31.10.2025

Künstliche Intelligenz am Prüfstand: FernUni Hagen erforscht Prognosekraft von ChatGPT und Co bei Studienergebnissen

Ein Forschungsteam der FernUniversität in Hagen untersucht, wie gut aktuelle KI-Modelle dazu in der Lage sind, wissenschaftliche Studienergebnisse vorherzusagen. Im Fokus stehen Systeme wie ChatGPT, Gemini, Perplexity, Claude und LeChat. Dabei wird analysiert, ob diese Sprachmodelle valide Prognosen im Bereich der Verhaltensökonomie liefern können, bevor aufwendige Studien durchgeführt werden.

Das Projekt wird vom Psychologen Dr. Tobias Wingen und einem Team aus dem Lehrgebiet Behavioral Economics und Interkulturelle Psychologie unter Leitung von Prof. Dr. Angela Dorrough betreut. Die Forschenden wollen herausfinden, ob generative KI eine Unterstützung in der wissenschaftlichen Planung bieten kann. Nach Angaben von Dr. Wingen könnten Künstliche Intelligenzen dazu beitragen, Ressourcen einzusparen und Forschungsdesigns gezielter auszugestalten. Ein Ziel sei jedoch nicht, die menschliche Forschung durch KI-Vorhersagen zu ersetzen, sondern deren Potenzial als Werkzeug für effizientere Planung zu nutzen.

Das Forschungsfeld steht noch am Anfang. Nach Einschätzung von Dr. Wingen gibt es bislang erst einzelne Untersuchungen zur Prognosekraft von KI-Modellen für wissenschaftliche Ergebnisse. Das Hagener Team konzentriert sich auf Fragestellungen aus der Verhaltensökonomik, darunter auch solche, die den Umgang mit echten Geldbeträgen einschließen. Dabei wird ein niedrigschwelliger methodischer Ansatz verfolgt: Statt komplexer Methodik werden den Modellen direkte Fragen zu erwarteten Studienergebnissen gestellt.

Studierende spielen bei dem Projekt eine aktive Rolle. Sie können mittels eines eigens entwickelten, standardisierten Prompts selbst Vorhersagen einholen und ihre Abschlussarbeiten einbringen. Die KI-Prognosen werden dabei mit den tatsächlichen Studienresultaten sowie mit den Einschätzungen der jeweiligen Forschenden verglichen, um die Zuverlässigkeit der Modelle einzuschätzen.

Um den Forschungsverlauf transparent zu machen, stellt das Team bereits vor Abschluss des Projekts eine interaktive Plattform zur Verfügung. In einer sogenannten Shiny-App können Interessierte den Stand der Auswertungen fortlaufend verfolgen. Visualisierungen ermöglichen die Gegenüberstellung von KI- und Mensch-Prognosen. Unterschiede und Übereinstimmungen zwischen den Ergebnissen sollen so zeitnah sichtbar werden und weitere Diskussionen über den Einsatz von KI in der Wissenschaft anstoßen.

Quelle: Pressemitteilung vom 31.10.2025
Foto: FernUni Hagen
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