Bin ich wirklich bereit für das Fernabitur?

Das ist wohl die Top-Frage, die sich die meisten Leute stellen, die das Abi nachholen wollen und sich für das Fernabi interessieren. Im Endeffekt muss das natürlich jeder für sich selbst entscheiden, aber ich will euch dennoch einige Entscheidungshilfen an die Hand geben, die euch vielleicht dabei helfen können.

Der Zeitfaktor

Das ist wohl die Problematik, an der sich die meisten Fernlerner früher oder später stören, wenn sie sich vor der Anmeldung über das Fernstudium Abitur nicht so viele Gedanken gemacht haben. Was sind schon 15 bis 20 Stunden pro Woche – immerhin hat doch jede Woche 168 Stunden. Wenn ihr jetzt aber einmal nachrechnet, bleibt auf einmal gar nicht mehr so viel Zeit übrig:

168 Stunden pro Woche
- 20 Stunden Lernen
- 40 Stunden Arbeiten
- 50 bis 65 Stunden Schlaf
= 43 bis 58 Stunden Freizeit (6 bis 8 Stunden pro Tag)

Euch bleiben also pro Tag sechs bis acht theoretische Stunden Freizeit übrig, in denen ihr aber auch noch kochen, essen, Wäsche waschen, euren Haushalt machen, Freunde treffen, entspannen, Hobbys nachgehen, fernsehen und alles andere erledigen müsst, womit ihr nun mal aktuell so eure Freizeit verbringt.

Tut euch selbst einen Gefallen und denkt vor eurer Anmeldung genauestens darüber nach, ob ihr die 15 bis 20 Stunden Lernen in euren Tagesablauf wirklich integrieren könnt. Da die wenigsten Menschen in ihrer wirklich freien Zeit nicht einfach da sitzen und nichts tun, werden sie für das Fernstudium Abitur andere Aktivitäten streichen müssen. Überlegt euch genau, ob ihr dazu bereit seid und ob ihr eure Teilnahme am Fernabitur wirklich zeitlich organisieren könnt.

Unterstützung durch Verwandte und Freunde

Wenn ihr das Abitur nachmachen möchtet, versichert euch auch vorher der Unterstützung durch die Menschen in eurem Umfeld. Hintergrund ist der: Eure Freunde und eure Familie müssen wenigstens dafür Verständnis haben, dass ihr nicht mehr so viel Zeit für sie haben werdet wie bisher. Davon abgesehen müsst ihr von der Familie auch unterstützt werden.

Ein gutes Beispiel hierfür sind Mütter mit Kindern. Sie schaffen das Abitur Fernstudium genauso wie andere – in jedem Jahrgang sind einige Teilnehmerinnen, die das eindrücklich beweisen. Das geht aber nur, wenn die Familie der Mutter so viel Zeit einräumen, wie sie zum Lernen braucht. Sei es nun abends, wenn die Kinder schon im Bett sind oder weil die Oma auf sie aufpasst. Nebenher zu lernen, erfordert sehr viel Kraft, die die wenigsten dauerhaft aufbringen.

Informiert euch also am besten schon vorher, ob ihr alle Unterstützung bekommt, die ihr braucht.

Die finanzielle Frage

Natürlich ist der Weg zur Hochschulreife per Abitur Fernstudium nicht gratis. Im Durchschnitt braucht man für das Erlangen des Abiturs etwa 2,5 bis 3,5 Jahre, je nach vorheriger Schulbildung. Während dieser Zeit müsst ihr monatlich eure Studiengebühren zahlen, die je nach Anbieter etwa 130 Euro betragen. Wenn ihr arbeiten geht und dabei noch gut verdient, ist die Finanzierung der Hochschulreife wahrscheinlich kein Problem für euch – aber in dieser glücklichen Situation ist nicht jeder. Wenn ihr also bisher vielleicht schon öfter mal Geldsorgen habt oder es immer geradeso gereicht hat, solltet ihr euch überlegen, wie ihr diese zusätzliche Mehrbelastung bezahlen möchtet. Egal ob privater Sponsor, Kredit oder staatliche Förderung – alle möglichen Varianten sollten im Vorfeld geklärt werden.

Die Eigenheiten der Lernform Fernabi

Wenn ihr vorhabt, das Abitur nachzuholen, solltet ihr euch unbedingt einer Sache bewusst sein: Ein Fernlehrgang ist etwas ganz anderes als beispielsweise der normale Frontalunterricht in der Schule. Hier kaut euch niemand den Stoff vor, ihr seid im Endeffekt auf euch alleine gestellt. Ihr habt die Möglichkeit, diese besondere Art des Lernens in einem kostenlosen Probemonat zu testen – er wird von allen Fernlehrgangsanbietern angeboten. Kurz bevor dieser Monat abläuft, fragt euch ganz ehrlich: Fühlt ihr euch damit wohl? Könnt ihr euch vorstellen, damit eure nächsten Jahre zu verbringen? Wenn ihr dabei Zweifel habt, solltet ihr ernsthaft darüber nachdenken, ob es das richtige ist, auf diese Art und Weise das Abi nachzumachen. Sonst werdet ihr wahrscheinlich eine Menge Zeit und vor allem Geld in den Sand setzen, denn eines ist klar: Ein bisschen Abitur gibt’s nicht – hier zählt nur ganz oder gar nicht!

Habt ihr das nötige Durchhaltevermögen?

Macht euch eines klar: Aufgeben ist nicht! Das Abitur per Fernlehrgang dauert mehrere Jahre und wenn ihr zwischendurch eine Durststrecke habt (die beinahe jeden Fernlerner mal ereilt), müsst ihr euch irgendwie wieder da rausziehen und weitermachen. Denn rechnet mal nach, was euch Nachlässigkeit kostet! Angenommen, ihr gebt nach anderthalb Jahren auf: Bis zu diesem Zeitpunkt habt ihr schon 18 Mal eure Studiengebühr bezahlt, seid also bereits rund 2.400 Euro losgeworden – von zusätzlichen Kosten für Literatur, Seminare etc. mal ganz zu schweigen. Außer ein bisschen Allgemeinwissen habt ihr dann nichts dadurch gewonnen.

Ihr seht, wie wichtig es ist, dass ihr das Fernabi wirklich bis zum Schluss durchzieht, wenn ihr es anfangt. Überlegt euch also am besten vorher genau, wie ihr euch in einem Motivationstief wieder motivieren könnt – spannt in diesem Fall notfalls auch die Familie oder Freund ein, damit sie euch den sprichwörtlichen „Tritt in den Hintern“ verpassen. So oder so müsst ihr euch aber immer wieder auf den Hintern setzen und lernen, selbst wenn es euch manchmal noch so lästig erscheinen mag.

Fazit

Na, habt ihr das Gefühl, dass ihr diese Kriterien erfüllt und alles Wichtige bedacht habt? Dann habt ihr eine gute Chance, das Fernstudium Abitur schnell, zügig und vor allem erfolgreich zu beenden.

Beitrag veröffentlicht vor 7 Jahren (aktualisiert vor 8 Monaten).

Über Sabine

Sabine

Sabine Hutter hat ihr Abi mit dem Institut für Lernsysteme nachgeholt und im Anschluss über das ILS eine Ausbildung zur geprüften Betriebswirtin und zur Personalkauffrau IHK absolviert. Sabine arbeitet als freie Redakteurin.

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