Fernstudium Ernährungswissenschaften an der SRH – Prof. Dr. Bianca Müller über den neuen Bachelor
Ernährungswissenschaft begegnet uns jeden Tag – beim Einkauf, bei der Zubereitung von Lebensmitteln und bei der Frage, wie sich Ernährung auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirkt. Sie verbindet naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Anwendungen in Prävention, Beratung und Therapie. Zugleich spielt sie in der Lebensmittelwirtschaft eine wichtige Rolle, etwa bei der Produktentwicklung, Qualitätssicherung oder Verbraucherkommunikation. Entsprechend vielfältig sind die beruflichen Möglichkeiten für Ernährungswissenschaftlerinnen und Ernährungswissenschaftler.
Auf diese Tätigkeitsfelder bereitet der Bachelor-Fernstudiengang Ernährungswissenschaften (B.Sc.) an der SRH Fernhochschule – The Mobile University vor. Er verbindet naturwissenschaftliche Grundlagen mit Ernährungsmedizin, Lebensmittelwissenschaften, Psychologie und Beratungskompetenz. Wie das Studium aufgebaut ist und welche Perspektiven es eröffnet, erklärt Prof. Dr. Bianca Müller, Studiengangsleiterin und Professorin für Ernährungswissenschaft und Lebensmitteltechnologie.
Im Gespräch mit Christian erörtert sie Zielgruppen und Zulassung, Studieninhalte, Wahlmöglichkeiten, Lernkonzept und Prüfungsformen. Ausführlich besprochen wird auch, welche Rolle die DGE-Zulassungsempfehlungen und das E‑Zert für eine spätere Tätigkeit in der Ernährungsberatung und Ernährungstherapie spielen und welche Wahlmodule, Praxisanteile und zusätzlichen Zertifizierungen dafür erforderlich sind. Außerdem gibt Prof. Müller Einblicke in die optionalen Laborphasen, das ernährungswissenschaftliche Praktikum und mögliche Karrierewege.
⏱️ KAPITEL:
00:00 Was der Abschluss tatsächlich ermöglicht
00:49 Prof. Dr. Bianca Müller im Porträt
02:00 Zielgruppen und Berufsfelder
05:21 Zulassung und Anrechnung von Vorleistungen
09:44 Studieninhalte und Wahlmöglichkeiten
15:50 Lernkonzept und Betreuung
19:54 Klausuren und alternative Prüfungsformen
22:51 DGE, E‑Zert und zusätzliche Zertifizierung
27:04 So laufen die optionalen Laborphasen ab
29:32 Das ernährungswissenschaftliche Praktikum
32:06 Der Karriereweg von Prof. Dr. Bianca Müller
36:16 Ernährungstipps für einen vollen Alltag
39:19 Kontakt und Beratung
🎓 Ernährungswissenschaften (B.Sc.) an der SRH Fernhochschule im Detail:
fernstudi.net/fernstudium/humanwissenschaften/ernaehrungswi…
🏢 Die SRH Fernhochschule und alle Studiengänge im Überblick:
fernstudi.net/fernhochschulen/srh-fernhochschule
🌐 Kontaktseite von Prof. Dr. Bianca Müller: mobile-university.de/ueber-uns/hochschulteam/mueller-bianca
🎥 Auch ansehen: Therapiewissenschaften (B.Sc.) an der SRH – Interview mit Prof. Dr. Tanja Scheller:
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Transkript
Christian: Ich mache ein Fernstudium und arbeite danach als Ernährungsberaterin oder Ernährungsberater. Klingt logisch, ist es aber nicht automatisch. Denn wer in Deutschland qualifiziert beraten will, braucht mehr als einen Abschluss. Die Fachverbände haben eigene Anforderungen. Ob dein Studium sie erfüllt, entscheidet sich im Curriculum.
Christian: Genau dort hat die SRH Fernhochschule ihren Bachelorstudiengang Ernährungswissenschaften überarbeitet. Studiengangsleiterin Prof. Dr. Bianca Müller erklärt uns, was der Abschluss tatsächlich eröffnet, wie das Studium aufgebaut ist, wie Labor- und Praxisphasen ablaufen und welche zusätzliche Qualifikation für die Ernährungsberatung nötig sein kann. Natürlich sprechen wir auch über die DGE-Zulassungsempfehlungen und den Karriereweg von Prof. Müller. Legen wir direkt los.
Begrüßung und Vorstellung
Christian: Frau Müller, herzlich willkommen zu diesem Interview und auf unserem YouTube-Kanal. Ich freue mich sehr, dass Sie uns den Fernstudiengang Ernährungswissenschaften an der SRH Fernhochschule vorstellen. Bevor wir thematisch einsteigen: Stellen Sie sich bitte kurz vor.
Prof. Müller: Sehr gerne, Herr Wolf. Mein Name ist Bianca Müller. Ich habe an der Technischen Universität München in Weihenstephan Ökotrophologie studiert. Nach meiner Promotion habe ich mehrere Jahre in der Milchwirtschaft gearbeitet. Seit 2015 bin ich Professorin an der SRH Fernhochschule. Dort leite ich die ernährungswissenschaftlichen Studiengänge sowie den Bachelorstudiengang Lebensmittelmanagement und -technologie.
Christian: Auf Ihren persönlichen Karriereweg kommen wir später noch zurück. Er ist sicher auch für Zuschauerinnen und Zuschauer interessant, die über eine wissenschaftliche Laufbahn nachdenken. Zunächst möchte ich über den Studiengang sprechen. Er wurde neu aufgelegt. Vorher hieß er Ernährungswissenschaft und Prävention, jetzt heißt er Ernährungswissenschaften.
Für wen eignet sich der Studiengang?
Christian: Schauen wir zuerst darauf, an wen sich der Studiengang richtet. Wer ist die Zielgruppe?
Prof. Müller: Der Studiengang ist so konzipiert, dass er auf die typischen Berufsfelder von Ernährungswissenschaftlerinnen und Ernährungswissenschaftlern vorbereitet. Dazu gehören Ernährungsberatung und Ernährungstherapie – selbstständig oder angestellt, etwa in Kliniken oder Praxen. Hinzu kommt die Lebensmittelindustrie, vor allem in der Produktentwicklung, Qualitätssicherung und im Qualitätsmanagement.
Prof. Müller: Weitere Arbeitsfelder sind Öffentlichkeitsarbeit, Fachjournalismus, Gesundheits- und Bildungswesen sowie Forschung. Ernährungswissenschaftlerinnen und Ernährungswissenschaftler arbeiten zum Beispiel für Verbraucherzentralen, Verbände, Krankenkassen, Hochschulen und Forschungsinstitute. Sie schreiben Fachartikel oder erstellen Beiträge für soziale Medien.
Prof. Müller: Daraus ergibt sich die Zielgruppe. Der Studiengang richtet sich an Menschen, die bereits in diesen Bereichen arbeiten. Dazu gehören freiberufliche Ernährungscoaches, die ihre Tätigkeit auf eine wissenschaftliche Grundlage stellen möchten, Beschäftigte in Lebensmittelwirtschaft, Gastronomie, Hotellerie und Hauswirtschaft sowie Journalistinnen und Journalisten. Auch Pflegekräfte in Krankenhäusern, Senioreneinrichtungen und Reha-Einrichtungen sowie Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte können von dem Studium profitieren.
Prof. Müller: Gleichzeitig richtet sich das Angebot an Abiturientinnen und Abiturienten, die direkt in dieses Fachgebiet einsteigen möchten. Es eignet sich ebenso für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die beruflich bisher etwas ganz anderes machen und sich neu orientieren wollen. Schon im Vorgängerstudiengang Ernährungswissenschaft und Prävention hatten wir viele Studierende mit einem solchen Hintergrund.
Christian: Das Interesse an Ernährungswissenschaften ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das sehen wir auch in der Studienberatung und auf unserem Portal. Ernährung ist emotional besetzt, und es gibt viele Richtungen und Strömungen. Wenn wir gleich über die Studieninhalte sprechen, sollten wir deshalb auch klären, ob manche Interessierte von den naturwissenschaftlichen Anforderungen überrascht sein könnten.
Christian: Zunächst noch eine Frage zur Zielgruppe: Gibt es viele Menschen mit abgeschlossener Ausbildung, die zusätzlich dieses Studium aufnehmen?
Prof. Müller: Ja, davon haben wir an der Hochschule und in diesem Studiengang relativ viele. Damit sind wir schon bei den verschiedenen Zugangswegen.
Welche Zulassungswege gibt es?
Prof. Müller: Der klassische Zugang ist mit allgemeiner Hochschulreife, fachgebundener Hochschulreife oder Fachhochschulreife möglich. Man kann aber auch über eine berufliche Qualifikation zugelassen werden.
Prof. Müller: Wer eine abgeschlossene, fachbezogene Berufsausbildung und eine anerkannte Aufstiegsfortbildung mitbringt, kann nach einem Beratungsgespräch zugelassen werden. Fachbezogen können zum Beispiel Berufe wie Bäckerin oder Bäcker, Köchin oder Koch oder eine Tätigkeit in der Hauswirtschaft sein.
Prof. Müller: Alternativ ist bei einer Berufsausbildung und drei Jahren Berufserfahrung ein Probestudium möglich. Auch dafür findet zunächst ein Gespräch mit mir statt. Im Probestudium beginnen die Studierenden regulär. Sie müssen dann innerhalb von zwei Semestern 40 ECTS-Punkte im Pflichtbereich erfolgreich erwerben. Wenn sie das schaffen, ist das Probestudium erfolgreich beendet und sie führen das Studium regulär fort.
Christian: Wenn jemand unsicher ist, ob die eigene Ausbildung oder Berufserfahrung die Voraussetzungen erfüllt, sollte diese Person also direkt bei der Hochschule nachfragen.
Prof. Müller: Genau. Bitte keine Scheu. Es gibt oft sehr spezielle Fragen zur Zulassung. Die Studienberatung prüft den Einzelfall und hilft weiter.
Christian: Sind die Studierenden mit Ausbildung überwiegend fachnah qualifiziert, etwa in der Hauswirtschaft, oder kommen auch viele aus ganz anderen Berufen?
Prof. Müller: Das ist ganz gemischt, und genau das macht den Studiengang interessant. Einige bringen schon viel Fachwissen mit, zum Beispiel nach einer Ausbildung zur Diätassistentin oder zum Diätassistenten. Andere sind komplette Quereinsteiger. Manche kommen direkt nach dem Abitur. Wir haben auch Studierende, die bisher im Büro gearbeitet haben und sagen: „Das möchte ich nicht noch 20 Jahre machen. Ich will noch einmal etwas ganz anderes beginnen.“
Wie werden Vorleistungen angerechnet?
Christian: Können sich Diätassistentinnen und Diätassistenten einen Teil ihrer Ausbildungsinhalte anrechnen lassen und dadurch das Studium verkürzen?
Prof. Müller: Grundsätzlich können Interessierte prüfen lassen, welche Module anerkannt werden. Auch Praxiszeiten lassen sich unter Umständen auf das ernährungswissenschaftliche Praktikum anrechnen. Gerade bei Diätassistentinnen und Diätassistenten kann das relativ viel sein.
Prof. Müller: Inhalt und zeitlicher Umfang müssen zu den Anforderungen des jeweiligen Moduls passen. Deshalb brauchen wir Zeugnisse, Modulhandbücher und weitere Nachweise. Wir prüfen die Unterlagen kostenfrei und teilen anschließend mit, was angerechnet werden kann.
Was lernen Studierende konkret?
Christian: Geben Sie uns bitte einen Überblick über die Studieninhalte. Was lerne ich im Studium der Ernährungswissenschaften konkret?
Prof. Müller: Bei der Konzeption war mir wichtig, dass den Absolventinnen und Absolventen viele Wege offenstehen. Manche wissen schon zu Beginn genau, wo sie später arbeiten möchten. Andere entdecken erst während des Studiums ein Thema, das sie besonders interessiert. Auch die persönliche Lebenssituation kann sich verändern. Deshalb vermittelt der Studiengang zunächst eine breite und solide Basis.
Christian: Gehören dazu Fächer wie Physiologie? Muss man also viel naturwissenschaftlichen Stoff lernen?
Prof. Müller: Ohne Lernen geht es im Studium natürlich nicht. Die naturwissenschaftlichen Grundlagen sind ein wichtiger Bestandteil. Wer diese Basis gut versteht, kann sich später viele Zusammenhänge selbst erschließen und neue Themen fundiert erarbeiten.
Prof. Müller: Wir haben außerdem geschaut, in welchen Bereichen die meisten Stellen für Ernährungswissenschaftlerinnen und Ernährungswissenschaftler ausgeschrieben werden. Das sind vor allem die Lebensmittelwirtschaft sowie Beratung und Therapie. Darauf richten sich viele Fächer aus.
Prof. Müller: Für Beratung und Therapie gehören dazu Physiologie, Ernährungslehre, Biochemie, Ernährungsmedizin, Diätetik und Ernährungspsychologie. Hinzu kommen Kommunikation und Beratung, Gesundheitspsychologie und Coaching. Daneben gibt es Inhalte aus Lebensmittelwissenschaft und Lebensmittelwirtschaft. Auch für die Beratung sind Kenntnisse in Lebensmittelwarenkunde und Lebensmittelverarbeitung wichtig. Diese Grundlagen gehören deshalb zum Pflichtcurriculum.
Wie können Studierende eigene Schwerpunkte setzen?
Prof. Müller: Zusätzlich können die Studierenden ihr Profil schärfen. Gerade gegen Ende des Studiums wissen viele schon besser, in welche berufliche Richtung sie gehen möchten. Deshalb wählen sie drei Module aus einem großen Portfolio von rund 40 Wahlmodulen.
Prof. Müller: Zur Orientierung sind die Module in Wahlbereiche gegliedert. Dazu gehören Prävention und Ernährungstherapie, Lebensmittelwirtschaft und Nachhaltigkeit, Betriebswirtschaft und Management, Gesundheitswesen sowie Medien und Kommunikation. Die Studierenden können alle drei Wahlmodule aus einem Bereich nehmen oder verschiedene Bereiche kombinieren.
Prof. Müller: Außerdem wählen sie zwischen einem Praxisprojekt und dem ernährungswissenschaftlichen Praktikum. In mehreren naturwissenschaftlichen Modulen gibt es optionale Laborphasen. Dort lässt sich das theoretisch Gelernte praktisch anwenden und vertiefen.
Christian: Das Studium bietet also viele Möglichkeiten, Inhalte an die eigene Berufstätigkeit und die persönlichen Interessen anzupassen. Gleichzeitig sollten Interessierte eine gewisse Affinität zu Naturwissenschaften mitbringen. Es geht nicht nur um Ernährungstrends, sondern auch darum, Zusammenhänge zu verstehen und Fachbegriffe zu lernen.
Wie funktioniert das Lernkonzept?
Christian: Erzählen Sie uns bitte mehr über das Lernkonzept der SRH Fernhochschule. Die Hochschule wirbt auch mit alternativen Prüfungsformen. Wie läuft das in Ihrem Studiengang ab?
Prof. Müller: Das Fernstudium an der Mobile University zeichnet sich durch hohe Flexibilität und eine intensive Betreuung aus. Der Studienstart ist jeweils zum Monatsersten möglich. Die Basis bilden schriftliche Lernmaterialien. Es handelt sich also überwiegend um ein Selbststudium, ergänzt durch multimediale und interaktive Angebote.
Prof. Müller: Im E-Campus finden die Studierenden ihre schriftlichen Materialien. Darin können Videos, interaktive Übungen, Lückentexte, Suchbilder, Lernkarten und Wiederholungsaufgaben eingebunden sein. Durch diese Aufbereitung lässt sich der eigene Lernrhythmus gut steuern. Wer gerade mehr Zeit hat, kann mehr für das Studium tun. In einer arbeitsreichen Phase kann man das Tempo reduzieren.
Prof. Müller: Wichtig ist, kontinuierlich dranzubleiben. Ein Fernstudium verlangt Eigeninitiative. Ergänzend bieten wir freiwillige Begleitveranstaltungen an. Dort können die Studierenden Inhalte vertiefen, diskutieren und sich auf Prüfungen vorbereiten.
Prof. Müller: Individuelle Sprechstunden können jederzeit gebucht werden. Dann sprechen wir etwa eine halbe Stunde per Video und klären persönliche Fragen. Natürlich ist auch der Kontakt per E-Mail möglich.
Christian: Dazu eine kleine Anekdote: Ein Professor erzählte mir kürzlich, dass Studierende ihre E-Mails immer häufiger mit KI schreiben lassen und die Nachrichten dadurch teilweise sehr lang werden. Mein Tipp an unsere Zuschauerinnen und Zuschauer: Formuliert eure Frage klar und möglichst kurz.
Prof. Müller: Bei mir hält sich das bisher in Grenzen. Über eine schön formulierte E-Mail freue ich mich. Wenn sie lang ist, beantworte ich die Kernpunkte. Meine Antwort muss schließlich nicht genauso lang werden.
Welche Prüfungsformen gibt es?
Christian: Kann ich bei Klausuren wählen, ob ich sie vor Ort oder online schreibe?
Prof. Müller: Wir nutzen unterschiedliche Prüfungsformen. Es gibt Klausuren und Online-Tests, die Wissen abfragen. Auch anwendungsorientierte Fragen können Teil dieser Prüfungen sein. Klausuren lassen sich online oder in einem Studienzentrum ablegen. Die Ausnahme ist das Modul Chemie: Diese Klausur wird ausschließlich vor Ort geschrieben.
Prof. Müller: Daneben gibt es Hausarbeiten, Fallstudien, Lehr-Lern-Videos, wissenschaftliche Poster, Flyer und Lerntagebücher. Wir möchten nicht nur Wissen, sondern auch Kompetenzen prüfen. Die Studierenden sollen Aufgaben bearbeiten, die ihnen später im Beruf begegnen können.
Christian: Aus meiner Sicht zeichnet das die Hochschule aus. Statt nur für eine Klausur zu lernen, beschäftigt man sich bei einer Hausarbeit länger mit einem Thema und nimmt dadurch oft mehr aus dem Studium mit.
Prof. Müller: Verschiedene Aufgaben verlangen verschiedene Fähigkeiten. In einer Hausarbeit wird ein Thema wissenschaftlich und ausführlich bearbeitet. Bei einem Flyer oder einem Lehr-Lern-Video muss man dagegen ein komplexes Thema auf den Punkt bringen: verständlich, aber fachlich korrekt. Das ist schwieriger, als viele glauben, und im Berufsleben sehr relevant. Deshalb finde ich unterschiedliche Prüfungsformate sinnvoll. Auch für uns Lehrende ist die Bewertung abwechslungsreicher.
Was bedeuten DGE-Zulassungsempfehlungen und E-Zert?
Christian: Ich habe eine Frage aus Laiensicht. Auf der Website geht es um die DGE und um E-Zert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kenne ich als Fachgesellschaft. In der Studienberatung hören wir häufig die Frage, ob ein ernährungswissenschaftlicher Studiengang die Anforderungen der DGE erfüllt. Können Sie kurz erklären, warum das wichtig ist und wie Ihr Studiengang darauf vorbereitet?
Prof. Müller: Das Thema ist für viele etwas verwirrend. Wer später in der Ernährungstherapie arbeiten und kranke Menschen beraten möchte, braucht in der Regel ein Zertifikat eines Fachverbands. Damit weist die Person ihre Qualifikation als Ernährungsfachkraft nach. Ein solches Zertifikat ist häufig auch nötig, wenn gesetzliche Krankenkassen die Beratungsleistung bezuschussen sollen.
Prof. Müller: Es gibt verschiedene Zertifikate, zum Beispiel von E-Zert oder der DGE. Die DGE-Zulassungsempfehlungen für die Ernährungsberatung in Prävention und Therapie beschreiben, welche Inhalte ein Studium abdecken muss, damit Absolventinnen und Absolventen für eine solche Zertifizierung infrage kommen.
Prof. Müller: Wer später in die Ernährungstherapie möchte, sollte deshalb prüfen, ob der gewählte Studiengang die DGE-Zulassungsempfehlungen und die Anforderungen des gewünschten Zertifikats erfüllt.
Prof. Müller: Beim Bachelor Ernährungswissenschaften der SRH Fernhochschule werden die theoretischen Anforderungen vollständig erfüllt, wenn die passenden Wahlentscheidungen getroffen werden. Studierende sollten die Module „Pharmakologie in der Ernährungstherapie“ und „Angewandte Diätetik“ wählen und das ernährungswissenschaftliche Praktikum absolvieren.
Christian: Diese Kombination ist also wichtig. Der Abschluss allein ist noch nicht automatisch das Zertifikat.
Prof. Müller: Genau. Der Studiengang schafft die theoretischen Voraussetzungen. Die eigentliche Zertifizierung erfolgt zusätzlich und im Anschluss.
Christian: War die Anpassung an diese Anforderungen ein Grund dafür, den Studiengang neu zu strukturieren?
Prof. Müller: Ja. 2025 wurden die Anforderungen verändert. Die neuen DGE-Zulassungsempfehlungen gelten ab 2030; bis dahin gibt es eine Übergangsfrist. Die bisherigen Kriterien enthalten etwas geringere Diätetikanteile. Wir wollten den Studiengang schon jetzt so aufstellen, dass die Studierenden auf die künftigen Empfehlungen vorbereitet sind.
Prof. Müller: Auch der frühere Studiengang Ernährungswissenschaft und Prävention war gut aufgebaut. Für die ab 2030 geltenden Empfehlungen fehlten jedoch einige ECTS-Punkte im Bereich Diätetik. Deshalb haben wir diesen Anteil erhöht.
Christian: Für Interessierte heißt das: Mit den passenden Modulen und dem Praktikum bereitet der Studiengang gut auf die Zertifizierung vor. Das Zertifikat muss nach dem Studium trotzdem separat erworben werden.
Wie laufen die optionalen Laborphasen ab?
Christian: Sie haben die optionalen Laborphasen erwähnt. Wie kann man sich eine solche Veranstaltung vorstellen?
Prof. Müller: Die Laborphasen finden an unseren Standorten in Ellwangen und Kassel statt. Wir bieten mehrere Termine an, die in der Veranstaltungsübersicht stehen. Die Studierenden melden sich für ihren Wunschtermin an.
Prof. Müller: Eine Laborphase dauert in der Regel eineinhalb Tage, meist von Freitagabend bis Samstag. Vor Ort führen die Studierenden Versuche passend zum jeweiligen Modul durch.
Prof. Müller: Ich betreue zum Beispiel die Laborphase zur Lebensmittelverarbeitung. Dort stellen wir Joghurt, Speiseeis und Apfelsaft her. Es geht aber nicht nur um den Herstellungsprozess. Wir untersuchen, wie unterschiedliche Rohstoffe und Verfahren das Endprodukt beeinflussen.
Prof. Müller: Beim Speiseeis vergleichen wir zum Beispiel Varianten mit Milch und mit Sahne und testen sie sensorisch. Beim Apfelsaft arbeiten wir mit zwei unterschiedlichen Geräten. Anschließend betrachten wir, wie sich die Produkte trotz gleicher Ausgangsäpfel unterscheiden und wodurch diese Unterschiede entstehen.
Christian: Das klingt sehr spannend. Wer die Möglichkeit zur Teilnahme hat, sollte sie nutzen. Kassel liegt ziemlich zentral in Deutschland und direkt in unserer Nachbarschaft – wir sitzen hier in Eisenach.
Wie lässt sich das Praktikum mit dem Beruf verbinden?
Christian: Wer möchte, kann also ein Praktikum absolvieren?
Prof. Müller: Die Studierenden wählen zwischen Praxisprojekt und ernährungswissenschaftlichem Praktikum. Das ernährungswissenschaftliche Praktikum ist ein Berufspraktikum mit 240 Stunden beziehungsweise sechs Arbeitswochen.
Prof. Müller: Uns ist bewusst, dass ein solcher Umfang für Vollzeitbeschäftigte nicht immer leicht zu organisieren ist. Deshalb kann das Praktikum auf bis zu drei Betriebe aufgeteilt werden. Pro Betrieb müssen mindestens 80 Stunden beziehungsweise zwei Wochen absolviert werden.
Prof. Müller: Man kann dafür beispielsweise zwei Wochen Urlaub einplanen. Wer nur vier Tage pro Woche arbeitet, könnte den fünften Tag regelmäßig in einer Ernährungsberatungspraxis verbringen. Das Praktikum muss also nicht am Stück absolviert werden. Es kann schon im ersten Semester beginnen und über das gesamte Studium verteilt werden.
Christian: Ich würde das Praktikum empfehlen, denn Berufserfahrung ist in jedem Studium wertvoll. Was gilt, wenn jemand bereits in einem fachlich passenden Unternehmen arbeitet?
Prof. Müller: Dann kann die bestehende Berufstätigkeit unter Umständen anerkannt werden. Auch hier prüfen wir, ob Inhalt und Umfang die Anforderungen erfüllen.
Der persönliche Karriereweg von Prof. Müller
Christian: Damit haben wir einen guten Überblick über den Studiengang. Falls noch Fragen offen sind, stellt sie gern in den Kommentaren. Wir beantworten sie oder leiten sie an Frau Müller beziehungsweise die Studienberatung weiter.
Christian: Zum Schluss möchte ich noch über Ihren persönlichen Weg sprechen – auch als Inspiration für Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich eine wissenschaftliche Karriere vorstellen können. Sie haben die Technische Universität München erwähnt. Sind Sie direkt nach dem Abitur ins Studium gegangen?
Prof. Müller: Ja, mein Weg war relativ geradlinig. Ernährung hat mich schon immer interessiert. Wenn ich nicht Ökotrophologie studiert hätte, wäre es wahrscheinlich ein Lehramtsstudium geworden. In meiner heutigen Tätigkeit kann ich beides ein Stück weit verbinden.
Prof. Müller: Zur SRH Fernhochschule bin ich später durch eine Schulfreundin gekommen. Sie studierte damals Lebensmittelmanagement und -technologie an der Mobile University und erzählte mir von ihrem Studium. Ich fand das Konzept aus Studierendensicht sehr spannend.
Prof. Müller: Als ich mich beruflich verändern wollte, dachte ich: Warum nicht an eine Hochschule gehen – und warum nicht an diese? Lehre hat mir schon immer Freude gemacht. Die Arbeit ist vielfältig, ich kann mich in unterschiedliche Themen einarbeiten und habe Kontakt zu vielen Menschen. Es gibt immer wieder etwas Neues.
Christian: Der Weg vom Studium zur Professur war natürlich länger, als es in dieser kurzen Zusammenfassung klingt. Sie haben noch einen Diplomstudiengang absolviert. Heute wären das üblicherweise Bachelor und Master. Wie fiel danach die Entscheidung für eine Promotion?
Prof. Müller: Ich war am Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und Molekulare Sensorik der Technischen Universität München. Dort hatte ich bereits meine Diplomarbeit im Bereich Fleischtechnologie geschrieben. Die Forschung machte mir Spaß und lief gut. Mein Doktorvater bot mir ein spannendes Promotionsthema an. Deshalb entschied ich mich für diesen Weg – und habe es nie bereut.
Prof. Müller: In meiner Promotion untersuchte ich den Einsatz von Schnellmethoden zur Qualitätssicherung in der Gemeinschaftsverpflegung. Dabei ging es unter anderem um spektrometrische Methoden, die Mittagsverpflegung in Kindertagesstätten im Raum München und die dort eingesetzten Verpflegungssysteme. Das Thema verband analytische Arbeit mit Ernährungsfragen.
Prof. Müller: Nach der Promotion arbeitete ich mehrere Jahre in der Milchwirtschaft. Später wollte ich wieder stärker zu ernährungsbezogenen Themen zurückkehren und mich beruflich verändern. So führte mein Weg schließlich an die Hochschule.
Ernährungstipps für einen vollen Alltag
Christian: Haben Sie zum Abschluss noch einen Ernährungstipp für unsere Zuschauerinnen und Zuschauer? Viele arbeiten, haben Familie und studieren nebenher. Oft bleibt wenig Zeit, sich ausgewogen zu ernähren. Ich nehme zum Beispiel häufig nur einen Shake mit zur Arbeit. Das ist wahrscheinlich nicht die optimale Lösung. Was raten Sie Studierenden mit wenig Zeit?
Prof. Müller: Eine zu strenge Kontrolle ist keine gute Idee. Versuchen Sie, zu frühstücken oder etwas für den Vormittag mitzunehmen. Vieles lässt sich am Abend vorher vorbereiten.
Prof. Müller: Schauen Sie in der Mittagspause nach Alternativen zu den üblichen schnellen Angeboten. Auch in stressigen Phasen sollten Sie sich Zeit für eine richtige Pause nehmen und nicht nur hastig am Schreibtisch essen.
Prof. Müller: Planen Sie ein wenig voraus und sorgen Sie dafür, dass passende Lebensmittel zu Hause sind. Gleichzeitig sollten Sie sich Pausen erlauben, sich nicht zu rigide kontrollieren und nichts grundsätzlich verbieten.
Christian: Ich versuche, abends eine größere Portion zu kochen, damit etwas für den nächsten Tag übrig bleibt. Eine Zeit lang habe ich auch vorbereitete Zutaten eingefroren, die ich nur noch erhitzen musste. Im Büro fehlt allerdings der Herd.
Prof. Müller: Dann kann man am Vorabend zum Beispiel einen Salat vorbereiten und mitnehmen. Vielleicht gibt es in der Umgebung auch eine bessere Alternative, als man zunächst denkt.
Kontakt und Verabschiedung
Christian: Vielen Dank für die Einblicke in den Studiengang und in Ihre Arbeit. Wie können Interessierte mit Ihnen Kontakt aufnehmen, wenn sie weitere Fragen haben?
Prof. Müller: Meine Kontaktdaten stehen auf der Website der Hochschule. Sie können mir gern an bianca.mueller@mobile-university.de schreiben. Außerdem bieten wir regelmäßig Online-Infoveranstaltungen an. Dort können Interessierte mich treffen und mehr über den Studiengang erfahren. Auch die Kolleginnen und Kollegen der Studienberatung helfen gern weiter.
Christian: Wir verlinken die Kontaktdaten und weitere Informationen in der Videobeschreibung. Noch einmal vielen Dank, Frau Müller. Tschüss!
Prof. Müller: Ich bedanke mich. Tschüss!

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