12.08.2025

„Generative KI stellt die Vertrauensfrage“ – Hochschulpräsident Robert Lepenies fordert neue Lernkultur an Hochschulen

Auf dem University:Future Festival in Braunschweig hat Dr. Robert Lepenies, Präsident der Karlshochschule International University, für einen kritischen und zugleich praxisorientierten Umgang mit generativer Künstlicher Intelligenz (KI) plädiert. Im Gespräch mit dem Stifterverband betonte er die Bedeutung sozialer Lernprozesse, internationaler Erfahrungen und „Future Capabilities“ für die Ausbildung verantwortungsbewusster Gestalterinnen und Gestalter einer sich wandelnden Welt.

Am 24. Juli 2025 veröffentlichte der Stifterverband ein Video-Interview mit Dr. Robert Lepenies, Präsident der Karlshochschule International University in Karlsruhe und Professor für plurale und heterodoxe Ökonomik. Lepenies, der zuvor als Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung tätig war und internationale Forschungsstationen unter anderem an der Yale University und am European University Institute absolvierte, gilt als engagierter Bildungsdenker. Neben seiner Hochschultätigkeit ist er in mehreren wissenschaftlichen Gremien aktiv und betreibt den TikTok-Kanal thetiktokscientist mit 10.500 Followern.

Im Gespräch mit dem Stifterverband beschreibt Lepenies, wie generative KI den Bildungs- und Arbeitsmarkt umwälzt. Sie stelle nicht nur neue Anforderungen an Studierende, sondern auch an das Vertrauen in wissenschaftliche und kreative Arbeiten. „Können wir dem Gegenüber noch vertrauen, dass er oder sie wirklich geschrieben hat, was eingereicht wurde, oder nicht?“, fragt er. Hochschulen müssten deshalb gezielt Räume schaffen, in denen Lernende Basiskompetenzen wie das eigenständige Schreiben entwickeln und zugleich den kritischen Umgang mit KI erlernen.

Zentral sei für ihn das Konzept der „Future Capabilities“ – die Fähigkeit, gesellschaftlichen Wandel zu verstehen und zu gestalten. An der Karlshochschule gehört dazu ein verpflichtendes Auslandssemester, das „kulturelle Irritationen“ hervorrufen und Studierende aus ihrer Komfortzone bringen soll. Auch Praxisprojekte werden so gestaltet, dass nicht nur das Ergebnis zählt, sondern vor allem die Reflexion des Prozesses und die kritische Auseinandersetzung mit Zielen und Methoden.

Lepenies warnt, dass es für Hochschulen schwieriger geworden sei, Reibungsräume zu schaffen – etwa durch veränderte Erwartungen von Studierenden oder die ständige digitale Vernetzung. Umso wichtiger sei es, Hochschulen als Orte zu verstehen, an denen alle Beteiligten, Lehrende wie Studierende, gemeinsam lernen und die Institution Hochschule aktiv mitgestalten.

Das Interview entstand am Rande des University:Future Festival in Braunschweig, einer Veranstaltung des Stifterverbandes und des Hochschulforums Digitalisierung. Ein zentrales Thema des Festivals war „Future Skills“ – mit dem Ziel, KI-Kompetenzen und andere Schlüsselqualifikationen dauerhaft in den Hochschulalltag zu integrieren.


Foto: LinkedIn Dr. Robert Lepenies
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