FernUniversität in Hagen entwickelt barrierefreie Fernlernlösung für blinde und sehbehinderte Menschen
Die FernUniversität in Hagen hat gemeinsam mit der Inventivio GmbH das Projekt „Tactonom Communicator“ gestartet. Ziel ist es, eine digitale Fernlernanwendung zu entwickeln, die blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen einen barrierefreien Zugang zu Bildungsangeboten ermöglicht. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und ist bis Oktober 2027 angesetzt.
Bisherige Videokonferenzsysteme stellen für Menschen mit Sehbeeinträchtigung oft große Hürden dar, etwa durch komplizierte Bedienung oder fehlende Übersetzung gesprochener Sprache in Brailleschrift. Der Tactonom Communicator soll diese Barrieren gezielt abbauen. Zu den geplanten Funktionen zählen ein zweiter Audiokanal, die Integration bewährter Hilfsmittel wie dem Tactonom Reader, automatische Bildbeschreibungen durch Künstliche Intelligenz sowie eine umfassende Braille-Unterstützung. Eine speziell angepasste, barrierearme Benutzeroberfläche soll die Bedienung erleichtern und eine flexible Unterstützung durch Assistent*innen aus der Ferne ermöglichen.
Die technische Umsetzung übernimmt die Inventivio GmbH, die den Communicator als Erweiterung der Open-Source-Videolösung BigBlueButton realisiert. Das pädagogische Konzept wird am Zentrum für Lernen und Innovation (ZLI) der FernUniversität von Axel Nattland und Dr. Anke Marks entwickelt. Im Mittelpunkt steht ein Blended-Learning-Ansatz, der auf die besonderen Anforderungen blinder und sehbehinderter Lernender zugeschnitten ist.
Mit dem Tactonom Communicator sollen Betroffene künftig Lerninhalte eigenständig und ortsunabhängig erschließen können. Das Projekt verfolgt das Ziel, die Selbstständigkeit der Lernenden zu stärken und Barrieren im digitalen Bildungsbereich nachhaltig zu reduzieren. Die FernUniversität in Hagen engagiert sich bereits seit längerem für mehr Inklusion und digitale Teilhabe, etwa durch die schrittweise Umstellung ihrer Lehrmaterialien auf digitale Formate ab 2026, um flexiblere und inklusivere Lernmöglichkeiten zu schaffen.
Dr. Anke Marks vom ZLI betont, dass Videokonferenzen für viele Lernende zum Alltag gehören, für blinde und sehbehinderte Menschen aber bislang oft unzugänglich bleiben. Mit dem neuen System sollen auch komplexe visuelle Inhalte verständlich und erfahrbar werden.
Quelle: Pressemitteilung vom 17.02.2026
Foto: FernUni Hagen
Veröffentlicht am 20.02.2026 11:29 von Christian Wolf