Studium neu denken: Wie die Tomorrow University Bildung revolutioniert | mit Christian Rebernik
Viele Hochschulen setzen in der Digitalisierung und im Fernstudium weiterhin auf klassische Konzepte – Studierende wählen ihren einen Studiengang mit entsprechenden Inhalten, folgen Vorlesungen und/oder lesen Skripte - und schreiben schließlich auf die eine oder andere Art Prüfungen. Austausch oder Interaktion gibt es dabei mal mehr, mal weniger.
Christian Rebernik ist Mitbegründer und CEO der @tomorrow.university . Im Gespräch mit Christian berichtete er über die Entstehung der Hochschule, die Herausforderungen beim Aufbau und wo, aus seiner Sicht, das traditionelle Studiensystem an Grenzen stößt. Die ToU selbst will das Studium neu denken – weg von klassischen Vorlesungen, Skripten und Prüfungen, hin zu einem flexiblen, praxisnahen und individuell gestaltbaren Lernkonzept.
In Podcast Folge 39 haben Christian und Christian über die Tomorrow University gesprochen – von innovativen Lernmethoden bis zur Rolle von Netzwerken im Studium.
Die ganze Folge: youtube.com/watch
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Transkript
Vielleicht reden wir erst mal ein ganz kleines bisschen über den Background der Tomorrow University: Wie kommst du dazu, eine Hochschule zu gründen beziehungsweise gründen zu wollen?
Langeweile in Schule und Studium
Das passt ganz gut zu deinem Einstieg, das ist mir sehr ähnlich: Ich habe mich in der Schule auch schon sehr gelangweilt, muss ich sagen. Und das ist während meines Studiums irgendwie noch schlimmer geworden, sodass ich es dann abgebrochen habe. Ich habe Wirtschaft studiert, auch mehr aus Orientierungslosigkeit heraus, muss ich ehrlich sagen, und hatte dann wirklich keine Motivation, Prüfungen zu machen oder mich in die Vorlesungen zu setzen und zuzuhören. Das war es nicht.
Ich habe mich dann während des Studiums selbstständig gemacht und tatsächlich gegründet – und habe mir auf diesem Wege sehr schwer und sehr mühsam vieles angeeignet, was ich wahrscheinlich auch im Studium hätte lernen können. Das war wirklich viel Trial and Error, viel mühsames Selberschauen, wo die richtige Information ist.
Ein Déjà-vu im Homeschooling
Warum ich dann aber eine Hochschule gegründet habe, das kam eigentlich viel später. Ich habe mittlerweile drei Kinder, und die Kinder waren während der Pandemie zu Hause im Homeschooling. Das eine ist ja: Du schickst sie in die Schule, sie gehen in die Schule, und das Problem ist weg. Das andere ist: Sie sitzen quasi mit dir am Tisch.
Mein Sohn hat einfach Geschichte gehört und ist tatsächlich während der Session – das war eine Stunde – direkt vor mir eingeschlafen. Und das war für mich so ein Déjà-vu, weil ich mir gedacht habe: Ja, das ist wie auf der Uni, wie in der Schule. Das gibt es doch nicht, das ist noch immer so.
Der Blick aus der Wirtschaft
Vielleicht noch als Kontext: Ich durfte in den letzten 20 Jahren in ganz vielen Unternehmen arbeiten und auch mitgestalten oder gründen, die alle sehr kundenfokussiert waren. Es ging immer darum, das Beste für den Kunden zu wollen.
Und dabei ist mir noch mehr aufgefallen, dass es in Schule oder Uni eigentlich gar nicht so ist: Da ist nicht der Studierende das Wichtigste, sondern eher die Lehrkraft – deswegen kommen ja auch alle zur Lehrkraft in die Klasse. Und das ist eigentlich echt schade. Es ist vor allem deswegen schade, weil Bildung, glaube ich, so wichtig ist. Bildung ist nicht nur für die einzelne Person wichtig, sondern grundsätzlich auch für die Zukunft, für die Gesellschaft – damit die gut funktioniert, aber auch, damit sie sich gut und richtig entwickelt.
Und gerade jetzt, wo sich aus meiner Sicht so viel ändert und sich die Änderungsgeschwindigkeit auch aufgrund der Innovation erhöht, geht es auch darum, dass man die relevanten Fähigkeiten lernt. Und das findet man auch oft nicht, muss man sagen.
Deswegen war das für mich der Anstoß, wo ich gesagt habe: Das kann doch nicht sein, das muss doch besser gehen. Und dann habe ich mich viel umgeschaut – und das ist leider ein bisschen traurig, weil wir eigentlich wissen, wie wir es besser machen können, das ist gar kein Wissensproblem. Nur ist das System oft sehr schwierig zu verändern und zu gestalten. Und genau deswegen haben wir dann gesagt: Ich möchte etwas verändern. Und über mehrere Schritte ist es dann dazu gekommen, dass wir eine Hochschule gegründet haben.
Als die Vorlesung ins Digitale umzog
An die Pandemiezeit kann ich mich auch noch erinnern. Da war ich tatsächlich noch an einer staatlichen Hochschule eingeschrieben, wo ich davor wirklich Vorlesungen in Präsenz hatte, ganz normale klassische Vorlesungen, die auch ganz gut waren.
Aber als dann die Pandemie losging und die Hochschule versucht hat, auf digital umzustellen, war alles, was passiert ist, eigentlich der Versuch, dieses Vorlesungssystem und das, was man da die ganze Zeit macht, ins Digitale zu transformieren. Also saß man vor dem Rechner und hatte, wenn man Glück hatte, noch ein Videobild dazu – aber in der Regel gab es da nur ein paar Folien zu sehen, und dann gab es über Zoom oder welche Tools auch immer genutzt wurden eine Präsentation über zwei Stunden. Die hätte ich mir eigentlich auch einfach als Video anschauen können, in doppelter Geschwindigkeit, dann hätte ich ein bisschen Zeit gespart – aber viel gelernt habe ich dabei nicht. Das war wirklich zum Einschlafen.
Aber da waren in dieser Zeit auch alle ein bisschen überfordert, und im Schulsystem war es dann, glaube ich, ganz genauso.
Was Digitalisierung wirklich heißt
Ich habe ja auch N26, so eine Bank, mit aufbauen dürfen. Und was mir da einfällt: Das eine ist Digitalisierung. Wenn du eine Bank hernimmst und zum Beispiel einen Kontoauszug digitalisierst – der war früher auf Papier, du hattest eine ganze lange Liste an Einträgen, was sich auf dem Konto bewegt hat –, dann heißt Digitalisierung: Ich mache daraus ein PDF.
Oder du denkst eben: Hey, was ist eine Bank eigentlich in der Zukunft? Und dann geht es darum, dass du jemandem sofort eine Push-Nachricht schickst: Hey, das hat sich gerade auf deinem Kontostand geändert, und das bedeutet das und das für dich.
Das ist für mich ein ganz simpler Blick auch auf Bildung: Du kannst nicht eine Vorlesung nehmen, so wie sie heute in der Klasse erfolgt, und sie einfach nur online nehmen. Da sagst du dann eben: Das funktioniert vielleicht nicht so gut.
Ich glaube, man muss vieles gerade fürs flexible und fürs Online-Lernen anpassen und sich neu überlegen, wie das eigentlich richtig funktioniert – sodass jemand auf der einen Seite nicht einschläft, aber wirklich etwas lernt und sich weiterentwickeln kann. Und auch das Netzwerk ist ja ein ganz wichtiger Teil vom Studieren, dass man einfach Beziehungen aufbauen kann.
Auch die Studierenden erwarten das Alte
Das Komische ist ja, dass die Studierenden das teilweise auch erwarten, dass das im Digitalen weiterhin so funktioniert. Ich merke das immer ein bisschen in der Studien- und Bildungsberatung: Da kommen ganz viele und fragen, wo denn jetzt die Online-Vorlesungen an der Hochschule sind – ich würde gern einfach nur am PC sitzen oder auf der Couch und diese Vorlesungen schauen.
Ihr versucht das Ganze ja eben mal von Grund auf neu zu denken und zu schauen, wie man das nutzer- beziehungsweise studierendenzentrierter angehen kann.

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