IU-Tagung in Hannover beleuchtet Chancen für First-Generation-Studierende
In Hannover trafen sich Ende November 2025 rund 73 Fachleute aus Wissenschaft, Hochschulpraxis und Studierendenschaft, um Zukunftschancen von sogenannten First-Generation-Studierenden zu diskutieren. Im Mittelpunkt der zweitägigen Tagung, organisiert vom Forschungsverbund FiPHo sowie der IU Internationalen Hochschule in Zusammenarbeit mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, stand die Frage, wie Hochschulen für Studierende, deren Eltern nicht studiert haben, gerechter und inklusiver gestaltet werden können.
Das Programm der Veranstaltung vereinte wissenschaftliche Analysen, Praxisberichte und Erfahrungswerte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beleuchteten sowohl biografische Perspektiven von Bildungsaufsteigerinnen und -aufsteigern als auch strukturelle Rahmenbedingungen an Hochschulen. Insbesondere wurde diskutiert, dass private Hochschulen zuletzt einen überdurchschnittlich hohen Anteil dieser Studierendengruppe erreichen konnten.
In fünf thematischen Panels analysierten die Referierenden verschiedene Aspekte, darunter Bildungswege, das Risiko von Studienabbrüchen, Diversitätskonzepte an Hochschulen und Unterstützungsmaßnahmen wie Mentoring und Mental Health-Angebote. Auch die Bedeutung von Faktoren wie Behinderung, Neurodivergenz oder beruflicher Vorerfahrung für Bildungszugänge wurde thematisiert.
Ein zentrales Thema war die Rolle der Organisation und Kultur privater Hochschulen. Analysen des FiPHo-Teams zeigten, dass private Hochschulen einerseits neue Chancen für Bildungsaufsteiger:innen eröffnen, andererseits aber weiterhin Hürden bestehen. So werden beispielsweise implizite Erwartungen und Normen erörtert, die Studierenden mit nicht-akademischem Hintergrund den Zugang erschweren können.
Im abschließenden offenen Diskussionsformat kamen neben Forschenden und Lehrenden auch Vertreter:innen der Initiative Arbeiterkind.de und Studierende selbst zu Wort. Die Debatte beleuchtete die Herausforderungen, die entstehen, wenn Studierende einerseits als „Kund:innen“, andererseits als aktive Partner in Bildungsprozessen verstanden werden. Kritisch betrachtet wurde dabei die Gefahr, Bildungsprozesse auf reine Dienstleistungsaspekte zu reduzieren und damit dem gesellschaftlichen Auftrag von Hochschulen nicht gerecht zu werden.
Laut den Veranstaltenden werden die Erkenntnisse der Tagung in die weitere Arbeit von FiPHo einfließen. Geplant sind in den kommenden Monaten Veröffentlichungen und Präsentationen auf weiteren Fachtagungen. Die Diskussion machte deutlich, dass Themen wie soziale Herkunft und Bildungsgerechtigkeit nicht nur spezielle Zielgruppen betreffen, sondern die Hochschulpolitik insgesamt herausfordern.
Quelle: Pressemitteilung vom 02.12.2025
Foto: IU Internationale Hochschule
Veröffentlicht am 02.12.2025 12:46 von Christian Wolf