Bachelorarbeit schreiben: 10 Fallstricke und wie man sie vermeiden kann – mit Silvio Gerlach von Studeo

Abschlussarbeiten sind für Studierende nicht immer nur Meilensteine, sondern gerade im Erststudium häufig auch Stolpersteine in der akademischen Laufbahn.

Sie sollen das Verständnis eines Themas sowie die Forschungsfähigkeiten demonstrieren, bieten aber auch die Möglichkeit, Wissen zu vertiefen, einen eigenen Beitrag zur Wissenschaft zu leisten und können zum Aushängeschild der eigenen Studienleistung werden.

Die Themenwahl, Planung, Strukturierung und auch das Selbstmanagement während des Schreibprozesses sind nur einige Hürden die es bei Abschlussarbeiten zu überwinden gilt. Zudem können die Wahl der richtigen Methodiken, die Suche nach Quellen und das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit als solches knifflig sein.

In Podcast 27 zu Gast ist der erfahrene Dissertations-Coach, Autor sowie Verleger und Aristolo-Geschäftsführer Silvio Gerlach. Silvio rettet als Thesis-Coach Studis und Doktoranden vor dem „Niemals fertigwerden” oder „Total scheitern”. Aus seinen Erfahrungen entstanden das „Thesis-ABC - In 31 Tagen zur Bachelorarbeit oder Masterarbeit“ und „In 200 Tagen zur Dissertation - Der Diss Guide“.

Gemeinsam mit Christian bespricht er die häufigsten und gravierendsten Fallstricke in Abschlussarbeiten über 4 Phasen hinweg: von Themenwahl bis zum Schreiben der Arbeit.

Inhalt:

00:00 Intro
01:19 Silvio stellt sich vor
04:19 4 Phasen der Abschlussarbeit: Phase 1 - Fokus
05:42 4 Phasen: Phase 2 - Plan
07:25 4 Phasen: Phase 3 - Analyse
09:47 4 Phasen: Phase 4 - Text & wann die Analyse endet
12:02 Zeitliche Aufteilung der Abschlussarbeit
15:06 Fallstricke in der Fokus-Phase
20:00 Die Bedeutung von Feedback in der Fokus-Phase
23:02 Fallstricke in der Planungsphase
27:22 Wie managt man die Planung?
32:15 Fallstricke in der Analysephase
37:47 Fallstricke beim Schreiben der Arbeit
41:12 Die Mikrofragen-Technik
50:24 Fallstricke bei der Überarbeitung des Geschriebenen
55:39 Silvio über Aristolo: Digitaler Leitfaden für die Thesis
57:25 Silvio im Internet & als Autor

Silvio im Internet:

➡️ Website: https://studeo.de/
➡️ Youtube: https://www.youtube.com/@StudeoDe/
➡️ Instagram: https://www.instagram.com/studeo/
➡️ X: https://twitter.com/studeo
➡️ Facebook: https://www.facebook.com/studeo
➡️ LinkedIn: https://de.linkedin.com/in/silviogerlach/de

Im Podcast erwähnt:

👉 Aristolo, der digitale Begleiter für wissenschaftliches Schreiben: https://aristolo.com (50%-Rabatt-Coupon: fernstudi50)
👉 In 31 Tagen zur Bachelorarbeit oder Masterarbeit: Das Thesis-ABC: https://www.amazon.de/Thesis-ABC-Bachelorarbeit-Masterarbeit-Wissenschaftliches-Arbeiten/dp/3936875871

Christian: Schönen guten Tag! Heute habe ich im Podcast Silvio Gerlach, und Silvio ist Coach für Studierende, schon seit vielen, vielen Jahren. Ein sehr erfahrener Coach, der schon unzähligen Studierenden dabei geholfen hat, ihre Bachelorarbeit, ihre Masterarbeit oder auch ihre Dissertation oder auch noch Diplomarbeit sicher zu schreiben. Silvio ist auch Autor und Verleger, und Silvio ist auch der Gründer einer Plattform namens Aristolo. Über diese Plattform werden wir auch kurz im Podcast sprechen. Wir reden aber hauptsächlich über Abschlussarbeiten, vor allem über Bachelorarbeiten, und wir haben uns überlegt, dass wir euch hier eine ganze Reihe an Fallstricken vorstellen, über die man so stolpern kann, wenn man eine Abschlussarbeit schreibt, ob es eine Bachelorarbeit ist oder eine Masterarbeit. Und das gilt natürlich auch für Dissertationen beispielsweise. Darüber reden wir. Wir haben uns eine ganze Reihe an Fallstricken rausgesucht, und Silvio hat über sein Coaching-Angebot im Prinzip ja so eine Art Struktur entwickelt, über die man vorgehen kann, wenn man so eine Abschlussarbeit schreibt. Er teilt das in vier Phasen auf. Diese vier Phasen wollen wir erstmal vorstellen, und dann hangeln wir uns anhand dieser vier Phasen entlang und gucken, was da so die typischen Fallstricke sind und natürlich, wie man die umgehen kann. Also ich würde mal sagen, viel Spaß jetzt mit diesem Podcast mit Silvio.

Christian: Silvio, dann herzlich willkommen hier im Podcast! Freue mich sehr, dass du mich gefragt hast, ob wir diesen Podcast machen können, dass du hier teilnimmst. Und wir haben ja schon festgestellt, dass wir mindestens eine Gemeinsamkeit haben, nämlich du bist hier aufgewachsen, wo ich lebe, in Eisenach, wo hier auch meine Firma ist. Und du bist hier im Prinzip direkt nebenan zur Schule gegangen. Kannst du vielleicht dich mal kurz vorstellen, bisschen was über dich erzählen? Wer bist du, was machst du?

Silvio: Also ich bin Silvio Gerlach, Coach für Bachelorarbeit, Masterarbeit, Dissertation, schon seit vielen Jahren, über 20 Jahre. Ich mache das hauptberuflich, also Vollzeit, und ich habe Riesenspaß daran. Und ich hatte in der Zeit auch sehr viele Fernstudis, deswegen kam ich auch auf die Idee. Und ich muss erstmal sagen: Ich habe eine Riesenachtung für euch, diese drei Dinge unter einen Hut zu bringen – Family, Beruf, Studieren. Also das ist was für Hartgesottene, das ist heftig. Und es macht mir immer Riesenspaß, mit Fernstudis zu arbeiten, weil ihr habt auch einen Riesenvorteil: Ihr wisst, was Arbeiten ist. Also da macht euch keiner mehr was vor. Die Aufgabe ist klar, dann wird das erledigt, da wird nicht rumgezickt, sondern es geht an die Arbeit. Und ich bin mit Ingenieuren aufgewachsen, also drei Onkels, einer war Schweißer, der hat Dampfloks geschweißt, und da habe ich auch diesen Arbeitsethos her. Und das versuche ich zu übertragen auf meine Arbeit.

Christian: Und in Eisenach, da habe ich nur tolle Erinnerungen. Ich habe dort mein Abitur gemacht, das war auch ein Highlight, auf der Wartburg dann das Abiturzeugnis bekommen zu bekommen. Das ist natürlich was ganz Besonderes, werde ich nie vergessen.

Silvio: Im Festsaal dann dort wahrscheinlich, oder?

Christian: Da finden ja jetzt immer noch häufiger Konzerte statt, da bin ich auch das ein oder andere Mal schon auf einem Konzert gewesen.

Silvio: Da war ja früher der Sängerstreit oder die Sängerstreite quasi. Also das ist schon ein ziemlich historischer Ort, und natürlich alles sehr grün drumrum, deswegen finde ich es auch ganz nett.

Christian: Hier, du bist ja auch schon lange dabei eigentlich, habe ich gesehen. Also noch länger als ich. Ich habe ja auch so um 2009 rum angefangen, als Lektor zu arbeiten, habe das viele Jahre gemacht. Bei dir geht das aber noch so ein bisschen länger, also du hast wirklich sehr, sehr viel Erfahrung.

Silvio: Ja, ich habe 95 angefangen mit Repetitorien für Studis in Marburg, die Partnerstadt von Eisenach. Und dort habe ich dann auf die Klausuren vorbereitet, so kurz vor der Angst, so zwei Wochen davor. Das war richtig heftig auch, also 20 Stunden reinknüppeln. Ein Freund von mir sagte: Du hast da eine Knüppelakademie. Fand ich irgendwie schick, das zu nennen. Aber ich glaube, das ist für Fernstudis auch ziemlich vertraut, weil man muss immer priorisieren, und die Klausuren, die kommen irgendwann, und dann muss man sich halt irgendwie organisieren. Und das ist halt auch etwas, was euch dann auch in Fleisch und Blut übergeht.

Christian: Und du gehst da im Prinzip auch sehr strukturiert vor, dann sicherlich auch in einem Coaching. Wir haben schon darüber geredet, dass du diese Arbeit, die man hat mit so einer Abschlussarbeit, in vier Phasen unterteilst. Du hast die Phasen bezeichnet als Fokus, Plan, Analyse und Text. Und vielleicht reden wir erstmal ganz kurz, bevor wir auf die ganzen Fallstricke genauer eingehen, über diese vier Phasen. Fangen wir an mit dem Fokus. Was meinst du genau mit Fokus, wie kann ich mir das vorstellen?

Silvio: Ja, Fokus ist ja so ein Wort, das sehr modern ist. Wir nutzen das gerne, ursprünglich kommt es ja von der Fotografie. Wir kennen das alle: Das, was wir im Sucher sehen, das ist dann scharf. Aber bei so einer Abschlussarbeit ist das eine andere Sache, das ist viel schwerer. Der Fokus ist das, was untersucht wird, und am besten lässt es sich verstehen als die Frage über diesen zu untersuchenden Gegenstand. Ich habe da immer ein schönes Beispiel mit Schokolade, ein Schokoladenthema sozusagen. Versteht jeder, fast jeder mag Schokolade, und da lässt sich das gut zeigen. Zum Beispiel, wenn es um Motivation von Studis geht, da könnte man untersuchen, wie Schokolade dabei helfen kann. Und das wäre dann der Fokus: Welche Auswirkungen hat Schokoladenkonsum auf die Motivation von Studis? Das ist kurz gesagt der Fokus.

Christian: So, dann die zweite Phase, die zweite Hauptphase, die nennst du Plan. Ja, da steckt ja dann eben schon so ein bisschen diese Planung drinne, wie gehe ich da vor?

Silvio: Ich sage immer auf die Frage „Wie gehe ich vor?": Geschickt. Das heißt, ich überlege vorher, was ich mache. Und hier kommen auch die zwei Prinzipien, die ich versuche, immer anzuwenden. Das erste ist: Probleme lösen ist gut, aber Probleme vermeiden ist viel besser. Und ich glaube, das gefällt euch Fernstudis auch. Und das zweite ist: Vorbereitung ist alles. Und in dem Projekt, wo ich eigentlich schon weiß, was am Ende rauskommen soll – es gibt ja Projekte, wo ich das nicht weiß, aber hier weiß ich, es soll ein guter Text rauskommen – kann ich planen. Und je besser ich plane, umso weniger Leid unterwegs, umso weniger Probleme, umso schneller geht das Ganze. Und Zeit ist das Kostbarste im Fernstudium. Das weiß ich aus meinen Erzählungen von den Coachees, die sagen das immer. Aber sie jammern nicht lange, sondern sagen: Was ist die nächste Aufgabe, Silvio? Die wollen dann wissen, wo greifen wir jetzt als Nächstes an.

Christian: Ja, wir merken das hier auch auf dem YouTube-Channel beispielsweise. Oder mit den Inhalten, die wir so erstellen: Was mal besonders gut ankommt, wenn man irgendwie ein Video macht wie „So kannst du doppelt schnell deine Hausarbeit schreiben" oder sowas. Du hast ja auch ein Buch geschrieben, wie man in bestimmter Zeit, in einem Monat quasi, seine Abschlussarbeit schreiben kann. Und ja, da gehört vielleicht auch zum Plan oder zur Planung dazu, sich dann mit solchen Themen noch ein bisschen auseinanderzusetzen, zu gucken, wie man diesen ganzen Prozess dann optimieren kann. Meinen Podcast auch, oder eine Folge wie diese zu hören, und da dann eben so eine Vorstellung davon auch zu haben, wie man strukturierter an sowas rangeht.

Christian: Nächste Phase wäre die Analyse. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Silvio: Ja, bei der Analyse geht's eigentlich ans Eingemachte, diese Eigenleistung. Und das ist ein Drama immer wieder, weil zu lange an diesem Theoriekram gearbeitet wird. Es geht ja am Ende darum, einen Text zu liefern. Gut, 60 Seiten, sagen wir, drei bis sechs Monate, klare Aufgabe: Text schreiben. Und das bedeutet aber auch, dass unterwegs diese Schreibphasen immer belohnt werden. Immer wenn ich eine Seite weiter habe, kann man nicht allen berichten: Wow, ich bin glücklich, habe Seiten geschafft. Und in der Analyse geht's halt erstmal nicht ums Schreiben, sondern ums Analysieren. Das heißt: Fragen stellen, Antworten sammeln, Informationen sammeln, auswerten. Und das ist eine ganz andere Disziplin, und die kommt später in der zweiten Hälfte. Und da fängt das schon an, und da können wir gleich noch mal drauf eingehen. Das Ziel dieser Analyse ist ja, diese Eigenleistung auf die Reihe zu kriegen und Antworten zu haben auf die Frage vom Anfang.

Christian: Und habe ich da schon Literatur, oder ist das auch ein Prozessschritt, in dem sich meine Literaturliste beispielsweise rauskristallisiert? Was lasse ich weg, was brauche ich unbedingt?

Silvio: Ja, absolut. Es geht einfach darum, dass wir von dem, was wir schon wissen, zu dem kommen, was wir nicht wissen. Was schon mal eine Herausforderung ist, zu wissen, was wir nicht wissen. Also das kennt ihr auch aus dem richtigen Leben. Und wenn ich das weiß, was ich nicht weiß, dann kann ich einen Plan machen, um das rauszukriegen, was ich wissen will. Und es ist offensichtlich: Je genauer ich weiß, was wir nicht wissen – das ist dann diese Leitfrage – umso eindeutiger ist mein Plan. Und das ist dann die zweite Phase: Ich sammle dann Informationen, entweder aus Literatur, wenn es eine Literaturarbeit ist, aus Studien, oder ich gehe in die empirische Datenerhebung – Umfrage, Interviews, Beobachtung. Da gibt's also keinen Mangel an Zugängen zu Daten, wobei die Zugänge dann oftmals nicht so leicht zu finden sind und die Leute zu motivieren – also das ist ein langes, großes Thema. Aber da ist auf jeden Fall die Literatur ein wichtiger Punkt dabei. Und dann die Eigenleistung aufgrund eigener Schlussfolgerungen. Und das ist nicht so leicht, vor allem wenn es unter Zeitdruck passiert.

Christian: Und dieser Prozess, gibt's dann einen Punkt, an dem ich das dann abschließe und zum Text, also zum nächsten Schritt, übergehe? Oder ist das irgendwie so ein fließender Übergang, dass ich meine Daten beispielsweise immer wieder feiner – ja, vielleicht kommt später noch mal ein neuer Interviewpartner oder sowas dazu, wenn ich jetzt Interviews führe? Also der nächste Punkt wäre dann eben der Text logischerweise. Irgendwann muss man ja auch mal anfangen, an seinem Text zu arbeiten. Aber nebenher kann es doch bestimmt auch sein, dass man irgendwie beispielsweise noch Daten erhebt oder sowas?

Silvio: Ja, das ist eine ganz wichtige Beobachtung. Das Analysieren ist dann zu Ende, wenn keine Zeit mehr ist und wenn der Abgabetermin näher rückt. Und das ist natürlich gar nicht gut, weil die Gefahr besteht, dass man was abschneidet, was noch dahin gehört. Deswegen ist der Plan, die Planung, so extrem wichtig. Wenn ich diese eine Leitfrage habe und dann noch ein paar Unterfragen, dann – wenn ich die Antworten gefunden habe, ist es wie bei Sachaufgaben in der Klassenarbeit: Wenn die Rechnung durch ist, dann habe ich die Antwort und fertig. Und hier ist es auch so. Und das ist auch eine Herausforderung: Dieses Analysieren und Schreiben, das sind auch zwei Sachen, die zeitweise auf jeden Fall parallel ablaufen. Weil das ist auch so eine Beobachtung: Wir klären manche Dinge erst bis zum Ende, wenn wir gezwungen sind, sie aufzuschreiben oder jemandem zu zeigen. Ich habe da jede Menge Techniken auch entwickelt im Laufe der Zeit, wie gesagt, es ist mein Ein und Alles. Und das Ziel ist, dass eben diese Aufgaben erledigt werden. Und das Schreiben und Analysieren gehören zusammen, aber das Schreiben ist dann noch mal eine eigene Disziplin. Auch von der Technik her ist es was ganz anderes, und es ist sehr einsam. Es ist einsam, und es zieht sich. Die Mühen der Ebene, das ist ein Begriff, den ich da auch gefunden habe. Und alle fragen: Wie weit bist du? Und wann? Es ist heftig, da muss man auch ein dickes Fell haben.

Christian: Da gibt's ja schon so ein bisschen Hinweis darauf, dass das Schreiben ein Schritt ist, der besonders lange dauert. Wenn man das jetzt mal aufteilt: Nehmen wir mal sechs Monate, vielleicht habe ich auch schon so ein bisschen prokrastiniert mit meiner Abschlussarbeit, sechs Monate hätte ich insgesamt Zeit, jetzt habe ich noch zwei Monate Zeit. Wie würde ich das so ungefähr aufteilen, diese Phasen? Wahrscheinlich habe ich ja schon ein Thema, aber trotzdem muss ich ja noch so ein bisschen an diesem Fokus arbeiten. Wie teile ich mir das zeitlich so ungefähr auf?

Silvio: Also ich sage auch immer, ich habe ständig solche Coachees, die aufgeschoben haben, und ich gratuliere ihnen erstmal, dass sie aufgeschoben haben. Weil das Aufschieben macht hier deswegen Sinn: Wenn du nicht genau weißt, wo du hinwillst, dann ist es auch nicht gut, loszulaufen. Weil das ist auch so eine Erfahrung: Wenn man da mal so 15, 20 Seiten geschrieben hat und merkt unterwegs, das ist nicht so das Gelbe vom Ei, dann ist man nicht so richtig bereit, das in Frage zu stellen, ohne guten Grund. Wenn der Prof natürlich sagt, hey, das ist irgendwie durchwachsen – als Codewort für: Das kannst du bitte noch mal machen – dann macht man das. Aber ohne so einen externen Impuls ist man da nicht wirklich bereit. Und ich erkläre mir das so, weil es eben bedeutet, dass ich diesen ganzen Leidensprozess noch mal durchlaufe.

Silvio: Deswegen, worauf kommt's an? Es kommt auf diese Frage an, es kommt auf den Plan an und dann auf die Technik. Und die Technik, damit meine ich alles, was danach kommt. Zeitlich von der Aufteilung her: Wenn man jetzt acht Wochen Zeit hat und so 30 Stunden die Woche, dann wären es bei 240 Stunden genau die 31 Arbeitstage sozusagen. Dann würde ich zwei Wochen darauf verwenden, das alles durchzuplanen. Das heißt: Die Frage, die Unterfragen, das Ziel, dann die Gliederung, auch die Quellenrecherche, die Abstimmung mit den Betreuenden. Und dann ist meistens auch schon die Einleitung da. Und dann geht's weiter: Dann Datenerhebung, würde ich sagen, ein Drittel vom Rest. Dann haben wir sechs Wochen sozusagen, ein Drittel, zwei Wochen. Dann Analysieren und Schreiben, das läuft dann auch schon parallel. Dieses Einarbeiten muss auch am Anfang schon passieren mit den theoretischen Grundlagen. Das ist immer so ein ganz gefährliches Gebiet, weil man da einfach belohnt wird. Du findest dann sagen wir über Schokolade ohne Ende Quellen und kannst dann richtig schön schreiben. Aber erstens hast du ganz viel Zeit verbraucht und zweitens hast du zu viele Seiten verbraucht. Und es wird nicht nach Seiten abgerechnet. Jetzt habe ich hier 40 Seiten über Schokolade und Motivation und Studis, und dann 20 Seiten nur noch für den Rest – so geht's nicht. Also so 25 Prozent für die Planung, dann den Rest ungefähr dritteln.

Christian: Okay. Dann lass uns noch mal über die ganzen Fallstricke reden und die Fallen, auf die man da so treffen kann. Fangen wir mal an mit dem ersten Schritt, dem Fokus. Was kann ich da falsch machen? Was wäre so das Erste, was dir einfällt, wo es Probleme geben könnte?

Silvio: Also ein zentrales Problem ist, dass die Begriffe einfach zu groß sind. Dass ich große Begriffe wähle statt konkrete. Machen wir es mit dem Schokoladenthema: Ich kann untersuchen, wie sich Schokolade auswirkt auf die Motivation von Studis. Ich könnte da aber auch Ernährung bei Studis untersuchen, oder Digitalisierung in der Schule – das sind große Klopper, die Themen. Also diese Begriffe sind einfach zu groß. Ich muss dann konkret werden, weil am Ende einfach zu viel Stoff auch zu finden ist, und dann vertieft man sich. Eine der größten Fallen ist, sich einzulesen über Tage und Wochen.

Silvio: Also möglichst konkrete Begriffe. Und das funktioniert erstaunlicherweise über Fragen: Du findest irgendwie ein Problem, du ärgerst dich über was oder staunst über was – meine Güte, wieso ist das so? Und das ist dann ein guter Grund, eine Frage zu stellen, zum Beispiel: Warum schaffen das manche mit der Motivation und andere nicht? Woran liegt das? Könnte sein, dass es an der Schokolade liegt. Natürlich ist das ein bisschen spaßhaft, aber macht halt auch Spaß. Also eine Frage formulieren, und dann guckst du in die Begriffe rein, welche da wirklich auch konkret sind. Und das merkst du daran, dass du sie definieren kannst, dass du Quellen findest, dass darüber schon geforscht wurde. Und du darfst kein Grüne-Wiese-Thema machen. Wenn du jetzt diese neue Vision Pro von Apple – wenn du wissen willst, wie die Nutzererfahrungen sind, ist das natürlich offensichtlich Käse, da kommst du nicht weit. Aber auch diese ganze KI ist schwierig, weil wir sind alle noch am Üben, und da gibt's nichts Festes, es gibt vor allem auch keine Literatur dazu, nur Beiträge. Und wer weiß, wie viel davon von der KI selber generiert wurde.

Silvio: Das ist der erste Fehler. Der zweite Fehler ist, diese Fragen nicht sauber zu formulieren. Zum Beispiel zu sagen: „Kann Schokolade die Motivation steigern?" Die Antwort ist dann ja oder nein, und das ist offensichtlich nicht möglich, daraus einen großen Text zu machen. Also die Frage sollte in die Richtung gehen: Welche Dinge lassen sich untersuchen? Welche Auswirkungen hat es? Oder welche Ursachen gibt es für die mangelnde Motivation? Da ist natürlich die Tür geöffnet für ganz viele Informationen, da gibt es auch schon ganz viel in der Literatur.

Silvio: Und das Dritte ist: Das ist ein Prozess. Also zu sagen, na ja, ich mache jetzt einfach mal was, und wenn es dem Prof gefällt, dann mache ich damit weiter – keine gute Idee. Ich verstehe das schon, man hat dieses dringliche Bedürfnis, möglichst schnell Akzeptanz zu bekommen. Aber stell dir vor, du hast ein Thema, das dich zwar interessiert, aber dazu gibt's nicht so viel Literatur, und du klärst es vorab nicht. Dann hast du hinterher Schwierigkeiten, du machst ein Versprechen und kannst es nicht halten. Das ist ungünstig.

Silvio: Also die drei Sachen: Konkrete Begriffe, dann eine Frage, die sich auch beantworten lässt – und das kannst du eigentlich ganz gut daran erkennen, ob es da eine Liste gibt. Ich nenne das einfach so profan eine Liste, zum Beispiel mit Ursachen, mit Auswirkungen. Oder du machst einen Vergleich: Milchschokolade und dunkle Schokolade, wie wirken die sich aus? Und kannst du sagen: Okay, auf den Aspekt, auf den Aspekt. Und da ist einiges an Denkarbeit, aber das ist nichts im Vergleich zu dieser unfassbaren Mühe, aus dem Gesammelten irgendwie was zu machen, was man lesen kann.

Silvio: Also wenn man irgendwo angefangen hat – erlebe ich auch immer wieder – wenn die ersten 10, 15 Seiten irgendwie eine Zusammenfassung sind und dann geht man in eine ganz andere Richtung, muss man das wieder überarbeiten. Das kostet alles Zeit und verunsichert vor allem. Das ist auch meine Beobachtung, dass das Selbstvertrauen einen Knacks bekommt. Und das könnt ihr in so einem komplexen Projekt echt nicht gebrauchen. Das ist eigentlich das Wichtige: Begriffe, Frage, und dann das als einen Prozess ansehen. Und dann wird der Betreuer, wenn die Betreuenden da auch glücklich sein, dass ihr eine interessante Frage habt. Aber da gibt's natürlich dann auch wieder ganz viele Fallen, wenn die ganz andere Vorstellungen haben. Also wir können jetzt aber auch nicht alles durchnudeln hier.

Christian: Ja, das wäre jetzt die nächste Frage von mir gewesen. Auch jetzt haben wir so Fallstricke, die da auftreten können in dieser Prozessphase. Wie wichtig ist denn das Feedback eigentlich in diesem Prozess? Also das ist ja nicht immer so, dass ich da 24/7 Zugang zu meinem Betreuer oder zur Betreuerin habe und dann immer wieder nachfragen kann: Passt das so? Ist das okay? Und auf den Erfahrungsschatz auch zurückgreifen kann. Was mache ich beispielsweise, wenn ich gar kein richtiges Feedback bekomme, außer: Ja okay, machen Sie mal?

Silvio: Also das ist so ein zweischneidiges Schwert. Man hat sozusagen Freiheit und gleichzeitig auch die Eigenverantwortung. Ich würde sagen, es ist ziemlich nah am Leben, und ihr Fernstudis habt damit schon wesentlich mehr Erfahrung als die anderen. Ich sehe das hier als Riesenvorteil, dass ihr immer wieder in der Arbeit Verantwortung übernehmen müsst und auch nicht den Chef bei jedem kleinen Kram fragen könnt. Aber worum geht's: Diese Vorgehensweise, also den Fokus klar zu machen, den Plan – wenn diese zwei Sachen sehr gut gelöst sind, ist der Rest viel leichter. Weil die Betreuenden sehen, was du vorhast, was dein Fokus ist, und sie sehen, dass du einen guten Plan hast. Dann ist das das Signal: Er braucht keinen Babysitter, sie braucht keinen Babysitter.

Silvio: Und das Zweite ist, dass dieses Feedback gleich auch eingeplant werden kann. Also: Ich brauche Feedback zu meinem Fokus, dann zu dem Plan, und dann würde ich gerne noch die Methodik abgleichen. Und der Rest gibt sowieso kein Feedback. Wer hat denn Zeit, sich da zehn Seiten Theorie durchzulesen? Und witzigerweise ist das immer wieder auch ein Problem: Wenn man das dann einreicht, zehn Seiten Theorie, und kriegt dann ein detailliertes Feedback, dann ist man noch mal zwei Wochen mit diesem Theorieteil befasst. Und die Zeit fehlt hinterher, und das bringt ja auch gar nicht die Punkte bei der Bewertung.

Silvio: Also Feedback am besten geplant, am Anfang beim Plan und dann noch mal die Methodik, und das war's dann. Und die Studien sind eigentlich bessere Helfer als die Betreuenden, weil die Studien sich ja um das aktuelle Thema drehen. Ihr müsst auch ein bisschen Verständnis haben für die Betreuenden: Die können nicht in jedem Thema drin sein, das wollen sie auch nicht, und die sehen das auch als deine Aufgabe an. Komm, gib mir gute Erfolgsmeldungen! So alle zwei Wochen, so kurz: Ja, läuft. Kurze E-Mail, bringst dich in Erinnerung, läuft, keine Probleme, ich melde mich wieder, mache jetzt als Nächstes – wie so ein bisschen Sprint, diese Sprintphilosophie.

Christian: Ja doch, das ist auf jeden Fall ein guter Vorschlag, auch ein guter Tipp, das dann nicht zu ernst zu nehmen, nicht in Tränen auszubrechen, wenn sich die Lehrkraft oder der Betreuende mal nicht meldet. Man soll da eben auch etwas selbst leisten. Dann kommen wir mal zur nächsten Reihe an Fallstricken, nämlich bei der Planung. Der erste ganz offensichtliche ist ja eigentlich, dass wir gar keinen Plan haben oder keinen Plan ausgearbeitet haben. Kannst du dazu was sagen? Muss ich meinen Plan auf Papier schreiben beispielsweise? Oder wie kann ich mir das vorstellen?

Silvio: Also auch hier wieder ein Riesenvorteil für euch Fernstudis: Das Ganze ist ja ein Projekt, und ihr seid einfach durch die Arbeit mit dieser ganzen Projektmanagement-Lehre, -Philosophie vertraut. Für euch ist es ein weiteres Projekt, insofern habt ihr da einen Riesenvorteil wirklich, und ihr solltet das dann auch wie ein Projekt handhaben. Normalerweise wird ein Exposé geschrieben, aber da gibt's eine Bandbreite: von einer Seite Besinnungsaufsatz wie im Abi – „Wie stehst du zu Digitalisierung in der Pädagogik?", zwei riesengroße Wörter, da kannst du dann eine Seite zu schreiben, aber das legst dann auch beiseite – bis hin zu einem ganz genau vorgegebenen Exposé. Ich finde den zweiten Ansatz besser: Je genauer du planst, umso einfacher ist die Abstimmung, Risikokontrolle, du kannst dich auch selber besser vorbereiten, und du siehst vor allem: Ist das machbar?

Silvio: Und da gibt's ein Exposé, da gibt es eine ganz klare Gliederung, das sind zehn Punkte. Die habe ich in diesem Buch, im Thesis ABC in 31 Tagen zur Bachelorarbeit oder Masterarbeit, auch sehr ausführlich dargestellt. Das ist die halbe Miete. Man sagt ja immer: Wie beim Bau, wenn der Bauplan steht mit allen Teilen, Gewerken, Material, Terminplan, dann ist der Rest nur noch fleißiges Abarbeiten. Und das ist genau, was ich meine. Ihr habt das in der DNA: Aufgabe her, ich besorge die Sachen, und dann wird geschrubbt, und dann wird gearbeitet. Und dann geht das auch in so einen Korridor und läuft.

Silvio: Und der zweite Teil der Planung, der wird meistens gar nicht so wahrgenommen, das ist die Gliederung. Das ist sozusagen diese strukturelle Komponente. Du musst von Anfang an schon so eine Gliederung haben, und das ist etwas, was kaum thematisiert wird. Dabei haben wir ein wunderbares Vorbild, das sind diese ganzen Studien, die laufen alle nach dem gleichen Schema: Einleitung, Forschungsstand, Forschungslücke, Forschungsmodell, dann die Methodik, die Ergebnisse und das Fazit. Dann kommt noch ein Abstract und das war's. Und so machen wir das hier auch. Das hat sich dort bestens bewährt. Und in der Regel sieht die Gliederung genauso aus. Was ich vorhin geschildert habe: Die Gliederung für die Theorie, ein Riesenbauch bis in die vierte, fünfte Ebene, wird ein kleines Lexikon. Und auf der anderen Seite hat man dann hinten Vorgehen, Ergebnisse, Fazit – das sind dann drei kleine Punkte, und die sind unklar, was dort hinkommt. Und hier ist auch leider immer wieder zu beobachten, dass die Betreuenden da selber nicht drauf bestehen, einen ordentlichen Plan zu machen. Sie sind ja zufrieden mit ein, zwei Seiten ohne Gliederung, ohne Literatur – das geht gar nicht. Also in den Plan gehört das Thema, die Frage, das Ziel, die Methoden, die Begründung für das Thema, die Definitionen, die Gliederung, und dann eben auch schon die vorläufige Literaturliste. Und wer das gemacht hat, der wird unterwegs nicht mehr viele Überraschungen haben. Also ich glaube, in eurem Leben gibt's sonst genug Gelegenheiten für Überraschungen, hier braucht ihr das echt nicht.

Christian: Also es ist sinnvoll, sich dann auch schon mal ein Dokument beispielsweise anzulegen und da anzufangen, die Gliederung einzuarbeiten. Ich kenne das auch aus meiner Arbeit als Lektor, dass man da auch bei Bachelorarbeiten häufig wirklich so überbordende Gliederungen hat. Und vielleicht ist das für den einen oder anderen am Anfang ganz sinnvoll, sich das noch ein Stückchen weiter zu untergliedern, nur für sich persönlich halt, um sich schon mal zu überlegen, was schreibe ich dann in diesem Gliederungspunkt. Aber zum Schluss sollte das dann schon weitgehend der Struktur oder einer nicht zu tiefen Gliederungstiefe folgen, so wie du das eben schon gesagt hast.

Christian: Ich habe noch eine Frage dazu, zum Management eben dieser Planung. Also du hast schon völlig recht, viele unserer Zuhörer arbeiten beispielsweise auch in der IT, da ist es ganz gängig, eben so ein Sprintmodell beispielsweise zu nutzen und zu sprinten. Das wird mittlerweile auch an Hochschulen ganz gerne verwendet, um seine Module in Sprints sozusagen abzuarbeiten. Und Sprint ist dann immer so ein fest definierter Zeitraum, kann eine Woche sein, kann zwei Wochen sein, da legt man sich fest, was werde ich oder will ich jetzt schaffen in diesem Zeitraum, und dann arbeitet man das ab. Und dann werden eben ganz häufig auch so Projektmanagement-Tools verwendet. Was hältst du davon, um so eine Abschlussarbeit auch besser zu planen? Also so ein Tool wie Notion beispielsweise, das haben wir schon mal auf unserem YouTube-Kanal vorgestellt, da kann man dann wirklich so mit Kärtchen sich das alles zurechtorganisieren?

Silvio: Ja, Christian, das ist ein ganz, ganz großes Problem. Man kann mit Tools viel Gutes tun oder auch Schaden anrichten. Die größte Herausforderung sehe ich: Na ja, die sind halt blank, die sind leer, und ich muss jetzt da reinschreiben, was ich zu tun habe. Dabei ist dieses Projekt Bachelorarbeit, Masterarbeit von vornherein eigentlich vollkommen klar. Das war eine der ersten Maßnahmen damals, als ich anfing vor über 20 Jahren: Ich habe erstmal eine Exposé-Vorlage erstellt für den Plan, und ich habe einen Masterplan gemacht, also welche Schritte sind zu gehen. Und diese Schritte, die sind von Anfang an klar, und die orientieren sich an der Gliederung, das heißt an den Kapiteln.

Silvio: Und wir haben selber eine Plattform, aristolo.com heißt die, das ist so ein digitaler Leitfaden. Da ist das durchgegliedert von Anfang bis Ende. Das sind Meilensteine und Sprints. Das ist aber eher so für ein Verständnis – also das richtige agile Sprinten bedeutet ja: Ich habe überhaupt keine Ahnung, was rauskommt, ich habe ein Problem und dann rödele ich eine Woche und sehe zu, dass ich was schaffe, aber ich weiß nicht, worauf ich hinarbeite. Und das ist hier anders. Ich habe hier sowohl diese Kapitelübersicht und ich habe dann eben auch diese Schritte, die zu gehen sind: Recherchieren muss gemacht werden, Studien auswerten muss gemacht werden, ich muss diese Fragen erstellen, ich muss beispielsweise einen Fragebogen machen, ich muss dann diese Kapitel schreiben, ich muss präsentieren und kommunizieren – das ist eigentlich alles schon klar von Anfang an.

Silvio: Deswegen ist es vernünftig, auf jeden Fall das wie ein Projekt aufzufassen, und da seid ihr ja wie gesagt im Vorteil, weil ihr Projektmanagement sozusagen jeden Tag macht. Aber intelligent faul, nenne ich das. Das erinnert mich auch an meine eigene Studienzeit, ich habe immer nach den Musterlösungen gesucht. Ich habe VWL studiert und habe dann natürlich diese ganzen Rechenaufgaben, Statistik und so weiter geguckt, um mich daran zu orientieren, und so habe ich das gelernt. Und es hat gut geklappt, sodass ich deswegen später auch als Tutor und Repetitor arbeiten konnte. Und so solltet ihr das hier auch machen: Also nicht auf Verdacht, und vor allem nicht so sozusagen von hinten schieben und dann mal gucken, wo ich lande. Weil das halte ich für eines der größten Dramen: Man hat sagen wir 100 Prozent Zeit und nach 75 Prozent ist man dann bei der Eigenleistung. Und das darf nicht sein, weil die Bewertung ist nämlich genau andersrum: 75 Prozent zählt die Eigenleistung. Deswegen auf jeden Fall wie ein Projekt organisieren, aber sich schon orientieren, was ist zu tun und womit ist es zu tun. Und da gibt es ohne Ende schon Hilfen. Ich habe das versucht, ordentlich zu machen und sehr systematisch, ich komme auch aus dem Projektmanagement, habe mal als Projektmonitor gearbeitet vor dem Coaching. Und das hilft.

Christian: Also ganz wichtig: Am Ende dieser Planungsphase steht sozusagen mein Dokument, meine Word-Datei letztendlich, so ein bisschen als Fundament, als Container für den Text, den ich dann da reinschreiben werde. Für Notizen vielleicht auch, das mache ich beim Schreiben dann auch mal ganz gerne: Wenn mir irgendwas einfällt für ein späteres Kapitel, dann schreibe ich da schon mal ein paar Notizen rein. Aber ganz wichtig, eben auch sich nicht zu verlieren in Tools. Da gibt's so viele Tools. Das ist auch so ein bisschen der Fall mit Literaturverwaltungstools beispielsweise. Da muss man einfach schauen, und als gerade als Fernstudis haben wir jetzt eben nicht so viel Zeit, da muss man jetzt nicht noch anfangen, sich da mit irgendeinem neuen Tool erstmal ein paar Tage lang einzuarbeiten ohne wirklich Benefit. Wir brauchen erstmal unsere Word-Datei, und dann geht's los.

Christian: So, dann kommen wir mal zum Analyseteil. Was gibt's denn da so für Fallstricke, wenn es um die Analyse geht?

Silvio: Das sind zwei: Der Zeitdruck – dadurch, dass es zu spät anfängt. Und das hat mit dem Fokus zu tun. Wenn du einen ganz klaren Fokus hast – ich will jetzt die Auswirkung von Schokoladenkonsum auf die Motivation von Studis untersuchen – na dann sammelst du halt die Informationen zu den Studis, zu deren Motivation und was man weiß über Schokolade. Dann gibt's Milchschokolade, Nussschokolade, dunkle Schokolade und Kombinationen, je nachdem. Und dann ist die Analyse klar: Beschaffe Infos, werte sie aus und versuche, Antworten zu finden. Und die Antworten können immer nur vorläufig sein. Es gibt keine perfekten Antworten, es gibt nur die aktuell gültigen Antworten. Und da solltest du dich dann auch nicht quälen, wenn du nicht sofort drauf kommst. Jeder Fortschritt ist begrüßenswert und positiv. Und solange du auf den Studien aufbaust, bist du hier auf der richtigen Spur.

Silvio: Bei der Analyse halte ich auch sehr viel davon, sich wirklich visuell das Modell zu machen. Das heißt: Du hast auf der einen Seite die Studis, auf der anderen Seite die Schokolade, die Motivation ist auch bei den Studis, und dann kannst du Pfeile von der Schokolade auf die Studis zeichnen, oder mehrere Pfeile, und dann siehst du schon, wo das hingeht. Also das vertraute Schema: abhängige Variable, unabhängige Variable. Das ist dann in der Literatur hoffentlich auch schön ausgearbeitet. Oder du fragst dann mit den Studis, diese empirische Arbeit ist natürlich noch mal extra herausfordernd, weil du diese Daten erst noch sammeln musst. Bei einer Literaturarbeit hast du die aus der Literatur, aber hier musst du sie sammeln.

Silvio: Und da ist auch immer wieder die Herausforderung: Wenn du die Frage am Anfang nicht sauber formuliert hast, dann wirst du Schwierigkeiten bekommen. Du brauchst so diesen Rahmen, so ein richtiges Framework. Und das hast du, wenn du das schon auf dieses Blatt malst: Den Studi mit seiner Motivation und die Schokolade oder mehrere Schokoladen. Dann hast du so ein Framework und dann kannst du das alles schon einzuordnen. Du kannst es auch den Betreuenden zeigen, und die sagen dann ja – und das ist wie ein Ritterschlag, dann bist du richtig glücklich. Du bist auf der richtigen Spur und du kannst dann auch die Infos aus den Quellen, aus den Studien mit einfügen und damit kommst du dann der Sache näher.

Silvio: Also du musst von Anfang an genug Zeit dafür reservieren, das ist extrem wichtig. Und du musst auch eine Ablage haben. Also die Infos, die du dann gewinnst, die müssen halt irgendwo abgelegt werden, dass du sie wiederfindest. Notizen. Und es ist so traurig, wenn so viel Arbeit in die Vorbereitung geflossen ist und dann muss alles schnell, schnell gehen, weil bald ist die Abgabe. Und dann noch schreiben – ja. Und dieses Methodenkapitel, das ist sehr wichtig, das sollte vorher geschrieben sein: Wie gehe ich vor? Weil das ja den Plan widerspiegelt. Wie sammle ich die Daten, warum diese Daten? Das muss begründet werden. Mit welchem Instrument, mit welchen Tools und welche Schritte und warum diese Schritte – das sind viele Sachen, das sind viele Fragen. Und da haben wir auch eine Lösung für. Wie gesagt, ich habe mich da bestimmt schon 20.000, 30.000 Stunden mit dem Thema wissenschaftliches Arbeiten beschäftigt und habe da gute Lösungen gefunden. Also: Seht zu, dass es rechtzeitig passiert. Die Weichen werden gestellt mit der Frage am Anfang.

Silvio: Und da ist jetzt noch eine Sache mit diesem Fokus: Wir hatten ja gesagt, du hast eine Leitfrage, und zwar nur eine. Dann hast du Unterfragen, zwei, drei, vier, fünf – je mehr, umso mehr Arbeit. Also ein bisschen Faulheit ist nicht schlecht. Ich sage das auch bei der Themenformulierung: Feige und faul. Sucht euch nicht ein Thema, das unglaublich viel Mut erfordert und viel Arbeit, auch nicht so günstig. Und diese Unterfragen kannst du dann wieder unterteilen. Also beispielsweise: Welche Unterfrage wäre, wie sieht es bei Milchschokolade aus, bei dunkler Schokolade, bei Nussschokolade? Und diese Fragen kannst du wieder unterteilen: Welche Erkenntnisse gibt's zu Milchschokolade und Motivation, und was lässt sich über die dunkle und so weiter. Und durch diese Kaskade oder Pyramide von Fragen – Leitfrage oben, Detailfragen drunter, dann die Analysefragen – sammelst du das Material und hast dadurch einfach den Fokus von Anfang bis Ende durchgehalten. Große Hilfe.

Christian: Also ganz wichtig, nicht zu spät anzufangen. Das setzt dann eben auch wieder eine gute Planung voraus, beispielsweise für die Analyse. Ich brauche eben schon die Literatur und alles, ich muss gucken, schon mal planen, wo bekomme ich dann meine Daten her, wenn ich jetzt selber welche erheben möchte. Also das ist auf jeden Fall wichtig, um dann nicht zu sehr in Zeitdruck zu verfallen oder da eben zu großen Druck zu bekommen. Dann muss ich mir auch klar sein über meine Methoden. Also wie komme ich jetzt beispielsweise an meine Daten? Und dann kann man ja auch schon mal anfangen, das so ein bisschen niederzuschreiben, wenigstens stichpunktartig, und eben das dann auch sozusagen zu planen.

Christian: Kommen wir mal zum letzten Teil, zum Schreiben. Eigentlich das Wichtigste, oder so, wie wir es jetzt erzählt haben, ist es ja in dem Sinne nicht das Wichtigste, aber irgendwie auch das Schwierigste, das, was am meisten Zeit in Anspruch nimmt. Ich möchte ja dann eben jetzt einen längeren Text aus diesen Dingen, die ich mir da überlegt habe, generieren. Ich kann mal ganz schnell aus meiner Erfahrung einen typischen Fallstrick nennen: Das hat auch ein bisschen was mit Zeitdruck zu tun, aber ganz vielen Studierenden fällt dann kurz vor der Abgabe ein, sie müssen ihre Arbeit jetzt noch so ein bisschen formatieren. Dann funktionieren die Tabellen nicht richtig, dann funktionieren Abbildungen nicht richtig, es kommt keine richtige PDF-Datei dabei raus, die man dann irgendwo in den Copyshop bringen kann, um sich das Ganze drucken und binden zu lassen. Und da habe ich schon ganz häufig den Fall gehabt, dass dann wirklich zwei Tage vor der Abgabe noch Studierende zu mir kamen, weil sie einfach verzweifelt waren und nicht mit Word zurechtgekommen sind.

Christian: Also das ist so ein Fallstrick, den kann man auch so ein bisschen entgegenwirken, indem man sich ganz am Anfang schon mal so ein bisschen mit Word beschäftigt, sein Dokument schon mal so ein bisschen zurechtformatiert, vielleicht eine Formatvorlage nutzt – können wir euch auch eine in der Beschreibung für diesen Podcast verlinken. Oder gucken: Gibt's eine Formatvorlage von meiner Hochschule? Und dann einfach schon mal schauen, dass man da diese ganz großen Probleme nicht bekommt, gerade wenn man so eine Arbeit hat, die sehr stark auf Daten beruht, wo man viele Tabellen und sowas nutzen muss. Da ist es wichtig, dass man sich auch mal ein bisschen mit Word auseinandersetzt.

Christian: Das war jetzt einer von mir. Du hast auch noch ein paar andere genannt. Was ist so ein ganz typischer Fallstrick beim Schreiben und beim Text von so einer Abschlussarbeit für dich?

Silvio: Christian, und noch mal anzuknüpfen an das, was du gerade gesagt hast: Es ist euch überhaupt nicht bewusst, dass ihr hier ein verdammtes Buch schreibt! Das ist ein Fachbuch. Und ein Fachbuch – ihr habt ständig Fachbücher in der Hand und ihr seht, die sind tipptopp. Und so muss das mit der Arbeit auch sein. Und da zwei Tage vorher anfangen, das ist fahrlässig. Das würde euch der Chef niemals durchgehen lassen. Und dass man das, was man mühselig aufgebaut hat, dann mit dem Hintern einreißt – und die Gefahr besteht vor allem, wenn man es dann vielleicht auch noch nicht rechtzeitig schafft. Da hilft das auch nicht, dass es heute mehr ein Upload ist als eine Abgabe, das verstärkt es eher. Was passiert denn, wenn eine halbe Stunde vorher das Internet ausfällt? Also es können jeden Tag Dramen passieren.

Silvio: Eine der größten Herausforderungen beim Schreiben ist, dass man das Ganze als Schreibprojekt auffasst. Und es ist ja offensichtlich, es ist ein Buch, es ist ein Fachtext. Wenn ich keine Inhalte habe, dann habe ich auch nichts zum Schreiben. Die ganze Vorbereitung, alles was wir bisher hatten, dient ja vor allem dazu, in erster Linie den Input für die Kapitel zu bekommen. Und da wir gut geplant haben, haben wir ganz am Anfang schon die Einleitung, wir haben dann das Theoriekapitel mit den Grundlagen, wir haben dann den Forschungsstand mit den Studien – was wissen wir genau zu dem Thema, zum Beispiel eben Schokolade, und da hat dann jemand Fruchtschokolade untersucht, okay, und ich mache jetzt Milchschokolade, dann hat man sich da eingeordnet. Dann das Vorgehen, die Methode, und dann kommen die Ergebnisse und dann das Fazit.

Silvio: Eine der größten Herausforderungen ist, dass es keine Schreibtechniken gibt, die wirklich alles abdecken – jedenfalls bisher. Es gibt eine, unsere Schreibtechnik, die ich entwickelt habe. Das Problem mit den Schreibtechniken ist: Die gehen alle davon aus, dass du Quellen hast, aus denen du schreibst, abschreibst sozusagen, filterst. Das bedeutet im Umkehrschluss: Für die Ergebnisse hast du ja keine Quellen. Wenn du Quellen hättest, dann wäre dein Thema wahrscheinlich schon bearbeitet, schon abgedeckt. Es folgt also zwingend daraus: Du hast für deinen Ergebnisteil keine wirklich gute Technik. Und das habe ich immer wieder erlebt, ganz am Anfang. Dann habe ich eine Technik entwickelt, die funktioniert wunderbar: Das ist die Mikrofragentechnik.

Silvio: Und die Grundidee ist ganz einfach: Ein Fachtext enthält Informationen über einen bestimmten Aspekt. Und du kannst diesen Abschnitt, sagen wir mal Absatz in dem Kapitel, also Absatz, sagen wir zehn Sätze, du kannst das auffassen als die Antwort auf eine bestimmte unsichtbare Frage. Wenn beispielsweise die Zutaten von Milchschokolade erläutert werden – da ist dann Kakao, Milchpulver und so weiter, Aromen, was ist da alles drin – die Frage ist genau das: Was ist da alles drin? Und diesen Mechanismus, diese Logik, die kehren wir einfach um und sagen: Okay, hier muss ein Text geschrieben werden, und zwar von Anfang bis Ende. Ich überlege mir jetzt einfach schon mal diese Fragen und trage die in meinen Text ein. Und das ist das, was du vorhin gesagt hast: Du brauchst eine Wordvorlage, ich nenne das Schreibvorlage. Und dann trägst du diese Fragen ein, so pro Kapitel 15 Stück. Und dann musst du eigentlich nur noch die Inhalte sammeln und kannst es dann eintragen, ausformulieren, und fertig ist der Text. Und diese Technik funktioniert überragend.

Silvio: Also nichts mit freiem Schreiben und Copy-Paste – woher denn? Bei den Ergebnissen gibt's kein Copy-Paste. Und auch diese ganzen „Schreib dich frei" – das sind so kleine Spielchen am Anfang, kann man mal. Aber wenn du eine Gliederung hast, Fragen hast und Stoff hast, wie gesagt, dann kommen wieder diese Fernstudi-DNA zum Einsatz: Los, finde die Antworten! Nicht gezaudert, nicht gezögert, mach das. Und dann entsteht da der Text, und das macht dann auch richtig Spaß.

Christian: Und dann wundert man sich vielleicht: Wieso reden die alle davon? Und vor allem rechtzeitig, frühzeitig, schon in der Phase, wo die Theorie geschrieben wird. Und irgendwie ist das ja dann auch so ein bisschen Planung, die da dann wieder stattfindet. Man plant dann wieder so ein Stück weit den Text, den man da schreibt. Und das Schöne an der Technik ist auch, dass du eigentlich nie wirklich vor einem leeren Blatt sitzt. Also du kannst gar keine Schreibblockade eigentlich haben: Wenn du nicht weißt, was du schreiben sollst, stell dir einfach die Fragen, notiere die Fragen und fang an, diese Fragen zu beantworten. Das bekommt jeder hin. Und im Gegensatz zur Schule, wo ich diese Fragen unter so einem ganz krassen zeitlichen Druck beantworten muss, weil du eben sofort eine Antwort liefern musst – hier kannst du gucken, du kannst recherchieren, du kannst überlegen. Und du hast trotzdem einen gewissen Zeitdruck, weil du deine Arbeit irgendwann mal abgeben musst. Aber du kannst es trotzdem in aller Ruhe machen und die beste Antwort finden.

Christian: Ich würde noch einen Fallstrick nennen, ganz kurz.

Silvio: Das ist etwas, was mir meine Coachees immer wieder spiegeln. Das ist eine Technik, die wenden sie sofort an, das ist ja das Schöne. Fernstudis, die machen Thesis und ihren Job, die wenden das an und die stellen dann auch anderen diese Fragen. Und das macht so einen Unterschied. Weil: Wer fragt, der führt. Wer viel redet, erfährt wenig. Stelle Fragen und lass die anderen reden. Also das ist ein universelles Prinzip. Ich bin da ein ganz großer Fan davon, erstmal zu fragen. Ich weigere mich einfach, ein komplexes Problem zu lösen, bevor ich mir nicht Klarheit verschafft habe: Worum geht's hier? Was ist da involviert? Wo soll es hingehen? Und wer ist da dabei, der mir Steine in den Weg legen kann? Also das ist etwas – ich halte die Thesis eigentlich für ein riesengroßes Trainingsprojekt. Da musst du noch mal richtig zeigen, was du kannst, und die Lücken auch dann in den Kompetenzen schließen.

Christian: Und wenn man sich der Fragen bewusst wird, hat man ja auch gleich eine super Vorbereitung dann auf die Verteidigung letztendlich, wo man dann letztendlich eigentlich auch die Fragen beantwortet, die man sich da gestellt hat, oder von denen man sich vorstellt, dass auch ein Leser seines Textes sie stellen wird oder würde.

Christian: An den Text noch ein Punkt, ein Fallstrick, den ich jetzt noch vorschlagen würde, ist die Überarbeitung. Man hat dann eben sein Manuskript erstmal fertig, hat vielleicht die Fragen beantwortet. Aber dann kommt aus meiner Sicht, aus meiner Sicht als Autor, noch ein ganz wichtiger Schritt, nämlich man muss einen Text auch überarbeiten. Es muss jetzt nicht unbedingt ein einzelner Schritt sein, das kann man auch immer schon im Schreibprozess sozusagen machen, einzelne Kapitel immer wieder überarbeiten. Wie siehst du das? Ist das auch so ein typischer Fallstrick, den viele nicht so richtig hinbekommen? Die denken dann, dass das Manuskript runtergeschrieben ist und der Text ist fertig?

Silvio: Also nach meiner Erfahrung denkt das praktisch niemand. Ihr denkt alle: Oh Gott, oh Gott. Selbst tolle Texte, die da einer einreicht: Oh Gott, hoffentlich bestehe ich. Das ist eigentlich die vorherrschende Geisteshaltung. Und es ist Tür und Tor geöffnet für Perfektionismus. Das muss ich noch mal machen, und das ist einer der größten Fehler: Dass man immer am Anfang anfängt, das Korrektur zu lesen, und dadurch eben immer was findet. Irgendwas ist immer.

Silvio: Weil das ist auch fatal: Wenn du das so praktisch konsekutiv gemacht hast – du hast erst das erste Kapitel, dann das nächste, dann das nächste – und nicht von Anfang an durchgeplant, dann wirst du am Ende Erkenntnisse haben, die kollidieren mit dem, was du am Anfang geschrieben hast. Und dann kommst du in diese Umschreibfalle, und das ist einfach fatal. Und da gibt es auch so viele Gründe: Du hast nicht bis zum Ende durchgeplant, du hast es nicht absegnen lassen, du hast die Methodik nicht ordentlich gemacht – so viele falsche Entscheidungen. Es ist die Hölle.

Christian: Und das ist auch so ein ganz typisches Autorenproblem, dass man dann nie fertig wird. Aber irgendwann muss man da einfach mal einen Punkt machen. Man findet immer noch irgendeinen Fehler. Und ich denke, diese Überarbeitung, die kann man sich auch ein bisschen strukturieren. Die muss man jetzt nicht immer zwischendurch machen. Mal in einem Durchgang die ganze Rechtschreibung überarbeiten, Schreibweisen von Worten vereinheitlichen – auch so ein ganz typisches Problem, so ein Wildwuchs an verschiedenen Schreibweisen, der häufig in so einem Manuskript herrscht. Da ist es auch ganz normal, man muss es dann eben nur noch mal überarbeiten. Dann geht man noch mal den Stil vielleicht durch. Und natürlich auch mal inhaltlich noch mal genau drüberschauen. Dann die Referenzen. Und dann kommt noch der Anhang, dann kommt noch das Abstract, dann kommt noch das Deckblatt. Und dann wird die Liste einfach immer länger.

Silvio: Diese Liste gehört an den Anfang. Und das ist das, was du vorhin sagtest: Du brauchst eine Schreibvorlage. Da ist das Deckblatt schon drinne. Das kann doch nicht sein, dass du am Tag der Abgabe dir überlegen musst, was kommt denn jetzt hier rein. Ich habe so viele von diesen falschen Entscheidungen – ich muss es einfach so beim Namen nennen – dass ich da auch ein Buch draus gemacht habe: 99 dumme Tipps für wissenschaftliches Arbeiten – Fehler vermeiden, weniger leiden. Und das meine ich ernst.

Silvio: Eine ganz große, fahrlässige Entscheidung am Ende der Arbeit ist: Deine Arbeit drei Freunden zum Lesen zu geben. So fünf Tage vorher. Macht euch doch einfach mal klar, was das bedeutet. Die kommen dann, sagen wir mal wenn du Glück hast, irgendwie 48 Stunden vor der Abgabe mit einer Riesenliste von Sachen. Und die wollen dir helfen und das muss ja auch gut werden, und: Christian, du kannst doch nicht so, und ah – es ist ultraer Stress! Und du hast selber noch deine 15 Punkte abzuarbeiten. Keine gute Idee. Wenn du das machen willst, dann mach es wirklich konsekutiv: Wenn die Theorie fertig ist, gibst du's ihnen. Aber achte nicht darauf, was sie sagen, weil wenn du dich da wieder reinbegibst, dann fehlt dir die Zeit für die Analyse.

Silvio: Es muss einfach das Ziel klar und deutlich sein. Und das muss Antworten auf die Frage liefern. Wenn du den Fokus am Anfang hast, du hast die Quellen dazu, die Daten, dann hast du auch einige Ergebnisse. Die, die du nicht hast – das ist auch so ein Trick – du machst auch eine Methodenkritik. Es kann nicht alles glattgegangen sein, das wäre ja verdächtig. Das wird auch mit KI nicht glattgehen, übrigens auch ein Thema, zu glauben, dass da jetzt der Stein der Weisen gefunden wurde. Wenn der Text nicht ordentlich gegliedert ist, dann kommt da auch nichts super Gutes raus. Also auf jeden Fall damit rechnen, dass da einiges zu tun ist. Aber mit dieser Gliederung, mit dieser Schreibvorlage, mit dieser Formatvorlage, mit dieser Schreibtechnik bist du schon ganz gut gewappnet. Vor allem hast du auch die Gewähr, dass die Betreuenden das gut finden, was du da machst. Und das, was ich auch immer wieder sage – aber das braucht ihr Fernstudis nicht – ein zweites Projekt, das dafür sorgt, dass man weniger grübelt, sondern mehr seine Aufgaben erledigt. Aber das brauchen Fernstudis nicht, die haben mehr als zwei Projekte, würde ich sagen, parallel.

Christian: Also ganz wichtiger Punkt oder Fallstrick auch: Dass man keine richtige Schreibtechnik hat, wenn es um den Text geht. Das ist schon mal ein großartiger Tipp, dann auch mit dieser Mikrofragentechnik an seinen Text heranzugehen. Und da fallen dann einfach ganz automatisch ganz viele Probleme weg, die viele Studierende mit ihrem Text und dem Schreiben haben.

Christian: Zuletzt würde ich dich gerne noch fragen: Du hast es auch schon erwähnt, deine Plattform aristolo.com. Was ist das genau, was kann man damit machen?

Silvio: Also es ist ein digitaler Leitfaden für die Thesis, interaktiv. Das heißt, da gibt's auch Tools, die das ganz schön strukturieren, die helfen zum Beispiel bei der Recherche und sparen Zeit. Und wir haben dann auch schon so eine erste Qualitätskontrolle drinne, wir nennen das den Bullshit-Filter, ABF, Aristolo Bullshit Filter. Der kontrolliert zum Beispiel, wie alt die Quellen sind und ob die Quellen nicht zu oft drin sind. Und der Vorteil ist, dass diese Aufgaben von Anfang bis Ende durchgeplant sind. Das heißt, du kannst dich darauf verlassen, dass das funktioniert. Das sind auch diese ganzen Erfahrungen, die ich gesammelt habe in Tausenden Coachingstunden, die sind da drinne. Und das ist getreu dieser Devise: Probleme vermeiden statt sie zu lösen. Und immer wieder gucken: Was ist zu tun? Wie ist es zu tun? Dann macht man es und dann gucken: Hat's geklappt? Und das sind auch diese Qualitätskriterien mit dabei. Und man kann dann auch so einen Sharing-Link erstellen, man kann den Betreuern das zeigen. Also das ist die Zukunft. Wir integrieren jetzt dann auch KI-Applikationen, da wo es passt. Aber das Wesentliche ist: Du brauchst eine gute Frage von Anfang an, du brauchst einen guten Plan, und dann musst du das auch entsprechend umsetzen.

Christian: Also wer sich das genauer anschauen will, der geht mal auf aristolo.com. Wir verlinken das natürlich auch in der Beschreibung für den Podcast. Und du hast uns auch noch einen Couponcode mitgebracht, der lautet fernstudi50. Findet ihr auch in der Beschreibung für diesen Podcast, dann könnt ihr euch das mal in aller Ruhe genauer anschauen. Silvio, wo kann man dir denn folgen oder deinen Verlag, wo kann man deine Bücher finden? Sag uns doch mal noch ein bisschen was dazu.

Silvio: Auf Amazon haben wir einen eigenen Markenshop, Studeo Verlag in Berlin. Und das sind diese ganzen Bücher. Also ich habe ein ganzes Kompendium geschrieben, das sind inzwischen schon neun Bücher: Hausarbeiten, Thesis, Dissertation, dann Research ABC, Analyse ABC, Methoden ABC, Schreib ABC und Vortrags ABC – auch für die Verteidigung, das ist meine Lieblingsetappe – und dann eben die 99 dummen Tipps. Also diese neun Bücher, die muss man jetzt nicht alle durchackern, die sind auch nicht alle für alle Phasen relevant. Die Methoden zum Beispiel, da brauchst du halt nur eine Methode. Oder beim Analyse ABC brauchst du nur einen Fokus. Das Schreib ABC allerdings, das muss man von Anfang bis Ende durchdeklinieren, weil das eben diese ganzen Kapitel abdeckt. Und das mit dem Vortrag, das ist auch noch – das ist ja auch mir ein Anliegen: Das ist ein tolles Trainingsprojekt, weil du hast eigentlich nie wieder einen Vortrag in deinem ganzen Leben, den du über Monate praktisch vorbereitet hast.

Silvio: Dann auf LinkedIn sind wir, die Webseite selber ist studeo.de, da ist dann auch aufgelistet, was wir alles anbieten. Und wir haben auch auf Instagram @studeo und Twitter @studeo. Und Facebook auch, eine Gruppe. Und in der Gruppe, da könnt ihr dann auch gerne Fragen an mich stellen, und ich versuche euch dann zu helfen.

Christian: Das verlinken wir auch alles in der Beschreibung für diesen Podcast. Dann wirklich herzlichen Dank für das Gespräch, Silvio! Und ja, ich wünsche dir noch einen schönen Tag.

Silvio: Wunderbar, ich danke dir und freue mich auf ein nächstes Mal. Tschüss!

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