nicht alles funktionieren. Also ich habe da zum Beispiel zwei Abonnenten. Wow. Also aber ich probiere es weiterhin. Ich mache halt und gucke, ob was passiert. Wenn was passiert, passiert was. Wenn nicht, dann nicht. Dann ist es halt einfach so.
Christian: Also folgt dem Andi unbedingt auch auf Instagram! Wir packen natürlich alle Links in die Beschreibung für dieses Video. Erstmal dir ganz herzlichen Dank für dieses sehr interessante Gespräch. Ist auch, würde ich sagen, ein außergewöhnlicher Podcast. Da geht es jetzt nicht ganz konkret um irgendeinen Fernstudiengang, eine Fernhochschule oder irgendeinen Dozent von irgendeiner Hochschule, die über ihren Studiengang erzählen, sondern mal so ein bisschen der Blick auch von außen. Und natürlich das Thema Selbständigkeit, auch ganz interessant für viele unserer Zuhörerinnen und Zuhörer. Ich hoffe, wir konnten auch ein paar dazu inspirieren, sich selbständig zu machen, ein bisschen Selbstmarketing zu nutzen, um sich sichtbarer zu machen. Also herzlichen Dank für das Gespräch und schönen Tag dir noch.
Andreas: Danke dir, Christian. Mach's gut. Tschüss.
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