Neu im Fernstudium: So gelingt der optimale Einstieg - Interview mit Mentorin Manuela Gnann

Der Einstieg ins Fernstudium kann eine spannende, aber auch herausfordernde Phase sein. Neue Studierende stehen vor der Aufgabe, sich in eine selbstgesteuerte Lernumgebung einzufinden und ihre Studienziele effektiv zu verfolgen.

Erstsemester im Fernstudium stehen somit vor einer Vielzahl von Herausforderungen: angefangen von der Motivation über das Zeitmanagement bis hin zur Bewältigung von Prüfungsstress. Doch mit der richtigen Herangehensweise und Unterstützung können diese Hürden erfolgreich gemeistert werden.

In unserem neuesten Podcast spricht Christian Wolf mit Manuela Gnann, einer erfahrenen Dozentin und Mentorin für Studierende. Gemeinsam diskutieren sie verschiedene Themen, die für den erfolgreichen Start ins Fernstudium entscheidend sind, beleuchten wichtige Aspekte und geben praktische Tipps für angehende Fernstudierende.

Inhalt:

00:00:00 Intro
00:01:27 Manuela stellt sich vor
00:04:08 Manuelas Motivation als Mentorin
00:06:14 Auseinandersetzung mit Motivation im Fernstudium
00:15:10 Routinen & Regeln für Motivation
00:17:30 Zielsetzung fürs Fernstudium
00:21:45 Warum Ziele SMART sein sollten
00:23:39 Flexibilität von Zielen beachten
00:26:34 Zeitmanagement & Planbarkeit im Fernstudium
00:28:57 Die optimale Lernumgebung schaffen
00:32:10 Coworking im Fernstudium
00:33:19 Tools & Apps im Fernstudium nutzen
00:38:53 Module im Fernstudium richtig angehen
00:41:08 Umgang mit unbekannten Prüfungsformen & Modulen
00:42:46 Lernen fürs Fernstudium lernen
00:47:03 Prüfungsstress & -vorbereitung im Fernstudium
00:50:54 Vernetzen & Kommilitonen finden im Fernstudium
00:55:22 Kommunikation mit Lehrkräften im Fernstudium
00:58:47 Resilienz im Fernstudium
01:03:05 Wie man mit Manuela in Kontakt treten kann

Manuela im Internet:

➡️ LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/manuela-gnann-1860a2104/
➡️ Instagram: https://www.instagram.com/newstudy_newwork

Im Podcast erwähnt:

👉 Manuelas Smart Start Mini-Training: https://manuelagnann.thrivecart.com/smartstart/

Zusammenfassung:

Dieses Interview mit der Studienmentorin Manuela Gnann bietet einen umfassenden Leitfaden für Studienanfänger im Fernstudium. Es beleuchtet Herausforderungen, Strategien zur Motivationserhaltung, Zielsetzung, Zeitmanagement und die Bedeutung der Vernetzung. Hier sind die wichtigsten Punkte aus dem Gespräch:

Motivation: Die Aufrechterhaltung der Motivation über das gesamte Studium ist entscheidend. Manuela rät dazu, sich über die eigene Motivation klar zu werden und diese schriftlich festzuhalten. Es ist normal, dass die Motivation schwankt, deshalb ist es wichtig, Techniken zu entwickeln, um motiviert zu bleiben und gegebenenfalls durch Disziplin zu ersetzen.

Zielsetzung: Das Setzen von spezifischen, messbaren, attraktiven, realistischen und zeitgebundenen (SMART) Zielen hilft, das Studium effektiv zu strukturieren. Manuela empfiehlt, sowohl hochgesteckte Ziele für Module, die einem am Herzen liegen, als auch realistische Erwartungen für schwierigere Fächer zu haben.

Zeitmanagement: Ein effektives Zeitmanagement ist für den Erfolg im Fernstudium unerlässlich. Es ist wichtig, realistisch zu bewerten, wie viel Zeit man für das Studium aufwenden kann, und Pufferzeiten für unvorhergesehene Ereignisse einzuplanen.

Lernumgebung: Eine ablenkungsfreie Lernumgebung und eine Routine können das Lernen effektiver machen. Das bedeutet, den Arbeitsplatz organisiert zu halten und klare Signale an Mitbewohner oder Familienmitglieder zu senden, wenn man ungestört bleiben möchte.

Vernetzung: Die Vernetzung mit anderen Studierenden und Dozierenden ist ein wichtiger Aspekt des Fernstudiums. Manuela betont, wie wichtig der Austausch und die Unterstützung durch Gleichgesinnte sind.

Flexibilität: Ziele und Zeitpläne sollten flexibel sein, um sich an verändernde Lebensumstände anpassen zu können. Es ist wichtig, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Ressourcen und Tools: Die Nutzung von digitalen Tools und Ressourcen kann das Fernstudium erleichtern. Es gibt zahlreiche Apps und Plattformen, die beim Organisieren des Studiums unterstützen können.

Christian: Manuela, vielen Dank, herzlich willkommen hier im Podcast! Ich freue mich sehr, dass wir zusammen so ein bisschen die Erstis im Fernstudium an die Hand nehmen können und mal schauen können, wie man sich den Start ins Studium vereinfachen kann und generell auch das gesamte Studium. Vielleicht stellst du dich erst noch mal kurz vor, wir hatten schon mal zusammen den Podcast aufgenommen vor ziemlich genau einem Jahr, aber sag noch mal so ein bisschen, wer bist du, was machst du?

Manuela: Also erstmal vielen, vielen Dank, lieber Christian, für die Einladung in diesen Podcast, zu dem ich ja zum zweiten Mal schon eingeladen bin. Du hast recht, vor so ziemlich genau einem Jahr war ich das erste Mal bei dir, damals noch mit meinem alten Accountnamen, den ich mit meinem zweiten Vornamen betrieben habe, als Study with Wy. Mein Name ist Manuela Vanessa, ich bin Studienmentorin und auch Dozentin für Fernstudierende. Und ich habe mich letztes Jahr entschieden, den Account umzubenennen in New Study New Work, auf Instagram könnt ihr mich da finden, und auch unter meinem ersten Vornamen Manuela.

Christian: Warum gab es diese Umänderung?

Manuela: Tatsächlich so zwei Gründe dafür. Also zum einen wollte ich den Account deutlich stärker auf das ganze Thema auch Arbeiten und Arbeiten im Fernstudium ausrichten und dieses ganze Zusammenspiel. Und gleichzeitig war es durchaus etwas irritierend, dass ich mit meinem zweiten Vornamen da kommuniziert habe. Das heißt, da habe ich dann eben gleichzeitig diesen Wechsel gemacht hin zu meiner neuen Ausrichtung, zu meiner neuen Positionierung inhaltlicher Natur, und auch gleichzeitig mit meinem ersten Vornamen.

Christian: Und sag mal, gibt es da so einen Unterschied zwischen der Bezeichnung Mentorin und Coach, oder ist das für dich dasselbe?

Manuela: Ist für mich tatsächlich nicht dasselbe. Ich bezeichne mich selber sehr gerne als Mentorin, weil ich ja auch Fernstudierenden sehr häufig auch ganz einfache Dinge an die Hand gebe und sie schnell von A nach B bringe. Dass ich einfach sage, okay, du hast jetzt hier ein Problem, eine Herausforderung beispielsweise mit dem Lernen oder mit dem Organisieren deines Fernstudiums, ich zeige dir und ich sage dir, wie es funktioniert. Ein Coaching wiederum wäre für mich dann eher so, dass man auch tatsächlich sehr stark daran arbeitet, Dinge herausarbeitet. Und da finde ich häufig diesen Mentoring-Ansatz für die Fernstudierenden einfach auch passender.

Christian: Finde ich auch super, ich finde den Begriff auch super. Der Coaching-Begriff ist ja ein ganz kleines bisschen belastet. Und sag mal, eine Frage vielleicht noch zu dir: Was motiviert dich denn dazu, das zu machen? Du sagst, du arbeitest selber als Dozentin, was sind so deine Motivatoren für diese Arbeit?

Manuela: Ich habe tatsächlich so zwei ganz große Motivatoren für diese Arbeit. Also mir macht die Zusammenarbeit mit Fernstudierenden unfassbar viel Spaß, ich arbeite wirklich wahnsinnig gerne im Studium, ich unterrichte wahnsinnig gerne. Ich habe aber gleichzeitig gemerkt, es gibt tatsächlich immer wieder die gleichen Herausforderungen. Häufig fehlen da teilweise nur so ganz kleine Anstöße, um dann wirklich auch zu sagen, okay, so bekommst du überhaupt dein Fernstudium hin. Das ist der eine ganz große Motivator, dass ich einfach auch möchte, dass jeder und jede sein oder ihr Fernstudium absolvieren kann, auch gut absolvieren kann und auch stressfrei absolvieren kann. Und der andere große Motivator ist tatsächlich mein eigenes abgebrochenes Fernstudium, wo ich einfach auch damals in der Situation war, wo ich gesagt habe, da sind so viele Dinge, die einfach auch stören, die nicht passen. Und ich denke mir immer, na ja, wenn ich vielleicht jemand an der Hand gehabt hätte oder wenn ich das Wissen gehabt hätte, das ich jetzt habe, wäre das vielleicht einfach auch positiv ausgegangen.

Christian: Finde ich auch ziemlich cool. Es ist jetzt zu beobachten, dass es immer mehr und mehr so Coaches und Mentoren für Studierende und Fernstudierende gibt, aber ich finde es eigentlich eine ziemlich positive Entwicklung, weil das auch im Vergleich zu einem traditionellen Studium noch mal ermöglicht, sich tatsächlich jemanden zu suchen, mit dem man ganz eng zusammenarbeiten kann, auch über eine längere Zeit im Studium. Das geht ja an der staatlichen Hochschule und auch in den privaten Hochschulen, wo der Betreuungsschlüssel vielleicht noch ein bisschen besser ist, trotzdem nicht. Du hast halt immer nur ab und zu Kontakt zu den Lehrkräften, und wenn da jemand ist, den du auch immer wieder Fragen stellen kannst, die auch professionell beantwortet werden, dann ist es doch schon sehr hilfreich, wenn man da jemanden hat, der einen gerade in der Anfangszeit so ein bisschen an die Hand nimmt.

Christian: Wir wollen mal vielleicht beim Thema Motivation bleiben, da haben wir gleich eigentlich einen schönen Übergang für das erste Thema. Also ich bin jetzt schon ziemlich lange in diesem Bereich hier tätig, auch beratend für Fernstudierende, und ich sehe halt auch mal wieder diese Wellen von Erstsemestern. An den privaten Hochschulen ist es vielleicht nicht ganz so stark, weil man da jederzeit ins Studium einsteigen kann, aber gerade an der FernUni Hagen beispielsweise, wo es noch so einen ganz normalen Semesterbetrieb gibt, da gibt es immer wieder diese Wellen. Am Anfang ist die Motivation besonders hoch, und dann sinkt die so ganz langsam. Wie wichtig ist denn das Thema Motivation und sich damit auseinanderzusetzen als Fernstudierender im ersten Semester?

Manuela: Absolut grundlegend. Und viele der Dinge, die du jetzt gerade beschrieben hattest, muss ich ein bisschen schmunzeln, genau das kann ich zum einen von meiner eigenen Präsenzstudienzeit nachvollziehen wie auch von meiner ersten Phase im eigenen Fernstudium. Am Anfang ist auch alles so irritierend und so groß, und man weiß gar nicht, wo man hingehört. Aber gerade im Fernstudium ist es natürlich besonders aufregend, weil man häufig schon sehr lange aus diesem ganzen klassischen Lernen und Lehren einfach draußen ist. Vielleicht ist es auch das erste Studium, weil man, als man seinen Hochschulabschluss gemacht hat, nicht studieren wollte, nicht studieren konnte, nicht so das Optimale für sich gefunden hatte.

Manuela: Und gleichzeitig neigt ja das Fernstudium per se dazu, dass man ein bisschen isolierter ist als beispielsweise im Präsenzstudium. Ein Fernstudium funktioniert einfach auch komplett anders, man muss sich sehr viel selber erarbeiten, man muss eine sehr hohe Eigenmotivation haben. Und da sollte man sich ganz zu Anfang vom Fernstudium einfach auch mal klar werden, warum mache ich das überhaupt. Weil ich gehe da auf eine Reise von mehreren Jahren, die mich dann zu einem Abschluss bringt. Da wird einige Jahre ganz schön viel von mir verlangt. Ich muss natürlich ganz klassisch meine Leistung im Studium bringen, ich habe in der Regel natürlich auch noch einen Job, Teilzeit, Vollzeit wie auch immer, und ich habe natürlich auch noch ein Privatleben und Familie und Hobbys und vielleicht auch noch ein Ehrenamt.

Manuela: Und für Fernstudierende kommt dann alles so gleichzeitig. Man ist super motiviert, weil man natürlich auch ein gutes Studium machen möchte, vielleicht kommt man auch aus einer Situation raus, in der man vorher schon mal eine Studienerfahrung hatte, die vielleicht nicht gut war oder die vielleicht auch mit einem Studienabbruch einhergegangen ist, und da möchte man mal so richtig loslegen. Und ich merke, dass gerade am Anfang die Motivation oftmals unfassbar hoch ist, was auch schön ist, aber dass man auch gleichzeitig ein bisschen dazu neigt, sich vielleicht zu überfordern, was dann in den darauf folgenden Semestern ein bisschen holprig werden kann.

Manuela: Deswegen meine Empfehlung immer: Schreibt euch einfach mal nieder, warum ihr überhaupt dieses Fernstudium machen wollt. Das kann so ein klassisches Journal sein, das kann auch ganz platt irgendwelche Notizen auf dem iPhone sein, es kann ein Visionboard sein, das man schön ausarbeitet mit Bildern und Sprüchen. Dass man wirklich auch über die Zielmotivation klar wird: Warum mache ich das überhaupt, warum tue ich mir das jahrelang an, was möchte ich damit erreichen mit diesem Abschluss, wo bringt der mich hin? Und wenn das erstmal klar ist, kann das natürlich auch, wenn es Motivationsprobleme gibt, und die wird es geben, über diese Motivationsprobleme hinweghelfen.

Christian: Guter Tipp auf jeden Fall, so eine Technik, um die Motivation erstmal festzulegen, vielleicht zu visualisieren mit so einem Visionboard oder was auch immer man da für sich für eine Methode hat. Ganz wichtig auch, sich bewusst zu machen, dass da Motivationslöcher kommen werden, vielleicht sogar schon im ersten Semester. Ich kenne das auch von mir, ich mache ja auch gerade eine Weiterbildung zum Yogalehrer, und auch da, selbst wenn das wahnsinnig Spaß macht und eigentlich ein Hobby ist, es ist halt noch mal eine Zusatzbelastung. Und auch da kann es natürlich zu Motivationsproblemen kommen.

Christian: Bei mir kam das Motivationsloch im ersten Moment dann dadurch, als ich gemerkt habe, auf was ich mich da eigentlich eingelassen habe und wie schwer das eigentlich ist. Die Theorie lernen, das kann ich gut, das arbeite ich einfach durch. Aber das, was ich da tatsächlich lernen muss, nämlich erstmal selber gut zu werden, das war für mich erstmal auf eine gewisse Art demotivierend. Aber ich habe mir das dann einfach in Stücke aufgeteilt, in kleinere Häppchen, ich sehe zu, dass ich jeden Tag die Yogapraxis habe und immer jeden Tag ein Stückchen vorankomme, ich suche mir einen Lehrer oder eine Lehrerin, die mir das auch beibringen kann. Das waren dann ganz viele kleinere Schritte, die mir geholfen haben, die Motivation zurückzubekommen.

Christian: Was mir auch hilft, ich weiß nicht, ob du vielleicht noch was dazu sagen kannst, ist, Motivation auch immer mal durch Disziplin einfach auszutauschen.

Manuela: Ja, finde ich sehr schön. Und der Begriff Disziplin hat ja leider in den letzten Jahren, Jahrzehnten so ein bisschen so einen leicht negativen Touch bekommen. Finde ich ein bisschen schade, weil ich finde es was Schönes, Disziplin. Und wir sprechen nicht davon, dass man jetzt sagt, trete dem 5-AM-Club bei, steh jeden Morgen um 5 Uhr auf, mach eine Stunde Yoga, schreib eine halbe Stunde Journal, trink Zitronenwasser. Das ist alles gut und schön, aber wenn es für dich selber nicht passt, mach's bitte nicht. Schau einfach, dass du deine Disziplin, deine Routinen einfach ausarbeitest. Und wenn es für dich einfach auch bedeutet, in deiner individuellen Situation morgens bis 9 zu schlafen, dann erstmal bis 12 Uhr zu frühstücken und dann deinen Tag zu beginnen mit Arbeiten und Fernstudium bis mitnachts um zwei, ist es vollkommen auch okay.

Manuela: Ich finde einfach, Routinen und aber auch tatsächlich Disziplin sind ganz wichtig. Und wenn diese Disziplin einfach auch nur heißt, okay, ich muss mich jetzt durch dieses Modul Wissenschaftliches Arbeiten durchkämpfen, was wahrscheinlich mit so der absolut größte Berg ist, gerade wenn man anfängt mit dem Fernstudium. Aber wenn da die Disziplin einfach heißt, ich lese heute eine Doppelseite dazu, und diese Doppelseite möchte ich verstanden haben und möchte die dann auch morgen noch erinnern, dann ist es schon ein riesengroßer Schritt, als wenn man einfach sagt, dieses Modul, tue ich mir ein bisschen schwer damit, ich schiebe das einfach noch mal weg. Und da kommt man natürlich dann auch ganz leicht in so eine klassische Prokrastination rein.

Christian: Also wichtig, im allerersten Semester ist die Motivation sehr groß, da kann man jetzt schon mal erwarten, dass die dann wahrscheinlich auch ein bisschen sinkt. Aber wenn man es schafft, sich da auch im ersten Semester schon Routinen zu bauen und zu entwickeln für dieses Studium, dann überwindet man auch ganz einfach die Zeiten, wo die Motivation nicht so groß ist. Ich gehe auch jede Woche zum Sport, und manchmal denke ich auch, ach na ja, jetzt drücke ich halt wieder die Gewichte und habe wieder Schmerzen eigentlich die ganze Zeit. Aber ich mache das jetzt trotzdem, da gibt es für mich eigentlich keine Verhandlung in dem Sinne. Im Fernstudium auch so ähnlich, ich habe mich jetzt entschieden, das zu machen, ich bezahle dafür, das wird jetzt einfach gemacht, auch wenn ich mal nicht ganz so motiviert bin.

Manuela: Genau, und was du auch gerade gesagt hast, fand ich total schön, dass du auch gesagt hast, du gehst zum Beispiel nicht ins Fitnessstudio, wenn du krank bist. Dass du dir von vornherein eine eigene Regel aufstellst, unter welchen Umständen halt einfach nicht. Und da kann man die Parallele zum Fernstudium ziehen, dass man einfach auch sagt: Wenn ich im Urlaub bin, mache ich nichts fürs Studium, wenn ich krank bin, mache ich nichts fürs Studium, wenn mein Kind krank ist, mache ich nichts fürs Studium. Und wenn man sich einfach von vornherein die eigenen Spielregeln klar wird, dann sagt man, natürlich kommt es irgendwann mal, dass ich krank bin, aber wenn diese Umstände nicht da sind, das heißt ich bin vollkommen gesund, mein Kind ist gesund, ich bin nicht im Urlaub, dann mache ich was fürs Fernstudium.

Christian: Zu diesem Thema Motivation hatten wir eben schon mal einen Podcast aufgenommen, den verlinken wir natürlich auch in der Beschreibung. Kommen wir mal zum Thema Zielsetzung. Wir haben jetzt eine Vision erstellt, sind ganz motiviert, und jetzt wollen wir ein bisschen konkreter werden. Man muss ja dann trotzdem jeden Tag lernen beispielsweise. Was kannst du dazu sagen, wie wichtig ist es, sich mit dem Thema Zielsetzung auseinanderzusetzen?

Manuela: Also für mich ist das Thema Motivation so Big Picture, und mit Zielen bricht man es runter. Und da finde ich gerade den Anfang vom Fernstudium einfach auch mal super wichtig, sich so ein bisschen auszuprobieren. Und man muss sich da selber auch sehr ehrlich machen: Was ist überhaupt ein Ziel, was ich mit diesem Fernstudium verfolge? Und was sind so meine Ziele für mein Fernstudium, und dann auch untergebrochen auf die einzelnen Module? Heißt es vielleicht, ich möchte in einem Modul besonders gut abschließen, weil ich das interessant finde, weil ich es vielleicht auch für einen zukünftigen Job brauchen kann? Dann ist wahrscheinlich da die Motivation auch der Ehrgeiz ein bisschen größer als bei einem Modul, mit dem ich mir eher schwertue, und sage, okay, Hauptsache bestanden. Das kann aber auch ein Ziel sein.

Manuela: Also diese beiden Extreme sind absolut akzeptable Ziele, dass man sagt, ich definiere mein Ziel für ein bestimmtes Modul besonders hoch, besonders ambitioniert, weil ich es einfach auch brauche. Und ich lege einfach auch fest, wie viel Zeit kann ich da reinstecken, was möchte ich, dass da rauskommt, soll da vielleicht eine Zwei rauskommen, soll da vielleicht sogar eine Eins rauskommen. Man kann aber auch sagen, es wird diese ganzen ätzenden Fächer geben, die man leider aber auch braucht. In meinem eigenen Studium war es das Fach Statistik, Horror, absoluter Horror. Und da war einfach mein Ziel, durchkommen mit möglichst wenig Stress. Letztendlich wurde es dann eine 2,7, auch alles fein. Aber da war wirklich mein Ziel, ich möchte einfach durch dieses Fach durchkommen, weil ich mir unfassbar schwer damit getan habe. Und das sind natürlich auch vollkommen akzeptable Ziele.

Christian: Also das wäre dann schon eine sehr spezifische Aussage für so ein Ziel, ich möchte das bestehen, noch besser vielleicht sogar mit einer konkreten Note. Ziele, SMART setzen, das hat man wahrscheinlich auch schon an den Hochschulen gehört. Kannst du da noch was dazu sagen?

Manuela: Also SMART ist ja auch so eine Technik, die kommt aus dem Management, wie man einfach auch sein Ziel definiert. Also S steht für Specific, M für Measurable, A für Attractive, R für Reachable, also dass es auch erreichbar ist, und T für Timely, also dass es zeitlich erreichbar ist. Und diese ganzen Kriterien tragen dazu bei, dass du ein Ziel formulierst, was sehr spezifisch für dich ist. Und wenn dieses spezifische Ziel für dich heißt, ich möchte diese Statistik-Vorlesung einfach nur bestehen mit einer Vier bis zum Ende meines Semesters, dann hast du einfach auch schon sehr viel gemacht, als wenn du jetzt einfach hingehst und sagst, na, gucken wir mal.

Manuela: Wenn man es sich nicht klar macht, kommt man in so eine Situation, in der man sich wirklich sehr stark treiben lässt, und dann kommt dieses Modul oder dieses Fach von selbst quasi auf euch wieder zu, und dann ist es aber einfach auch unkontrolliert. Je mehr man sich damit auseinandersetzt, was ist für mich ein erreichbares Ziel, es könnte ja zum Beispiel sein, dass so ein Fach, was einem nicht so richtig gut liegt, in der Phase liegt, in der man unfassbar viel zu tun hat beruflich, privat, das Kind kommt in den Kindergarten, dann kann man einfach auch sagen, für mich ist das Ziel, das irgendwie gut zu überstehen und einfach eine Vier zu bekommen.

Christian: Und wie wichtig ist es, dass diese Ziele auch flexibel sind?

Manuela: Absolut wichtig, gerade für Fernstudierende. Es können ja auch privat, beruflich ganz viele Dinge dazwischenkommen. Es könnte ja auch mal sein, man hat diese Kindergarteneingewöhnung des eigenen Kindes und plötzlich merkt man, funktioniert gar nicht so richtig, ich muss das vielleicht noch mal zeitlich verschieben, und das Kind geht erst in drei, sechs Monaten in den Kindergarten. Das heißt, ich habe dann eine ganz große Auswirkung auf meine zeitlichen Ressourcen, ich muss immer wieder meine Ziele anpassen. Ich glaube, es ist keinem geholfen, wenn die dann irgendwann in so einen Modus kommen, dass sie sagen, ich stehe morgens um 4:30 Uhr auf, sitze um 5 Uhr am Schreibtisch und arbeite erstmal zwei Stunden an meinem Studium, und schaue dann, dass ich dann noch meinen 10-Stunden-Job und meine Familie gewuppt bekomme. Das hält man vielleicht mal eine kurze Zeit durch, aber definitiv nicht über die drei, vier Jahre eines Fernstudiums.

Manuela: Dass man einfach auch sagt, man muss da wirklich sehr flexibel sein und, was ich auch immer ganz wichtig finde, dass man sich da ehrlich macht.

Christian: Ganz wichtig, dass man sich auch, bevor man anfängt zu studieren oder wenigstens im ersten Semester, klar wird, dass sich auch die Lebenssituation völlig ändern kann, manchmal von einem Tag auf den anderen. Bei mir war das jetzt bei dieser Yoga-Weiterbildung so, dass das eigentlich meine gesamte Lebenssituation ganz grundlegend verändert hat, und da war auch einfach so viel zu tun teilweise, dass ich gar keine Zeit mehr hatte, mich groß um das Fernstudium zu kümmern. Und dann muss man kein schlechtes Gewissen haben, sondern einfach gucken, wie geht es weiter, die Ziele neu setzen, neu definieren.

Manuela: Was auch ganz wichtig ist, glaube ich, bei Fernstudierenden, ist sich klar zu machen, dass es gerade im ersten Semester möglich ist, dass man vielleicht auch sogar noch mal die Hochschule wechselt. Dass man sich das einfach auch bewusst macht: Wenn man wirklich merkt, okay, diese Hochschule, auch mit den Angeboten, den angebotenen Kursen, Modulen, Dozierenden, Studienabläufen, da spielen ja ganz viele Faktoren mit rein, und wenn man relativ bald schon merkt, das ist nicht so richtig meins, aber der Studiengang ist meins, dann könnte man natürlich auch sich für einen Hochschulwechsel entscheiden.

Christian: Dann lass uns mal über das Thema Zeitmanagement reden, also über die Planung. Die Ziele gehören ja irgendwie auch mit zur Planung dazu. Kannst du ein bisschen was dazu sagen, was sind so die ersten Schritte, wenn man jetzt in sein Studium geht?

Manuela: Und da hast du gerade eben schon wunderbare Stichwörter geliefert: Hey, da kann irgendwas dazwischenkommen. Und was ich in meinen Mentorings auch ganz häufig höre, ich finde ehrlich die Formulierung wirklich sehr schön: Das Leben ist dazwischengekommen. Man muss, wie wir gerade schon gesagt hatten, bei der Planung einfach auch berücksichtigen, hey, ich habe auch noch ein Leben mit ganz vielen anderen Einflussfaktoren, die für mich wichtig sind. Und bei der Planung muss ich, genauso wie bei der Zielsetzung, mir erstmal ehrlich klar machen: Was kann ich überhaupt leisten, was möchte ich überhaupt leisten? Dass man einfach auch mal schaut, wie bin ich zeitlich beansprucht durch meinen Job, vielleicht pendle ich, durch meine Familie, Hobbys, vielleicht ein Ehrenamt. Wie viel reine Nettozeit kann ich fürs Studium überhaupt aufwenden?

Manuela: Und ich bin tatsächlich großer Fan von Pufferzeiten. Dass man schon bei der Planung sich bewusst macht, hey, ich brauche einfach einen bestimmten Puffer für vielleicht Zeiten, in denen ich auf Rückantworten warten muss, in denen beispielsweise in der Gruppenarbeit man sich ein bisschen ausführlicher abstimmen muss, vielleicht habe ich jemand, der über meine Hausarbeit drüber liest, die Person braucht auch noch den ein oder anderen Tag. Dass man wirklich nicht allzu knapp sein ganzes Zeitmanagement plant und da wirklich auch gewisse Pufferzeiten mit einplant.

Christian: Und zur Planung gehört auch so ein bisschen die Lernumgebung, also ich brauche irgendwie einen Arbeitsplatz. Kannst du da was dazu sagen, gibt es da irgendwie Richtlinien, an die man sich halten kann, um das Ganze so zu gestalten, dass man konzentriert arbeiten kann und nicht zu sehr abgelenkt wird?

Manuela: Würde da auch tatsächlich eine Routine draus machen. Also ich würde auch darauf achten, dass mein Schreibtisch frei ist von irgendwelchen anderen Sachen, dass da vielleicht jetzt nicht unbedingt noch die unerledigte Steuererklärung drin liegt, das ist ja so der absolute Klassiker, weil sobald die dann da ist, ist man gedanklich bei der Steuererklärung. Dass man wirklich auch rein organisatorisch, räumlich den vollen Fokus auf dem Fernstudium haben kann. Dass man wie so ein kleines Ritual draus macht, dass man vielleicht den Schreibtisch jedes Mal noch mal komplett aufräumt, wenn man fertig ist mit dem Lernen, mit dem Studieren. Und jedes Mal, wenn man anfängt, dass man sich das einfach noch ein bisschen herrichtet: Was brauche ich alles? PC, Tablet, vielleicht ein Studienbrief, was zum Trinken. Dass das so ein kleines Ritual wird.

Manuela: Und dass man vielleicht sogar auch ein Schild an die Tür macht und sagt, bitte nicht stören, mit wem auch immer man dann zusammenlebt, dass man da einfach auch klar signalisiert: Ich möchte jetzt studieren und komme nach zwei Stunden wieder raus aus meinem Zimmer, und dann kann das Privat- und Familienleben weitergehen. Dass man da auch einfach so eine kleine Routine für sich rausholt.

Christian: Und vielleicht noch so als Tipp, geht einfach mal auf Instagram, und jetzt natürlich nicht zur Lernzeit, weil das ist ja wirklich die absolute Ablenkung eigentlich, aber als Inspiration könnt ihr mal gucken. Da findet ihr ganz viele Accounts von anderen Fernstudierenden, und die posten auch ganz gerne ihren Schreibtisch, da kann man sich mal so ein bisschen Inspiration holen, wie so ein Arbeitsplatz gestaltet sein kann. Schön clean am besten, dass da tatsächlich auch nur das liegt, was man zum Fernstudieren braucht.

Manuela: Ich kenne sogar einen Fall, den fand ich total schön, von einer Studentin aus dem Mentoring, deren Mann macht im Moment auch eine Weiterbildung, also kein Fernstudium, aber eine Weiterbildung, und die haben halt so ihre festgelegten Zeitfenster, in denen die beide tatsächlich zusammen studieren oder lernen. Sie bearbeitet ihre Studienbriefe, er bearbeitet auch seine Hefte, und so ist für beide Seiten einfach auch klar, jeden Tag von bis so und so viel Uhr wird gearbeitet und gelernt. Und so kommen die beiden wunderbar miteinander klar mit dieser ganzen Fernstudien- und Weiterbildungssituation.

Christian: Ja, ich mag das auch total gerne, so dieses Zusammenarbeiten. Da hat man nicht so ganz ein schlechtes Gewissen, wenn man sich da einfach zusammensetzt und dann macht jeder so sein Ding, und dann tauscht man sich zwischendurch mal kurz aus oder trinkt zusammen Kaffee. Mit Kindern ist noch ein bisschen schwieriger, da muss man sich dann wahrscheinlich doch schon eine Arbeitsumgebung schaffen, wo man wirklich ablenkungsfrei arbeiten kann. Gibt es irgendwelche Tools oder Apps, die man für die Selbstorganisation fürs Zeitmanagement nutzen kann?

Manuela: Also ich kenne zum Beispiel ganz viele Fernstudierende, die mit der Forest-App arbeiten. Das ist ja so eine App, da wachsen dann so Bäume, je nachdem wie lange man konzentriert gearbeitet hat, und man baut sich da so einen kleinen Wald. Das finde ich eigentlich auch immer total niedlich, wenn man da so einen Anreiz hat, wird ja auch Gamification genannt, dass da irgendwas dann auch passiert und rauskommt und man so eine kleine Erfolgskontrolle hat. Und ich bin auch ganz großer Notion-Fan, generell zum Organisieren, weil man da auch Tracking-Möglichkeiten hat, man kann da auch prozentual angeben, wie viel Prozent beispielsweise von dem Studienbrief habe ich bearbeitet. Das wären so meine zwei ganz heißen Tipps.

Christian: Notion hätte ich auch genannt, großartiges Tool, da gibt es auch ein Video bei uns auf dem YouTube-Channel. Ist kostenlos, da muss man sich ein ganz kleines bisschen reinarbeiten, aber es gibt da auch Vorlagen direkt für Studierende. Vielleicht ein Tipp von mir noch, das passt auch so zum Thema Zeitmanagement, weil es eine Möglichkeit ist, Zeit zu sparen: Es wäre ChatGPT. Das könnte man sich mal angucken und sich gleich am Anfang des Studiums so ein bisschen damit beschäftigen. Nicht um sich jetzt irgendwelche Hausarbeiten schreiben zu lassen, das geht eigentlich auch gar nicht damit, aber man kann sich ganz viele Arbeiten damit erleichtern. Ich nutze es gerade, um ein Studienskript einfach hochzuladen und dann sage ich einfach, fass mir mal das eine Kapitel stichpunktartig zusammen, oder formulier mir mal ein paar interessante Fragen an dieses Skript. Und aus diesen Fragen kann ich mir dann Lernkarten erstellen. Das kann schon eine Arbeitserleichterung sein.

Manuela: Ja, auf jeden Fall. Also ich bin auch ganz großer ChatGPT-Fan, empfehle es auch immer in meinen Mentorings weiter. Man kann es ja auch beispielsweise wunderbar zum Lernen verwenden, dass man einfach sagt, generiere mir drei mögliche Prüfungsfragen für diesen und jenen Kontext oder für dieses und jenes Fach. Was da auch immer ganz wichtig ist, dass man ChatGPT erstmal klar macht, wer bin ich überhaupt. Dass man einfach auch mal sagt, ich bin Studentin im ersten Semester Betriebswirtschaftslehre an einer Fernhochschule, ich beschäftige mich gerade mit dem Modul Buchführung. Dann werden natürlich auch diese potentiellen Prüfungsfragen ein bisschen leichter ausfallen.

Manuela: Es ist ein unglaublich mächtiges Tool, nicht nur für Prüfungsfragen, sondern auch einfach, um sich Dinge erklären zu lassen. Ich hatte auch neulich Studienmaterialien, ganz gruselig, ganz schlimm, und ich habe ChatGPT darum gebeten zu sagen, erklär es mir, als wäre ich 12, erklär es mir ganz einfach. Und so können dann die Studienmaterialien deutlich leichter und schneller bearbeitet werden, und ich finde auch, sie verlieren so ein bisschen den Schrecken.

Christian: Also ChatGPT, auch meine Empfehlung, sich da auch mal ein bisschen damit zu beschäftigen, wie man solche Tools nutzen kann, um sich einfach Zeit zu sparen, auch im Studium. Kommen wir mal zum Thema Module, also die allerersten Module und auch Prüfungen. Im ersten Studienmonat kann man glaube ich an vielen privaten Hochschulen noch gar nicht so viel belegen, weil das ja so ein Testmonat ist. Was würdest du sagen, wie geht man da am besten vor, lieber nicht alle belegen?

Manuela: Erstmal tatsächlich ein bisschen langsamer machen und schauen, wie kommt man da möglichst einfach ins Studium rein, dass man auch schon die ersten Erfolgserlebnisse hat. Und wenn ich dann parallel versuche, gerade zu Anfang schon mit fünf oder sechs Modulen zu jonglieren, die vielleicht auch noch Prüfungsformen haben, die ich vielleicht noch gar nicht kenne, wie Hausarbeiten, Projektarbeiten, Gruppenarbeit, das wird dann einfach auch schon ein bisschen zu schwer für diese Einstiegssituation. Da würde ich einfach mal sagen, nehmt das als Experimentierphase, wie ihr einfach auch Module besonders gut bearbeiten könnt.

Manuela: Setzt euch damit auseinander, was ist ein Modul überhaupt. Da wird man auch merken, da sind auch einige Dinge drin, die gar nicht so wichtig sind, die muss man gar nicht lernen. Deswegen sage ich auch immer: Lasst das Gedöns weg beim Lernen, weil man braucht es einfach auch nicht. Setzt euch immer stark auseinander mit dem Modulplan, weil man da rauslesen kann, was wollen die überhaupt von mir in diesem Modul, und was wollen die nicht von mir. Schaut, was muss ich danach überhaupt können, wenn ich das Modul belegt habe, und in welcher Intensität muss ich das können. Das sind wirklich die größten Hinweise, was da in der Prüfung drankommen könnte.

Christian: Ganz wichtig, auch mal das Modulhandbuch zu haben, um da mal reinschauen zu können. Und sehr guter Vorschlag von dir, darauf ein bisschen zu achten, was da eigentlich für eine Prüfung fällig wird. Zum Beispiel an der IU ist eines der Module im ersten Semester immer die Einführung in wissenschaftliches Arbeiten, und die Prüfungsform ist dort ein Workbook. Das hat man an der Schule nicht gemacht, man hat so was wahrscheinlich auch noch nie gemacht, also erstmal Neuland. Und das Thema ist ja auch erstmal so ein bisschen trocken. Wäre auch deine Empfehlung, vielleicht doch erstmal was anderes zu machen als allererstes Modul?

Manuela: Ja, sehe ich auch so. Gerade Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten als allererstes Modul, ich glaube, es gibt wahrscheinlich nichts, was einen so sehr abschrecken kann wie dieses Modul. Weil wirklich auch dieses klassische wissenschaftliche Arbeiten, das ist ja schon sehr anders als die Schule oder eine Ausbildung. Und da muss man auch etwas Erfahrung mit Modulen haben, um überhaupt zu wissen, worauf wollen die überhaupt hinaus. Das gleich als Allererstes zu machen, finde ich persönlich ein bisschen schwierig.

Christian: Und auch hier kann man dann vielleicht auch mal in Austausch mit Studierenden treten, aus dem zweiten, dritten Semester, und einfach mal fragen, was lief bei euch gut im allerersten Semester. Ich hatte aber noch eine Frage zu den Modulen, das hat ja dann auch schon was mit Lernen zu tun: Gibt es vielleicht irgendwelche Lernstrategien, die ich anfangen kann anzuwenden, sollte ich vielleicht auch einfach auf meine bewährten Strategien zurückgreifen?

Manuela: Also die aus der Schule bewährten Strategien, das ist ja ganz häufig, ich lerne es auswendig, und das ist nicht so richtig gut im Fernstudium, davon würde ich tatsächlich eher abraten. Ich würde da tatsächlich auch noch mal ein bisschen zurückblicken auf das Thema Module, einfach mal schauen, was ist hier überhaupt wichtig, was soll ich können, in welcher Intensität. Was für mich so eine total sichere Bank ist: Die Grundlagen des jeweiligen Faches wirklich von vorne bis hinten beherrschen, dann kann nicht so wahnsinnig viel passieren. Dass man da einfach auch mal schaut, ich brauche auf jeden Fall meine Grundlagen, ich muss auf jeden Fall meine Fachbegriffe alle kennen. Und wenn da beispielsweise ein bestimmtes Modell oder eine bestimmte Berechnungsmethode im Modulplan angegeben wird, die ich danach beherrschen muss, das ist höchstverdächtig, dass es in der Prüfung abgefragt wird.

Christian: In den Studienskripten sind ja häufig auch Fragen, also Lernfragen, Lernkontrollfragen, die kann man auch gut nutzen, um sich Karteikarten zu erstellen oder Lernkarten. Ich mag Lernkarten ganz gerne. Es gibt Lerncoaches wie Gabriel Gorbach beispielsweise, den wir hier auch schon öfter im Podcast hatten, die sagen, das ist jetzt nicht unbedingt die effizienteste Methode, um zu lernen fürs Studium. Aber letztendlich muss da auch jeder versuchen, seinen eigenen Weg zu finden. Was wichtig ist, dass man sich mal damit auseinandersetzt, gerade im ersten Semester: Wie lerne ich, wie habe ich die letzten Jahre gelernt, gibt es vielleicht bessere Möglichkeiten?

Christian: Für mich sind das Podcasts beispielsweise. Ich habe für meinen Yogakurs einen sehr guten Podcast gefunden, der Yoga auch aus physiotherapeutischer Perspektive beleuchtet und diese ganzen Mythen auf den Prüfstand stellt, und aus wissenschaftlicher Perspektive untersucht. Da lerne ich sehr viel, weil ich da jemanden im Ohr habe, der die ganze Zeit darüber redet. Also das ist für mich auch so eine Lernmethode, die sehr hilfreich ist, um mich wirklich vertieft in ein Thema zu versetzen.

Manuela: Ja, auf jeden Fall. Also ich bin selber auch ein riesen Podcast-Fan, auch zum Lernen. Und es ist auch aus Zeitmanagement-Sicht grandios, Podcast zu hören, YouTube-Videos zu schauen, das kann ich auch mal so in der Bahn machen und einfach doch ein bisschen was aufnehmen für mein Studium, ohne dass ich jetzt wirklich groß meine Studienmaterialien ausbreiten muss. Und durch Podcasts glaube ich kommt man auch ein bisschen leichter in ein bestimmtes Thema rein.

Christian: Und dann habe ich so gelernt und habe das Gefühl, ich habe mich ein bisschen vorbereitet auf die Prüfungsform, eine Klausur wahrscheinlich. Wie gehe ich dann mit dem Druck um? Gerade im ersten Semester ist da immer noch große Angst, beispielsweise bei den Online-Klausuren, nicht nur darüber, ob ich den Stoff gut beherrsche, sondern manchmal auch vor den technischen Dingen. Funktioniert da alles, wenn ich diese Online-Klausur mache?

Manuela: Also ich würde da auch ganz stark auf das Thema Vorbereitung setzen. Wenn ich einfach weiß, ich muss mit dem Auto dahinfahren, schaue ich, dass es voll getankt ist. Wenn ich weiß, ich muss mit dem Zug dahin fahren, dann nehme ich vielleicht ein oder sogar zwei Bahnen früher. Oder wenn ich irgendwie die Möglichkeit habe, übernachte ich an dem Ort, wo die Prüfung stattfindet, um einfach diesen Stressfaktor rauszuziehen.

Manuela: Wenn es eine Online-Klausur ist, würde ich mich auch technisch gut einfach vorbereiten, dass mein PC geladen ist, dass der Akku voll ist, dass da das Ding nicht irgendwie plötzlich abschmiert und ich aus der Online-Klausur rausgeschmissen werde. Dass mein WLAN stabil ist, dass jetzt parallel nicht fünf weitere Personen in meinem WLAN drin sind und irgendwelche Videogames streamen. Und was da auch ganz wichtig ist: Sollte tatsächlich irgendwas schiefgehen, dass ich da wirklich so schnell wie möglich das Prüfungsamt informiere. Die wissen, dass es durchaus mal passieren kann, dass man sich da auch einfach vorbereitet, um sich selber den Stress und den Druck zu nehmen.

Christian: Diese Online-Klausuren haben ja auch den Vorteil, dass du die Klausur in deiner gewohnten Lernumgebung schreibst. Das nimmt vielen auch schon mal so ein bisschen die Angst, weil du eben in der Situation die Klausur schreibst, in der du vorher wochenlang immer wieder gesessen hast und gelernt hast. Da hast du ja nicht die ganze Zeit ängstlich gesessen, sondern du hast da gesessen und hast dich mit Themen auseinandergesetzt und warst eigentlich ganz entspannt.

Manuela: Ja, auch so ein ganz wichtiger Aspekt. Häufig ist es so, dass andere Studierende einen total nervös machen. Also das kenne ich aus meiner Präsenzstudienzeit, wenn da wirklich die beste Freundin von dem Fach total Angst hatte, hatte man plötzlich auch total viel Angst, wenn man die am gleichen Morgen vor der Klausur gesehen hat. Das fällt natürlich dann auch weg, und das gewohnte Umfeld hilft natürlich sehr dabei.

Christian: Reden wir noch ein bisschen über das Umfeld, nämlich über das Thema Vernetzung. Im Fernstudium ist man ja doch mehr oder weniger relativ alleine unterwegs, zumindest ist jetzt niemand physisch anwesend. Was würdest du sagen, wie wichtig ist es, sich auch im Fernstudium zu vernetzen und Kommilitonen kennenzulernen?

Manuela: Sehr, sehr wichtig. Also ich beschreibe das ganz häufig bei meinen Mentees so, dass sie ja eigentlich wie so ein Satellit sind, der irgendwie so im Orbit kreist. Und das bestätigen auch ganz viele, die einfach sagen, na ja, da gibt es halt niemanden, mit dem ich mich abstimmen kann. Und das würde ich nicht so sehen. Man kann immer Gleichgesinnte finden und suchen, beispielsweise gibt es ja bei ganz vielen Fernhochschulen verschiedene Boards, in denen man sich einfach vernetzen kann, jemanden vielleicht auch suchen kann zum virtuell Zusammenlernen, zur Prüfungsvorbereitung.

Manuela: Und was natürlich auch ganz wichtig ist, dass man sich auch mit seinen Dozenten und Dozentinnen vernetzt. Das ist so meine Erfahrung, dass da gar nicht so wahnsinnig häufig Kontakt gesucht wird. Und ich als Dozentin freue mich immer total, wenn ich angeschrieben werde, auch mit so einer Fragestellung im Sinne von, ich muss jetzt bei Ihnen eine Hausarbeit schreiben, ich weiß aber gar nicht, über was, oder ich tue mir so schwer, ein Thema zu finden. Also da freue ich mich immer, weil man da auch noch mal einen schönen Impuls geben kann. Häufig braucht es wirklich nur so einen ganz kleinen Schubser. Und dafür sind ja auch die ganzen Lehrkräfte da, da wirklich überhaupt keine Scheu, die Personen da anzusprechen.

Christian: Absolut. Das sind jetzt zwei Aspekte, auf der einen Seite der Kontakt zu Kommilitonen, auf der anderen Seite der Kontakt auch zu Lehrkräften. Was die Kommilitonen angeht, man findet die natürlich häufig auch über die Online-Plattform der Hochschulen. Wo man definitiv immer Kommilitonen findet, auch aus anderen Hochschulen, ist Instagram. Das ist auch so mein Tipp, da gibt es auch eine super Community von Fernstudierenden, da muss man einfach mal schauen, da teilen die tatsächlich auch über ihre Accounts hauptsächlich ihre Lernfortschritte. Um auch ein Gefühl zu bekommen, ich bin hier nicht alleine in diesem Studium, da gibt es noch ganz viele andere, die das machen.

Christian: Dann gibt es noch die klassischen Foren, sind heutzutage jetzt nicht mehr ganz so häufig genutzt wie noch vor 10, 15 Jahren. Und es gibt Gruppen auf Facebook, auch größere Gruppen, da hat wahrscheinlich auch jede Hochschule ihre eigene Gruppe. Und auf WhatsApp gibt es häufig auch Gruppen von Kommilitonen, die sich auch nur für einzelne Module zu einer Gruppe zusammenschließen. Also da gibt es ganz viele Möglichkeiten sich zu vernetzen. Sollte man sich vielleicht auch nicht überfordern lassen, sondern einfach erstmal gucken, was bietet die Hochschule jetzt im Online-Campus für Möglichkeiten.

Christian: Der andere Aspekt, das sind die Lehrkräfte, hast du jetzt schon genannt. Hast du vielleicht noch ein paar Tipps, wie man optimal mit einer Lehrkraft kommuniziert? Schreibt man da jetzt so im Straßenjargon eine E-Mail?

Manuela: Also ich würde ja Studierende auch nicht so ansprechen. Ansonsten wirklich, erstmal keine Scheu, das finde ich immer ganz wichtig, das ist was, was ich ganz häufig mitbekomme, dass wirklich erstmal eine ganz große Hürde ist, eine Lehrkraft anzusprechen. Aber ich denke, wenn man das freundlich und höflich macht, so wie es eigentlich auch sein sollte, dann bekommt man auch eine freundliche und höfliche Antwort. Was ich auch immer ganz wichtig finde, ist, dass man so ein bisschen erzählt, wenn man beispielsweise Zeitdruck hat, oder wenn man sagt, ich muss vor einem bestimmten Datum meine Hausarbeit einreichen. Oder dass man einfach auch sagt, ich werde jetzt erstmal sechs bis acht Wochen in Asien reisen, wundern Sie sich bitte nicht, dass Sie jetzt erstmal längere Zeit nichts von mir hören. Dann weiß ich das einfach auch, und ich habe vielleicht selber noch ein bisschen mehr Zeit, um das zu bearbeiten. Aber ansonsten wirklich, traut euch, dafür sind die Lehrkräfte da, da beißt niemand, über das eigene Fachgebiet spricht jeder unfassbar gerne.

Christian: Ist auch meine Erfahrung, ich habe auch immer freundliche Antworten zurückbekommen. An der Präsenzhochschule gibt es ja immer noch die Sprechstunden, das gibt es jetzt im Fernstudium nicht mehr so, dass man irgendwo in dem Raum vorbeigeht und sich für fünf Minuten hinsetzen kann. Gibt es an einigen Hochschulen so eine Art digitale Sprechstunden?

Manuela: Ja, gibt es. Also ich mache das zum Beispiel auch mit meinen Studis, die wissen das auch, wann das stattfindet. Oder wenn ich das zum Beispiel merke, man hat jetzt so ein bisschen E-Mail-Pingpong, was teilweise dazu führt, dass man ständig hin und her schreibt und doch nicht richtig zum Ende kommt, dann sage ich auch immer, kommen Sie doch bitte vorbei in meine Sprechstunde, die findet dann und dann statt, ist noch ein freier Termin, hätten Sie da Zeit? Und das ist dann in der Regel auch ganz schnell organisiert, in der Regel die Themen ganz schnell besprochen, und dann kann die Studentin oder der Student auch schneller wieder weitermachen.

Christian: Jetzt haben wir über die wichtigsten Themen für Erstis gesprochen eigentlich. Ich hatte ganz zum Schluss noch ein kleines Thema, das haben wir jetzt nicht abgesprochen, aber ich finde es auch interessant und wichtig, sich als Fernstudent ein bisschen Gedanken darüber zu machen: das Thema Resilienz. Als Fernstudent hat man ja häufig so eine Mehrfachbelastung, will jetzt nicht alles als Belastung bezeichnen, die Familie ist ja keine Belastung. Aber man hat eben diese ganz vielen Lebensbereiche, die da teilweise auch miteinander kollidieren, und das artet für den ein oder die andere eben auch ein bisschen in Stress aus. Was hast du für Gedanken zum Thema Resilienz?

Manuela: Ganz, ganz wichtig. Ich glaube auch, vollkommen unabhängig von dem ganzen Thema Fernstudium, müssen wir uns mit dem Thema Resilienz auseinandersetzen. Wir müssen resilient werden und sein, wenn man sich gerade auch die letzten Jahre anschaut, was wir an wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer Entwicklung hatten. Wir brauchen diese Resilienz.

Manuela: Wenn wir noch mal zurückspringen zum Thema Fernstudium: Ich brauche einfach diese Resilienz, auch diese Stressresistenz in Bezug auf Hochphasen. Man macht sein Fernstudium, ist eigentlich schon so ein bisschen auf der Zielgeraden, und plötzlich klappt die Kindergarteneingewöhnung nicht, oder es ist Herbst und dein Kind schleppt einen Schnupfen nach dem anderen aus dem Kindergarten heim, oder du wirst selber krank. Dass man sich dessen auch bewusst wird, es wird diese Krisen geben, und ich muss Mechanismen haben, dass ich mit diesen Krisen umgehen kann. Das kann sein, dass ich einfach mal draußen einen Spaziergang mache, dass ich einen gemütlichen Kaffee trinke und so wirklich kleine Pausen einbaue. Oder dass man vielleicht mal ein Wochenende plant ohne Medien, um einfach auch keinen Einfluss zu bekommen, weil wirklich ganz viel auf uns einströmt.

Christian: Ja, die Pausen, super wichtiger Faktor zur Erholung. Wissen wir ja auch aus der Lernforschung, dass gerade die Pausen auch wichtig sind, um das Gelernte richtig zu vertiefen und im Langzeitgedächtnis zu verankern. Also Pausen ganz wichtig, und die ermöglichen ja dann auch, wenn man sie wirklich so nutzt, dass man sich erholt, dass man von stressigen Phasen sich schnell wieder erholt. Also ganz wichtig, auch die Pause mit einzuplanen, da sind wir wieder beim Thema Planung. Und da kann eben auch mal ein Urlaubssemester mit dazugehören, dass man auch mal eine längere Pause nimmt und weiß, ich brauche jetzt einfach diese Zeit, um Energie zu tanken, danach geht es dann aber mit voller Kraft weiter.

Manuela: Auf jeden Fall. Dass man sich einfach auch noch mal klar wird, was ist vielleicht in der Vergangenheit nicht so ganz gelaufen in meinem Fernstudium, möchte ich das überhaupt noch, mit allen Faktoren. Oder vielleicht hat sich bei mir auch grundlegend etwas verändert. Aber bevor man da wirklich in Richtung Studienabbruch geht, würde ich wirklich auch sagen, macht eine Pause. Entweder, es gibt ja auch je nach Studienmodell die Möglichkeit, ein Modul mal nicht zu belegen, dass man sich vielleicht zwei, drei Monate Pause nimmt, oder wirklich dieses klassische Urlaubssemester, dass man wirklich ein halbes Jahr auszieht und dann einfach sagt, okay, im Moment habe ich einen komplett anderen Fokus, da ist es nicht möglich für mich, dass ich ein Fernstudium mache.

Christian: Ja, liebe Manuela, ich glaube, wir haben jetzt über die wichtigsten Sachen geredet. Vielleicht kannst du unseren Zuhörern und Zuschauern noch sagen, wie kann man dir am besten folgen auf Instagram, wissen wir ja, und wie kann man auch mit dir in Kontakt treten, beispielsweise wenn man an einem Mentoring interessiert ist?

Manuela: Genau, also ihr könnt natürlich jederzeit und gerne über Instagram mir eine Direktnachricht schicken. Ansonsten wäre auch meine E-Mail-Adresse manuela@newstudynewwork.de, da könnt ihr mich auch gerne anfragen. Es gibt auch ab jetzt tatsächlich zu buchen ein Minitraining für den Start ins Fernstudium, das heißt Smart Start. Das wäre dann auch eine Möglichkeit, in der kleineren Gruppe wirklich auch diesen Start ins Fernstudium zu planen. Da sind im Prinzip alle Themen, die wir heute besprochen haben, auch abgedeckt, es gibt dazu verschiedenste Live-Calls, Workbooks, es gibt eine Telegram-Gruppe dazu, um da einfach ein bisschen einfacher ins Fernstudium zu starten.

Christian: Cool, wir verlinken das natürlich auch alles in der Beschreibung für den Podcast auf YouTube und auf Spotify und wo auch immer ihr diesen Podcast hört und seht. Und ja, liebe Manuela, das war ein super Austausch, herzlichen, herzlichen Dank dafür, und ich wünsche dir noch einen schönen Tag!

Manuela: Danke, für dich auch!

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