27.08.2025

Innovative Therapieansätze: Hochschule Fresenius erforscht Behandlung von Depressionen und Schmerzen über das Ohr

Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Hochschule Fresenius in Zusammenarbeit mit der Universität Düsseldorf untersucht den therapeutischen Nutzen der Vagusnerv-Stimulation über die Ohrmuschel. Ziel ist es, neue Ansätze zur Behandlung von Depressionen, Schmerzen und Schlafstörungen zu etablieren und wissenschaftlich zu untermauern.

Wie aus aktuellen Untersuchungen hervorgeht, leiden nach Erhebungen der Deutschen Schmerzgesellschaft etwa 17 Prozent der Deutschen an chronischen Schmerzen, während nach Angaben der AOK circa 12,5 Prozent von depressiven Störungen betroffen sind. Nach Aussage der Forschenden sind herkömmliche Diagnostik und Therapien oft langwierig und mit einem hohen Maß an Rückschlägen und Nebenwirkungen verbunden.

Das Team um Prof. Dr. Elmar Peuker von der Hochschule Fresenius und Prof. Dr. Timm Filler von der Universität Düsseldorf verfolgt einen neuartigen Weg: Im Fokus stehe der mächtige Vagusnerv, der als zentrales Bindeglied zwischen Gehirn und Organen gilt und maßgeblich an der Regulation von Schmerz und Stress beteiligt ist. Ein feiner Ast des Vagusnervs verlaufe durch die Ohrmuschel, weshalb die genaue Analyse der dort befindlichen Nervenfasern derzeitig im Zentrum der Forschung steht.

Prof. Peuker erläuterte, dass sein Team spezielle immunhistochemische Färbetechniken nutzt, um einzelne Nervenfasern zu identifizieren und so eine gezielte Stimulation zu ermöglichen. Ziel sei es, präzise zu ermitteln, welche Fasern tatsächlich dem Vagusnerv zuzuordnen sind, wo sie sich im Ohr verteilen und wie therapeutische Stimuli optimal gesetzt werden können.

Laut den Forschenden knüpfe ihre Arbeit an althergebrachtes Wissen aus Akupunktur und Osteopathie an, in deren Rahmen bereits positive Effekte bei der Behandlung von Schmerzen durch Reizung des Ohrs erzielt wurden. Neu sei allerdings die tiefgehende anatomische Betrachtung auf mikroskopischer Ebene in Verbindung mit modernen Hilfsmitteln.

Der Zukunftsvision zufolge könnten In-Ear-Geräte, ähnlich herkömmlichen Kopfhörern, gezielt relevante Nervenstrukturen stimulieren. Wie Prof. Peuker angab, biete dieser Forschungsansatz keine Science Fiction, sondern könne, basierend auf anatomischen Erkenntnissen, zu evidenzbasierten Therapiegeräten führen.

Bereits im Jahr 2001 hatte das Forschungsteam eine Studie zur Nervenstruktur des Ohrs vorgelegt, die inzwischen zu den meistzitierten anatomischen Arbeiten der vergangenen 50 Jahre zählt. Die aktuellen Arbeiten seien darauf ausgerichtet, Grundlagenforschung mit der Entwicklung medizinischer Gerätschaften zu verbinden und so die Therapielandschaft für Betroffene nachhaltig zu verändern.

Die Hochschule Fresenius zählt zu den renommiertesten privaten Hochschulen Deutschlands und bietet laut eigenen Angaben rund 150 Studiengänge, Aus- und Weiterbildungen an. Die Verbindung von praxisnaher Forschung und moderner Lehre steht im Zentrum des Bildungsangebots und bildet das Fundament für die aktuellen wissenschaftlichen Vorhaben im Bereich Gesundheit und Soziales.

Quelle: Pressemitteilung vom 27.8.2025
Foto: Hochschule Fresenius
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