Soziale Arbeit im Fernstudium mit 47: Lohnt sich das und was kann angerechnet werden?
Hallo. Ich habe ein abgeschlossenes Studium Managment sozialer Dienstleistungen und dies 2004 mit dem Diplom abgeschlossen. Ich arbeite seit 17 Jahren im Jobcenter in der Leistungsgewährung mit Beratungstätigkeit. Ich bin 47 Jahre alt. Ich möchte mehr im sozialen Bereich arbeiten. Kann hier etwas von meinen Vorerfahrungen auf ein Studium der sozialen arbeit angerechnet werden und macht ein Studium für mich überhaupt Sinn? Ich bin noch etwas unschlüssig. Und welche Hochschule würden sie mir empfehlen?
1 Antwort
Hi Dana, das kann absolut Sinn machen – aber es hängt stark davon ab, was genau du künftig machen willst und ob du dafür die staatliche Anerkennung brauchst.
1) Macht ein (Fern-)Studium Soziale Arbeit für dich überhaupt Sinn?
Mit 47 ist das kein „zu spät“-Thema – eher eine Frage von Nutzen vs. Aufwand. Ein Studium lohnt sich vor allem, wenn du:
- in klassische Felder der Sozialen Arbeit wechseln willst (z. B. Jugendhilfe, ASD/Jugendamt, Beratung bei freien Trägern, Sozialpsychiatrie, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe),
- oder im öffentlichen Dienst gezielt Stellen anpeilst, die formal einen B.A. Soziale Arbeit und/oder die staatliche Anerkennung verlangen.
Wenn du eher „sozialer arbeiten“ willst, aber weiterhin in angrenzenden Rollen bleiben könntest (z. B. Fallmanagement/Coaching, Projekt- oder Teamleitung, Sozialmanagement, Organisationsentwicklung, Beratung in Schnittstellen), kann auch eine Weiterbildung oder ein Master/aufbauendes Studium (je nach Zugang) sinnvoller sein als noch einmal ein kompletter Bachelor. Das hängt an deinem Zielbild.
2) Kann dir etwas angerechnet werden (Diplom + Berufserfahrung im Jobcenter)?
Grundsätzlich: Ja, Anrechnung ist möglich – aber nicht pauschal garantiert. Hochschulen unterscheiden zwischen:
- Anrechnung akademischer Vorleistungen (Module aus deinem Diplomstudium, z. B. Recht, BWL/Verwaltung, Sozialmanagement, Methoden, ggf. Sozialpolitik),
- Anrechnung beruflicher Kompetenzen (Berufserfahrung kann teilweise anerkannt werden – meist aber nur, wenn sie inhaltlich sehr nah an Modulen liegt und gut nachweisbar ist).
Wichtig: Bei Soziale Arbeit ist der „Kern“ (Methoden/Handlungsfelder, Profession, Ethik, wissenschaftliche Grundlagen, Praxisanteile für Anerkennung) oft schwer komplett zu ersetzen. Realistisch ist häufig eine Teil-Anrechnung (z. B. einzelne Grundlagenmodule), nicht „halbes Studium weg“ – aber es kann sich trotzdem lohnen, weil es Zeit und Gebühren sparen kann.
Als nächster Schritt würde ich dir empfehlen, bei 2–3 Hochschulen eine kostenlose Vorabprüfung anzustoßen (Zeugnisse + Modulübersichten + Tätigkeitsbeschreibung). Als Orientierung hilft dir dieses Video/Beitrag zur Anrechnung: Anrechnung von Vorleistungen im Fernstudium.
3) Staatliche Anerkennung: der Knackpunkt
Wenn du wirklich als Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin arbeiten willst, ist die staatliche Anerkennung in vielen Bereichen entscheidend. Im Fernstudium gibt es grob zwei Wege:
- Integriert im Studium (Praxisphase fest eingebaut – du bekommst Bachelor + Anerkennung „aus einem Guss“),
- Nachgelagert/optional (Bachelor zuerst, Anerkennungspraktikum später/zusätzlich, je nach Hochschule).
4) Welche Hochschule würde ich dir empfehlen?
Eine „beste“ Hochschule gibt’s nicht – aber eine, die zu deinem Leben passt. Für dich (berufstätig, viel Beratungserfahrung, vermutlich wenig Lust auf unnötige Präsenztermine) würde ich so filtern:
- Wenn du maximale Flexibilität brauchst (keine/kaum Präsenz, sehr flexible Prüfungen): dann schau dir Modelle an, die stark online funktionieren. Als Einstieg in den Vergleich ist dieser Artikel hilfreich: Soziale Arbeit im Fernstudium: IU vs. Euro-FH.
- Wenn du die staatliche Anerkennung möglichst planbar „inklusive“ willst: dann eher Studiengänge, bei denen die Praxisphase fest integriert ist (du musst dann aber klären, wie du das zeitlich mit deinem Job abbildest).
- Wenn Budget ein großes Thema ist: es gibt auch deutlich günstigere, eher staatlich geprägte Verbundmodelle – dafür meist mit mehr Präsenz und klaren Zugangsvoraussetzungen. Überblick: Kostenvergleich Fernstudium Soziale Arbeit und Welche Hochschule passt zu dir?.
Wenn du erst mal breit schauen willst: In unserer Übersicht findest du alle Fernhochschulen: https://www.fernstudi.net/fernhochschulen.
5) Zwei Rückfragen, damit ich dir wirklich passend empfehlen kann
- Willst du am Ende zwingend die staatliche Anerkennung (also wirklich „Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin“ im klassischen Sinn) – oder reicht dir ein sozialer Wechsel in angrenzende Rollen?
- Wie viel Zeit pro Woche könntest du realistisch fürs Studium einplanen (z. B. 8–10h, 10–15h, 15–20h)?