IU und FernUni Hagen untersuchen Herausforderungen beim Einstieg ins Fernstudium
Die IU Internationale Hochschule und die FernUniversität in Hagen starten ein gemeinsames Forschungsprojekt, das sich erstmals systematisch mit der Studieneingangsphase im Fernstudium befasst. Ziel des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Projekts „TiDE – Transition into Distance Education“ ist es, Handlungsempfehlungen für staatliche und private Hochschulen zu entwickeln, um Studienabbrüche zu vermeiden und den Studienstart für verschiedene Zielgruppen zu erleichtern. Die Ergebnisse werden am 23. Februar 2026 auf einer Tagung am IU Campus in Köln vorgestellt.
Im Fokus der Untersuchung steht der Vergleich der beiden größten Fernstudienanbieter Deutschlands: Die IU mit über 80.000 Fernstudierenden und die FernUniversität Hagen mit rund 79.000 Studierenden. Das Projektteam analysiert, wie Studierende mit unterschiedlichen Lebenssituationen – etwa mit Berufstätigkeit oder familiären Verpflichtungen – den Übergang ins Fernstudium erleben. Laut Statistischem Bundesamt sind rund 63 Prozent der Studierenden in Deutschland erwerbstätig, etwa 8 Prozent haben Kinder oder betreuen Angehörige, was den Einstieg ins Studium zusätzlich erschwert.
Die ersten Wochen und Monate im Studium gelten als besonders kritisch, da in dieser Zeit viele Studierende entscheiden, ob sie ihr Studium fortsetzen. Studien zeigen, dass etwa 11 Prozent der Studienanfängerinnen und -anfänger innerhalb der ersten drei Semester abbrechen. Fernstudierende stehen dabei vor besonderen Herausforderungen: Sie müssen sich eigenständig organisieren und auf soziale Strukturen wie Präsenzveranstaltungen weitgehend verzichten. Die Erfahrungen aus der FernUni Hagen zeigen, dass das Fernstudium als besonders anspruchsvoll gilt, da Studierende häufig mit Selbstlernmaterialien arbeiten und der persönliche Austausch mit Lehrenden und Kommilitonen begrenzt ist. Digitale Lernformate und mediendidaktische Konzepte gewinnen daher zunehmend an Bedeutung, um die Studieneingangsphase zu unterstützen.
Das Forschungsprojekt untersucht, welche Kompetenzen und Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Einstieg ins Fernstudium notwendig sind und wie Hochschulen ihre Unterstützungsangebote gezielter auf die Bedürfnisse nicht-traditioneller Studierender ausrichten können. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die hohe Abbruchquote in den ersten Semestern zu senken und die Chancengleichheit zwischen staatlichen und privaten Hochschulen zu fördern. Die Tagung in Köln bietet neben der Vorstellung der Projektergebnisse auch Workshops und Austauschformate für Hochschulmitarbeitende aus Forschung und Lehre.
Mit dem Projekt reagieren die beiden Hochschulen auf die wachsende Bedeutung des Fernstudiums in Deutschland. Die Zahl der Fernstudierenden hat sich seit 2006 fast vervierfacht und macht inzwischen rund neun Prozent aller Studierenden aus. Die Untersuchung der Studieneingangsphase soll dazu beitragen, die Qualität und Attraktivität von Fernstudienangeboten weiter zu verbessern.
Quelle: Pressemitteilung vom 19.02.2026
Veröffentlicht am 19.02.2026 13:21 von Christian Wolf