Wozu eigentlich BWL studieren? Wirtschaftswissenschaften vs. Geisteswissenschaften
Was bringt eigentlich so ein BWL-Studium, mal abgesehen von guten Karriereaussichten? Christian vergleicht hier das BWL- bzw. Management-Studium mit geisteswissenschaftlichen Studiengängen und geht vor allem darauf ein, wie sich diese Studiengänge auf die Persönlichkeit bei ihm ausgewirkt haben.
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Transkript
Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 2020. Genannte Preise, Studiengänge und Studienbedingungen können sich seitdem geändert haben.
Schönen guten Tag. Was bringt eigentlich so ein BWL-Studium? Ich habe jetzt zwei Semester BWL beziehungsweise Management, Wirtschaftswissenschaft hinter mir und habe früher sehr viel Geschichte, Philosophie, Literaturwissenschaften, so Geisteswissenschaften studiert und will euch deswegen mal einen Vergleich ziehen. Wenn ihr nicht sicher seid, ob ihr BWL studieren solltet, was euch das bringt, dann schaut euch mal dieses Video an.
Also ich werde jetzt nicht auf diese typischen Sachen eingehen – mit BWL verdient man mehr Geld, wird wahrscheinlich Karriere machen und so was –, sondern so ein bisschen erzählen, was das mit einem selber macht, was das im Kopf sozusagen macht. Und ich würde sagen, wir legen mal gleich los, und ich wünsche euch viel Spaß mit diesem Video.
Vorab: mein geisteswissenschaftlicher Hintergrund
Bevor ich sage, was mir BWL bringt, noch mal eine ganz kurze Info: Also ich habe lange Geschichte studiert, Philosophie studiert, Literaturwissenschaften studiert, habe mich auch ausführlich mit Psychologie und so was beschäftigt. Und in diesen Geisteswissenschaften ist es doch eher so, dass man sehr viele Texte liest, teilweise diskutiert, aber eigentlich sind das mehr so ganz ruhige Wissenschaften, sage ich mal, wo man sich weniger wirklich austauscht, weniger miteinander spricht. Das ist vielleicht jetzt auch ein bisschen pauschal gesagt, aber bei mir war das auf jeden Fall so und bei vielen meiner Kommilitonen auch: Man sitzt halt in Bibliotheken rum, schreibt viel, liest viel und beschäftigt sich viel mit Themen und geht halt sehr hermeneutisch an viele Sachen ran, also interpretiert sehr viel und weniger jetzt mit Hilfe von Zahlen.
Es gibt natürlich auch, gerade in den Sozialwissenschaften, geht man teilweise natürlich auch mit irgendwelchen Statistiktools an Sachen ran, aber das ist dann doch eher selten, gerade wenn man Philosophie studiert. Und auch in Philosophie hat man die Möglichkeit, sich in Logik und so was zu vertiefen, und geht dann ein ganz kleines bisschen so in Richtung Mathematik und ganz rationales, logisches Denken. Aber bei mir war das zumindest so: Ich habe mich sehr viel mit Ethik und so was beschäftigt, und da ist so ein absolut krass rationales Denken jetzt nicht so gefordert.
1. Analytisches Denken
So, Nummer eins, was mir das BWL-Studium bringt, ist analytisches Denken und Handeln. Also wer BWL studiert oder Wirtschaftswissenschaften, der wird sich in den allerersten Semestern intensiv beispielsweise auch mit Rechtswissenschaft auseinandersetzen – also ein Rechtswissenschaftsmodul ist da immer mit dabei, dass man sich mit dem BGB, also mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch auseinandersetzt. Und in den Rechtswissenschaften ist es so, dass man da am Anfang sich dann auch erst mal mit juristischem Arbeiten auseinandersetzt, und dann muss man da ganz viel auseinanderklamüsern, Sätze auseinandernehmen und das Ganze so ein bisschen strukturieren und rausfinden: Wer hat hier Schuld, wer da Schuld, hin und her. Das geht ein kleines bisschen in Richtung Philosophie – in der Philosophie arbeitet man dann auch so ähnlich mit dieser Art von analytischem Denken, wo man Sprache so auseinandernimmt.
Aber natürlich hat man gerade in den ersten Semestern auch noch intensiv die Wirtschaftsmathematik. Also ich habe jetzt noch keine explizite Wirtschaftsmathematik gehabt, aber die Buchhaltung, Bilanzierung, Finanzierung, Investition, so diese Fächer, wo man dann halt auch Finanzmathematik, Wirtschaftsmathematik anwendet. Und das ist schon was ganz anderes, wenn man in so einem Fach dann immer mit einem Taschenrechner dasitzt und Aufgaben löst. So was spricht einfach ganz andere Bereiche im Gehirn an als jetzt in Philosophie irgendwelche Texte zu lesen, Geisteswissenschaften.
Und das habe ich gemerkt, das bringt mir doch sehr viel auch im Alltag, wenn ich mal wirklich so ganz viel mit Zahlen denke. Ich bin ja auch im Marketing tätig, und dann merke ich: Da bringt mir das jetzt auch sehr viel, hier noch mal BWL zu studieren, mich sozusagen auf dieses analytische Denken und dieses Denken mit Zahlen und in Zahlen einzulassen.
2. Strategisches Denken
So, Nummer zwei, was ich hier im BWL lerne, ist strategisches Denken und Handeln, so wie ich das mal nennen will. Also in BWL geht es natürlich auch ganz viel um Strategien, auch im Management – also das Fach, was ich momentan studiere, heißt offiziell eigentlich Management. Und ein wichtiger Teil im Management ist ja auch, Strategien festzulegen, Strategien zu entwickeln. Das heißt, dass ich mich jetzt auch im Rahmen des Studiums intensiv mit Strategien auseinandersetze. Bin ja selber Firmeninhaber, und dann setze ich mich natürlich sowieso mit so etwas auseinander, aber das BWL-Studium hilft mir da noch mal mehr, so dieses strategische Denken zu erlernen und auch das taktische Denken natürlich und die Strategien dann sozusagen herunterzubrechen in einzelne Schritte.
Aber das merke ich: So was habe ich jetzt nicht in Philosophie oder Geschichte gelernt. Ich meine, in Geschichte beschäftigt man sich ja auch gewissermaßen mit Strategien, wenn man sich mit der Kriegsgeschichte und solchen Sachen beschäftigt und mit der Strategie von einzelnen Staaten und so weiter. Aber das ist doch etwas ganz anderes, als wenn man sich in BWL damit auseinandersetzt. Und das ist doch sehr hilfreich, jetzt nicht nur, wenn man ein eigenes Business gründen möchte, sondern generell, glaube ich, eine Sache für die Lebensplanung auch. Also das finde ich jedenfalls sehr hilfreich, diese Form von Denken zu lernen, und das werdet ihr, wenn ihr BWL, Wirtschaftswissenschaften studiert, auf jeden Fall auch lernen.
3. Prozessuales Denken
So, der nächste Punkt, den ich jetzt schon nach zwei Semestern gemerkt habe, was ich auch sehr stark lerne: Ich weiß nicht, wie man das in der Bildungswissenschaft nennt, aber ich nenne es mal prozessuales Denken. Also ich versuche halt mehr in Prozessen zu denken. Das geht natürlich auch ein bisschen rein in dieses strategische Denken: Also ich habe die Strategie, und dann überlege ich natürlich, wie setze ich die jetzt um. Aber in der BWL lerne ich dann auch, in Prozessen zu denken und auch in Strukturen zu denken.
Ich hatte gesagt, Management heißt eigentlich das Fach, so als ein Teilbereich quasi der BWL, womit ich mich momentan besonders intensiv auseinandersetze. Und Management ist ja auch eine wichtige Aufgabe, dass man die Prozesse organisiert, das heißt die Arbeitsabläufe und diesen Kram, und dass man auch Strukturen bereitstellt und sich auch mit den Strukturen auseinandersetzt – sei es einfach nur, keine Ahnung, ein Büro und den Arbeitsalltag irgendwie einzurichten, für die Infrastruktur zu sorgen.
Und da merke ich: Da hilft mir auf jeden Fall die BWL auch einfach, diesen Alltag noch besser zu strukturieren und mich selber auch zu managen und eben auch Prozesse festzulegen und immer weiter zu optimieren, Prozesse auch schriftlich festzuhalten, zu dokumentieren und so. Und das hilft einfach, sehr viel effizienter zu arbeiten, das hilft auch, sehr gut im Team zu arbeiten, mit Leuten zusammenzuarbeiten, wenn man ganz feste Strukturen und Prozesse hat. Und so was habe ich jetzt nie in dem Philosophiestudium, im Literaturstudium oder in einem anderen Studium gelernt.
Das ist auf jeden Fall eine superhilfreiche Sache, sich mal damit auseinanderzusetzen. Und vielleicht, wenn ihr doch mehr zur Philosophie und irgendwie solchen geisteswissenschaftlichen Fächern tendiert, dann euch vielleicht doch mal mit BWL und so was auseinanderzusetzen oder mit Management, um auch diese Art von Denken ein bisschen zu lernen. Weil, ich denke mal, da werdet ihr auf jeden Fall auch teamfähiger. Also ich will nicht sagen, dass Geisteswissenschaftler nicht teamfähig sind, aber das sind dann doch häufig eher so Einzelkämpfer. Und ich glaube, es kann nicht schaden, auch wenn Geisteswissenschaftler wirklich teamfähig sind, da hilft es wahrscheinlich, dieses, sagen wir mal, prozessuale Denken ein bisschen zu erlernen und einzuüben.
4. Führung
So, nächster Punkt, was ich auch durch das BWL-Studium lerne, ist Führung eigentlich. Es ist natürlich auch ein wichtiges Thema für den Betriebswirt, für das Management, Führungsqualitäten zu erwerben. Ist wahrscheinlich mehr so ein Soft Skill, den man dann auch eher durch Berufserfahrung lernt, aber das Studium hilft mir auf jeden Fall, mich damit zu beschäftigen. Also ich habe jetzt noch keine Veranstaltung in Personalmanagement und so was gehabt, aber ich beschäftige mich einfach auch gedanklich damit. Ich hatte auch gesagt, ich bin auch Firmeninhaber, das ist natürlich auch ein Thema, und das BWL-Studium hilft mir einfach, mich damit strukturiert auseinanderzusetzen.
In jeder BWL-Grundlagen-Vorlesung beschäftigt man sich natürlich auch erst mal damit, was es für Führungsstile gibt, Delegation, dann hat man natürlich schon so ein kleines Gerüst im Kopf, was man dann auch immer wieder im Alltag beobachten kann. Und ich glaube, in so einem BWL-Studium oder Wirtschaftswissenschaftsstudium bekommt man auch einen Überblick beziehungsweise einfach ein Gefühl dafür, das im Alltag zu beobachten: Wie funktioniert Führung, Teamleitung, wie funktioniert Management und solche Sachen? Auch so was lernt man halt eher weniger in einem geisteswissenschaftlichen Studium.
5. Auswendiglernen
Letzter Punkt von dem, was ich lerne, ist Auswendiglernen. Also im geisteswissenschaftlichen Studium, Geschichte und so, da gibt es ganz selten mal Klausuren, vielleicht wenn, dann mal so in den allerersten Semestern, wo man sich dann doch schon ein bisschen Stoff reindrücken muss. Aber im BWL-Studium, das ist so richtig ein Klausurenfach, da geht es in den ersten Semestern gleich los mit richtig heftigen Klausuren, muss man ohne Ende Karteikarten auswendig lernen, solche Sachen. So was lerne ich dann auch erst jetzt.
Ist jetzt nicht irgendwas, was man unbedingt fürs Leben braucht, aber auch nicht unbedingt sinnlos. Also aus meiner Sicht ganz hilfreich, wenn man auch mal einen Haufen Stoff einfach nur richtig auswendig lernen muss, weil das hilft einem dabei – oder mir zumindest –, besser und sicherer über diese Themen zu reden. Also ich hatte schon gesagt, in den geisteswissenschaftlichen Studiengängen ist es doch eher so, dass man viel schreibt und viel Austausch einfach über diese Schriftlichkeit stattfindet. Also ich will das nicht verallgemeinern, aber meiner Beobachtung nach sind Geisteswissenschaftler immer so ein bisschen mehr die Schüchternen, Leute, die halt weniger – ich will nicht sagen, die sind nicht sozial kompetent, aber auf eine andere Art als jetzt in BWL.
Und in BWL hat man auch so dieses viele Auswendiglernen. Ich glaube, das hilft auch dabei, einfach sicher über Stoff und Themen reden zu können, weil man immer im Kopf so ein gewisses Grundgerüst an Begriffen und so weiter, Ideen hat, die man da auch viel einfacher wiedergeben kann, weil man halt immer irgendwie so auswendig gelernt hat für Klausuren und für Prüfungen. Also das ist auch eine Sache, die lernt ihr auf jeden Fall im BWL-Studium – aber auch, wenn ihr jetzt Medizin studiert, Jura studiert, da gibt es halt immer viel auswendig zu lernen, und das ist auf jeden Fall ein ganzes Stückchen intensiver als in einem geisteswissenschaftlichen Studium.
Was ich nicht lerne
So, letzter Punkt, was ich nicht lerne, ist aus meiner Sicht Persönlichkeitsentwicklung und ganzheitliches Denken. Das könnt ihr jetzt nicht erwarten, dass ihr das in einem BWL-Studium lernt, das habt ihr natürlich mehr in einem geisteswissenschaftlichen Studium – wobei das da auch teilweise ins Extrem tendiert, also da kriegt ihr so eine Überdosis Persönlichkeitsentwicklung. Man wird dann vielleicht, wenn man zu intensiv die Geisteswissenschaften studiert, Geschichte, Philosophie und so, ein bisschen verschroben vielleicht, das ist dann schon so eine Überdosis an Persönlichkeit.
Aber das andere Extrem ist halt das BWL-Studium – will ich nicht sagen, dass BWLer jetzt keine Persönlichkeit haben, sind halt sehr rationale Menschen und so was, die haben auch eine eigene, also durch das Studium bedingt entwickelt man auch so eine eigene Art von Persönlichkeit, denke ich mal. Aber es ist halt nicht wirklich ganzheitlich. Es ist vielleicht ein bisschen ganzheitlicher, wenn ihr in die Wirtschaftswissenschaften geht, weil ihr da halt auch noch so die Perspektive von oben habt, also diese ökonomische Perspektive, die VWL-Perspektive durch die Wirtschaftswissenschaften. Aber ihr habt halt keine Beschäftigung jetzt in Psychologie großartig mit euch selber direkt im Studium, sondern das liegt dann eben an euch, wie man das dann im Studium ergänzt, dass man da auch Sachen macht, die zur Persönlichkeitsbildung beitragen.
Und an der Uni ist das normalerweise auch der Fall – an meiner Uni ist es jetzt so, dass ich halt ein Hauptfach und ein Nebenfach habe und dann noch ein zweites Nebenfach, das heißt bei uns an der Uni Studium fundamentale. Und in diesem Nebenfach macht man dann so was wie Singen, Tanzen, Gedichte schreiben, solche Sachen. Und die tragen dann doch schon noch so ein bisschen zur Persönlichkeitsbildung bei, dass man sich auch mal mit solchen Themen beschäftigt, die wirklich fernab von diesen reinen Fachthemen sind.
Also wenn ihr so ein Studium macht, was so sehr analytisch und auf eine Art auch verkopft ist wie so eine Geisteswissenschaft, dann finde ich es auf jeden Fall eine gute Sache, wenn man das noch ergänzt mit irgendwelchen, in Anführungsstrichen, Hobbys, mit Sport und solchen Sachen, die einen sozusagen zu einer ganzheitlichen Persönlichkeit machen, also die jetzt nicht nur den Verstand fördern, sondern auch den Körper und den Geist und die Gefühlswelt.
Weil ich glaube – und dann komme ich doch noch mal vielleicht auf das Karrierethema zu sprechen –: Wenn ihr mehr anfangt, ganzheitlich zu denken, und nicht einfach nur fachidiotisch sozusagen BWL-technisch zu denken, sondern auch in der Lage seid, über den Tellerrand hinauszuschauen, dann habt ihr viel bessere Karrierechancen später, weil ihr dann jemand mit Persönlichkeit seid, sage ich mal. Werdet ihr in vielen Unternehmen, glaube ich, eher mit Handkuss genommen, als wenn ihr einfach nur Fachidioten in ganz speziellen Themen jetzt der BWL oder auch der Geisteswissenschaften seid. Also seht zu, dass ihr euch von Anfang des Studiums an auch noch um eure Persönlichkeitsbildung irgendwie kümmert und Sachen auch neben dem Studium macht oder vielleicht doch verbunden mit der Uni, die dazu beitragen – weil direkt im BWL-Studium werdet ihr das nicht haben.
Fazit
So, Freunde, das war es hier dazu, was ich denke, was ein BWL-Studium so bringen kann. Vielleicht könnt ihr euch da irgendwas rausziehen, wenn ihr jetzt selber vor der Entscheidung steht: BWL oder nicht? Wenn ihr selber noch nicht so richtig wisst: Mache ich jetzt BWL, oder gehe ich doch in so eine Sozial- oder Geisteswissenschaft? Habe ich euch hier vielleicht mal ein paar Anhaltspunkte gegeben.
Vielleicht hilft euch das auch, so dieses Klischeedenken zu überwinden, dass BWLer einfach immer nur auf Karriere aus sind. Sondern so ein BWL-Studium ist auch einfach eine interessante Sache, um bestimmte Arten des Denkens zu fördern: analytisches Denken beispielsweise, dieses strategische Denken und Handeln und so. Das hilft einem auch in ganz, ganz vielen anderen Lebensbereichen weiter, außer jetzt einfach nur im Unternehmen, im Business oder wenn man selber Unternehmer ist.
Aber ich glaube, es ist auch eine gute Sache, wenn man selber so ein bisschen unternehmerisch veranlagt ist, so ein BWL- oder VWL-Studium zu machen. Aber wichtig ist, dass man da nicht zu sehr in so eine Fachidiotie verfällt, sondern das Ganze – und das gilt auch für die Geisteswissenschaften – immer auch durch Themen ergänzt, die fachfremd sind, sowie Persönlichkeitsentwicklung. Ich würde sagen, schreibt mir in die Kommentare, wie ihr das seht, und wir sehen uns in einem der nächsten Videos. Euer Wolf.

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