Elektrotechnik berufsbegleitend an der TH Aschaffenburg – Prof. Mann über Zulassung, Labor & Alltag
Wenn Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz integriert, Elektromotoren effizienter geregelt oder Maschinen automatisiert werden, steckt dahinter Elektro- und Informationstechnik. Ingenieurinnen und Ingenieure entwickeln Lösungen für Energieversorgung, Kommunikationstechnik, elektrische Antriebe und industrielle Systeme – Technologien, die unseren Alltag und die Energiewende prägen.
Der berufsbegleitende Bachelor Elektro- und Informationstechnik (B.Eng.) an der @HochschuleAB verbindet digitales Selbststudium mit Präsenztagen: Etwa alle vier Wochen kommen die Studierenden freitags und samstags für Vorlesungen, Übungen und Laborarbeit an den Campus. Ein Mathematik-Vorkurs erleichtert den Einstieg.
Im Interview spricht Christian mit Prof. Dr.-Ing. Michael Mann, Professor an der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik und unter anderem in den Forschungsbereichen Clean Tech sowie Electronics and Electric Drives tätig. Es geht um Zulassung mit und ohne Abitur, die Anrechnung beruflicher Kompetenzen, Studieninhalte, Wahlmodule und Prüfungen. Außerdem erklärt Prof. Mann das Lernkonzept, gibt Einblicke in die Laborphasen, vergleicht Techniker- und Bachelorabschluss und zeigt, wie sich das Studium mit Beruf und Familie vereinbaren lässt.
⏱️ KAPITEL:
00:00 Elektrotechnik staatlich und berufsbegleitend studieren
00:54 Prof. Dr.-Ing. Michael Mann stellt sich vor
01:42 Zielgruppe des Studiengangs
02:53 Zulassung mit und ohne Abitur
03:37 Vorleistungen und Berufserfahrung anrechnen lassen
06:51 Für wen eignet sich das Studium?
09:08 Studieninhalte und Studienablauf
13:00 Wahlpflichtmodule und Spezialisierungen
14:07 Künstliche Intelligenz im Studium
15:41 Prüfungen und wissenschaftliches Arbeiten
16:46 Blended Learning und Unterstützung beim Lernen
19:47 Präsenztage und Laborarbeit in Aschaffenburg
22:24 Techniker oder Bachelor – was macht den Unterschied?
26:51 Karrierechancen und Unterstützung durch Arbeitgeber
27:08 Prof. Manns Weg von der Industrie zur Hochschule
32:08 Studium, Beruf und Familie vereinbaren
🎓 Elektro- und Informationstechnik (B.Eng.) an der TH Aschaffenburg im Detail:
fernstudi.net/fernstudium/ingenieurwissenschaften/elektrote…
🎧 Ohne Abitur an die TH Aschaffenburg – Davide Amato über Unternehmensgründung im berufsbegleitenden Studium und das Blended-Learning-Format:
youtube.com/watch
🏢 Die TH Aschaffenburg und ihre berufsbegleitenden Studiengänge im Überblick:
fernstudi.net/fernhochschulen/technische-hochschule-aschaff…
🔍 Bachelor und Master in Elektrotechnik im Fernstudium vergleichen:
fernstudi.net/fernstudium/ingenieurwissenschaften/elektrote…
💬 FRAGEN? AUSTAUSCH?
Schreib sie in die Kommentare – wir antworten auf alle!
Oder nutze die Studienberatung + Community auf fernstudi.net: fernstudi.net/hilfe
📱 FERNSTUDI.NET-APP (Android & iOS):
Study Tracker, Fokus Sessions, KI-Lernbegleiter Felix & Community – alles in einer App.
👉 fernstudi.net/app
___________________________
🔥 FOLGE UNS:
Facebook: facebook.com/fernstudi.net
Instagram: instagram.com/fernstudinet
LinkedIn: linkedin.com/company/fernstudinet
TikTok: tiktok.com/@fernstudi.net
___________________________
⚠️ TRANSPARENZ:
Unsere Videos basieren nicht auf bezahlten Partnerschaften. Wir wählen Themen nach Community-Interesse, nicht nach Werbeverträgen. Einige Hochschulen sind Sponsoren auf fernstudi.net (dort entsprechend gekennzeichnet). Affiliate-Links kennzeichnen wir mit (*).
Transkript
Christian: Wer Elektrotechnik neben dem Job studieren will, landet meist bei einer privaten Fernhochschule. Es geht aber auch staatlich: für ungefähr 1.600 Euro Studiengebühren im Semester, ohne Vertrag und mit echten Laboren. Der Haken: Etwa alle vier Wochen ist man freitags und samstags in Aschaffenburg.
Ob und für wen sich das lohnt, klären wir in diesem Interview mit Prof. Dr.-Ing. Michael Mann. Er leitet den berufsbegleitenden Studiengang Elektro- und Informationstechnik an der TH Aschaffenburg. Wir sprechen über die Zulassung, die Studieninhalte, das Lernkonzept sowie die Präsenztage und Labore in Aschaffenburg.
Prof. Dr.-Ing. Michael Mann stellt sich vor
Christian: Herr Mann, herzlich willkommen. Ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben, den Studiengang Elektro- und Informationstechnik an der TH Aschaffenburg vorzustellen. Bevor wir über die Zulassung, die Voraussetzungen und die Studieninhalte sprechen: Stellen Sie sich bitte kurz vor.
Prof. Mann: Mein Name ist Michael Mann. Ich leite an der TH Aschaffenburg die Professur für Regenerative elektrische Energiesysteme und auch die berufsbegleitenden Studiengänge im Fachbereich Ingenieurwissenschaften.
Ich bin selbst Elektrotechniker und habe staatlich geprüfte Techniker an der Meisterschule in Kaiserslautern ausgebildet. Daher kenne ich beide Seiten: das, was Techniker können, und das, was Ingenieurinnen und Ingenieure später können sollen. Dadurch wird auch der Weg zwischen diesen beiden Qualifikationen relativ klar.
Zielgruppe des Studiengangs
Christian: Bevor wir zu den konkreten Zulassungsvoraussetzungen kommen: Wer sind die typischen Studentinnen und Studenten in diesem Studiengang? Mit wem haben Sie es während der Präsenzphasen zu tun?
Prof. Mann: Als ehemalige klassische Fachhochschule bilden wir sehr unterschiedliche Persönlichkeiten aus. Zu uns kommen Menschen mit beruflichem Hintergrund und Menschen mit einem eher akademischen Hintergrund.
Genau diese Heterogenität macht Spaß, weil die Studierenden voneinander lernen können. Da sitzt jemand mit sehr viel Praxiserfahrung neben einer Person, die – etwas flapsig gesagt – noch nicht weiß, wie man eine Schraube anzieht. Beide lernen voneinander: Die eher theoretisch geprägten Studierenden lernen praktische Aspekte, während die Praktikerinnen und Praktiker erfahren, wie man beispielsweise Differentialgleichungen löst. Diesen Austausch zu fördern, macht viel Freude.
Christian: Das ist ein Vorteil der Präsenzphasen: Man lernt seine Kommilitoninnen und Kommilitonen persönlich kennen. In einem klassischen Fernstudium hat man häufig weniger miteinander zu tun.
Zulassung mit und ohne Abitur
Christian: Was sind die konkreten Zulassungsvoraussetzungen? Kann ich mit und ohne Abitur in den Studiengang einsteigen?
Prof. Mann: Der Zugang ist mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und entsprechender Berufserfahrung möglich. Die notwendigen Kompetenzen können also über den beruflichen Weg nachgewiesen werden. Natürlich ist die Zulassung auch mit der Fachhochschulreife, über FOS oder BOS sowie mit dem klassischen Abitur möglich.
Wir wissen, dass wir die Studierenden mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen abholen. Deshalb stellen wir dem eigentlichen Studium unter anderem einen Mathematik-Vorkurs voran. Dadurch soll die Einstiegshürde geringer werden.
Vorleistungen und Berufserfahrung anrechnen lassen
Christian: Viele private Fernhochschulen sind bei der Anrechnung von Vorleistungen sehr großzügig. Wer eine einschlägige Berufsausbildung abgeschlossen hat, kann sich dort teilweise zahlreiche Leistungen anrechnen lassen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Kann ich mir Berufserfahrung oder Leistungen aus einem vorherigen Studium anrechnen lassen?
Prof. Mann: Grundsätzlich können solche Leistungen angerechnet werden. In den zehn Jahren, in denen wir die Studiengänge anbieten, haben wir uns aber dafür entschieden, jeden Fall individuell zu prüfen. Gerade beim Übergang vom Technikerabschluss zum Bachelor möchten wir sicherstellen, dass dieser Schritt gelingt. Deshalb verschaffen wir uns ein genaues Bild davon, ob die Bewerberin oder der Bewerber bereits die Kompetenzen besitzt, die für einen erfolgreichen Studienabschluss notwendig sind.
Ein konkretes Beispiel: Wir hatten einen Studenten, der bereits seit drei Jahren Führungsverantwortung für 150 Personen trug. Sein Unternehmen hatte ihn in dieser Zeit intensiv weitergebildet. Es war klar, dass wir ihm im Bereich Personalführung nicht mehr viel Neues beibringen konnten. Eine solche Vorleistung kann angerechnet werden.
Eine kurze Vormittagsschulung im Qualitätsmanagement bei irgendeinem Anbieter ist dagegen nicht mit dem Besuch einer vollständigen Lehrveranstaltung gleichzusetzen. Wir möchten die Anrechnung möglichst genau auf die jeweiligen Studierenden und die Kompetenzen zuschneiden, die sie später im Beruf benötigen.
Christian: Es gibt also keine pauschale Anrechnung, wie man sie teilweise von privaten Anbietern kennt. Dort kann man häufig schon vor der Bewerbung mit einem Online-Rechner prüfen, welche Module sich anrechnen lassen. Bei Ihnen wird jeder Antrag individuell geprüft.
Auch die Studienzeit lässt sich durch einschlägige Berufserfahrung verkürzen. So kann beispielsweise die im Studiengang vorgesehene Praxisphase angerechnet werden.
Prof. Mann: Bei einschlägiger Berufserfahrung darf diese Praxisphase direkt angerechnet werden. Auch dafür muss ein Antrag gestellt werden, weil wir prüfen möchten, ob die Voraussetzungen tatsächlich erfüllt sind. In sehr vielen Fällen ist das aber möglich.
Christian: Welche Tätigkeiten gelten als einschlägig? Sind das beispielsweise Berufe aus der Elektrotechnik? Welche beruflichen Hintergründe bringen Ihre Studierenden typischerweise mit?
Prof. Mann: Die Elektrotechnik ist ein sehr breites Feld. Es reicht von der Kommunikationstechnik über die klassische Energietechnik mit großen Maschinen bis zu Programmiertätigkeiten. In diesen Bereichen lässt sich die Einschlägigkeit relativ leicht feststellen.
Wir haben aber auch Studierende, die beispielsweise über langjährige Erfahrung im Projektmanagement in der Automatisierungstechnik verfügen. Deshalb prüfen wir jeden Fall einzeln. Wir möchten erkennen, ob hinter der Berufserfahrung tatsächlich Substanz steckt oder ob lediglich Nullen und Einsen nach rechts geschoben wurden.
Für wen eignet sich das Studium?
Christian: Für wen ist der Studiengang eher nicht geeignet? Manche schreiben sich vielleicht ein und merken nach ein oder zwei Semestern, dass ihnen entweder die Studienform oder das Fach nicht liegt.
Prof. Mann: Schwierig wird es für Studierende, die nur einen Titel und eine Abschlussurkunde haben möchten, sich aber nicht wirklich für das Fach interessieren. Wer Interesse an den Inhalten mitbringt, kann dagegen auch ungewöhnliche Wege gehen.
Wir erleben beispielsweise Menschen aus dem kaufmännischen Bereich, die nach fünf Jahren im Beruf feststellen, dass ihnen technisches Wissen fehlt. Einige entscheiden sich dann für Wirtschaftsingenieurwesen, andere sogar für die volle Elektrotechnik.
Elektrotechnik ist ein sehr technischer Studiengang und nicht frei von Hürden. Man sollte sich für Mathematik und Physik interessieren. Wir setzen aber nicht voraus, dass dieses Wissen zu Studienbeginn bereits vollständig sitzt. In den berufsbegleitenden Studiengängen haben wir nur selten Bewerberinnen und Bewerber mit einem Abiturschnitt von 1,0.
Christian: Was ist mit jemandem, der aus den Geisteswissenschaften kommt? Ich habe beispielsweise Geschichte und Philosophie studiert und war in der Schule nicht besonders gut in Mathematik. Das Fach könnte mich trotzdem interessieren. Wäre ein Einstieg möglich?
Prof. Mann: Grundsätzlich ja. Zunächst müssten natürlich die formalen Zugangsvoraussetzungen geprüft werden. Die erforderliche einschlägige Berufserfahrung müsste vorhanden sein. Wenn jemand wirklich für das Fach brennt, würde ich aber sagen: Warum nicht?
Auch aus den Präsenzstudiengängen gibt es entsprechende Beispiele. Eine meiner besten Studentinnen kam mit den Leistungskursen Biologie und Erdkunde zu uns. Sie hat sich durch Mathematik und Physik gearbeitet und den Bachelor später mit einer Eins vor dem Komma abgeschlossen. Wir möchten die Plattform sein, die genau solche Wege ermöglicht.
Studieninhalte und Studienablauf
Christian: Damit sind wir bei den Studieninhalten. Was lernen die Studierenden im Laufe des Studiums?
Prof. Mann: Ähnlich wie in klassischen Präsenzstudiengängen beginnen wir mit einer fundierten Ausbildung in Mathematik und Physik. Wir setzen nicht voraus, dass zu Beginn bereits alle Grundlagen vorhanden sind. Im vorgeschalteten Mathematik-Vorkurs holen wir die Studierenden ungefähr auf dem Niveau der mittleren Reife ab und wiederholen, was sie für den Einstieg benötigen. Dadurch fällt der Sprung ins erste Semester weniger groß aus.
Auch die Organisation des Studiums ist darauf ausgerichtet. In den zehn Jahren, in denen wir dieses Modell anbieten, haben wir uns dazu entschieden, jedes Semester in zwei Blöcke zu unterteilen. Jeder Block umfasst zwei Fächer und wird mit einer Prüfung abgeschlossen.
Dadurch ballen sich die Prüfungen nicht wie in klassischen Studiengängen vollständig im Frühjahr oder Herbst. Die Studierenden müssen nicht zahlreiche Prüfungen innerhalb kurzer Zeit absolvieren. Diese Struktur geht auch auf Rückmeldungen unserer Studierenden zurück.
Im ersten Semester bringen wir zunächst alle in Mathematik und Physik auf ein vergleichbares Niveau. Anspruchsvolle Fächer sollen sich nicht zu stark auf einen Zeitraum konzentrieren. Deshalb verteilen wir sie auf die beiden Semesterhälften. Das setzen wir auch in den weiteren Semestern fort.
Wir wissen beispielsweise, dass Regelungstechnik fachlich anspruchsvoll ist. Solche Module kombinieren wir mit Fächern wie Projektmanagement, die nicht unbedingt leicht, aber möglicherweise etwas zugänglicher sind. Dadurch bleibt das Studium besser zu bewältigen.
Christian: Die Studierenden bearbeiten also nicht vier Module gleichzeitig. In vielen Fernstudiengängen können sie sehr flexibel wählen und laden sich dadurch manchmal drei oder vier Module gleichzeitig auf.
Mathematik steht bei Ihnen direkt im ersten Semester an. Durch den Vorkurs werden die Studierenden aber schrittweise darauf vorbereitet und müssen nicht schon vor Studienbeginn sämtliche Inhalte beherrschen.
Prof. Mann: Wir sehen, dass wir durch den Mathematik-Vorkurs auch Studierende ohne Abitur gut abholen können. Gleichzeitig vermitteln wir, wie ein Studium überhaupt funktioniert.
Studieren bedeutet, sich Werkzeuge im Kopf zu erarbeiten, mit denen sich die Herausforderungen von morgen lösen lassen. Im Unterschied zum Schulunterricht werden die Inhalte nicht auf dem Silbertablett serviert. Die Studierenden müssen sich Wissen selbst erschließen.
Genau dazu möchten wir sie befähigen. Unser Blended-Learning-Konzept besteht zu etwa 80 Prozent aus Selbststudium und zu 20 Prozent aus Präsenzveranstaltungen. Damit die monatlichen Präsenztage in Aschaffenburg möglichst viel bringen, müssen die Studierenden gut und gerne selbstständig lernen können.
Wahlpflichtmodule und Spezialisierungen
Christian: Zum Studium gehören auch zwei Wahlpflichtmodule. Was steht zur Wahl und wann werden diese Module absolviert?
Prof. Mann: Wir haben einen umfangreichen Katalog an Wahlpflichtfächern. Dadurch können die Studierenden Schwerpunkte setzen, die zu ihrem Arbeitsplatz und Tätigkeitsbereich passen.
Ein Student benötigte beispielsweise zusätzliche Chemiekenntnisse. Im normalen Fächerkatalog eines Elektrotechnikstudiums findet sich Chemie eher selten. Über die Virtuelle Hochschule Bayern kann jedoch aus einem sehr großen Fächerangebot gewählt werden. Der betreffende Student arbeitete im Bereich Wasserstofftechnologie und konnte sich auf diesem Weg ergänzende Kompetenzen in Chemie aneignen.
Das verdeutlicht den Zweck der Wahlpflichtfächer: Wir erwarten, dass die Studierenden sich selbst strukturieren und eigene Schwerpunkte setzen. Natürlich macht es auch Spaß, sich endlich einmal mit einem Thema zu beschäftigen, das einen schon länger interessiert.
Künstliche Intelligenz im Studium
Christian: Ein wichtiges Thema ist mittlerweile auch künstliche Intelligenz. Ich habe gesehen, dass KI bereits in den Studienverlauf integriert wurde.
Prof. Mann: Wir haben KI relativ früh als Pflichtfach aufgenommen. Es geht nicht darum, die Algorithmen bis in die tiefsten Einzelheiten nachzuvollziehen. Wir möchten vielmehr die Chancen und Risiken von KI auf der Anwendungsebene vermitteln.
Die Studierenden sollen etwas mehr wissen als reine Anwenderinnen und Anwender. Sie sollen auch einschätzen können, was morgen oder übermorgen auf sie zukommen könnte. Auf dieses Modul erhalten wir eine sehr positive Resonanz.
Wir bieten den Studiengang seit zehn Jahren an. Der Studienplan und die Lehrformate entsprechen deshalb nicht mehr dem Stand von damals, sondern werden laufend weiterentwickelt. Das lebt vom engen Austausch mit den Studierenden. Wir versuchen, auf Augenhöhe mit ihnen zu sprechen. Wenn sie uns erklären, was nicht gut funktioniert, sind wir als Studiengang gut beraten, aufmerksam zuzuhören und Änderungen umzusetzen.
Prüfungen und wissenschaftliches Arbeiten
Christian: Das klingt nach einem sehr persönlichen Studium. Ein weiteres wichtiges Thema sind die Prüfungen. Werden diese vor Ort in Aschaffenburg geschrieben und handelt es sich überwiegend um Klausuren?
Prof. Mann: Die Prüfungsformen haben sich auch in den Präsenzstudiengängen verändert. Gerade in der Grundlagenausbildung ist es weiterhin üblich, Wissen mit klassischen Klausuren zu prüfen. Daneben gibt es inzwischen aber auch Gruppenarbeiten, Gruppenprojekte, Seminare und Abschlussarbeiten.
Außerdem bereiten wir die Studierenden mit einer Studienarbeit auf die Bachelorarbeit vor. Das wissenschaftliche Arbeiten wird dabei zusammen mit einem wissenschaftlichen Seminar vertieft.
Die Studierenden sollen verstehen, was es bedeutet, wissenschaftlich zu arbeiten, sich selbst Wissen zu erschließen und Informationen zu überprüfen. Gerade in Zeiten künstlicher Intelligenz ist es wichtig, beurteilen zu können, ob eine Aussage Hand und Fuß hat oder ob es sich um eine Halluzination von KI oder auch von Menschen handelt.
Blended Learning und Unterstützung beim Lernen
Christian: Kommen wir zum Lernkonzept. Sie bezeichnen es als Blended Learning: Ein Teil des Studiums findet am Campus statt, der größere Teil zu Hause. Auf Ihrer Website grenzen Sie das Modell bewusst vom Fernstudium ab, schreiben aber gleichzeitig, dass es sich ähnlich wie ein Fernstudium absolvieren lässt. Wie funktioniert das genau?
Prof. Mann: Das Lernkonzept hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Auf der einen Seite gibt es das Selbststudium auf Grundlage von Skripten und Büchern. Das kennt man auch aus einem Präsenzstudium, wenn man sich nach einer Vorlesung noch einmal hinsetzt, die Inhalte reflektiert und Übungsaufgaben rechnet.
Dieses klassische Selbststudium haben wir um digitale Elemente erweitert. Dafür verwenden wir die Lernplattform Moodle. In Mathematik finden sich dort beispielsweise Videos zu Themen wie Integral- und Differentialrechnung. Eine Dozentin erklärt darin Übungsaufgaben in Bild und Ton.
Dabei geht es weniger um die konkrete Lösung als um den Weg zum Ergebnis: Welche Methode kann ich anwenden und welche Möglichkeiten habe ich? Die Videos lassen sich zurückspulen und beliebig oft ansehen, bis man die Vorgehensweise verstanden hat.
Diese Beispielvideos funktionieren wie ausführliche Musterlösungen. Im klassischen Präsenzstudium erhält man vielleicht ein Übungsblatt oder eine PDF-Datei. In den Videos werden die Aufgaben dagegen Schritt für Schritt durchgegangen.
Zusätzlich bieten die Dozentinnen und Dozenten Sprechstunden an. Gerade in anspruchsvollen Fächern wie Mathematik und Physik arbeiten wir außerdem mit Tutorinnen und Tutoren. Das sind Studierende aus höheren Semestern, die jüngeren Studierenden zeigen, wo typische Fallstricke liegen und wie sie sich vermeiden lassen. Manchmal können sie auch erklären, wie man sich am besten auf eine bestimmte Klausur vorbereitet.
Christian: Das kenne ich noch aus meinem Präsenzstudium. Selbst in Philosophie gab es Tutorinnen und Tutoren, beispielsweise zur Vorbereitung auf die Logikklausur.
Wer sich noch ausführlicher für das Lernkonzept interessiert, kann sich unser Gespräch mit Davide Amato ansehen. Er studiert berufsbegleitend Wirtschaftsingenieurwesen an der TH Aschaffenburg und hat ausführlich beschrieben, wie er das Studium erlebt hat. Aus seinem Studium ist später auch eine Unternehmensgründung entstanden. Das Gespräch ist in der Videobeschreibung verlinkt.
Präsenztage und Laborarbeit in Aschaffenburg
Christian: Zum Lernkonzept gehören die Präsenztage und Labore in Aschaffenburg. Wie laufen diese ab und wie häufig finden sie statt?
Prof. Mann: Die Präsenztage finden freitags und samstags statt. An diesen Tagen gibt es sowohl Vorlesungen als auch Laborübungen.
Wir legen Wert darauf, den berufsbegleitend Studierenden möglichst viel aus den Präsenzstudiengängen anzubieten. Deshalb sind wir mit klassischen Laboraufgaben sehr nah am Präsenzstudium. Gerade in den Ingenieurwissenschaften ist das wichtig. Die Studierenden müssen wissen, wie sie mit Standardhardware umgehen und ein Messgerät richtig einstellen. Sie sollen auch erleben, was passiert, wenn ein Gerät falsch eingestellt wird.
Im Labor entsteht häufig der entscheidende Aha-Moment. In der Vorlesung stehen möglicherweise komplizierte Gleichungen im Skript. In den Übungen versuchen die Studierenden nachzuvollziehen, wie diese Gleichungen berechnet werden. Erst im Labor erkennen sie dann: So funktioniert es nicht – und so funktioniert es. Plötzlich wird verständlich, worauf der Professor mit den Gleichungen hinauswollte.
Die TH Aschaffenburg ist forschungsstark und gleichzeitig eng in der Lehre verankert. Wir haben ein sehr gutes Laborangebot und möchten dieses auch den berufsbegleitend Studierenden zugänglich machen. Dafür erhalten wir sehr positives Feedback.
Christian: Davide Amato hat in unserem Gespräch ebenfalls von diesen Präsenzphasen erzählt. Die Studierenden treffen sich auch nach den Lehrveranstaltungen und lernen gemeinsam die Stadt kennen. Dadurch wird das berufsbegleitende Studium zu einem persönlichen Erlebnis.
Die Präsenzphasen sind nicht nur wegen der praktischen Laborarbeit wertvoll. Man verbringt auch Zeit mit den Kommilitoninnen und Kommilitonen. Etwa alle vier Wochen muss man dafür zwei Tage einplanen. Die Termine liegen am Freitag und Samstag und lassen sich dadurch grundsätzlich mit dem Beruf vereinbaren. Trotzdem muss man rechtzeitig mit dem Arbeitgeber klären, ob beispielsweise eine Freistellung oder Bildungsurlaub möglich ist.
Techniker oder Bachelor – was macht den Unterschied?
Christian: Ein Thema, das regelmäßig auf großes Interesse stößt, ist die Technikerausbildung. Viele fragen sich, ob es nicht ausreicht oder sogar sinnvoller wäre, einen Technikerabschluss zu erwerben. Für wen eignet sich welche Form der Weiterbildung?
Prof. Mann: Ich vergleiche das gerne mit dem Kochen. Auf der einen Seite kann ich ein Rezept aus einem Kochbuch nehmen. Dort steht, welche Zutaten ich benötige, wie ich sie verarbeite und wie daraus etwas Leckeres entsteht. Das lässt sich – etwas zugespitzt – mit einer Technikerausbildung vergleichen. Ich hoffe, meine Techniker machen mich für diesen Vergleich nicht einen Kopf kürzer.
Auf der anderen Seite kann ich den Kühlschrank öffnen, nachsehen, was vorhanden ist, und daraus etwas Eigenes zaubern. Das entspricht eher dem Ansatz eines Ingenieurstudiums.
In der Technikerausbildung lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Methoden und erhalten konkrete Hilfestellungen. Damit können sie an großen und interessanten Projekten arbeiten oder sehr komplexe Maschinen in Betrieb nehmen.
Im Ingenieurstudium geht es zusätzlich um das Warum: Warum funktioniert eine Methode und eine andere nicht? Bis zu welchem Punkt kann eine Methode angewendet werden? In welchem Bereich ist sie das beste Mittel der Wahl?
Im späteren Berufsalltag muss eine Ingenieurin oder ein Ingenieur entscheiden können, ob für ein Problem Methode A, B oder vielleicht C geeignet ist. Diese Abwägung zieht sich durch sämtliche Fächer – von der Mathematik bis zur Anwendung künstlicher Intelligenz.
Wann setze ich einen KI-Agenten auf ein Problem an? Wann muss ich vorsichtig sein und doch ganz klassisch mit Stift, Papier und Taschenrechner arbeiten, um zu einer belastbaren ingenieurwissenschaftlichen Lösung zu gelangen?
Ein weiterer Punkt ist die Kreativität. Dafür bieten wir zwei Lehrveranstaltungen an: „Ingenieurlösungen lernen“ und „Ingenieurlösungen verbessern“. Dabei geht es auch um den sprichwörtlichen Ingenieurdaumen: Wie gelange ich bei einer zunächst noch vagen Fragestellung zu konkreten Ergebnissen?
Wir vermitteln das mit viel Spaß, unter anderem in einer Hochspannungshalle. Das kommt bei den Studierenden sehr gut an, weil sie außerhalb gewohnter Denkmuster arbeiten und tatsächlich eigene Lösungen entwickeln müssen.
Christian: Das Studium eignet sich also auch für neugierige Menschen. Macht der Bachelorabschluss gegenüber dem Techniker einen Unterschied für die berufliche Karriere?
Prof. Mann: Neugier ist sehr wichtig. Gerade bei den berufsbegleitend Studierenden vermissen wir sie nicht. Sie kommen auf uns zu und sagen: „Davon würde ich gerne noch mehr wissen. Ich möchte das wirklich verstehen.“
Der Unterschied zu Präsenzstudierenden besteht häufig darin, dass sich die berufsbegleitend Studierenden in einer ganz anderen Lebensphase befinden. Sie stecken mitten im Hausbau, in der Familiengründung oder in anderen beruflichen und privaten Herausforderungen.
Manchen wird im Berufsalltag auch bewusst, dass eine Kollegin oder ein Kollege am Nachbarschreibtisch dieselbe Arbeit erledigt, mit einem akademischen Abschluss aber mehr verdient. Dann entsteht der Gedanke: Das kann ich auch.
Christian: Die Neugier spielt also eine wichtige Rolle. Meine Frage zielte aber darauf, ob es für das Gehalt und die beruflichen Möglichkeiten einen Unterschied macht, ob ich einen Techniker- oder einen Bachelorabschluss besitze.
Karrierechancen und Unterstützung durch Arbeitgeber
Prof. Mann: Wenn unsere Studierenden fertig sind, sehen wir typischerweise, dass sie einige Monate später mehr Geld auf dem Konto haben und häufig innerhalb eines halben Jahres eine neue Position übernehmen.
Wir versuchen außerdem zunehmend, das Studium in die betriebliche Karriereplanung einzubinden. Unternehmen kommen auf uns zu und sagen, dass sie bestimmte Potenzialträgerinnen und Potenzialträger strukturiert weiterentwickeln möchten. Diese Beschäftigten sind vielleicht schon seit zehn Jahren im Unternehmen und kennen den Betrieb sehr genau. Die Unternehmen möchten sie unbedingt halten und gezielt fördern.
Ein Studium ist zunächst erklärungsbedürftig, weil es mehrere Jahre dauert. Wenn Unternehmen den Nutzen erkannt haben, unterstützen sie die Studierenden im Idealfall zeitlich durch Freistellungen. Teilweise übernehmen sie auch die Studiengebühren. Wir beobachten immer häufiger, dass Unternehmen solche Studienangebote als Bestandteil des lebenslangen Lernens begreifen.
Prof. Manns Weg von der Industrie zur Hochschule
Christian: Lebenslanges Lernen ist vermutlich auch für Sie persönlich ein Thema. Wie verlief Ihr Weg von der Schule bis zur Professur? Haben Sie nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung absolviert?
Prof. Mann: Am Anfang stand mein Interesse an Mathematik und Physik. Als Winzersohn habe ich außerdem an der einen oder anderen Maschine geschraubt und dabei gemerkt, dass es mir Spaß macht, etwas wieder zum Laufen zu bringen, das vorher nicht funktioniert hat.
Nach dem Abitur bin ich über ein Praktikum direkt an die Universität gegangen. Eine Ausbildung habe ich nicht gemacht. Das hatte auch Nachteile. Ich wusste zwar, wie man eine Schraube anzieht, musste mir aber beispielsweise die Feinheiten des Lötens selbst aneignen. Auch das hat Spaß gemacht.
Danach folgte das Elektrotechnikstudium an der TU Kaiserslautern und anschließend die Promotion. Während meiner Promotion habe ich drei Jahre lang Meister und Techniker ausgebildet.
Anschließend war ich zehn Jahre bei einem global tätigen Industriekonzern beschäftigt. Dort konnte ich die große weite Welt der Industrie kennenlernen. Zuletzt arbeitete ich als Leiter der Vorausentwicklung – also an der Entwicklung vom weißen Blatt Papier bis zum fertigen Produkt.
Danach wechselte ich als Professor für Regenerative elektrische Energiesysteme an die Hochschule. Meine fachliche Ausbildung liegt in der Hochspannungs- und Energietechnik. Daraus entwickelte sich auch die heutige Professur mit der Leitfrage: Was macht die Energiewende mit dem Stromnetz, wie lässt sich das messen und mit welchen Strategien können wir darauf reagieren?
Besonders spannend ist die gesamte Bandbreite unserer Arbeit. Auf der einen Seite holen wir in den berufsbegleitenden Studiengängen Menschen ab, die als Gesellen mit Berufserfahrung zu uns kommen. Auf der anderen Seite besitzt die Hochschule inzwischen ein eigenes Promotionsrecht. Wir begleiten Studierende also bis zu den höchsten akademischen Abschlüssen.
Genau diese Bandbreite macht den Reiz aus – und zwar nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis und Forschung. Daraus ergeben sich interessante Schnittstellen zu den berufsbegleitend Studierenden. Wenn jemand mit einer Frage zu uns kommt, können wir passende Kolleginnen oder Kollegen und deren Labore einbeziehen. Natürlich kann ich auch mein eigenes Labor in die Lehre einbringen.
Christian: Wie kam die Entscheidung zustande, von der Industrie an die Hochschule zu wechseln?
Prof. Mann: Auch in der Industrie habe ich Studierende betreut. Das hat mir viel Freude bereitet. Besonders reizvoll fand ich aber die Vorstellung, Studierende von Anfang an abzuholen, zu unterrichten und ihnen zu zeigen, was in ihnen steckt.
Im Fachpraktikum kamen bereits sehr gereifte Persönlichkeiten zu uns. Ihnen noch einen kleinen Schubs in die eine oder andere Richtung zu geben, hat ihren grundsätzlichen Weg nicht mehr stark verändert.
Anders war es beispielsweise bei der Studentin, die mit Biologie und Erdkunde zu uns kam und zunächst sehr unsicher war. Ihr zu zeigen, dass diese Unsicherheit unbegründet ist, war etwas Besonderes. Wer neugierig an die Themen herangeht, dranbleibt und wirklich verstehen möchte, kann den Bachelor schaffen. Diese Studentin ist inzwischen auf dem Weg zum Master. Dieses Potenzial aus Menschen herauszukitzeln, war für mich ein entscheidender Grund für den Wechsel an die Hochschule.
Studium, Beruf und Familie vereinbaren
Christian: Haben Sie zum Abschluss einen Tipp für unsere Zuschauerinnen und Zuschauer? Wie lässt sich das Studium möglichst gut mit dem Beruf und dem Familienleben vereinbaren?
Prof. Mann: Idealerweise sprechen die Studierenden offen mit ihrem Arbeitgeber. In Jahresgesprächen wird häufig ohnehin über Qualifizierungsmaßnahmen und die berufliche Weiterentwicklung gesprochen. Dabei kann man das Interesse an einem Studium in Aschaffenburg ansprechen und gemeinsam klären: Wie kann mich das Unternehmen unterstützen und welchen Nutzen kann ich dem Unternehmen anschließend bieten?
Das Gleiche gilt für die Familie. Familienplanung, Hausbau und andere Lebensereignisse bringen zusätzliche Herausforderungen mit sich. Dafür benötigt man Rückhalt. Partnerinnen und Partner, Eltern und andere Angehörige sollten dem Studium nicht nur wohlwollend gegenüberstehen, sondern möglichst auch aktiv unterstützen.
Mein Rat lautet deshalb: offen sein, das Vorhaben frühzeitig ansprechen, um Unterstützung bitten und um Verständnis werben. Das gilt besonders dann, wenn eine arbeitsreiche Phase im Unternehmen mit einem Präsenzwochenende in Aschaffenburg zusammenfällt.
Wir tragen zur Planbarkeit bei, indem wir die Termine typischerweise ein Jahr im Voraus bekannt geben. Die Studierenden können dadurch frühzeitig mitteilen: „An diesem Wochenende bin ich in Aschaffenburg. Bitte plant in dieser Zeit ohne mich.“ Aus unserer Sicht funktioniert das gut.
Christian: Einen weiteren wichtigen Tipp haben Sie schon zu Beginn des Interviews gegeben: Entscheidend ist das Interesse am Fach. Es sollte nicht nur um den Abschluss gehen. Wer das Studium beginnt, braucht eine echte Motivation, sich mit Elektrotechnik, Mathematik, Physik und den weiteren Inhalten auseinanderzusetzen.
Wer sich für den Studiengang interessiert, findet weiterführende Informationen in der Beschreibung zu diesem Video. Dort verlinken wir die TH Aschaffenburg und den berufsbegleitenden Bachelor Elektro- und Informationstechnik.
Herr Mann, vielen Dank für die ausführlichen Einblicke. Bis zum nächsten Mal.
Prof. Mann: Danke schön. Tschüss.

Kommentare