Philosophie ohne Worte: FernUniversität ernennt Jens Lemanski zum außerplanmäßigen Professor
An der FernUniversität Hagen wird ein bemerkenswerter Schritt in der Philosophie gewürdigt: Jens Lemanski, ein Experte für visuelle Kommunikation und das Philosophieren ohne Worte, wurde zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Hintergrund seiner Arbeit ist die Erforschung, wie Gesten und visuelle Elemente in der Philosophie eine bedeutende Rolle spielen können, gerade in einer Zeit der digitalen Transformation. Seine Berufung unterstreicht die Bedeutung seiner Beiträge in der modernen Wissenschaft.
Lemanski widmet sich der Frage, wie Sinneswahrnehmungen und kognitive Prozesse miteinander interagieren. Die Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität verlieh ihm den Titel des außerplanmäßigen Professors in Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen. Lemanski, der 2019 in Hagen seine Habilitation zu „Welt und Logik“ abgeschlossen hat, lehrt an mehreren renommierten Universitäten und bleibt dem Lehrkörper der FernUniversität verbunden.
Seine aktuelle Forschung beschäftigt sich mit den oft vernachlässigten visuellen Elementen der Logik. Lemanski betont, dass es noch viele ungelöste Fragen in Bezug auf Logikdiagramme gebe. Während viele Wissenschaftler derzeit die verbale Kommunikation und leistungsstarke Sprachmodelle erforschen, interessiert sich Lemanski für die Rolle anderer Sinne, wie Sehen und Fühlen, im kognitiven Prozess.
Der Philosoph erforscht die syntaktische und semantische Dimension von Gesten, die in früheren Zeiten als Codes fungierten, ähnlich den heutigen Gebärdensprachen. Diese visuell-taktilen Zeichen haben eine lange Geschichte, die jedoch in der Moderne in Vergessenheit geraten ist. In Zeiten, als Bücher rar waren, bedienten sich Gelehrte zahlreicher Diagramme und Gesten – eine Praxis, die Lemanski und sein Team neu beleben möchten.
Die Anwendung solcher Methoden könnte auch zukünftige technologische Entwicklungen beeinflussen, wenn Tastaturen vielleicht überflüssig werden. Bis es soweit ist, steht die historische Aufarbeitung im Fokus. Lemanski zeigt auf, wie visuelle Darstellungen komplexe Informationen vermitteln können und dass unser Verständnis dieser Techniken durch historische Kenntnisse bereichert wird.
Die Philosophie, so Lemanski, hat über Jahrhunderte hinweg non-verbale Kommunikationsmittel kultiviert. Doch viele dieser Techniken sind verloren gegangen, und es sei eine Herausforderung, die zugrunde liegenden kognitiven Prozesse und benötigten Vorwissensstandards zu erfassen. Seine Forschung weckt Interesse und regt zum Nachdenken über die Weiterentwicklung von Kommunikationsformen an.
Quelle: FernUni vom 10.04.2025
Foto: FernUniversität (Dekan Prof. Dr. Michael Stoiber (li.) und Prof. Dr. Thomas Bedorf vom Philosophischen Institut (re.) gratulieren apl. Prof. Dr. Jens Lemanski zum neuen Titel.)
Veröffentlicht am 10.04.2025 10:59 von Christian Wolf