KI im Studium & Job: Welche Skills Studierende jetzt brauchen - mit Prof. Annette Miller von der AKAD University
In dieser Folge von Fernstudi.fm tauchen wir tief in das Thema Künstliche Intelligenz ein – ein Thema, das längst nicht mehr nur Fachleute oder Early Adopter betrifft, sondern jeden von uns im Studium und Beruf.
Zu Gast ist Prof. Dr. Annette Miller von der AKAD University, die den Studiengang „KI im Management“ leitet und uns erklärt, welche Kompetenzen Studierende heute und in Zukunft benötigen, um KI sinnvoll zu nutzen und mitzugestalten.
Von KI-Literacy und Prompting über kritisches Denken und Kreativität bis hin zu ethischem Bewusstsein: Prof. Miller zeigt, wie sich Soft Skills und technisches Verständnis ergänzen und warum Resilienz in der neuen digitalen Arbeitswelt unverzichtbar ist. Außerdem erfahren wir, wie Studierende KI-Tools einsetzen, welche Chancen und Grenzen diese aktuell bieten und wie KI das Management und Marketing grundlegend verändert.
Inhalt:
00:00 Vorschau
02:20 Prof. Dr. Miller über sich, Frauen in der IT & KI-Boom
07:59 Wie verändert KI das Arbeitsleben in der nahen Zukunft?
11:58 Future Skills im KI-Zeitalter: AI Literacy
17:29 Future Skills im KI-Zeitalter: Kritisches Denken & Kreativität
20:09 Future Skills im KI-Zeitalter: Resilienz & Flexibilität
22:12 Future Skills im KI-Zeitalter: Ethisches Bewusstsein
24:08 KI im Studium: Wie nutzen Studierende KI?
28:26 KI im Studium: Nützliche Tools
34:12 KI im Studium: Wissenschaftliche Arbeiten mit KI
38:39 KI im Studium: Organisation, Lernen & Prüfungssimulation
43:40 KI im Management: Dedizierter „BWL“-Bachelor an der AKAD
47:05 KI im Management: Der Changeprozess in Management & Marketing
52:12 Müssen wir wegen KI Angst um unsere Jobs haben?
54:17 Schlusswort zum Thema von Prof. Dr. Miller
Prof. Dr. Annette Miller im Internet:
➡️ Website: https://www.akad.de/
➡️ LinkedIn: https://www.linkedin.com/
Im Podcast erwähnt:
👉 Probiert doch mal unsere Lerncoach-KI Felix: https://www.fernstudi.net/studycoach
👉 Der Standard unter den KI-Tools ChatGPT: https://chatgpt.com/
👉 KI-Suche für wissenschaftliche Publikationen Consensus: https://consensus.app/
👉 KI-Suche & Forschungsassistent Elicit: https://elicit.com/
👉 KI-Schreibassistent DeepL Write: https://www.deepl.com/de/write
👉 Studiengang B.A. KI im Management: https://www.fernstudi.net/fernstudium/
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#podcast #künstlicheintelligenz #studium
Christian: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge. In diesem Podcast zu Gast: Frau Professorin Dr. Annette Miller von der AKAD University. Frau Miller verantwortet dort den Studiengang KI im Management und entsprechend wollen wir in diesem Podcast über das Thema KI reden. Wir haben uns das so überlegt, dass das nicht nur interessant wird für diejenigen von euch, die technisch versiert sind oder ganz tief schon in diesem Thema drin sind, sondern wir wollen euch alle abholen. Wenn ihr jetzt z.B. Soziale Arbeit studiert oder Psychologie oder irgendeinen anderen Studiengang, vielleicht auch im geisteswissenschaftlichen Bereich, hört hier trotzdem unbedingt rein. Wir wollen nämlich mal gucken, wie sich KI auf unser aller Arbeitsleben in der Zukunft auswirken wird. Wir schauen mal, was die ganz wichtigen Kompetenzen sind, die wir alle jetzt auch im Studium schon erlernen sollten im Zusammenhang mit KI, welche Kompetenzen durch die KI-Entwicklung wichtiger werden, Kreativität z.B., und auch ethisches Bewusstsein. Wir gucken auch mal, ob man als Studierender programmieren lernen muss, um KI zu verstehen. Und dann reden wir natürlich auch ausführlich darüber, wie man KI im Studium sinnvoll anwenden kann.
Christian: Frau Miller, herzlich willkommen hier im Podcast. Super, dass Sie sich bereit erklärt haben, hier mit mir über das Thema KI zu reden, und zwar so, dass wir versuchen, alle ein bisschen abzuholen. Natürlich möchte ich, dass Sie sich jetzt erstmal vorstellen, aber ich habe noch eine kleine Frage direkt zum Einstieg: Haben Sie heute Vormittag schon irgendein KI-Tool genutzt und wenn ja, welches?
Annette: Ja, ich habe schon ein KI-Tool benutzt, aber nur ganz kurz. Ich weiß gar nicht mehr wofür, und das war ChatGPT.
Christian: Okay, der ist so der Klassiker, ne? Ich habe ChatGPT heute auch schon benutzt und zwar, um mich auf den Podcast vorzubereiten. Da gibt's ja diesen Voice-Mode. Und da habe ich einfach noch mal alle Themen so ein bisschen durchgesprochen mit der KI. Es war ein bisschen holprig stellenweise, aber wir können jetzt auch mal hier in dieser Folge schauen, warum das hier und da immer noch alles sehr holprig funktioniert. Aber stellen Sie sich doch erstmal vor.
Annette: Ja, danke erstmal für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Mein Name ist Annette Miller. Ich habe BWL studiert in Tübingen und Würzburg, habe auch in Würzburg promoviert und habe mich bereits in der Zeit schon sehr intensiv befasst mit Themen, die an der Schnittstelle zwischen Technologie und unternehmerischem Handeln liegen. Das ist mir allerdings erst später aufgefallen, dass ich das dann wirklich komplett durch mein Berufsleben durchgezogen habe. Zwei Stationen vielleicht exemplarisch: Ich war Leiterin des Innovations- und Gründungszentrums Highest an der TU Darmstadt und kaufmännische Geschäftsführerin des Hessischen Zentrums für KI, hessian.AI. Und das hat sich durchgezogen, und ich habe gemerkt, dass mich das Thema KI ganz besonders fasziniert und begeistert. Ich bin an die AKAD gewechselt auch deswegen, weil ich mich eben wieder stärker den Inhalten widmen wollte, weniger dem Management, und bin dann seit Anfang 2024 an der AKAD und habe da eine Professur für KI und neue Geschäftsmodelle.
Christian: Okay, also auch eine Praktikerin letztendlich, wie das auch bei ganz vielen Professoren gerade an den privaten Hochschulen, den Fachhochschulen, ist. Das ist ja nur super wertvoll natürlich auch für Studierende, dass man da jetzt nicht nur Theoretiker hat, sondern Menschen, die auch eben aus der Praxis kommen. Was ich beobachte, auf LinkedIn z.B., ist, dass tatsächlich auch ganz viele Frauen an dem Thema interessiert sind, obwohl das ja eigentlich eher ein technisches Thema irgendwie ist. Unter den Studierenden beobachte ich das nicht ganz so. Oder habe ich eher den Eindruck, dass man da so ein bisschen verhalten ist? Können Sie das erklären?
Annette: Nee, kann ich nicht erklären, und ich würde glaube ich auch nicht hundertprozentig zustimmen. Kommt wahrscheinlich wirklich drauf an, aus welcher Perspektive man schaut. Was bestimmt richtig ist, ist, dass weniger Frauen sich informatiklastig dem Thema KI widmen. Das ist leider so, muss man sagen. Ich hoffe, dass sich das irgendwann ändern wird. Auch wenn ich selber keine Informatikerin bin, wäre das natürlich total wichtig aus ganz unterschiedlichen Gründen. Aber ich spreche dann immer von Kern-KI, wenn es um die Informatik geht. An den Schnittstellen glaube ich, ist es viel breiter inzwischen verankert, und das ist auch gut so.
Christian: Also vielleicht so eine gefilterte Wahrnehmung von mir, ist nur so eine Beobachtung. Das kann ich jetzt auch nicht mit irgendwelchen Daten hinterlegen.
Annette: Nee, ich kann es auch nicht mit Daten hinterlegen. Das ist jetzt auch wirklich nur ein Eindruck. Aber ich merke, dass das sehr breit gefächert ist.
Christian: Okay. Vielleicht um noch kurz bei Ihnen zu bleiben: Können Sie sich noch so an Ihre allerersten Berührungspunkte mit KI erinnern und was das mit Ihnen gemacht hat?
Annette: Sie meinen jetzt wirklich den persönlichen Einsatz?
Christian: Ja, wie sind Sie das erste Mal so wirklich auf das Thema aufmerksam geworden und haben gesehen, okay, das ist auf jeden Fall eine Sache, die mich interessiert?
Annette: Also das ist bei mir natürlich bisschen anders gewesen, weil ich wie gesagt kaufmännische Geschäftsführerin war und in den Antrag für dieses Zentrum involviert war. Ich habe mich damit theoretisch auseinandergesetzt, aber dieser Wow-Effekt, von dem man ja oft spricht, dieser ChatGPT-Wow-Effekt, den hat es bei mir auch gegeben, auch wenn ich mich theoretisch damit befasst hatte. Aber das wirklich persönlich zu erleben, ist glaube ich noch mal was anderes. Vielleicht ist es für die jungen Leute, die heute damit in Kontakt kommen, auch noch mal was anderes, aber so Mitte/Ende 2022 war das schon echt noch mal crazy, man kann es wirklich nicht anders sagen.
Christian: Ja, ich habe das auch ganz lange ignoriert, als so dieser Hype war und vor allem bei LinkedIn immer wieder ChatGPT hier, ChatGPT da. Dachte ich, okay, das ist nur wieder die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Und dann war ich aber bei einem Seminar, das hier von der IHK bei mir in der Nähe gegeben wurde, und das war absolut augenöffnend. Der Dozent dort hat gezeigt, was es so für Möglichkeiten gibt, auch in meiner Branche, in der Medien- und Werbebranche. Ich bin dann zurück ins Büro gefahren und habe gesagt, okay, wir müssen jetzt alles anders machen, wir müssen jetzt alles umschmeißen. Das ist wirklich eine Sache, die hier gerade alles verändern wird. Wir können jetzt aus so einer kleinen Drei-Mann-Klitsche, die wir sind, eigentlich, wenn wir das richtig machen, eine Zehn-Mann-Agentur machen, mit Hilfe von KI-Avataren z.B.
Annette: Ja, ich hoffe, dass vielleicht auch dieser Podcast jetzt so ein kleiner Augenöffner wird für Studierende, die sich mit dem Thema noch nicht ganz so intensiv befasst haben.
Christian: Sehr schön. Dann lassen Sie uns mal in das erste größere Themengebiet einsteigen. Wir haben das unter die Überschrift genommen: Zukünftige KI-Kompetenzen für Studierende. Vielleicht zeichnen wir erstmal so eine ganz kleine Vision der Arbeitswelt, wie sie sich verändern könnte, jetzt relativ kurzfristig eigentlich auch in den nächsten Monaten, Jahren, in der näheren Zukunft. Können Sie uns mal sagen, wie man sich das so vorstellen kann, vielleicht auch bezogen auf verschiedene Jobs? Wahrscheinlich wird es jetzt für einen Handwerker anders aussehen als für jemanden, der viel im Büro sitzt.
Annette: Also man muss natürlich vorweg schieben, dass das auch Spekulation ist. Es gibt verschiedene Untersuchungen dazu, aber die variieren dann doch auch, die Ergebnisse sind jetzt nicht alle gleich. Was man aber wahrscheinlich schon sicher sagen kann, ist, dass wirklich sehr viele Berufe, fast alle Berufe, in irgendeiner Weise betroffen sind oder sein werden. Und das umso stärker, umso stärker ein Beruf KI-exponiert ist, das wird in den Studien teilweise so genannt. KI-exponierte Berufe haben eine größere Auswirkung. Und ich glaube, das merken viele von uns jetzt schon, dass KI Einzug in unser Arbeitsleben hält, gerade bei diesen sogenannten Wissensarbeitern, wo bestimmte Dinge eben übernommen werden können.
Je nachdem welche Stärken KI-Tools oder KI-Systeme haben, können diese Fähigkeiten natürlich ganz unterschiedlich eingesetzt werden. Sehen z.B., mit Sprache umgehen, analytische Fähigkeiten, Dinge zu generieren. Und je KI-exponierter ein Job ist, umso stärker wird das sein. Das sind halt vor allem analytische Fähigkeiten, da merkt man es glaube ich jetzt am allerstärksten. Da haben einfach die wenigsten mit gerechnet, dass wirklich Denkaufgaben und analytische Aufgaben übernommen werden, die bei Beratern oder Juristen zum Tragen kommen, und wo viele gesagt haben, das sind Jobs, die werden immer sicher sein, da kann kein KI-Tool irgendwie unterstützen. Und das ist glaube ich ein bisschen das, was viele überrascht hat.
Und dass eben so eine Bedeutung von Empathie und Menschlichkeit auf einmal ganz neu ist und etwas Besonderes ist, und wir merken, dass das etwas ist, was uns auszeichnet und was sich eben auch nicht so leicht oder gar nicht bisher mit KI-Tools bearbeiten lässt. Also auch eine ganz große Chance eigentlich für uns, diese sogenannten Soft Skills wieder aufleben zu lassen.
Christian: Was sind denn so für Skills, die in Zukunft tatsächlich mehr und mehr gebraucht werden, die vielleicht auch im Studium schon gebraucht werden und auf die man sich auch als Studierender stürzen könnte? Vielleicht können wir das so machen, dass ich Ihnen einfach einen Stichpunkt gebe und Sie sagen, was Ihnen dazu einfällt. Punkt eins wäre: KI-Literacy als Skill.
Annette: Absolut notwendig, für jeden Menschen, überall, in jeder Position und auch im Privatleben.
Christian: Was bedeutet das genau? Also was kann ich mir genau unter KI-Literacy vorstellen?
Annette: Das könnte man jetzt detailliert aufschlüsseln, was da alles mit drin ist. Aber einfach gesagt, würde ich sagen, das sind die Kompetenzen, die jeder von uns haben soll, um KI im Alltag verantwortungsvoll und effizient einsetzen zu können, aber auch natürlich zu erkennen, wenn irgendwo KI-generierte Dinge einem gegenüberstehen. Wir sind ständig mit KI konfrontiert, ob wir es merken oder nicht, und da ist es natürlich wichtig, auch zu wissen, wo vielleicht Gefahren lauern können oder wo Potenziale sind.
Christian: Also allein dieser Begriff stellt das Ganze ja schon so ein bisschen auf eine wichtige Stufe wie Lesen lernen z.B., ne?
Annette: Ja. Da habe ich vor kurzem einen ganz tollen Vergleich gesehen. Da wurde gesagt, ja, aber warum muss ich denn KI verstehen? Ich verstehe doch auch nicht, wie mein Auto funktioniert. Und da hat die Referentin darauf hingewiesen, dass das nicht ganz stimmt, weil wir alle wissen, wenn unser Auto nicht anspringt, dass es wahrscheinlich die Batterie ist und dass wir auch nicht mit 100 gegen eine Wand fahren sollten. Also wir haben das gelernt, und das ist jetzt bei KI glaube ich ein bisschen der Unterschied. Das kommt auf einmal auf uns zugerollt, und die wenigsten von uns wissen wirklich, was damit anzufangen. Deswegen braucht man so eine Grundliteracy, einfach Grundkompetenzen, um damit umzugehen.
Christian: Und wie lerne ich jetzt z.B. KI-Literacy im Studium? Wie eigne ich mir das an? An vielen Hochschulen gibt's da mittlerweile wahrscheinlich Kurse, kleinere Kurseinheiten, die sich damit beschäftigen. Aber wenn das jetzt nicht so ist, wie mache ich das?
Annette: Also wir fangen sukzessive an, das bei uns wirklich strukturiert mit einzubringen. Ich glaube, das ist auch ehrlich gesagt der beste Weg. Weil ich glaube, es geht nicht nur darum, ein KI-Tool benutzen zu können. Das ist auch wichtig und das sollte man auch mal gemacht haben, um diesen ChatGPT-Moment zu erleben, um zu sehen, was das wirklich bedeutet und nicht nur theoretisch zu kennen. Aber ich glaube, dass es auch wichtig ist, ein paar Basics dazu zu wissen. Ich muss wissen, wie KI funktioniert. Ich muss es nicht programmieren können. Ich muss nicht alles ins Detail verstehen, die statistischen Verfahren dahinter nicht verstehen. Das tue ich auch nicht, so offen bin ich. Aber ich muss wissen, wie das Grundprinzip ist, weil dann sind viele Sachen auch gar nicht mehr so überraschend, wo nämlich z.B. Grenzen liegen oder wo die Fähigkeiten sind. Da sind glaube ich schon strukturierte Unterlagen gut. Es gibt auch wahnsinnig viel. Im Moment ist wahrscheinlich fast das Problem, dass teilweise jeder entscheiden muss, wie viel ist für mich jetzt das Richtige.
Christian: Bisschen Information Overload an vielen Stellen glaube ich auch. Auf jeden Fall. Da kommen wir dann auch gleich noch zu einem anderen Skill, der da auch wichtig ist. Aber Prompting gehört doch dann eigentlich auch zur Literacy dazu?
Annette: Es gehört auch zur Literacy dazu, wobei ich persönlich denke, dass das manchmal ein bisschen überschätzt wird. Wir müssen natürlich immer gucken, in welcher Tätigkeit oder worauf sich das bezieht. Aber ich glaube, an vielen Stellen wird das wirklich fast ein bisschen überschätzt. Also wenn man jetzt an Prompting-Strategien oder -Techniken denkt: Es ist wichtig, einen Prompt richtig aufzubauen, dass alle Informationen drin sind. Aber da muss ich jetzt nicht wissen, dass es die und die Technik gibt, nach meiner persönlichen Einschätzung.
Christian: Ja, gerade als Studierender sicherlich sinnvoll, sich damit mal ein bisschen auseinanderzusetzen, um da einfach mehr rauszuholen. Aber auch gerade bei den neuen Versionen von ChatGPT muss man dann nicht mehr wirklich ganz so weit ausholen, ne? Jetzt z.B. für Entwickler ist es super wichtig. Wenn man jetzt einen Chatbot z.B. schreibt, da sollte man schon wirklich sehr ausführliche Prompts nutzen, damit es auch gut funktioniert, oder bei Automatisierungen.
Annette: Ja, vielleicht muss ich das ein bisschen anders ausdrücken. Ich glaube, der Prompt ist extrem wichtig, aber ich muss nicht die verschiedenen Techniken kennen, es gibt ja so verschiedene Prompting-Strategien. In den Prompt müssen alle Informationen enthalten sein, das ist natürlich absolut notwendig, aber ob die Prompt-Technik sich jetzt so oder so nennt, oder ob ich da einmal nachgesteuert habe, ich glaube, das ist nicht ganz so entscheidend.
Ich finde immer den Vergleich total super, dass so ein KI-Tool wie ein Praktikant ist, den ich anleiten muss. Das ist eine Führungsaufgabe, die ich habe, und ich muss sagen, was ich erwarte und die Rahmenbedingungen nennen. Das kann man natürlich als Prompt-Technik bezeichnen. Ich kann aber auch einfach sagen, okay, ich muss alles Relevante einfach mit reinpacken. Da finde ich die Technik dann nicht so entscheidend, sondern wirklich nur, dass es eine vollständige Anweisung ist.
Christian: Ja, da sind wir wieder eigentlich bei der Vision der Zukunft. Wir alle werden auch irgendwie auf eine Art Manager und Managerinnen sein, nämlich von solchen KI-Tools und auch von immer mehr Agenten, die auch eine gewisse Persönlichkeit haben, die wir ihnen natürlich gegeben haben. Bei uns ist z.B. so, da gibt's KI-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die haben ein richtiges Profilbild und eine gewisse Persönlichkeit. Man merkt aber auch, wenn man da nicht die richtigen Anweisungen gibt, funktioniert es teilweise nicht so richtig.
Annette: Und wenn man sich nicht auskennt, glaube ich, ist das auch ganz entscheidend. Das ist unabdingbar: Ich muss wissen, wovon ich rede, sonst kann ich kein KI-Tool benutzen.
Christian: Okay, also KI- und Data-Literacy im Prinzip als ganz wichtiger Skill, der auch für Studierende immer wichtiger wird. Und dann kommen wir zu diesen eher Soft Skills und zu den Dingen, von denen Sie auch schon gesagt hatten, die jetzt immer wichtiger werden. Ich habe hier auch wieder einen Stichpunkt, den ich gerne nennen würde, und zwar: kritisches Denken.
Annette: Das ist absolut notwendig, unabdingbar. Ich glaube, das ist generell wichtig, aber mit KI-Tools wird das immer wichtiger. Wir müssen kritisch infrage stellen, wenn wir ein Ergebnis vor uns haben, ob das richtig ist. Und wir müssen die Fähigkeit haben, die Sachen auch zu überprüfen. Da sind wir wieder bei dem Fachwissen, das ich gerade eben schon angesprochen habe. Also ganz wichtig.
Christian: Ja, und im Prinzip ist es ja so, dass uns die KI nicht wirklich so das Denken in dem Sinne abnehmen kann, auch wenn da immer steht, ich denke jetzt nach. Manchmal kann man da so ein bisschen nachvollziehen, was da für manchmal absurde Gedankengänge stattfinden. Das Ergebnis ist dann trotzdem okay. Wahrscheinlich hat man auch selber ganz häufig solche absurden Gedankengänge und dann kommt aber ein ganz gutes Ergebnis dabei raus. Aber auch mit den KI-Ergebnissen ist natürlich wichtig, kritisch umzugehen. Kritisches Denken ist ja eigentlich auch ein Skill, der schon immer im Studium gelehrt wird und gelehrt werden soll. Kreativität, ein anderer Stichpunkt.
Annette: Ja, ich habe mir gestern Abend in Vorbereitung auf heute noch mal den Future-of-Jobs-Report angeschaut. Da stand das auch ganz oben drin als Skill, der immer wichtiger wird. Das ist eine Studie des Weltwirtschaftsforums. Also das wird mit Sicherheit wichtiger, denn KI-Tools können zwar ganz tolle Sachen generieren, aber es sind natürlich auch immer statistische Reproduktionen von Bestehendem. Das heißt, die Kreativität, die wir da sehen, ist halt doch sehr eingeschränkt in vielen Bereichen. Deswegen ist eine neue Kreativität eben auch wichtig, aber auch beim Prompt z.B. kreativ zu sein. Das ist auch so etwas, mal eben nicht eine normale Strategie anzuwenden, sondern zu sagen, okay, kann ich jetzt hier vielleicht noch mal irgendwas reinbringen, was einen ganz neuen Blick auf das Thema bringt.
Christian: Ja, gerade für so kreative Branchen ändert sich da gerade ganz viel. Grafik z.B., ganz viele Sachen lassen wir z.B. mit Midjourney erstellen, aber auch da muss man kreativ sein. Man muss erstmal überlegen, was möchte ich denn jetzt eigentlich für ein Ergebnis haben? Wie soll das ungefähr aussehen? Da steckt dann auch letztendlich genauso viel Arbeit drin wahrscheinlich wie vorher, nur auf eine andere Art und Weise, dass eben so Tätigkeiten, die vorher so handwerklich waren, ein bisschen abgenommen werden können. Prompting hatten wir jetzt schon als Thema. Einen Stichpunkt, den hatten Sie tatsächlich auch im Vorgespräch genannt, den fand ich auch super interessant: Resilienz.
Annette: Ja, ich glaube, das ist etwas, was extrem wichtig ist. Das hat natürlich auch was mit kritischem Reflektieren zu tun, aber wir sind so viel mit digitalen Medien konfrontiert und wir müssen uns natürlich davon auch abgrenzen und uns selbst bleiben und unseren Stärken auch weiterhin vertrauen und nicht bei allem auf KI zurückgreifen. Der Begriff der Resilienz, den kann man hier auf ganz verschiedene Arten interpretieren und anwenden. Und ich glaube, dass das immer wichtiger sein wird.
Christian: Ja, es ist sowieso ein wichtiges Thema für Fernstudierende, die dann unter mehreren Belastungen zu kämpfen haben manchmal. Resilienz super wichtig. Und auch für diejenigen, bei denen sich die Berufe ganz stark ändern, weil diese Änderungen verursachen ja auch Ängste und Stress teilweise, und da braucht man auch eine gewisse Resilienz, um das durchzustehen. Ich habe noch zwei Punkte, die habe ich mir jetzt so noch überlegt. Adaptionsfähigkeit gehört ja irgendwie auch zur Resilienz, oder wäre das so ein besonderer Skill?
Annette: Ja, also Flexibilität, sich an neue Dinge anzupassen, und natürlich auch, ich glaube, das ist auch etwas, was in der Studie, die ich gerade zitiert hatte, genannt wird: das Thema Neugier und lebenslanges Lernen. Das kann man natürlich unter Adaptionsfähigkeit fassen, aber das sind ganz wichtige Sachen, weil der Wandel einfach extrem sein wird. Der fängt jetzt an und hört nicht morgen auf, sondern das wird weitergehen und das wird wahrscheinlich lange weitergehen. Da müssen wir uns alle drauf einstellen und damit müssen wir umgehen können.
Christian: Und ein Punkt vielleicht noch: ethisches Bewusstsein. Ist das wichtig, sich damit auch auseinanderzusetzen, mit den ethischen Möglichkeiten und Grenzen, die es da gibt?
Annette: Das gehört für mich zur Literacy. Ich glaube, das sollten wir alle wissen, und zwar wirklich jeder sollte von uns wissen, was das für Dimensionen hat, warum Ethik in dem Kontext überhaupt wichtig ist und welche Auswirkungen das hat.
Christian: Unbedingt. Ja, in dem Moment werden ja auch unsere Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler vielleicht wieder so ein bisschen wichtiger oder werden hoffentlich auch wieder eine wichtigere Rolle einnehmen. Da fällt mir noch eine Sache ein: Im Zusammenhang mit der Arbeitswelt der Zukunft hatte ich auch eine Studie gesehen, ich glaube Microsoft hat die veranlasst, wo es auch darum ging, was die Jobs sind, die gerade ganz besonders stark betroffen sind, und irgendwie waren da Historiker mit dabei. Das fand ich irgendwie ein kleines bisschen seltsam. Haben Sie das mitbekommen?
Annette: Tut mir leid, da kann ich jetzt leider gar nichts dazu sagen. Ist aber natürlich wirklich interessant. Ich glaube, was wahrscheinlich wirklich deutlich werden wird, ist, dass Dinge, wo viel Wissen gespeichert wird, das sind natürlich auch so Tätigkeiten, wo es wahrscheinlich bisschen herausfordernd wird, weil das können wir jetzt alles nachschauen. Wobei das eigentlich schon vor diesen neuen KI-Möglichkeiten schon deutlich war. Müssen wir uns noch mal anschauen. Tut mir leid.
Christian: Okay, also ich hoffe, wir haben jetzt auch ganz viele Studierende hier so ein bisschen abgeholt mit ganz spannenden Dingen im Zusammenhang mit KI. Wir müssen eigentlich gar nicht wirklich technisch zu sehr verstehen, wie das funktioniert. Wir müssen uns natürlich damit auseinandersetzen, aber wir haben auch ganz tolle Chancen, Fähigkeiten, die so ganz menschlich sind, weiter zu entwickeln und uns auch damit im Studium immer weiter zu beschäftigen. Vielleicht können wir im nächsten Abschnitt mal ausführlich darüber reden: Was kann ich jetzt im Studium eigentlich aktuell alles machen, was sollte ich machen? Wie kann ich im Studium KI anwenden? Vielleicht sagen Sie uns erstmal, was Sie so beobachten aus Ihrer Rolle als Professorin. Wie nutzen Studierende denn aktuell KI und KI-Tools? Welche Tools nutzen sie, und was machen sie gut, was machen sie weniger gut?
Annette: Also ich glaube, das ist extrem auseinandergeklappt, wie die Dinge genutzt werden. Es gibt vielleicht so drei Extreme: Manche nutzen es überhaupt nicht. Dann gibt es eine Gruppe, die das sehr verantwortungsvoll und sinnvoll einsetzt. Die kennen sich dann meistens schon wirklich besser mit dem Thema aus, wissen die Potenziale und die Grenzen und können es ganz gezielt nutzen. Das ist vielleicht auch so eine Botschaft, die ich immer habe: Ich versuche auch nicht, mit dem Hammer ein Loch in die Wand zu bohren. Das heißt, ich muss jeweils gucken, welches Tool hat welche Stärken und welche Fähigkeiten, und kann das dann eben entsprechend zum Einsatz bringen. Und das wird bei manchen wirklich schon super gemacht.
Und dann gibt es so eine Gruppe, die glaubt, dass man mit KI-Tools Dinge abkürzen kann, und sich erhofft, wenn sie einen Prompt in ein KI-Tool, meistens in ein Sprachmodell wie ChatGPT, eingibt, dass dann mehr oder weniger nichts mehr zu tun ist und die Arbeit geschrieben ist. Und das ist natürlich nicht nur am Thema vorbei, denn so eine Arbeit soll ja, oder KI im wissenschaftlichen Arbeiten einzusetzen, soll ja dazu beitragen, dass man etwas lernt und dass man einen Leistungsnachweis erbringt, oder dass man sich einem Thema besser nähern kann, dass die Qualität gesteigert wird, aber nicht, dass die Arbeit in dem Sinne abgenommen wird.
Unabhängig davon, dass es ja eben auch nicht Sinn und Zweck ist, muss man natürlich auch ganz klar sagen, das funktioniert auch einfach nicht. Deswegen versuche ich immer zu sensibilisieren: Nutzt es, aber nutzt es bitte richtig und nutzt es nur dann, wenn ihr euch im Thema auch auskennt, denn nur dann könnt ihr auch wirklich beurteilen, ob Schrott rausgekommen ist. Wenn man KI nicht sinnvoll einsetzt, dann kommt eben oftmals auch Schrott raus.
Christian: Ja, ich kenne das aus Gesprächen mit meiner Lebensgefährtin, die ist Berufsschullehrerin. Da scheint momentan auch so ein bisschen das Problem zu sein, dass es öfter Schüler und Schülerinnen gibt, die einfach denken, sie können damit alles abkürzen. Funktioniert aber eben nicht so gut. Gerade das Wissen, das da manchmal als Ergebnis rauskommt, das stimmt manchmal einfach nicht. Man lernt einfach auch nicht viel dabei, wenn man sich da jetzt einfach nur für eine kleine Hausarbeit oder so diesen Text generieren lässt, anstatt es einfach mal selbst zu probieren. Aber meine Beobachtung ist auch, das ist halt ein ganz kleiner Teil. Ein größerer Teil probiert einfach auch aus, ganz viele nutzen einfach ChatGPT. Und dann gibt's einen gewissen Teil, der hat da Vorbehalte.
Annette: Ja, es gibt auch viele Ängste glaube ich immer noch bei vielen Studierenden, die eben auch gar nicht wissen ... Wir haben eine KI-Sprechstunde bei uns an der AKAD. Was ich immer merke, ist, dass viele einfach auch Angst haben zuzugeben, dass sie KI-Tools nutzen. Und hier zu sensibilisieren oder aufzuklären, zu sagen, ihr müsst Eigenleistung erbringen, aber um euch einen Text zu erschließen oder eine Grafik mal erstellen zu lassen, mal sich anregen zu lassen, also die Kreativität auch anzuregen mit solchen Tools, da gibt es ja so viele Möglichkeiten.
Das ist etwas, was jetzt wahrscheinlich einfach auch ein Prozess ist bei verschiedenen Studierenden, die lernen müssen, damit umzugehen. Und auch wenn ich immer versuche zu sensibilisieren, dass KI ja sehr viel Energie verbraucht und man es auch nicht unüberlegt einsetzen sollte, muss man trotzdem sagen, es muss ausprobiert werden, sonst kann man keine Erfahrung sammeln. Wenn man das mal ausprobiert hat, dann weiß man auch, dass man nicht statt Googeln ein KI-Tool nutzen sollte, dass das eben auch nichts bringt und verschwenderisch ist. Aber das ist eben auch so ein Teil von einem effizienten Einsatz, und dazu muss ich es ausprobiert haben.
Christian: Ich kann mal ein kleines Beispiel geben, wie ich das in meiner Weiterbildung, die ich aktuell absolviere, nutze. Ich mache eine Weiterbildung im KI-Bereich. Das heißt, ich darf auch offiziell ganz viele KI-Tools benutzen, soll es auch nutzen, z.B. zum Texte erstellen. Das ist in dem Fall überhaupt kein Problem, an Hochschulen sieht es wieder ein bisschen anders aus. Ich habe mir z.B. in ChatGPT ein sogenanntes Custom GPT angelegt. Das sind so kleine vorgefertigte Chatbots, kann man sagen, denen man schon ein gewisses Wissen mitgibt. Das habe ich angelegt, habe da einen längeren Prompt reingemacht, wo der ganze Kontext drin steht: Wer bin ich, was mache ich, was hätte ich gerne als Ergebnisse, vielleicht schon ein paar Unterlagen damit eingestellt. Das erleichtert mir bei ganz vielen Aufgaben einfach die Arbeit, weil ich nicht jedes Mal wieder diesen Kontext mitgeben muss. Und wenn ich dann einen neuen Chat beginne, weiß dieser Chat im Sinne schon, was ich für einen Hintergrund habe, und kann mir da einfach viel schneller und viel gezielter weiterhelfen.
Ich will ganz wichtig dazu sagen, das ist eine Weiterbildung, die sich im KI-Bereich bewegt, ich soll das letztendlich auch nutzen. Im Studium muss man einfach noch mal gucken, da gibt's aber bestimmt auch ganz viele Möglichkeiten. Eine andere, die ich auch fürs Studium empfehlen kann, ist z.B. Recherche. Da gibt's auch viele Möglichkeiten. Da fällt mir spontan Consensus ein, als so eine Datenbank, die man wirklich mit natürlicher Sprache durchsuchen kann, und das ist der ganz große Vorteil. Wie sehen Sie das? Gibt's da noch andere Tools?
Annette: Ja, ich kenne Elicit, das ist etwas, womit ich jetzt arbeite. Also die Übersicht über alle Tools irgendwie zu haben, ist fast nicht mehr möglich. Ich habe vor ein paar Monaten mal geschaut, da gab's glaube ich inzwischen 50.000 KI-basierte Tools. Das heißt, es gibt sehr viel und man kann nicht alles kennen. Aber gerade bei der Recherche ist das natürlich wirklich ein unglaublicher Vorteil, wenn man sich in ein Thema einarbeitet, sprachbasiert etwas zu formulieren, dann auch kurze Zusammenfassungen schon zu bekommen zu bestimmten Publikationen. Gerade wenn es um wissenschaftliches Arbeiten geht, eben nicht irgendwelche Quellen aus dem Internet zu nutzen.
Das ist extrem hilfreich. Man kann glaube ich wirklich sagen, dass man in jeder Phase des wissenschaftlichen Arbeitens KI-Tools super einsetzen kann, eben nicht nur zur sprachlichen Überarbeitung. Wenn ich ein Thema habe, aber vielleicht die Problemstellung und die Zielsetzung herausarbeiten muss, da KI-Tools wirklich als Sparringspartner zu nutzen, um zu sagen, okay, passt das schon? Muss ich das schärfen? Gibt's da inhaltliche Bezüge? Also wirklich in einen Dialog zu gehen, um dieses kritische Reflektieren anzuregen. Da gibt es ja auch interaktive Prompts, wo das KI-Tool mich fragt, mir also gar nicht die Antwort vorgibt, sondern mich fragt und ich dann ins Nachdenken komme. Das hilft wirklich, wie wenn ich mit jemandem darüber spreche. Es soll den Dialog mit dem Betreuer nicht ersetzen, aber es kann das natürlich super vorbereiten.
Christian: Ja, das habe ich heute auch zu dieser Podcast-Vorbereitung ein bisschen genutzt. Da kamen natürlich noch ganz kurze, abgehackte Antworten zustande, die dann wirklich nichts mit dem Gespräch, was wir jetzt führen, zu tun haben. Aber es hat mir trotzdem geholfen, meine Gedanken einfach noch mal ein bisschen zu sortieren und zu gucken, vielleicht nehme ich das kleine Thema noch mit auf oder jenes.
Also super hilfreich. Um noch kurz bei der Recherche zu bleiben: Bei ChatGPT gibt's ja auch diese Recherchefunktion Deep Research. Ist das hilfreich im Studium oder eher nicht so zu empfehlen?
Annette: Also da muss ich jetzt ehrlich sagen, ich kenne mich nicht mit allen Tools wirklich im Detail aus und habe nicht alles ausprobiert. Ich nehme wirklich Elicit bei der Recherche, das finde ich am besten. Obwohl ich eine ChatGPT-Lizenz habe, wechsle ich da, weil ich mir denke, da kriege ich auch noch mal andere Perspektiven rein. Ich weiß jetzt aber gar nicht, welches Sprachmodell Elicit benutzt. Also von dem her muss man dadurch auch ein bisschen gucken. Vielleicht ist das auch ein bisschen naiv von mir, aber ich mache das jetzt einfach so. Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten und wahrscheinlich auch nicht unbedingt immer nur ein richtig oder falsch, aber man sollte gucken, welches Tool für welche Aufgabe wirklich geeignet ist.
Christian: Ja, bei dieser Deep-Research-Funktion ist es so, da werden hauptsächlich Quellen im Netz durchsucht, alle möglichen. Das richtet sich einfach so ein bisschen nach den Suchergebnissen. Man kann da glaube ich auch irgendwie spezielle Datenbanken angeben. Aber gerade wenn man jetzt im Studienbereich unterwegs ist, sind ja die Datenbanken eben das Wichtige.
Annette: Genau. Und das ist halt bei Elicit, das ist wirklich nicht nur ein Research-Tool, sondern das ist ja wirklich an die wissenschaftlichen Datenbanken angebunden. Da werden eben auch Ergebnisse gezeigt, die nicht unbedingt öffentlich verfügbar sind. Das heißt, da muss es eine Anbindung geben, und das ist natürlich dann schon noch mal ein anderes Level.
Christian: Okay, wir verlinken das übrigens auch alles in der Beschreibung für das Video. Wenn wir hier irgendwelche Tools nennen, dann schaut einfach in die Shownotes und dann findet ihr einen Link zu diesem Tool und könnt das auch einfach mal selber ausprobieren. Dann anderer Punkt: Wie Studierende KI im Alltag nutzen können, wäre auch Schreiben. Das wird ja auch schon häufiger genutzt, um sich Texte generieren zu lassen. Wie sehen Sie das als Möglichkeit?
Annette: Das ist natürlich immer eine ganz schwierige Frage. Viele sagen ja, das ist ja diese Eigenleistung, ich muss es selber erstellen. Das ist so eine Grauzone, da kann man nicht sagen, dass es so oder so ist. Also fällt mir extrem schwer. Ich versuche es immer so deutlich zu machen: Wir haben früher, als es noch keine KI gab, bei meinen Arbeiten auch jemanden gefragt und gesagt, hier, bitte guck noch mal drüber. Ich habe einen Lektor, also jemanden aus dem Freundeskreis, gebeten, drüber zu schauen. Hat mir auch mal Vorschläge gemacht. Ich glaube, es ist einfach ein Unterschied: Ist das mein Gedanke, der vielleicht noch mal irgendwie überarbeitet wurde, oder habe ich mir Texte wirklich erstellen lassen und übernehme die eins zu eins? Dann muss ich sie wirklich zitieren, dann muss ich das Tool zitieren. Aber ich glaube, dass die wenigsten das wirklich so machen. Also ich selber mache es zumindest nicht so. Ich hole mir einen Textbaustein auch mal rüber, aber dann überarbeite ich den eigentlich hundertprozentig.
Und das ist eben etwas, was man auch machen kann. Das ist mein Gedanke, meine Verantwortung, mein Inhalt, und dann lasse ich mich unterstützen von dem Tool.
Christian: Ja, ich finde, man sollte sich damit zumindest auseinandersetzen fürs Berufsleben, weil das einfach super wichtig ist oder wichtiger wird, sich mit Hilfe von KI auch Texte erstellen lassen zu können, weil das einfach wirklich an ganz vielen Bereichen ganz viel Arbeit spart. Ich denke da jetzt nur an Entwickler z.B., die immer wieder Dokumentationen schreiben müssen. Da muss keiner mehr sitzen und da wirklich stundenlang irgendeine Dokumentation von irgendeiner Software runtertippen. Oder sich einfach kurze Management Paper für irgendwas zusammenstellen zu lassen. Natürlich muss man da alles drüber gucken. Aber sich mal zumindest damit auseinanderzusetzen, wo sind hier die Grenzen, wie gut funktioniert das, ist denke ich mal auch für Studierende wichtig. Für eine Abschlussarbeit ist es was anderes, die macht man einfach selber.
Annette: Ja, aber es ist ja auch so: Manchmal hat man doch, das kennen wir doch alle, dass wir mal irgendwie eine Schreibblockade haben und wir wissen eigentlich, was da stehen soll. Dann nehme ich diesen Absatz und gebe den in ChatGPT rein und sage, formulier mir da was draus, weil ich einfach auf dem Schlauch sitze. Und dann kann man diesen Satz übrigens auch noch mal nehmen und in DeepL reinstellen, um dann noch zu schauen, kann man den vielleicht noch mal schöner formulieren.
Also hier so ein bisschen zu gucken, und ich glaube, das macht jetzt gerade auch noch mal deutlich: Es ist eben nicht die Abkürzung, es geht nicht schneller damit. Ich glaube, das ist etwas, worüber wir uns alle klar werden müssen, dass KI-Tools nicht dazu beitragen, dass wir unbedingt viel schneller fertig werden mit dem wissenschaftlichen Arbeiten oder generell mit Arbeit, aber wir haben natürlich die Möglichkeit, die Qualität zu verbessern.
Christian: Ganz wichtiger Punkt. Ich hatte ja auch von meinem ChatGPT-Moment erzählt. Und natürlich war der erste Gedanke, okay, jetzt kann ich mir einfach alle Texte, die ich brauche für unsere Webseite, erstellen lassen und es läuft im Autopilot. Das hat ein paar Monate gedauert, bis wir verstanden haben, nein, das funktioniert so nicht. Und jetzt dauert ein Text genauso lange letztendlich wie vorher, aber die Qualität, die ist einfach eine ganz andere. Alleine die Recherchearbeit, die man einsparen kann. Natürlich muss man immer noch selber gucken und Quellen prüfen, auch die Tipparbeit. Trotzdem wird da ein Text dann einfach wirklich fast Absatz für Absatz erstellt. Es ist nicht so, dass man einfach sagt, okay, ich brauche jetzt mal einen ganz langen Text, drei, vier Seiten, erstell mir den mal. Sondern das ist immer wieder überarbeiten und schauen. Aber die Qualität, die ist einfach ganz anders als das noch vor ein paar Jahren möglich war.
Annette: Aber das ist das, was wahrscheinlich auch mit diesem kritischen Reflektieren noch mal super zeigt, warum das so wichtig ist. Ich muss an verschiedenen Stellen in dem Prozess eingreifen können, ich muss nachsteuern können, ich muss vielleicht auch kreativ sein, weil ich noch mal was ganz Neues mit reinbringen muss, obwohl mir da vielleicht schon was geliefert wurde. Also das ist so ein Interagieren zwischen einem KI-Tool und einem Menschen, und das hier zu steuern ist super wichtig, aber auch super interessant.
Christian: Okay. Anderer Punkt für die Nutzung auch im Studienalltag wäre Organisation.
Annette: Ja, mit Sicherheit. Ich habe es von vielen gehört. Ich muss gestehen, dass ich da selber noch keine Erfahrung habe und auch nicht den Eindruck habe, dass es besonders viel genutzt wird. Es kommt zumindest nicht bei mir an. Aber ich habe es von vielen schon gehört. Das ist wahrscheinlich auch so eine Frage: Bin ich gut organisiert oder nicht? Lass ich mir einen Lernplan oder Projektplan erarbeiten? Geht bestimmt. Habe ich aber keine Erfahrung mit, weder persönlich noch mit Studierenden.
Christian: Ja, Lernpläne sehen wir bei uns zumindest. Da gibt's auch so einen AI-Chatbot, so ein Lerncoach im Prinzip, der kann auch Lernpläne erstellen. Das wird eigentlich ganz gerne genutzt, aber auch hier: Der braucht natürlich viel Kontext, um wirklich einen sinnvollen Lernplan erstellen zu können.
Annette: Ja, und da vielleicht noch mal ein kleiner Hinweis von meiner Seite, dass man natürlich auch aufpassen muss, je nachdem was für Unterlagen man hat, was man eben in KI-Tools auch hochlädt. Also da vielleicht noch mal der Hinweis auf rechtliche Barrieren, dass man eben auch nicht alles hochladen darf. Also gerade geschützte Bücher, da muss man wirklich aufpassen.
Christian: Reflexion, Sie hatten auch schon gesagt, dass man KI auch als Sparringspartner nutzen kann, um Ideen weiterzuentwickeln. Ist auch wichtig für Studierende?
Annette: Absolut. Ich glaube, das ist etwas, was in ganz verschiedenen Bereichen total notwendig ist. Also jetzt nicht nur als Studierende beim Lernen, da natürlich auch, weil das ist natürlich auch ja die Aufgabe, kritisch zu reflektieren und dann neue Perspektiven zu haben. Man kann wirklich, wenn man ein Thema bearbeitet, sagen, okay, wer ist alles davon betroffen oder welche Perspektive könnte die und die Person einnehmen bei dem und dem Thema? Aber das ist natürlich auch im normalen Alltag nutzbar, mal zu sagen, okay, ich habe vielleicht irgendeine E-Mail geschrieben und bin mir nicht sicher, ob ich jemanden auf die Füße trete, mal zu sagen, kann man das vielleicht auch vorsichtiger formulieren oder was könnte man dagegen einwenden? Da einfach auch kreativ zu sein und die Sachen zu nutzen.
Christian: Und ein Punkt für Möglichkeiten, wie man das im Studienalltag nutzen könnte, einer von wirklich noch ganz vielen weiteren, wäre Simulation, z.B. Prüfungssimulation. Mir würde z.B. eine mündliche Prüfung einfallen.
Annette: Ja, das ist mit Sicherheit eine Möglichkeit, aber ich weiß, dass das auch viele nutzen. Das funktioniert nach meiner Erkenntnis zumindest noch nicht so, dass man das wirklich so als Gespräch simulieren kann. Das ist vielleicht möglich, aber ich glaube, das ist extrem aufwendig. Das ist jetzt nichts, wo ich über Erfahrung berichten kann. Dass man Führungsqualitäten oder Kooperation simulieren kann, solche Dinge nachspielt, ich glaube, das wird kommen, aber das dauert glaube ich noch ein bisschen.
Christian: Was man jetzt schon machen kann, ist sich Prüfungsfragen generieren zu lassen, z.B. Oder einfach, was Sie auch schon gesagt hatten, sich abfragen zu lassen bzw. zu einem Thema auch hinführen zu lassen, ja, über so eine Fragetechnik z.B., das funktioniert eigentlich schon ganz gut.
Annette: Absolut. Und man kann ja dann wirklich auch auffordern, um die Ecke zu fragen, um rauszufinden, ob man die Sachen wirklich verstanden hat, wenn es eben nicht nur Wissensabfrage ist.
Christian: Okay, also KI im Studium sinnvoll anwenden. Vielleicht noch ein Punkt dazu. Wir hatten eigentlich auch schon über das kritische Denken geredet. Da gab's ja auch relativ viel Hype in den sozialen Medien in letzter Zeit, dass das kritische Denken bei Studierenden abnimmt und durch KI wird das Ganze immer schlimmer. Haben Sie da noch ein paar Gedanken dazu?
Annette: Ja, ich lese das natürlich. Ich kann es selber nicht wissenschaftlich beurteilen. Ich kann nur meine Erfahrung sagen, dass ich das bei den Studierenden, mit denen ich jetzt Kontakt hatte, eigentlich nicht unbedingt gemerkt habe. Aber ich glaube, das ist natürlich auch eine Frage, will man das fördern oder sagt man das explizit oder nicht? Ich glaube, das ist etwas, was wir unseren Studierenden und Menschen generell viel mehr mitgeben müssen. Das geht ja um die Welt im Allgemeinen, dass hier Dinge kritisch zu hinterfragen und zu fragen, warum sie uns vorgeschlagen werden, gerade in Social Media, also hier anzuregen und gerade den Technikeinsatz eben auch kritisch zu hinterfragen: Warum nehme ich dieses Tool? Was hat da gut funktioniert? Was hat nicht gut funktioniert? Das würde ich jedem wirklich empfehlen.
Christian: Okay, dann lassen Sie uns im letzten Abschnitt noch über KI und Management reden. Das ist auch Ihr großes Thema, würde ich sagen. Wir haben das so ein bisschen unter die Überschrift gestellt: Müssen wir BWL neu denken? Aber ich hatte auch schon im Intro gesagt, wir wollen hier auch versuchen, Menschen abzuholen, die jetzt nicht gerade BWL studieren. Jeder muss irgendwie so ein bisschen Manager oder Managerin werden, auch für diese KI-Tools. Vielleicht zum kleinen Einstieg in diesen Themenbereich: An der AKAD University kann man jetzt KI-Management studieren. Können Sie vielleicht ein bisschen was zur Entwicklung von diesem Studiengang sagen und auch zu den Zielen?
Annette: Ja, was uns da getrieben hat, ist, dass wir einfach davon ausgehen, dass KI Unternehmen extrem verändern wird, in einzelnen Prozessen, aber auch in Geschäftsmodellen. Um das Studierenden näherzubringen, wie es die Wirtschaft oder die Betriebswirtschaft wirklich verändert, aber eben auch gleichzeitig zu zeigen, was KI ist und wie KI effizient und verantwortungsvoll eingesetzt werden kann in all diesen Bereichen, das ist so die Motivation für den Studiengang gewesen.
Ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass das, was wir dort jetzt erarbeitet haben und vermitteln wollen, in ein paar Jahren ganz normal Teil von jedem BWL-Studiengang sein wird, aber im Moment ist es jetzt eben vielleicht doch noch mal etwas Neues. Das geht dann wirklich um das ganze Spektrum. Die Basis ist erstmal so eine AI-Literacy, mal zu sagen, okay, wovon reden wir überhaupt, und von dort aus geht es in die Anwendung: Welche Anwendungen gibt es? Wie verändert KI das Thema Strategie? Welche Schnittstellen gibt es zum Thema KI und Ethik? Also so werden verschiedene Aspekte dann einfach aufgegriffen und begleiten dann dieses normale BWL-Studium, das die ganz normalen notwendigen Inhalte natürlich auch drin hat.
Christian: Was ich ja auch interessant finde, ist, dass es ein Bachelorstudiengang tatsächlich ist. Ganz viele andere Hochschulen kommen dann mit einem Master in dem Bereich. Aber das ist tatsächlich auch einer der wenigen Bachelor, die es gibt in diesem Bereich.
Annette: Ja, und ich glaube, dass es absolut notwendig ist, weil wir können nicht einfach, das ist nicht einfach ein Add-on, das wir irgendwann später mal noch dazu nehmen können, sondern das ist absolute Grundlage. Und es wird Dinge eben auch extrem verändern. Wir haben es gerade jetzt mehrfach angesprochen, das Thema Führung: KI-induzierte Veränderungen werden extreme Auswirkungen darauf haben, was Führung bedeutet, dass Führungskräfte unterstützt werden oder vielleicht teilweise sogar in einzelnen Aufgaben in Anführungszeichen ersetzt werden. Es gibt ein ganz neues Zusammenspiel. Ich glaube, das muss man verstanden haben, sonst brauche ich die ganze Theorie auch nicht. Ich halte es für total wichtig, einen theoretischen Unterbau zu haben, aber das dann eben auch zu verstehen, was es wirklich bedeutet, das ist schon notwendig.
Christian: Was sind denn so die ganz großen Veränderungen, die wir gerade so in diesen ganzen klassischen BWL-Bereichen, Marketing z.B., sehen?
Annette: Na ja, im Marketing, ich bin keine Marketing-Spezialistin, aber da gibt es ja wirklich eine Reihe von Tools, die in einzelnen Prozessen eingesetzt werden können. Postings werden in verschiedenen Tools vorbereitet, direkt ausgespielt, im Corporate Design schon alles gemacht. So kann man verschiedene Tools an verschiedenen Bereichen sich andenken. Aber was ich jetzt ehrlich gesagt viel spannender finde, und das läuft sozusagen parallel, ist, wie natürlich ganze Geschäftsmodelle auf einmal verändert werden. Wenn ich dann darüber nachdenke, dass ich bisher eine Agentur hatte, die für meine Kunden solche Aufgaben übernimmt, aber ich kann mir natürlich auch denken, dass es Tools gibt, die als Agenturen agieren auf einmal, und dass wirklich die Geschäftsmodelle komplett neu aufgestellt werden. Das macht mit Unternehmen natürlich total viel.
Christian: Ja, bei uns ist es eigentlich auch so. In ganz vielen anderen Unternehmen in unserer Branche hat sich ganz viel verändert, dadurch dass die Suchmaschinen sich völlig verändern und verändern werden auch in den nächsten Monaten. Das war ein ganz wichtiger Marketingkanal die letzten 10, 15, 20 Jahre, der bricht jetzt einfach weg und zwingt ganz viele, völlig umzudenken. Aus Nutzersicht ist es absolut super. Ich brauche nicht wirklich so eine Suchmaschine, wo ich einfach drei Worte eingebe und mir das dann irgendwie rausfiltert und ich muss dann alles durchklicken und mir angucken. Ich brauche halt häufig auch einfach nur eine Antwort auf eine Frage, und da ist so ein Tool wie ChatGPT einfach viel besser.
Annette: Genau. Aber es gibt ja eben nicht nur diese klassischen KI-Tools, die wir alle kennen und alle irgendwie einsetzen, sondern wirklich hochspezialisierte Tools, die für einzelne Aufgaben genutzt werden können. Pricing-Tools z.B. ist auch etwas, was ich total spannend finde, wie der Preis an verschiedene Faktoren angepasst wird. In vielen Bereichen ist das einfach absolut notwendig glaube ich. Im E-Commerce-Bereich wird das wahrscheinlich anders nicht mehr funktionieren, wenn man nicht eine ganz spezielle Nische abdeckt. Aber das sind eben wie gesagt die einzelnen Tools, und jetzt stellt sich natürlich auch für die Unternehmen, die diese Tools nutzen, die Frage: Wie gehen wir damit um? Holen wir uns jetzt ganz verschiedene Tools rein oder müssen wir das vielleicht ganz anders denken, weil wir sonst irgendwie 25 Tools im Einsatz haben, die natürlich auch alle Geld kosten? Man spart sich dann vielleicht Personalkosten, weil man das nicht mehr selber machen muss, aber man muss das natürlich auch alles im Griff haben, man muss die Lizenzen managen, man muss gucken, dass die Sachen kompatibel sind. Und auch das hat einen immensen Einfluss auf die Unternehmen, mit dem auch kleinere Unternehmen umgehen müssen.
Christian: Ja, zumal sich das ja auch momentan immer wieder ständig ändert. Und dann fängt man jetzt an, sich auf ein Tool zu stürzen und seine ganzen Strukturen da umzubauen und plötzlich ändert sich da eine Kleinigkeit. Das muss man alles irgendwie mit einberechnen.
Annette: Und das bedarf eben auch einer Strategie, und das ist so ein bisschen die Gefahr, weshalb ich das Thema eben auch für BWLer so wichtig finde. Das muss man strategisch denken, weil wenn jede Abteilung auf einmal anfängt oder jede Einzelperson anfängt irgendwas zu machen und die Sachen passen nicht zusammen, dann habe ich hinterher extreme Ineffizienzen in den Prozessen. Da ist es eben wichtig, das einfach ganzheitlich anzugehen.
Christian: Ein wichtiger Trend im Marketingbereich z.B. oder auch im Sales-Bereich ist ja Automatisierung. Was grundsätzlich jetzt erstmal nicht unbedingt was mit KI zu tun haben muss, aber da wird mittlerweile immer mehr KI zwischengeschaltet, die teilweise Entscheidungen treffen kann. Ein kleines Beispiel ist bei uns z.B.: Ich hatte unseren Study Coach, den virtuellen, genannt. Der erstellt einfach automatisch jeden Tag ein kleines Posting mit einem Tipp für Studierende, einen Lerntipp z.B. Der hat eine kleine Wissensdatenbank an Lerntechniken, die wir uns wirklich auch angucken, wo auch kritisch reflektiert wird, für wen ist die geeignet, für wen nicht. Und dann guckt er sich an, was könnte ich heute dazu sagen, was gebe ich heute für einen Tipp. Ein ganz einfacher Automatisierung. Da könnte jetzt auch ein Redakteur oder eine Redakteurin sitzen und diesen Text schreiben, aber es ist eigentlich gar nicht nötig. Ein Redakteur oder Redakteurin hat dann einfach nur die Arbeit, unsere Wissensdatenbank aufzubauen und da zu gucken, dass auch alles inhaltlich stimmt.
Aber letztendlich fallen dadurch ja auch irgendwie so ein bisschen Jobs weg vielleicht, weil man ganz viele Dinge automatisieren kann. Das ist eine ganz einfache Automatisierung, die ich jetzt genannt habe, aber da gibt's ja auch viel komplexere Beispiele. Müssen wir Angst haben vor dieser Flut an Automatisierung, die uns die Jobs wegnimmt, auch als Bachelorabsolventen vielleicht?
Annette: Das ist eine Frage, die ich natürlich nicht beantworten kann, weil mir einfach der Blick in die Zukunft fehlt. Mit Sicherheit werden sich Dinge verändern. Ich glaube im Moment nicht, dass die Jobs alle wegfallen. Es wird sich bestimmt verändern und wir werden mittelfristig bestimmt auch eine Veränderung haben, welche Jobs besetzt werden oder nicht. Vielleicht jetzt nicht im Marketing, aber ich glaube, den klassischen Buchhalter wird es in ein paar Jahren wahrscheinlich so nicht mehr geben, als Beispiel. Aber trotzdem wird es jemand geben müssen, der die Verantwortung trägt, der die Dinge überprüft, weiterhin bei kritischen Situationen eingreifen kann, Entscheidungen treffen kann.
Was das jetzt gesamtgesellschaftlich wirklich ausmacht, das ist natürlich eine wahnsinnig spannende Frage. Aber wenn das vielleicht auch damit verbunden ist zu sagen, okay, studiere ich etwas oder studiere ich es nicht, ist das wahrscheinlich eine Wette auf die Zukunft, die keiner beantworten kann. Man sollte wahrscheinlich weiterhin nach seinen Interessen gehen und das vorantreiben, was man machen möchte.
Christian: Absolut. Und immer offen bleiben auch für Neues, sich auch nach dem Studium immer weiterbilden. Ich glaube, da muss jetzt keiner wirklich Angst haben in dem Sinne um seinen Job. Es sind einfach ganz viele Anpassungsleistungen, die da nötig sind. Wenn man anfängt, sich da so ein gewisses Mindset zu erarbeiten, sodass man eben auch Manager oder Managerin wird für solche Tools, fällt einem das vielleicht auch ein bisschen leichter.
Annette: Ja, und mit anderen zu kommunizieren, da sind wir wieder bei den Soft Skills, der Schritt zurück. Ich glaube, dass sich Jobs verändern, und Studium ist ja eben nicht nur eine Wissensvermittlung, sondern eine Kompetenzvermittlung. Diese Kompetenzen werden wir alle viel mehr brauchen, und dann können wir aber auch leichter zwischen einem Job und einem anderen vielleicht auch wechseln, weil wir wissen, was wir tun und wie wir die Dinge einsetzen.
Christian: Ja, ich würde sagen, dann sind wir jetzt am Ende angelangt. Frau Miller, haben Sie vielleicht noch irgendeinen wichtigen Tipp, der Ihnen spontan einfällt, oder irgendetwas, was Sie unseren Zuhörern und Zuhörerinnen noch zum Schluss mitgeben wollen auf den Weg?
Annette: Ja, ich weiß nicht, ob man es merkt, aber ich finde, diese Begeisterung für KI ist da, und ich kann wirklich nur jeden ermutigen, sich damit auseinanderzusetzen. Begeisterung für KI heißt nicht, dass man unreflektiert an die Dinge herangeht, sondern Begeisterung heißt jetzt einfach nur, dass es ein spannendes Thema ist und sich dann eben über die Potenziale und die Grenzen bewusst zu werden. Ich glaube, das ist etwas, was ich ganz wichtig finde. Ich habe auch mal gelesen, dass KI Dinge automatisieren kann, aber nicht das Denken automatisieren sollte, sondern denken müssen wir selber.
Christian: Dann herzlichen Dank für Ihre Teilnahme. Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit Ihrer Tätigkeit an der AKAD University, auch mit Ihren Studierenden, und vielen Dank für Ihre Auskunft.
Annette: Herzlichen Dank für die Einladung. Tschüss.

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