Frauen überholen Männer an Hochschulen: So sieht die Studienwahl nach Geschlecht aus
Seit dem Wintersemester 2021/22 gibt es in Deutschland mehr Studentinnen als Studenten. Besonders in den Wirtschaftswissenschaften, im Sozialwesen und in der Humanmedizin dominieren Frauen, während Ingenieurwissenschaften und Informatik weiterhin männerlastig sind. Dies zeigt der aktuelle DatenCHECK 3/2025 des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, der am 6. März 2025 veröffentlicht wurde.
Die Analyse basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes zum Wintersemester 2023/24. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt 50,9 Prozent der 2,87 Millionen Studierenden weiblich. Unter den Studienanfängerinnen und -anfängern lag der Frauenanteil mit 52,3 Prozent sogar noch höher. Besonders auffällig: In Thüringen sind mehr als 60 Prozent der Studierenden weiblich – ein Effekt, der unter anderem auf die hohe Zahl weiblicher Fernstudierender an der IU Internationalen Hochschule zurückgeführt wird.
Die Wahl der Studienfächer zeigt teils erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während die Wirtschaftswissenschaften mit annähernd gleicher Verteilung bei beiden Geschlechtern beliebt sind, liegt der Frauenanteil in den Humanmedizin- und Gesundheitswissenschaften bei über 69 Prozent. Noch deutlicher ist das Ungleichgewicht in der Veterinärmedizin, wo 86 Prozent der Studierenden weiblich sind. Männer dominieren hingegen weiterhin in der Informatik, im Maschinenbau und in der Elektrotechnik mit Anteilen von über 75 Prozent.
Ein Blick auf die Entwicklung zeigt, dass Frauen nicht nur zahlenmäßig aufholen, sondern sich auch zunehmend für traditionell männlich geprägte Studiengänge entscheiden. So studieren mittlerweile fast so viele Frauen ein ingenieurwissenschaftliches Fach (189.000) wie die klassischen Geisteswissenschaften (200.000). Gleichzeitig tragen die unterschiedlichen Fächerpräferenzen nach wie vor zum Gender-Pay-Gap bei, da viele männerdominierte Studiengänge mit besseren Einkommenschancen verbunden sind.
Die Studie verweist zudem auf die gesellschaftlichen Folgen der ungleichen Geschlechterverteilung in bestimmten Berufsgruppen. Während männlich dominierte Bereiche wie Ingenieurwissenschaften und IT mit Fachkräftemangel kämpfen, sind es im Lehramt oder in der Pflege oft die Frauen, die den Großteil der Studierenden stellen. Die Autoren des DatenCHECKs regen an, die Bildungschancen beider Geschlechter stärker in den Fokus zu nehmen und gezielte Maßnahmen gegen zu starke Ungleichgewichte zu ergreifen.
Veröffentlicht am 06.03.2025 12:42 von Christian Wolf