KI-gestützte Literaturrecherche – Effizienter wissenschaftlich arbeiten | mit Nadine Syring
Künstliche Intelligenz verändert die Literaturrecherche – doch wie sinnvoll sind KI-gestützte Suchmaschinen wirklich? Welche Tools helfen bei der Suche nach relevanter Fachliteratur, und worauf sollte man achten?
Nadine Syring ist Hochschuldozentin, Studi-Mentorin und Expertin für Abschlussarbeiten. Im Gespräch mit Christian erklärt sie, wie KI-Tools wie Connected Papers, Consensus oder Mimir Mentor die wissenschaftliche Recherche erleichtern können, wo ihre Grenzen liegen und warum es trotzdem wichtig bleibt, die Qualität der Quellen selbst zu prüfen.
In Podcast Folge 36 haben Christian und Nadine über moderne Recherche-Strategien gesprochen – von KI-gestützter Literatursuche bis zur kritischen Bewertung wissenschaftlicher Paper.
Die ganze Folge: youtube.com/watch
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#abschlussarbeit #wissenschaft #studium
Transkript
Du hast gerade schon KI-basierte Suchmaschinen erwähnt, dazu hätte ich noch ein, zwei Fragen. Grundsätzlich wollten wir jetzt nicht zu ausführlich darüber reden, wo ich ganz konkret recherchiere, also in welcher Bibliotheksdatenbank – das lernen unsere Zuhörer in der Regel schon im allerersten Semester, und es kommt ja auch auf den Fachbereich an. Die Hochschulen stellen heute auch super Übersichtsseiten zur Verfügung, viele Datenbanken von Verlagen und so weiter.
Worüber ich gerne noch ein bisschen reden würde, sind KI-Tools. Da sucht man ja in der Regel nicht mehr so streng stichwortbasiert und mit irgendwelchen Operatoren in der Suche, sondern man kann theoretisch einen ganzen Text eingeben oder eine ausufernde Frage – oder auch eine kurze – und bekommt dann möglicherweise gute Ergebnisse, oder auch nicht so gute.
Welche Tools es gibt
Consensus ist so ein Tool, das ich kenne, für Forschungsliteratur, das benutze ich selber auch ganz gerne, wenn ich eine Frage habe, die ich einigermaßen wissenschaftlich beantwortet haben möchte. In ChatGPT gibt es ein Plugin, da gebe ich einfach ein Thema oder eine Frage ein und bekomme ein paar Paper vorgeschlagen, gleich noch ein bisschen erklärt und zusammengefasst.
Und ich kenne noch Mimir Mentor, das hatte ich hier mal in einem Video vorgestellt, da gab es auch einen Podcast mit den beiden Gründern. Da kann man auch eine Frage in die Suche eingeben und bekommt schon eine ganze Menge Literatur dargestellt. Nutzt du so etwas, oder ist das eher noch ein bisschen schwierig?
KI als Werkzeug, nicht als Ersatz
Nein, auf jeden Fall. Ich bin großer Fan von KI – und gleichzeitig bin ich auch immer dabei zu sagen: Hey, wichtig ist, dass wir es als Tool sehen. Es ist ein Tool, und ich muss wissen, wie ich mit diesem Tool umgehen kann, dann ist es ein großartiges Tool. Es ist kein Ersatz für meinen eigenen Kopf, und das ist wirklich wichtig, gerade bei KI.
Im Mentoring arbeiten wir ganz viel mit solchen Datenbanken, weil sie das Leben einfach leichter machen. Du hast gerade schon zwei genannt, ich habe auch eine Lieblingsplattform, mit der ich sehr arbeite: Connected Papers, auch eine KI-basierte Datenbank, die sich darauf spezialisiert hat, wissenschaftliche Paper zu zeigen. Und hier ist das Coole, dass du nicht nur Paper aufgelistet bekommst, sondern sofort siehst, in welcher Verbindung sie zueinander stehen. Du bekommst auch Themenwolken angezeigt und kannst dir damit wirklich einen sehr guten Überblick über ein Thema verschaffen. Da macht KI das Recherchieren unglaublich viel leichter.
Und gleichzeitig ist es wichtig, dass du die Paper trotzdem überprüfst. Gerade in den KI-Datenbanken – das ist ein großer Unterschied zu den traditionellen Datenbanken – gibt es oft auch Paper, die nicht den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen. Deswegen sage ich immer: schön den Kopf einschalten und noch mal drübergucken. Kann ich dieses Paper wirklich benutzen, ist das von der wissenschaftlichen Qualität her zitierfähig? Wenn du das kannst, sind das mega Tools, und die sollte man definitiv nutzen.
Ich habe am Anfang gesagt: Das darf Spaß machen, wir wollen es uns leicht machen. Und mit leicht meine ich nicht, dass jemand anders die Arbeit schreibt, sondern dass du es dir leicht machst, diese Arbeit zu schreiben. Da sind solche Tools total großartig.
Zusammenfassen lassen – mit Vorbehalt
Ich denke, für die Sichtung hat das auch sehr viel Potenzial. Ich nehme mal ChatGPT als Beispiel – für eine wissenschaftliche Arbeit würde ich das zumindest aktuell vielleicht nicht unbedingt nutzen. Aber man kann eine PDF-Datei einfach hochladen und dann sagen: Fass mir das mal ganz kurz zusammen, fass mir die wichtigsten Punkte zusammen, oder schreib mir, worum es da geht. Mit dem Beurteilen ist es, glaube ich, schwieriger, das kann die KI noch nicht so gut – zu sagen, wie wissenschaftlich das Ganze jetzt ist. Aber wahrscheinlich müsste man mit dem richtigen Prompt auch ganz gute Ergebnisse bekommen, wenn man zum Beispiel Kriterien eingibt und sagt: Achte darauf, dass die Quellen das und das erfüllen.
Die Erfahrung, die ich bei den Zusammenfassungen schon gemacht habe – deswegen empfehle ich immer, man sollte das Paper vorher einmal gelesen haben. Wir haben das auch im Mentoring getestet: Gerade wenn man ganz spezifische Fragen stellt, also wirklich nicht nur „fass mir die zehn Seiten auf einer zusammen“, sondern ganz spezifische Fragen, dann kann es auch mal sein, dass wirklich nicht stimmt, was in der Zusammenfassung ausgespuckt wird.
Das kommt auch ganz doll auf den Themenbereich an. Wir haben das mal mit philosophischen Texten probiert, da sind wir sehr schnell an die Grenze gekommen, weil es da wirklich um einzelne sprachliche Punkte geht.
Und gleichzeitig ist es ein super Tool: Wenn du das Paper irgendwie überflogen hast und weißt, okay, darum geht es, es geht um dein Thema, und dann konkreter nachfragst – kannst du mir sagen, ob auch die und die Punkte genannt werden? Dafür ist es super. Und dann kannst du entscheiden: Lese ich es jetzt noch mal konkreter, oder kommt es auf die aussortierte Liste? Also auch da ein super Tool, aber vielleicht nicht zu hundert Prozent darauf vertrauen, sondern immer den Kopf mit einschalten und prüfen, ob das richtig ist.
Und ich würde auch immer wirklich spezialisierte Tools bevorzugen, weil die eben Modelle benutzen, die tatsächlich auf die Anforderungen trainiert sind, die Wissenschaftler oder auch Studierende an die Ergebnisse haben.

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