Chancengleichheit im Fokus: Forschungsprojekt untersucht Rolle privater Hochschulen für Bildungsaufstieg
Ein Forschungsprojekt an der IU Internationalen Hochschule in Zusammenarbeit mit der Universität Magdeburg hat untersucht, wie private Hochschulen in Deutschland den Zugang zur akademischen Bildung für sogenannte First-Generation-Studierende – also Studierende ohne familiäre Hochschulerfahrung – erleichtern können. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts FIPHO wurden Herausforderungen und Potenziale privater Hochschulen analysiert. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Einrichtungen einen Beitrag zu mehr sozialer Durchlässigkeit im deutschen Bildungssystem leisten – zugleich bleiben Hürden bestehen.
Nach Angaben der Projektleitung um Prof. Dr. Stefanie Kessler sind an der IU etwa 70 Prozent der Studierenden die Ersten in ihrer Familie, die ein Studium absolvieren. Das Forschungsteam hebt hervor, dass private Hochschulen mittlerweile für einen substanziellen Teil der Studierenden offenstehen und nicht mehr ausschließlich als elitäre Bildungsorte wahrgenommen werden. Demnach sind rund 13 Prozent aller Studierenden bundesweit an privaten Hochschulen eingeschrieben.
Im Fokus der qualitativen Untersuchung steht die Studienberatung: Diese wird laut Studie als Schlüsselfaktor für den erfolgreichen Zugang von First-Generation-Studierenden angesehen. Die Studienberatung an privaten Hochschulen sei oft persönlicher und schneller, so dass Bewerberinnen und Bewerber gezielt unterstützt werden. Allerdings endet diese intensive Betreuung mit dem Studienbeginn häufig abrupt – ein Aspekt, der von den Forschenden als Problem identifiziert wird, da die Studierenden dann vor neuen Herausforderungen stehen und sich häufig alleingelassen fühlen.
Die Studie zeigt außerdem, dass duale und praxisnahe Studiengänge, wie sie an privaten Hochschulen oft angeboten werden, gerade für nicht-traditionelle Studierende vorteilhaft sind. Strukturelle Barrieren wie ein Numerus Clausus entfallen meist, was den Zugang erleichtert. Dennoch bestehen laut Projektteam weiterhin implizite Erwartungen an einen akademischen Habitus, denen viele First-Generation-Studierende nicht ohne Weiteres entsprechen können. Hier gebe es laut Prof. Dr. Kessler Reformbedarf, etwa durch differenziertere Betreuungsmodelle und eine stärkere Berücksichtigung individueller Bildungsbiografien.
Das Forschungsprojekt FIPHO läuft noch bis Mitte 2026. Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen für Hochschulen und die Politik abgeleitet werden, um die Chancengleichheit im Hochschulsystem zu erhöhen. Eine Fachtagung zum Thema ist für den 26. und 27. November 2025 in Hannover geplant, bei der weitere Einblicke und Perspektiven diskutiert werden sollen.
Quelle: Pressemitteilung vom 13.11.2025
Foto: IU Internationale Hochschule
Veröffentlicht am 13.11.2025 10:28 von Christian Wolf
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