Begegnungen fördern Zusammenhalt: Neue FernUni-Studie beleuchtet Potenzial von „Social Streets“
Eine aktuelle Studie der FernUniversität in Hagen belegt, dass zufällige Begegnungen im öffentlichen Raum das soziale Miteinander wesentlich stärken können. Das Forschungsteam sieht dabei vor allem das alltägliche, aktive Unterwegssein ohne Auto als einen wichtigen Treiber für mehr Zusammenhalt in der Nachbarschaft. Voraussetzung sei allerdings, dass Städte Fußgänger stärker in den Mittelpunkt der Planung rücken.
Sozialpsychologe Harald Schuster und sein Team untersuchten, wie der Verzicht auf Auto oder Fahrrad mehr Interaktionsmöglichkeiten schafft. Laut ihren Erkenntnissen entsteht durch langsames Fortbewegen im urbanen Raum vermehrt Kontakt zu anderen Menschen. Schuster betont, dass gerade Gehwege als soziale Orte begriffen und gestaltet werden sollten, anstatt sie nur als bloße Verkehrswege zu sehen. Die Studie spricht sich daher für saubere Luft, wenig Lärm, mehr Grün und Plätze zum Verweilen aus.
Das Konzept der sogenannten „Social Streets“ steht im Zentrum der Untersuchung. Es beschreibt Straßen und Wege, die durch bewusstes Stadtplanen Begegnungen erleichtern und damit zu mehr sozialer Achtsamkeit führen können. Beispielhafte Situationen reichen vom kurzen Gespräch mit Nachbarn bis zur gegenseitigen Hilfe beim Einkauf. Schuster hob hervor, die Verantwortung für die Gestaltung sozialer Räume müsse bei Kommunen und Stadtplanung liegen, nicht allein bei den Anwohnern.
Um die Wirkung sozialer Straßen empirisch zu belegen, führte das Team um Schuster und die Psychologin Prof. Dr. Anette Rohmann im Jahr 2022 Interviews mit 19 Personen im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Nach Angaben der Forschenden empfand die große Mehrheit der Befragten alltägliche Begegnungen als bereichernd. Die Ergebnisse widerlegten zudem gängige Vorurteile über multikulturelle Viertel als mögliche Konflikträume – negative Erfahrungen wurden nur vereinzelt berichtet.
Das Paper, das die Ergebnisse zusammenfasst, ist unter dem Titel „Incidental, everyday social and spatial experiences in urban mobility as a driver of local social cohesion: towards social streets“ veröffentlicht worden. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen darin einen Beitrag zur Diskussion um urbane Mobilität und die Rolle von Alltagsbegegnungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Quelle: FernUni vom 02.12.2025
Veröffentlicht am 02.12.2025 20:47 von Christian Wolf