Techniker vs. Bachelor: Was ändert sich im Job, beim Gehalt und in der Karriere?

Techniker oder Bachelor? Für viele Fachkräfte aus technischen Berufen stellt sich die Frage, ob eine berufliche Fortbildung oder ein Studium die bessere Wahl ist. Doch worin unterscheiden sich beide Abschlüsse im Arbeitsalltag tatsächlich?

Darüber hat Christian mit Prof. Dr.-Ing. Michael Mann von der TH Aschaffenburg gesprochen. Er lehrt im berufsbegleitenden Bachelor Elektro- und Informationstechnik (B.Eng.), der sich insbesondere an Berufstätige aus technischen Bereichen richtet.

Prof. Mann erklärt, was Bachelorabsolventinnen und -absolventen im Job anders können, wie das Studium die persönliche Entwicklung fördert, welche beruflichen Veränderungen die Hochschule nach dem Abschluss beobachtet und wie Arbeitgeber davon profitieren können.

⏱️ KAPITEL:

00:00 Techniker oder Bachelor – was bringt dich weiter?
00:32 Kochbuch oder Kühlschrank: der entscheidende Unterschied
01:21 Methoden verstehen statt nur anwenden
02:25 Kreativität und eigene Ingenieurlösungen
03:08 Für wen eignet sich das Studium?
04:23 Auswirkungen auf Gehalt und Karriere
04:40 Wie Unternehmen berufsbegleitend Studierende fördern

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🎙️ Das vollständige Interview mit Prof. Dr.-Ing. Michael Mann: youtube.com/watch

🎓 Berufsbegleitender B.Eng. Elektro- und Informationstechnik an der TH Aschaffenburg:
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Transkript

Christian: Techniker oder Bachelor: Welcher Abschluss bringt dich beruflich wirklich weiter? Geht es dir nur um den Titel oder lernst du im Studium tatsächlich etwas anderes?

Prof. Dr.-Ing. Michael Mann von der TH Aschaffenburg kennt beide Seiten. Er hat selbst staatlich geprüfte Techniker ausgebildet, in der Industrie gearbeitet und leitet heute berufsbegleitende Ingenieurstudiengänge an der Hochschule. Den entscheidenden Unterschied erklärt er mit einem anschaulichen Vergleich.

Kochbuch oder Kühlschrank: der entscheidende Unterschied

Christian: Für wen eignet sich welche Form der Weiterbildung oder des Studiums besser?

Prof. Mann: Ich koche relativ gerne und vergleiche es deshalb mit zwei unterschiedlichen Herangehensweisen. Auf der einen Seite habe ich ein Kochbuch. Darin steht, welche Zutaten ich nehme, wie ich sie verarbeite und wie daraus etwas Leckeres entsteht. Das würde ich mit einer Technikerausbildung vergleichen. Ich hoffe, meine Techniker machen mich für diesen Vergleich nicht einen Kopf kürzer.

Auf der anderen Seite kann ich den Kühlschrank öffnen, schauen, was darin liegt, und daraus etwas Eigenes zaubern. Etwas zugespitzt beschreibt das den Unterschied zwischen den beiden Welten.

In der Technikerausbildung erhalte ich Methoden und Hilfestellungen, mit denen ich an großen und interessanten Projekten arbeiten kann. Damit lassen sich auch große und sehr komplexe Maschinen in Betrieb nehmen.

Methoden verstehen statt nur anwenden

Prof. Mann: Was dabei jedoch fehlt, ist das Verständnis für das Warum: Warum funktioniert die eine Methode und die andere nicht? Gerade in den Ingenieurwissenschaften sollte ich wissen, bis zu welchem Punkt eine Methode funktioniert und wo ihre Grenzen liegen. In welcher Bandbreite ist diese Methode das beste Mittel der Wahl?

Dieses Verständnis brauche ich später im Berufsalltag. Wenn ich vor einem Problem stehe, muss ich entscheiden können: Nehme ich Methode A, Methode B oder vielleicht sogar Methode C?

Diese Abwägung zieht sich durch sämtliche Fächer – von der Mathematik bis zur Anwendung künstlicher Intelligenz. Wann lasse ich einen KI-Agenten auf mein Problem los? Und wann sage ich: Vorsicht, hier arbeite ich besser ganz klassisch mit Stift, Papier und Taschenrechner, um zu einer ingenieurwissenschaftlichen Lösung zu kommen?

Kreativität und eigene Ingenieurlösungen

Prof. Mann: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kreativität. Dafür haben wir zwei Lehrveranstaltungen im Studium: „Ingenieurlösungen lernen“ und „Ingenieurlösungen verbessern“.

Dabei geht es auch um den sprichwörtlichen Ingenieurdaumen: Wie komme ich bei einer zunächst noch vagen Fragestellung zu konkreten Ergebnissen? Das vermitteln wir mit viel Spaß, unter anderem in einer Hochspannungshalle.

Bei den Studierenden kommt das sehr gut an, weil es außerhalb der gewohnten Denkmuster liegt. Sie werden herausgefordert, tatsächlich eigene Lösungen zu entwickeln.

Für wen eignet sich das Studium?

Christian: Eignet sich das Studium also besonders für neugierige Menschen? Und macht der Abschluss später einen Unterschied für die Karriere in der Industrie?

Prof. Mann: Neugier ist natürlich sehr wichtig. Gerade bei unseren berufsbegleitend Studierenden vermissen wir sie nicht. Sie kommen auf uns zu und sagen: „Davon würde ich gerne noch mehr wissen. Ich möchte das wirklich verstehen.“

Der Unterschied zu Präsenzstudierenden besteht häufig darin, dass sich berufsbegleitend Studierende in einer ganz anderen Lebensphase befinden. Sie stecken mitten im Hausbau, in der Familiengründung oder in anderen beruflichen und privaten Herausforderungen.

Trotzdem bringen sie dieses Interesse und diese Neugier mit. Manchen wird im Berufsalltag bewusst: Die Kollegin oder der Kollege am Nachbarschreibtisch macht genau denselben Job wie ich, verdient mit einem akademischen Abschluss aber mehr. Dann entsteht der Gedanke: Das kann ich auch.

Auswirkungen auf Gehalt und Karriere

Christian: Genau darauf wollte ich hinaus. Neugier ist wichtig und spielt auch für die Karriere eine große Rolle. Aber macht es einen Unterschied, ob ich einen Technikerabschluss oder einen Bachelorabschluss habe – sowohl beim Gehalt als auch bei meinen beruflichen Möglichkeiten?

Prof. Mann: Wenn unsere Studierenden ihren Abschluss erworben haben, beobachten wir typischerweise, dass sie kurze Zeit später mehr Geld verdienen und häufig innerhalb eines halben Jahres eine neue Position übernehmen.

Wie Unternehmen berufsbegleitend Studierende fördern

Prof. Mann: Wir versuchen zunehmend, das Studium in den betrieblichen Karriereweg einzubinden. Unternehmen kommen auf uns zu und sagen: Wir haben hier Potenzialträgerinnen und Potenzialträger, die wir strukturiert weiterentwickeln und unbedingt im Unternehmen halten möchten. Diese Beschäftigten sind vielleicht schon seit zehn Jahren dabei und kennen den Betrieb sehr genau.

Ein Studium ist zunächst erklärungsbedürftig, weil es mehrere Jahre dauert. Wenn Unternehmen das Modell verstanden haben, unterstützen sie die Studierenden im Idealfall zeitlich, beispielsweise durch Freistellungen. Teilweise übernehmen sie auch die Studiengebühren. Wir sehen zunehmend, dass Unternehmen solche Studienangebote als Bestandteil des lebenslangen Lernens begreifen.

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