Experiment an der FH Kiel: ChatGPT besteht fünftes Semester in Webentwicklung
Prof. Dr. Florian Schatz, Professor für Informatik mit Schwerpunkt Webentwicklung an der Fachhochschule Kiel, hat ein außergewöhnliches Experiment durchgeführt: Er ließ ChatGPT die ersten fünf Semester seines Moduls „Web-Projekt“ durchlaufen – und bewertete die KI wie einen regulären Studierenden.
In einem LinkedIn-Beitrag vom 18. Februar 2025 beschreibt Schatz, dass er sein eigenes Fachwissen bewusst außen vor ließ und ChatGPT ausschließlich mit Prompts steuerte – so, als wäre er ein Erstsemester-Studierender. Ziel war es zu untersuchen, welche Kompetenzen Studierende trotz der Nutzung eines Large Language Models (LLM) noch benötigen und wo KI an ihre Grenzen stößt.
Im fünften Semester des Experiments stand eine reale Aufgabe an: ChatGPT sollte eigenständig eine Website für einen echten Kunden entwickeln – inklusive mehr als nur einfachem Content, beispielsweise einem Online-Shop. Die KI plante dafür ihre eigenen Lernschritte, gab detaillierte Anweisungen und strukturierte ihre Arbeitsweise. Prof. Schatz griff nur ein, wenn ChatGPT gravierende Fehler machte, und dokumentierte diese.
Die wichtigsten Erkenntnisse des Versuchs:
- Welche Kompetenzen sind trotz KI essenziell? Studierende müssen weiterhin schnell und selbstorganisiert lernen, strukturiert arbeiten und große Textmengen erfassen und auswerten können. Zudem bleibt es entscheidend, Technologien einzuschätzen und die Arbeit mit KI gezielt zu steuern.
- Wo stößt ChatGPT an Grenzen? Die KI hatte Schwierigkeiten mit der visuellen Gestaltung von Inhalten, vergaß zentrale Informationen im Arbeitsprozess und arbeitete teils zu linear, ohne die Gesamtstruktur der Aufgabe im Blick zu behalten. Auch die gleichzeitige Arbeit an Code und Chat verlief nicht immer reibungslos.
Die Bewertung der Prüfung erfolgte anhand einer Dokumentation (50 Prozent, bewertet durch Prof. Schatz) und einer Präsentation (50 Prozent, anonym bewertet durch die Studierenden selbst). Das Endergebnis: Note 2,7 für ChatGPT.
Prof. Schatz plant, die Ergebnisse weiter aufzuarbeiten und detaillierter zu veröffentlichen.
Veröffentlicht am 19.02.2025 10:04 von Christian Wolf