fernstudi.fm, Folge 66: Fernstudium durchziehen: Warum deine Ziele scheitern (+ 6 Lösungen)

Format: Kompilationsfolge. Host Christian Wolf versammelt Ausschnitte aus frueheren Interviews mit verschiedenen Gästen zum Thema Motivation im Fernstudium. Die Folge erschien als Neujahrs-Spezialfolge und buendelt Erkenntnisse von Study Coaches, Fernstudierenden und Mindset-Trainerinnen.

Gäste dieser Kompilation:

 

Thema 1: Warum Neujahrsvorsätze und Studienziele scheitern

Christian eröffnet die Folge mit der Beobachtung, dass Vorsätze zum Jahreswechsel – mehr Sport, bessere Ernährung, Studium vorantreiben – häufig schon im Februar wieder aufgegeben werden. Er fragt nach den Gruenden fuer dieses Scheitern.

Gabriel Gorbach identifiziert mehrere Hauptursachen:

 

Thema 2: Warum gute Zielsetzung im Fernstudium essentiell ist

Gabriel Gorbach betont, dass gutes Zielesetzen eine unglaubliche Kette an Vorteilen freisetzt. Er beschreibt eine positive Wirkungskette: Ein gut formuliertes Ziel gibt Fokus und einen konkreten Plan. Der Plan macht Fortschritte sichtbar. Sichtbare Erfolge führen zu Erfolgserlebnissen, die wiederum Selbstvertrauen und Zufriedenheit steigern. Das gesteigerte Selbstvertrauen foerdert die Motivation, was letztlich dazu führen kann, im Studium schneller voranzukommen.

Christian bekraeftigt, dass Planung ein wiederkehrendes Thema bei allen Podcast-Gästen sei. Zielsetzung und Zeitmanagement seien zentrale Kompetenzen fuer Fernstudierende.

 

Thema 3: Umgang mit Motivationstiefs

Sarah, Fernstudierende an der Apollon Hochschule, berichtet offen über ihre eigenen Motivationsloecher. Ihre Strategie: Ich erlaube mir einfach Motivationstiefs. Man kann nicht immer funktionieren. Konkret heisst das fuer sie:

Manuela Gnann geht tiefer in die Analyse von Motivationstiefs. Das dritte Semester sei ein Klassiker fuer größere Motivationsprobleme: Man habe bereits ein bis anderthalb Jahre studiert, erste Prüfungen und Hausarbeiten hinter sich, und realisiere dann, dass noch mehrere Jahre bevorstehen. Ihr Rat:

 

Thema 4: Die Kraft der Gewohnheiten

Manuela Gnann erklärt, warum Gewohnheiten im Fernstudium entscheidend sind. Wer nur sporadisch lernt – wie ein Leuchtturm immer mal wieder ein bisschen – sei nicht in einer echten Lerngewohnheit. Der Aufwand, sich jedes Mal neu zum Lernen aufzuraffen, sei dann besonders anstrengend. Einmal in der Gewohnheit angekommen, werde kontinuierliches Lernen dagegen deutlich leichter.

Ihr Rat fuer den Einstieg oder Wiedereinstieg: Fangt mit Kleinigkeiten an. Selbst eine Viertelstunde taegliches Lernen reiche als Anfang, um überhaupt in eine Routine zu kommen. Kleine Erfolge – etwa, in einer Online-Vorlesung ploetzlich mehr zu verstehen – bauen Sicherheit und Motivation auf.

 

Thema 5: Netzwerk und Austausch unter Studierenden

Sarah beschreibt, wie wichtig der Kontakt zu Mitstudierenden fuer ihre Motivation ist. An der Apollon Hochschule gebe es verschiedene Vernetzungsmöglichkeiten: Foren im Online-Campus (studiengangsbezogen und modulbezogen), WhatsApp-Gruppen und Facebook-Gruppen. Alleine ist man definitiv nicht, fasst sie zusammen. Besonders wertvoll sei der enge Kontakt zu einer kleinen Gruppe von Kommilitoninnen, mit denen sie taeglich in Austausch stehe.

Christian erwähnt auch Instagram als Plattform fuer den Austausch mit Fernstudierenden anderer Hochschulen. Sarah bestätigt, dass sie Social Media phasenweise fuer den Austausch über Studienthemen nutze.

 

Thema 6: Pausen einlegen und Überlastung vermeiden

Christian und Manuela Gnann diskutieren die Möglichkeit, ein Urlaubssemester einzulegen, wenn das Studium gerade nicht ins Leben passt. Gnann empfiehlt, sich in dieser Pause bewusst um Wellness und Familie zu kuemmern und das Studium vollkommen aus dem Kopf zu schieben, um neue Kraft zu tanken.

Fuer den Wiedereinstieg nach einer längeren Pause raet Gnann zu einer doppelten Analyse: Rueckschau auf das Vergangene (was hat funktioniert, was nicht) und Zukunftsplanung. Man solle ehrlich prüfen, was zum eigenen Erfolg und Misserfolg beigetragen hat, und dann gezielt Verbesserungen einplanen – etwa das Etablieren von Gewohnheiten, wenn Kontinuität bisher das Problem war.

Christian teilt seine eigene Erfahrung von der FernUni Hagen: Im ersten Semester habe er sich mit Modulen völlig überladen, was zu grossem Frust geführt habe. Sein Tipp: Gerade an privaten Fernhochschulen solle man die Flexibilität nutzen, zunächst nur ein Modul zu belegen und abzuschliessen, bevor man weitere hinzunimmt. Tempo raus, bestätigt Gnann und empfiehlt, auch eigene Semesterferien einzuplanen, selbst wenn die private Hochschule keine festen vorlesungsfreien Zeiten hat.

 

Thema 7: Selbstfuersorge, Schlaf und Resilienz

Gabriel Gorbach spricht über die Bedeutung, im Fernstudium auch zu wissen, wann genug ist. Wer neben dem Vollzeitberuf mit drei Stunden Lernzeit taeglich starte, werde frueher oder später am Rand zum Burnout sein. Er empfiehlt, sich ein realistisches Wochenziel zu setzen – etwa zehn Stunden – und danach mit gutem Gewissen die Freizeit zu geniessen.

Christian ergaenzt, dass Selbstfuersorge und Resilienz gerade fuer Fernstudierende mit Familie zentral seien. Schlafmangel durch Kinderbetreuung wirke sich direkt auf Lernerfolg und Motivation aus. Man müsse auch ausserhalb des Lernens Pausen machen und sich entspannen.

 

Thema 8: Fixed vs. Growth Mindset

Viola erklärt den Unterschied zwischen Fixed und Growth Mindset anhand des Beispiels Mathematik. Ein Fixed Mindset äussere sich in Gedanken wie Ich habe kein Mathe-Talent, ich bleibe immer in dieser Kategorie. Jeder Fehler werde dann als Bestätigung dieser Überzeugung interpretiert.

Das Growth Mindset hingegen sei eine Entscheidung: Man entscheide sich, den eigenen mathematischen Fähigkeiten eine Chance zu geben, und betrachte Fehler nicht als Bestätigung von Unzulänglichkeit, sondern als Zeichen von Mut, sich mit schwierigen Dingen auseinandergesetzt zu haben. Man geht einfach viel gechillter an das Thema dran und das Selbstvertrauen wächst von Mal zu Mal, so Viola.

Christian merkt an, dass diese Veränderung nicht von einem Moment auf den anderen geschehe, sondern viele positive Erlebnisse brauche, weil starke negative Konditionierungen – etwa Stressreaktionen beim Anblick einer Matheaufgabe – tief verankert seien.

 

Thema 9: Glaubenssätze überwinden und Lernblockaden lösen

Viola beschreibt ihren Ansatz, Lernblockaden an der Wurzel zu lösen. In ihrem Training gehe es darum, das ausschlaggebende negative Erlebnis zu identifizieren, das zum Schutzmechanismus geführt habe – etwa der Gedanke Ich habe kein Mathe-Talent. Sie arbeite dann mit konkreten Strategien:

Viola erzählt die Geschichte einer 16-jährigen Schuelerin, die Musical-Star werden wollte. Bei jeder Mathematik-Blockade habe sie ihren Zettel hervorgeholt: Ich möchte ins Westend nach London. Die Schuelerin habe ihre Abschlussprüfung mit sehr guten Noten bestanden und studiere nun tatsächlich an einer renommierten Musical-Schule in London. Einfach nur, weil wir in diesen Momenten gesagt haben: Was ist dein grosser Traum?

Christian überträgt dieses Prinzip auf die häufige Situation in der Studienberatung, dass Interessierte ein bestimmtes Studium nicht beginnen, weil Mathematik- oder Statistikmodule enthalten sind. Er sieht darin eine unnötige Selbstblockade.

Ergaenzend berichtet Christian von seiner eigenen Erfahrung mit progressiver Muskelrelaxation in einer Coaching-Weiterbildung, die ihm geholfen habe, Sozialangst zu überwinden. Er empfiehlt, auch bei Prüfungsangst mit Entspannungstechniken in sicherer Umgebung zu beginnen und dann entspannt an die schwierigen Aufgaben heranzugehen.

 

Thema 10: Mindset und Selbstorganisation – Glaubenssätze als Bremse

Anna erklärt, dass Mindset im Kern die Art sei, wie wir mit den Dingen umgehen. Glaubenssätze wie Ich bin halt eben chaotisch, ich kriege das nicht hin sabotierten von vornherein jeden Versuch der Selbstorganisation. Wer von sich selbst nichts erwarte, werde auch nicht ins Handeln kommen.

Im Umgang mit Überforderung raet Anna zu konsequentem Herunterbrechen: Nicht den grossen Berg betrachten, sondern kleine Schritte heraussuchen. Konkret bedeute das, sich einen Überblick zu verschaffen, die grossen Prüfungsbloecke in einzelne Themengebiete und diese wiederum in einzelne Aufgaben und Uebungskomplexe aufzuteilen. Der Fokus solle nicht auf der Spitze des Eisbergs liegen, sondern auf der ersten Stufe, die man gehen müsse.

Zum Thema negative Glaubenssätze regt Anna an, diese schriftlich festzuhalten und dann zu prüfen: Ist das ein Fakt, den mir jeder Mensch bestätigen würde, oder ist das nur meine eigene Wahrheit? Möglicherweise gebe es zehn andere Wahrheiten, von denen eine besser gefalle und besser tue. Diese könne man dann nach und nach fuer sich annehmen.

Christian betont die Bedeutung von Achtsamkeit: Man müsse negative Denkmuster überhaupt erst erkennen, bevor man sie verändern könne.

 

Thema 11: Langfristige Motivation aufrechterhalten

Gabriel Gorbach unterscheidet zwischen der anfaenglichen Motivation beim Start eines Fernstudiums und der Herausforderung, diese über mehrere Jahre aufrechtzuerhalten. Er betont, dass Langzeit-Motivation eine eigene Disziplin sei. Wer neben dem Vollzeitberuf versuche, taeglich zwei bis drei Stunden zu lernen, werde das nur einige Monate durchhalten.

Gorbach empfiehlt, die woechentliche Lernzeit realistisch zu planen und klar zu definieren, wann man aufhören darf. Wer weiss, dass nach zehn Stunden pro Woche Schluss ist, könne seine Freizeit ohne schlechtes Gewissen geniessen. Dieses Wissen um die eigene Grenze sei entscheidend, um langfristig motiviert zu bleiben und nicht in Richtung Burnout zu geraten.

 

Abschluss und Empfehlung

Christian schliesst die Folge mit dem Verweis auf die fernstudi.net-App und den darin enthaltenen Study Tracker, der beim Motivieren helfe, indem er Lernzeiten sichtbar mache und zeige, wer noch so lerne. Er ermutigt die Hörerinnen und Hörer, ihre Neujahrsvorsätze in die Kommentare zu schreiben, und wünscht ein erfolgreiches neues Jahr.